überbordende Wundheilung/Überwallung: wie vorgehen?

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mydear
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Re: überbordende Wundheilung/Überwallung: wie vorgehen?

Beitrag von mydear »

MaxdogX hat geschrieben: 11.06.2019, 00:31 Ich habe die Erfahrung gemacht das es sehr wichtig ist den Schnittrand, direkt nach dem Konkav oder Rundschnitt mit der Knospenzange, mit einem scharfen und neuen Messer ganz sauber und glatt nachzuschneiden. Ich nehme ein billiges Teppichmesser bei dem man die Klingen abbrechen kann, so habe ich immer eine scharfe und saubere Klinge.

Es ist auch egal wie scharf oder neu das Werkzeug ist, das Gewebe wird etwas gekquetscht und franst aus. Am besten erkennt man den Unterschied nach dem nachschneiden mit dem Messer die Kanten sind einfach wesentlich glatter und sauberer.

Ps. Wenn du nachschneidest, ist es wichtig nur innen den Kallus nachzuschneiden nicht oben, wenn du oben anschneidest verdickt sich der Kallus, wenn du innen anschneidest dann schiebt er sich weiter über die wund und wird so flacher.
Hallo Eugen,

danke für diese 3 Punkte. Sehe ich auch als die wesentlichen Erfolgsfaktoren:
- sauberer Schnitt mit scharfer Konkav- oder Rundkonkavzange („Knospenzange“). Gerade bei Ulme/ Zelkove ist die Rinde im Frühjahr recht zäh und wird oft beim Zangenschnitt minimal vom Holz gelöst, so dass es absteht (siehe 1. Bild von 2014: rote Markierung). Das schneide ich mit einem Skalpell/ Teppichmesser nach.
- auch sonst Nachschneiden / Glätten der Wundränder wenn das Gewebe nicht glatt ist (gelbe Markierung im Bild)
- bei Kallusstillstand anritzen des Kallusgewebes innen zum erneuten Aktivieren

Dazu kommt für mich noch noch die Abdeckung mit der japanischen Wundknete, die gegen Austrocknung schützt und so schnellere Überwallung fördert.

Grüße
Rainer
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unsaubere Schnittränder verwachsen schlechter
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“Fais de ta vie un rêve, et d'un rêve, une réalité“ Antoine de Saint-Exupéry
yamadori
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Re: überbordende Wundheilung/Überwallung: wie vorgehen?

Beitrag von yamadori »

Hallo Rainer,
da du anscheinen auch Fächerahorne "aufbaust" , hätte ich mal eine grundsätzliche Frage zum Schnitt von Fächerahornen.
Wann und wie ist es deiner Erfahrung nach am besten große Schnitte durchzuführen, bezogen auf guten Wundverschluß.
ich spreche von 2-5 cm Ästen. ? Vor dem Austrieb im Frühjahr, im Juni bei stärkstem Wachstum oder im Herbst vor der Winterruhe.
Und dann den Stumpf stehenlassen bis er eingetrocknet ist oder gleich glatt schneiden und schließen?
Gruß Elmar
Gruß, Elmar
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mydear
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Re: überbordende Wundheilung/Überwallung: wie vorgehen?

Beitrag von mydear »

yamadori hat geschrieben: 09.09.2019, 19:29 da du anscheinen auch Fächerahorne "aufbaust" , hätte ich mal eine grundsätzliche Frage zum Schnitt von Fächerahornen.
Wann und wie ist es deiner Erfahrung nach am besten große Schnitte durchzuführen, bezogen auf guten Wundverschluß.
ich spreche von 2-5 cm Ästen. ? Vor dem Austrieb im Frühjahr, im Juni bei stärkstem Wachstum oder im Herbst vor der Winterruhe.
Und dann den Stumpf stehenlassen bis er eingetrocknet ist oder gleich glatt schneiden und schließen?
Hallo Elmar,

das sind richtig gute Fragen, die ich nicht vollständig beantworten kann.

Meiner Erfahrung nach ist der sicherste Zeitpunkt für starke Schnitte von Mitte Mai bis Mitte Juni. Da findet die stärkste Überwallung mit Kallusgewebe statt und hält noch bis Anfang August an. Ich habe am Palmatum meist nur Schnitte von 2-3 cm Durchmesser gemacht. Was darüber ist kann ich nicht sagen. Schnitte im Frühjahr mit starkem Wachstum überwallen auch ziemlich gut. Im Herbst würde ich höchstens Triebschnitt vornehmen, keine größeren Wunden setzen. Am besten funktioniert es, wenn oberhalb des Schnittes noch Äste sind. Dann wird viel Saftfluß um die Schnittstelle stattfinden, was schnelleres Überwallen bedeutet. „Heilen“ tut die Wunde nicht, sie wird nur abgeschottet indem sie zugewachsen bzw überwachsen wird (Codit-Prinzip).

