Bonsai sind wie Heiligenstatuen

Allgemeine Philosophie, Stilarten, Techniken, Vorstellung und Besprechung von Rohmaterial sowie lose Sammlung von Entwicklungs-Dokus
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sulrich
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Beitrag von sulrich »

nicht die Pflanze ist der Kitsch sondern höchstens das was der Mensch daraus macht.
Ja, wie ein Sonnenuntergang selbst nicht kitschig sein kann, sondern
nur ein Foto oder Gemälde eines Sonnenuntergangs, das in einem
Betrachter in einer 'falschen' Weise ein Gefühl der Rührung hervorzurufen
versucht.

Auf der von Walter zitieren Seite http://www.kitschforum.com/kitsch.html werden Artefakte als
kitschig charakterisiert, die ein humanes Gefühl in unmittelbarer
Weise transportieren - 'A ist A'.

Das von Walter angesprochene Totholz, das den Überlebenskampf darstellen
soll, ist ja ein bekanntes Bonsaiklischee, und solche Vorstellungen
von Kampf, Überleben oder Niederlage sind natürlich eine anthropomorphisierende
Sicht auf die Natur, d.h. im Betrachter eines solchen Baums soll durch
'Einfühlung' eine emotionale Reaktion hervorgerufen werden.

Wenn ein Bonsai also eine solche Aussage in einer plakativen Weise
transportiert und keinen Raum für andere Interpretationen offen lässt,
dann würde es sich um Kitsch handeln. In der Diskussion auf
artofbonsai.org ist dieser Standpunkt auch von Attila Soos
(http://artofbonsai.org/forum/viewtopic.php?p=3113#3113) vertreten
worden. Einige Bäume von Nick Lenz finde ich aus diesem Grund kitschig, z.B. den 'dämonischen Rhododendron' (http://www.artofbonsai.org/images/shire ... /rhodo.jpg); auf Walters
Bäume trifft das in meinen Augen aber nicht zu.
(Was als plakativ empfunden wird, ist natürlich vom Betrachter abhängig ...)

Ähnlich verhält es sich für mich bei plakativen Titeln, die Gestaltungen gegeben
werden, z.B. sehr deutlich bei Schudde: '.. erzählt mir von Wind, der
durch eure Blätter rauscht' und 'Einsamer Wächter' - ich versuche
immer solche Titeln zu ignorieren um die Bäume unvoreingenommen
betrachten zu können (was natürlich nicht wirklich gelingt).
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Joker
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Beitrag von Joker »

Ich Denke Kitsch ist eine Darstellung, welche durch eine unnatürliche oder überzogene Betonung ein - nicht immer positives - Gefühl erzeugen will.

Einige Gestaltungsregeln sind durch übertriebene Anwendung sehr dazu geeignet Kitsch zu erzeugen z.B. die Kehrbuche s.u. von hier. Laut der Regeln sollen im unteren Bereich keine Äste nach vorne wachsen, um den Stammverlauf oder die Verjüngung zu präsentieren. Es soll das Gefühl der Solidität erzeugt werden.

Dennoch wirkt es unnatürlich und ist im o.e. Sinn Kitsch.

Bild
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flu
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Beitrag von flu »

Walter einleitenden Text kann ich, trotz konstruierten Bezuges, nur zustimmen.
Die allermeisten Bonsai empfinde ich als ziemlichen Naturkitsch.
Daher auch mein gelegentlicher Ruf nach mehr Punk im Bonsai.

Zugeben muss ich aber auch, dass ich keine all zu großen Brührungsängste bezüglich Kitsch habe.


PS: Das Bild von mohan hat mit Kitsch allerdings nichts zu tun. Es greift vielleicht Elemante des Kitsches auf, kombiniert sie aber vollkommen neu und appelliert eben nicht auf plakative Weise an unser Gefühl.
BildBildBild
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zopf
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Beitrag von zopf »

Was ist Bonsai ?
Franz P. der aus einem Sämling in 10jähriger
Gestaltung einen kleines Abbild der Natur geschaffen hat ?
Josef M. der einen hochwertigen Yamadori gekauft
hat und den Baum in 3 Jahren in Workshops
ausstellungsreif (kleine Ausstellung) formt ?
Die persönliche Beurteilung ob Kitsch oder
Kunst ist wohl hauptsächlich abhängig
vom Bildungs- und Wissensstand der beurteilenden
Person. Was dem nicht Bonsai-Vertrautem als
hohe Kunst erscheint, ruft bei dem erfahrenen
Bonsai-Kenner oft ein Gefühl hervor - tausend
mal gesehen, langweilig, platt, kitschig -.
Mozart gilt heute als Künstler,
zu Seiner Zeit war er Populärmusiker.
Mal sehen was aus Dieter Bohlen in
200 Jahren wird ?
mfG Dieter
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Wolfgang
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Beitrag von Wolfgang »

zopf hat geschrieben:Mal sehen was aus Dieter Bohlen in
200 Jahren wird ?
Kompost.

