Eine Mauer-Hasel sucht Kontakt

Der richtige Ort Bonsai (Baum in Schale mit gewisser Reife) vorzustellen und zu präsentieren. Der Threadersteller möge bitte im Eröffnungsthread darauf hinweisen wenn allgemeine Kommentare unerwünscht sind. Andernfalls stellt sicher, dass ihr etwaige fachliche Kritik durch die "DREI SIEBE" gesiebt habt!
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Detlef T
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Eine Mauer-Hasel sucht Kontakt

Beitrag von Detlef T »

Gemeine Hasel Corylus avellana

Alter: ca. 40 Jahre
Höhe: 75 cm ab Schalenoberkante
Herkunft: Wetterau

Liebes Forum, heute möchte ich eine Hasel vorstellen. Ich habe sie im Herbst 2017 von einer guten Bonsaifreundin übernommen, weil sie umgezogen ist. Das Bäumchen kannte ich deshalb schon ein ganzes Weilchen und deshalb war es keine Frage, ob ich es bei mir aufnehmen wollte.

Zur Herkunft hat mir Karin berichtet, dass die Hasel auf einer Steinmauer wuchs, die zum Bauernhof eines Verwandten gehörte. Der Besitzer hatte wohl mehrfach versucht, die Hasel mit einer Axt einzukürzen, was ihre Grundstruktur angelegt hatte.

Herbst 2017: struppig, aber mit viel Potenzial
Herbst 2017: struppig, aber mit viel Potenzial
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2_Hasel_IMG_3046.jpeg
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Die Hasel hat eine ausdrucksstarke Persönlichkeit, wie ich finde. Die Position über der Erde, die Stellung der Wurzeln und der Durchblick unter dem Stamm hindurch vermitteln doch sehr glaubhaft den Eindruck, als würde sie fortlaufen wollen, um der Axt zu entkommen!

Erstes Umtopfen im März 2018
Erstes Umtopfen im März 2018
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Auf den ersten Bildern ist zu sehen, in welchem Zustand ich sie übernommen hatte. Sie war ein Jahr nicht geschnitten worden, das letzte Umtopfen lag auch schon eine Weile zurück. Es zeigten sich reichlich Wurzelschößlinge, einige Äste hatten ziemlich durchgetrieben. Sie war aber sehr vital und hat Problemlos überwintert.

Das erste Nacktbild vom März 2018 zeigt die ursprüngliche Aststruktur. Einige Äste waren deutlich zu lang, es gab unschöne, sich kreuzende Bereiche. Und es lassen sich bereits die Grundprobleme bei der Arbeit mit Haseln erkennen: Sie wallen Schnittstellen praktisch nicht zu, Triebe an den Schnittstellen kommen zahlreich und führen zu Verdickungen und das Totholz verwittert sehr schnell. Es war aber auch zu erkennen, dass sie an vielen Stellen Adventivknospen treibt, von denen einige gut nutzbar waren.

Ein herausfordernder Totholz-Bereich am Fuß der Hasel.
Ein herausfordernder Totholz-Bereich am Fuß der Hasel.
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Sie hat eine neue Schale erhalten, die etwas mehr Substrat zulässt als die alte, runde Schale. Ich habe eine Mischung aus Rigidur, Akadama und ausgesiebtem Torf (1:1:1) verwendet. Perspektivisch sehe ich die Hasel auf einer Steinplatte, mit der sich vielleicht auch die ursprüngliche Situation auf der Mauer nachempfinden lässt.

Es war dringend nötig, einige zu lange Äste einzukürzen, auch wenn Schnittstellen entstehen. Ich bin sicher, dass diese mit viel Sorgfalt und Pflege irgendwann doch zuwachsen werden.

Im Folgejahr (2019) durfte Sie wachsen und sich bei mäßiger Gabe von organischem Dünger eingewöhnen. Ich habe eine Auswahl von jungen Trieben wachsen lassen, mit denen ich zusätzliche Äste aufbauen will (z.B. links unten) und die für die Feinverzweigung nötig sind.

Das Foto mit Laub (2020) zeigt noch einige freie Stellen. Die Größe wird so bleiben.

Im Frühjahr 2020 mit der neuen, größeren Schale
Im Frühjahr 2020 mit der neuen, größeren Schale
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Im März 2021 habe ich das zweite Mal umgetopft. Es war immer noch viel altes, verfestigtes Substrat zu entfernen und die Wurzeln mussten bearbeitet werden. Einige waren bereits abgestorben, wodurch mehr Durchsicht entstanden ist. Außerdem habe ich die Hasel etwas nach rechts gekippt, wodurch der Gesamteindruck jetzt viel dynamischer wirkt.

Auf dem Bild ist auch zu erkennen, dass reichlich Material für Feinverzweigung da ist.

Nach dem zweiten Umtopfen im März 2021
Nach dem zweiten Umtopfen im März 2021
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Aktuell gefällt sie mir schon richtig gut. Ich würde mich über Rückmeldungen von Leuten freuen, die Erfahrungen mit Haseln haben. Gerne würde ich mich zum Aufbau von Feinverzweigung austauschen und zum Umgang mit Totholz.