Jeder Baumpfleger wird dir sagen, dass du nur bis zum Astring schneiden sollst, dieser faltenförmigen Verdickung am Astansatz. Das bedeutet meist starke Narbenwulste die ewig sichtbar bleiben. Ich schneide meist weiter ins Holz, setze mittels Skalpell/Teppichmesser auf glatte Schnittränder. Fast immer ging es gut. Sollte trotzdem etwas Rinde zurücktrocknen schneide ich erst im Folgejahr nach.

Ist die entfernte Blattmasse größer als das was noch oberhalb stehenbleibt, dann lasse ich einen Stumpf stehen. Dieser wird entfernt sobald die Rücktrocknung nicht mehr weiter geht (Braunfärbung) oder wenn bereits starkes Kalluswachstum einsetzt. Ich arbeite auch gerne mit Opferästen (oberhalb) um die Kallusbildung zu beschleunigen. Mit der Zeit bekommst du schon ein Gefühl wie weit du dich herantasten kannst.

In jedem Fall würde ich die Schnittränder mit Wundknete abdecken, gut aufdrücken. In der Folgezeit darauf achten, dass es unter der Paste nicht feucht wird und Fäulnis einsetzt. Sobald die Knete zu reißen beginnt ist es ein untrügliches Zeichen für Kallusbildung.

Viel Erfolg
Rainer
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yamadori
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Re: überbordende Wundheilung/Überwallung: wie vorgehen?

Beitrag von yamadori »

Hallo Rainer, vielen Dank für die ausführliche Antwort, gild für den Nachschnitt der gleiche Zeitraum oder ist das dann nicht so entscheidend?

Gruß Elmar
Gruß, Elmar
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mydear
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Re: überbordende Wundheilung/Überwallung: wie vorgehen?

Beitrag von mydear »

yamadori hat geschrieben: 14.09.2019, 23:42 gilt für den Nachschnitt der gleiche Zeitraum oder ist das dann nicht so entscheidend?
Hallo Elmar,

da hat wohl jeder sein eigenes „Kochrezept“. Ich schneide die Stumpen erst nach, wenn der Baum voll im Saft steht. Heike hat es an ihrem Ahorn im Herbst nach dem Blattfall gemacht und es ist gut gegangen. Sie hat allerdings ein Gewächshaus, da ist das Überwintern sicherer.

Zwei Personen mit konträren Vorgehensweisen. Finde deinen Weg, baue auf deine Erfahrungen auf. Einen Arbeitskreis in der Nähe suchen wäre für dich ideal.

Grüße
Rainer
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yamadori
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Re: überbordende Wundheilung/Überwallung: wie vorgehen?

Beitrag von yamadori »

Da hast du sicherlich recht, aber ich muss ja nicht die "Fehler" anderer nochmal machen.
Daher bin ich um jede Erfahrung dankbar. Irgendwann muss man natürlich eigene Entscheidungen treffen.
Ich hatte in der Vergangenheit mit weit zurücktrocknenden Ästen an Palmatum Rohlingen zu tun, geschnitten habe ich irgendwann wenn ich Zeit hatte.
Gruß Elmar
Gruß, Elmar
Walnuss
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Re: überbordende Wundheilung/Überwallung: wie vorgehen?

Beitrag von Walnuss »

Hallo,

Hab lange nach einem Forum gesucht, in dem das Thema Überwallung behandelt wird.

Hab vor kurzem von meinem Bruder ein Walnussbaum bekommen der unten am Stamm eine offene Stelle hat.
Meine Frage wäre, ob die Überwallung im laufe der Jahre von alleine zuwächst oder ob man durch Einschnitte ein zuwachsen stimulieren sollte?

MfG

Die Walnuss ;-P
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mydear
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Re: überbordende Wundheilung/Überwallung: wie vorgehen?

Beitrag von mydear »

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Viel Glück
Rainer
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mydear
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Re: überbordende Wundheilung/Überwallung: wie vorgehen?

Beitrag von mydear »

Fast jeder Gärtner wird dir sagen, dass ein kallus nicht angeschnitten werden soll.
Wenn das Kalluswachstum allerdings stagniert kann ankratzen genau am Übergang zum Kernholz das Wachstum wieder anregen. Deine Arbeitsgeräte sollten sauber sein, selbstredend.

Hier ein großer Frostschaden an meinem Garten-Fächerahorn. 2020 ist er endlich komplett überwallt. Es hat allerdings auch gut 8 Jahre gedauert. Zwischendurch wurde ein paar Mal am Kallus angekratzt. Ich habe auch Japan-Knete aufgetragen, das hilft erstaunlich gut.
https://bonsaischule.de/zubehoer/pflanz ... ber=1177-L


Grüße
Rainer
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Walnuss
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Re: überbordende Wundheilung/Überwallung: wie vorgehen?

