Ich bin seit einiger Zeit "stiller Mitleser" dieses Forums. Habe mich nun mal angemeldet und starte gleich mit ein oder zwei, vielleicht etwas naiven, Fragen.
Ich interessiere mich für Bonsai schon sehr lange. Ich habe mich recht viel belesen, habe so einige Bäume live gesehen und mir Inspirationen aus der Natur geholt. Und klar, ich hab mir auch mal den ein oder anderen aus dem Baumarkt geholt
Ich bin mir absolut bewusst darüber, dass das "Hobby" Bonsai eben nicht nur ein Hobby ist, sondern viel mehr. Es geht beim Aussuchen des eventuell geeigneten Rohmaterials los. Man braucht Phantasie, Vorstellungsvermögen, Ideen, Kreativität. Und vor allem sehr viel Einfühlungsvermögen. Und noch sehr, sehr viel mehr Geduld, für diese lebenden Geschöpfe.
Lebende Geschöpfe? Ja. Doch oftmals habe ich das Empfinden, dass viele Menschen Pflanzen und Bäume als eben nicht Solches ansehen. Pflanzen quietschen und schreien und beißen nicht. Sie geben keinen einzigen Ton von sich. Deshalb kann man sie ja problemlos auf dem Kompost oder in der Tonne entsorgen, sollte mal "etwas schiefgehen".
Man muss sich darüber im Klaren sein, auch Rückschläge einzustecken, vielleicht sogar viele, auch darüber, Tode hinzunehmen. Bonsai ist so etwas Tolles. Vielleicht für Manche sogar eine Art Lebenseinstellung.
Was möchte ich nun sagen/fragen?
Auch wenn ich es noch nie selbst vollbracht oder "erlebt" habe, bin ich mir sicher, dass es das Schönste ist, eine kleine Pflanze in vielen Jahren zu einem Bonsai zu gestalten und zu "erziehen". Darauf kann man stolz sein! Diese Pflanze, dieser Baum "gehört" zu einem. Man hat viele Jahre mit eben diesem verbracht. Dieses Bäumchen wächst einem an's Herz! Dieses würde ich auch selbst gern vollbringen.
Dennoch keimt in mir die Idee auf, mir einen Bonsai zu kaufen, der nahezu "fertig" ist. Der vielleicht 60, 70, 80 Jahre oder älter ist. Warum? Gute Frage... weil ich mich in den ein oder andern Baum "verliebt" habe, weil ich selbst ein solches Meisterwerk niemals selbst gestalten könnte (mal abgesehen davon, dass ich in 60, 70, 80 Jahren nicht mehr lebe).
Solche Bäume kosten aber dementsprechend. 1000€, 2000€, 3000€ ... 10.000€ und wesentlich mehr. Kein Problem. Wenn man Geld hat, tut es einem vielleicht nicht weh, dieses auszugeben. Oder anders gesagt, wenn man weiß, dass dieser Baum, das Geld "wert ist". Und da bin ich in einem Zwiespalt.
Ohne jetzt noch mehr auszuholen oder gar philosophisch zu werden und zu fragen, wer oder was, welchen "Betrag" wert ist, schließt sich der Kreis.
Ich bringe es auf den Punkt:
Ich habe so einige Bäume gesehen, die 1500€, 2000€, 4000€ kosten. Und ich stand davor und dachte mir, was für ein wundervolles Kunstwerk. So etwas würde ich nicht Zustande bringen.
Und dann kam mir der Gedanke: Ich könnte diesen Baum nun kaufen. Und dann? Könnte ich stolz darauf sein, ihn gekauft zu haben? Bzw. stolz darauf sein, ihn bei mir hinzustellen und zu sagen, "Hey, ich hab einen MEGA Bonsai" ?
Nein, darum geht es mir nicht. Nicht um das Vorzeigen, um stolz darauf sein zu können. Es wäre kein Prestige-Objekt oder sonst etwas. Mal ganz abgesehen davon, dass die Leute in meinem Umfeld ohnehin keinen blassen Schimmer haben, was ein Baum "wert ist". Mal abgesehen davon weiß ich, dass ein Baum nie "fertig" ist. Aber ich denke, ihr wisst was ich meine. Wann darf/kann/möchte man schon einen Baum als fertig bezeichnen?
Dennoch die Frage: Würdet ihr euch einen Baum kaufen, der "fertig" scheint, an dem ihr Freude habt? An dem man nicht "viel tun muss" um Freude zu haben?
Und auch hier kann man selbstverständlich wieder ins Detail gehen und fragen, wann man Freude an einem Baum hat. Ja... so geht es immer weiter. Und das ist auch gut so.
Viele liebe Grüße,
Nik aus NRW (holländische Grenze)