Ich bin gespannt auf Eure Kommentare und Anregungen!

Detlef
hwolf
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Re: Eine Mauer-Hasel sucht Kontakt

Beitrag von hwolf »

Moin,

Haseln sind ja nicht gerade beliebt als Bonsai. Umso toller sind die Exemplare, die ich kenne. Auch Deine Hasel ist ein toller Baum. Deine bisherigen Eingriffe finde ich gelungen, obwohl die Krone etwas von ihrer Wildheit verloren hat, die mir persönlich gut gefiel. Was den Aufbau von Verzweigung angeht würde ich im Falle der Hasel zur Heckenschnittmethode mit Ausputzen und Drahten im Herbst raten.
Allerdings würde ich mir an Deiner Stelle noch einmal sehr herzlich überlegen, ob der Baum nicht ein "richtiges" Nebari verdient hätte. Da es sich hier um eine Hasel handelt, dürfte dieses Unterfangen auch ein einer oder zwei Umtopfperioden erledigt sein.
7_Hasel_IMG_3927.jpeg
7_Hasel_IMG_3927.jpeg (104.98 KiB) 799 mal betrachtet
Der Baum würde meiner Meinung nach sehr gewinnen.

Lieben Gruß
Heinrich
sauwoidman
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Re: Eine Mauer-Hasel sucht Kontakt

Beitrag von sauwoidman »

Hallo!
hwolf hat geschrieben: 08.04.2021, 15:25 Allerdings würde ich mir an Deiner Stelle noch einmal sehr herzlich überlegen, ob der Baum nicht ein "richtiges" Nebari verdient hätte. Da es sich hier um eine Hasel handelt, dürfte dieses Unterfangen auch ein einer oder zwei Umtopfperioden erledigt sein.

Der Baum würde meiner Meinung nach sehr gewinnen.
Das sehe ich genauso! Der Baum sieht an sich sehr natürlich aus, aber die Stelzwurzeln passen nicht wirklich ins Bild. Ich würde ihn an den einzelnen Wurzeln abmoosen, das geht bei Haseln erfahrungsgemäß sehr gut. Dann kannst du ihn tiefer in die Schale pflanzen, so wie es Heinrich dargestellt hat.
Alternativ, wenn du an dem Wurzelbild hängst, könntest du vielleicht ein paar passende Steine darunterschieben.

Ansonsten gefällt er mir sehr gut! *daumen_new*

MfG Reinhold!
Detlef T
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Re: Eine Mauer-Hasel sucht Kontakt

Beitrag von Detlef T »

Lieber Heinrich, lieber Reinhold,

vielen Dank für Eure Rückmeldungen. Ich freue mich darüber, dass die Hasel gefällt.

Mit den Anmerkungen zu den Stelzwurzeln trefft ihr natürlich den Kern. Sie sind sehr auffällig und ungewöhnlich. Aber ich bin der Meinung, dass diese Wurzeln den Charakter der Pflanze ausmachen. Sie haben zu tun mit der Geschichte des Baums und sie machen die Individualität aus. Ich bin sicher, dass es mit einer anderen Schale deutlicher werden wird.

Die Pflanze tiefer zu setzen wird etwas Zeit brauchen, denn die Stelzwurzeln reichen ziemlich tief hinab, die Feinwurzeln verkaufen zurzeit praktisch auf dem Grund der Schale, die muss ich noch etwas nach oben holen. Aber ich bin froh zu hören, dass die Hasel Arbeiten an den Wurzeln gut verträgt.

Habt Ihr Erfahrungen mit Totholz an der Hasel? Die offene Stelle am Fuß verwittert recht schnell, wie ich finde und ich möchte die Stelle gerne festigen.

Beste Grüße

Detlef
sauwoidman
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Re: Eine Mauer-Hasel sucht Kontakt

Beitrag von sauwoidman »

Also mit Totholz an einer Hasel als Bonsai (bzw. eigentlich an Bonsai generell :oops: ) habe ich keine Erfahrung, jedoch weiß ich von Haselsträuchern im Wald und in Hecken, dass totes Holz in der Regel sehr schnell (1-2 Jahre) wegfault und nicht sehr dauerhaft ist. Ob man die Verrottung mit Jinmittel, Holzhärter, etc. ..., etwas verzögern kann, kann ich dir leider nicht sagen.

MfG!
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achim73
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Re: Eine Mauer-Hasel sucht Kontakt

Beitrag von achim73 »

warum soll man aus einem echten unikat versuchen, einen 08/15-lehrbuchbonsai zu machen ?

ich bin bei so etwas immer dafür, die "mängel" zum eigentlichen thema der gestaltung zu machen, hier z.b. mit steinen zwischen den Wurzeln, gestaltung eines flussufers auf einer platte, unterpflanzung etc.
märchenbaum haltoder so...ist ja gerade modern *z*

der aufwand mit abmoosung /Wurzelabmoosung etc. lohnt in meinen augen nicht, da der obere teil...naja, ok ist. irgendwann gut werden kann. aber nicht so wirklich " wow "...just my 2 cents.
Gruss, Achim
"Der kürzeste Weg zum Glück ist der Weg in den Garten"
chinesische Weisheit
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