Gleich vorneweg: Konstruktive Kommentare und Tipps sehr gerne gesehen. Ich würde mich natürlich freuen auch in Zukunft von euren Erfahrungen lernen zu dürfen. Und wenn jemand noch Ideen einbringen möchte der eventuell selbst nicht die Zeit oder den Platz für solche Versuche hat, immer Raus damit. Platz habe ich genug und Zeit hat man nicht sondern nimmt man sich.
Da meine letzte und gleichzeitig erste Yamadoritour witzig aber dennoch baumlos ausging, ich jedoch genug Zeit habe um das "Hobby" (mir fällt leider kein passenderer Ausdruck ein) Bonsai zu betreiben, habe ich mich entschieden eine langjährige Feldkultur/Versuch zu starten.
Kurz zu mir:
Ich bin 30 Jahre jung, habe bereits seit langem Interesse am Thema Bonsai, aber leider bislang hauptsächlich theoretisches Wissen. Ich traue mir zu behaupten einen Grünen Daumen zu besitzen, gehe aber mit Respekt an das Thema Bonsai heran und bin mir dessen bewusst, dass ich trotz des tollen Forums und der zuvorkommenden Hilfeleistung hier noch so einige praktische Rückschläge einstecken werde müssen.
Ich werde versuchen alles so genau wie möglich zu dokumentieren, um auch andere an meinen Versuchen und daraus gewonnenen Erfahrung teilhaben zu lassen. Vielen Dank bereits an mydear (Rainer), KHarry (Harald) und all die anderen die bereits ihre Erfahrungen zu dem Thema geteilt haben. Aus diesen habe ich definitiv bereits vor Start der eigenen Feldkultur so einiges gelernt.
Warum Feldkultur?
Zum einen um erste Erfahrungen mit den einzelnen Baumarten zu machen, zum anderen um zukünftig gutes Rohmaterial für den Eigengebrauch aufzubauen. Werde allerdings während des Versuchs auch einige Bäume in Schalen Pflanzen um auch damit Erfahrungen zu sammeln. Nicht das mir meine über die Jahre aufgebauten Prebonsai dann eingehen sobald ich sie in die Schale Pflanze.
Baumarten Prioritäten (Nur die mir am wichtigsten und hauptsächlich heimische Arten) )
1.) Geimeiner Wacholder
2.) Rotbuche
3.) Lärche
4.) Stieleiche
5.) Birke
6.) (wird je nach Zeitaufwand der anderen noch erweitert)
Geplante Herangehensweise Laubbäume (hauptsächlich aus Sämerei; dies ist vorerst ein Grobplan und wird eventuell mit laufender Entwicklung der Bäume noch verändert):
Jahr 1-5: Hauptaugenmerkt Nebari: jährliches Einkürzen der Hauptwurzel um Wurzelansätze Richtung Oberfläche zu verlegen. Sobald mit dem Ergebnis zufrieden, werde ich ein kleines rundes Eisen/Alu/Niroblech mit einigen Löchern am Rand (zur Befestigung von Drähten im späteren Verlauf) unter den Wurzeln anbringen. In den weiteren Jahren werde ich die Bäume jährlich mit einem Späten umstechen um das feine Wurzelwerk in Stammnähe zu halten. Während dieser Jahre darf der Baum frei durchtreiben.
Jahr 4: Im Frühjahr bevor die Knospen anfangen größer zu werden, werde ich versuchen den Saftfluss zur Krone mittels einem Draht etwas einzudämmen. Damit möchte ich erreichen, dass der Baum mehr Energie in die unteren (eventuell noch blinden) Knospen bringt und somit eine Rückknospung gefördert wird.
Jahr 5: Erster Rücksschnitt beim untersten Ast, welcher den neuen Hauptstamm bilden wird.
Jahr 5-9: Regelmäßiger Rückschnitt/Battschnitt und eventuelles drahten des untersten Astes (nicht der neue Stamm sondern zukünftiger unterster Ast). Der Rest des Baumes darf durchtreiben. Dies dient dem Dickenwachstum und das dabei entwickelte große Blattwerk sollte beim Wundverschluss helfen.
Jahr 8: wie Jahr 4
Jahr 9: wie Jahr 5, jedoch Rücksschnitt bei Ast mit passendem Abstand zur letzten Schnittwunde.
Jahr 9-12: wie Jahre 5-9, jedoch jetzt mit einem weiteren Ast(vorausgesetzt es wächst einer an geeigneter Stelle)
Jahr 11: wie Jahr 4
Jahr 12: wie Jahr 9
Usw.
Geplante Herangehensweise Nadelbäume:
Ziel ist es, Nadelbäume heranzuziehen die Gutes Totholz aufweisen. Das Nebari ist denke ich eher "nebensächlich" bei Wacholder und Lärche, weswegen ich dieses in dem Thread vorerst vorne weg lasse.
Hauptaugenmerk soll vor allem die Entwicklung von gutem Totholz sein.
Variante 1: zuerst die Bäume als doppelstamm hochziehen, wobei einer der Stämme (Opferstamm und zukünftiges Totholz) voll durchtreiben soll, und der andere bereits frühzeitig zu einer aufrecht wachsenden Krone herangezogen wird. Für die Zukunft habe ich ein Bild im Kopf, bei dem der Ursprüngliche Baum aufgrund von natürlichen Einwirkungen abgestorben ist und sich vom Stammansatz eine neue Krone aufbaut und das Totholz vom ersten Stamm so verdeckt, dass vor allem die toten Astansätze und die alte Spitze der Krone hervorstechen.
Variante 2: Eine Variante mit etwas mehr Bewegung und Schwingung im Totholz und allgemein. Der Hauptstamm(und jegliches zukünftige Totholz) darf voll durchtreiben, nur ein paar Äste werden bereits frühzeitig geformt. Die geformten Äste werden die zukünftige Krone bilden, alles das voll durchtreiben darf wird zukünftig Totholz. Hier geht es mir vor allem darum, einen später guten Mix zwischen intakten und toten Saftbahnen zu erstellen und diesen Mix gut in Szene zu setzen.
Variante 3: Wenn mir noch etwas einfällt werde ich es erweitern.
Bei allen Varianten werde ich versuchen die durchtreibenden Teile so zu drahten, dass sie den Ästen die später stehen bleiben nicht das Licht rauben.
Wie bereits geschrieben soll das nur ein Grobplan sein. Ich habe natürlich vor auch auf den Wuchs jedes Baumes einzugehen. Es ist mir bewusst, dass jeder Baum ein Individuum darstellt, Gott sei Dank einzigartig ist und ich nicht alles zu 100% kontrollieren kann.
Hier noch kurz das Areal auf dem ich den Versuch durchführen werde (nicht wundern, noch! stehen natürlich erst ein paar Eichensämlinge, ein Fächerahorn und wenige andere Laubbäume dort, hab aber bereits damit begonnen so einige Stecklinge vom Wacholder zu ziehen
Lukas