Beitrag von Walnuss »

Erstmal danke für die schnelle Antwort.
In welchen Monaten ist das "anritzen" möglich?
Wie stelle ich fest, das dass Kalluswachstum stagniert ist und ich "anritzen" sollte?
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mydear
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Re: überbordende Wundheilung/Überwallung: wie vorgehen?

Beitrag von mydear »

Walnuss hat geschrieben: 19.08.2020, 18:18 Erstmal danke für die schnelle Antwort.
In welchen Monaten ist das "anritzen" möglich?
Wie stelle ich fest, das dass Kalluswachstum stagniert ist und ich "anritzen" sollte?
Anritzen am besten, wenn das stärkste Kalluswachstum ist, also April bis Juli.
Aktivität kann Änderung der Rindenstruktur, Aufbau einer neuen „Schicht“, Verringerung der Größe sein.

Wenn sich zwei Jahre nichts ändert würde ich aktiv werden.

Grüße
Rainer
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VolkerK
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Re: überbordende Wundheilung/Überwallung: wie vorgehen?

Beitrag von VolkerK »

Hallo Rainer
Habe deinen Bericht gelesen,finde ihn lehrreich und gut,kann dein Gartenahorn nicht
auch ein Verticillium-Schaden sein.Deine Fotos erinnern mich an meinen Ahorn,der sah genauso aus.
Gruß Volker
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mydear
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Re: überbordende Wundheilung/Überwallung: wie vorgehen?

Beitrag von mydear »

VolkerK hat geschrieben: 20.08.2020, 09:08 Habe deinen Bericht gelesen,finde ihn lehrreich und gut,kann dein Gartenahorn nicht
auch ein Verticillium-Schaden sein.Deine Fotos erinnern mich an meinen Ahorn,der sah genauso aus.
Danke Volker,
freut mich, wenn sogar du als botanisch so Fortgeschrittener hier mitliest.

Der Palmatum ist ein Doppelstamm und hatte 2012 an beiden (!) Stämmen 2-3 cm breite tote Rindenstreifen. Die Rinde ist über mehr als einen Meter abgestorben. Links war Süd-Sonnenexposition die Ursache. Die Sonne knallt auf die Rinde bei gleichzeitig knackig kalten Frosttagen. Der Baum beginnt Wasser zu verdampfen, ohne dass die Wurzeln dieses liefern können. Die Rinde taut an und gefriert in der Nacht erneut. Das kann die Saftbahnen zerstören.

Am rechten Stamm dagegen habe ich einen großen Ast darüber herausgeschnitten. Siehe dazu das Herbstbild 2017: direkt oberhalb ist der „Saftstrom“ massiv verändert worden. Das hat zum Zurücktrocknen dieser Rindenpartie geführt.

Ich habe beide Stellen mit einem Skalpell bis in gesunde Rinde glatt angeschnitten und die Ränder mit Japan-Knete abgedeckt. Im ersten Jahr hat sich sofort Kallus gebildet. Immer wenn der Kallus dicker wurde, hat die Überwallung gestoppt. Nach 2 Jahren habe ich innen an der Kontaktstelle zum Holz angeschnitten (anritzen reicht) und der Kallus verbreiterte sich wieder. Kallus braucht Kontakt zum Holz, muss sich über dieses schieben. Wenn er dagegen nach oben wächst kommt das Wachstum ohne diesen Gegendruck zum erliegen.

Der Verticilliumpilz schädigt meiner Meinung nach nur geschwächte Planzen. Dieser Palmatum hatte dagegen immer starkes Wachstum, viel Licht und Laub. Mir wird hier im Forum viel zu viel über Pilze gemutmaßt. Über massive Pflegefehler wird viel weniger diskutiert. Ich habe einen anderen Palmatum, der immer noch kämpft und sichtlich geschwächt ist. Aktuell gehe ich davon aus, dass er in den nächsten 2 Jahren eingeht und der Pilz die Oberhand bekommt. Der Gipfel müßte wieder stark wachsen, sonst stirbt alles peu à peu ab.
viewtopic.php?p=576969#p576969

Grüße
Rainer
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mydear
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Re: überbordende Wundheilung/Überwallung: wie vorgehen?

Beitrag von mydear »

Nachtrag: vom Pilz befallene Stellen werden schwarz. Das war hier nicht der Fall.

Grüße
Rainer
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Re: überbordende Wundheilung/Überwallung: wie vorgehen?

Beitrag von mydear »

So sieht der Palmatum aktuell aus

Grüße
Rainer
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August 2020: endlich komplett abgeschottet
August 2020: endlich komplett abgeschottet
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diese Schnittstelle verursachte den Saftrückzug
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die hellbraunen Längsstreifen zeigen wo der Kallus nachgeschnitten wurde
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Details zum linken Stamm
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