Seine Platten werden uns immer in Erinnerung bleiben! *obm*


:P
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Stefan K.
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Beitrag von Stefan K. »

Wolfgang hat geschrieben:
zopf hat geschrieben:Mal sehen was aus Dieter Bohlen in
200 Jahren wird ?
Kompost.

Seine Platten werden uns immer in Erinnerung bleiben! *obm*


:P
*iik* *schock*

Na Bravo,
da haben wir den Salat
Ich hab Spass !
grüsse stefan
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hfbonsai
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Beitrag von hfbonsai »

Wolfgang hat geschrieben:
zopf hat geschrieben:Mal sehen was aus Dieter Bohlen in
200 Jahren wird ?
Kompost.

*lach* *lach* *lach* *lach*
Gruß Frank

hfbonsai= Heike + Frank-Bonsai

Ein guter Bonsai braucht Zeit, so wie die Natur die uns erschaffen hat.
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Raphneck
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Re: Bonsai sind wie Heiligenstatuen

Beitrag von Raphneck »

*back*
Walter Pall hat geschrieben: Bonsai baut eine Traumwelt auf und gibt diese als Realität aus. Der Betrachter ist kaum gefordert, da die Bildinhalte so vereinfacht werden, dass man sie beim ersten Betrachten erfassen kann.

Bonsai spricht Gefühle an, und zwar auf unmittelbare, nicht rationale Weise. Gefällige, bekannte Formen, schöne Belaubung reizen die Sinne, blühende Bäume rühren zu Tränen, es gibt keine verborgenen Bedeutungen, man muss nicht studiert haben, um sich seinem Genuss hinzugeben, keine Spitzfindigkeiten sind notwendig, man muss nicht zwischen den Zeilen lesen, alles liegt offensichtlich zutage.
Das trifft auf Bonsai mit Sicherheit zu, jedoch würde ich diesen Punkt nicht so sehr kritisch sehen. Im Prinzip ist es doch bei allen großen Werken der Kunst und Musik so, dass sie gewissermaßen unmittelbar und emotional den Rezipienten ansprechen. Man kann sie sehr wohl studieren und ganze Bände über sie verfassen, jedoch ist dies nicht nötig, um ihre erbauende Wirkung zu erfahren.

Die Behauptung, der Rezipient müsse von der Kunst gefordert werden, er könne sich nur rational zu ihr Zugang verschaffen, er müsse in einem spießbürgerlichen Sinne gebildet sein um ihre Wirkung zu erfahren, halte ich für den Ausdruck eines elitistischen Kunstverständnisses.
Schenkt man Dir mal Baumarktware,
Topf sie um, und sie hält Jahre! (aus Holland)
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zopf
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Beitrag von zopf »

Hallo Raphneck
Schade das ich als Handwerker nicht mitreden darf,
eine einfache Sicht der Dinge ist wohl unerwünscht.
mfG Dieter
ps der gordische Knoten ist aber von `nem Praktiker
geteilt worden, die Theoretiker hatten da so Ihre Probleme.
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Wolfgang
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Beitrag von Wolfgang »

zopf hat geschrieben:Schade das ich als Handwerker nicht mitreden darf, eine einfache Sicht der Dinge ist wohl unerwünscht.
ps der gordische Knoten ist aber von `nem Praktiker geteilt worden, die Theoretiker hatten da so Ihre Probleme.
*daumen_new*
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Raphneck
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Beitrag von Raphneck »

Ich hab das Gefühl, dass ich hier nicht nur missverstanden werde, sondern dass sogar genau das Gegenteil von dem verstanden wird, was ich eigentlich sagen wollte.

Dieter, im Prinzip geht deine Aussage in die gleiche Richtung wie meine. Ich kritisiere ja gerade die Leute, die Kunst als etwas elitäres betrachten und meinen, sie müsse besonders kompliziert und unzugänglich sein, um im engeren Sinne als Kunst zu gelten.

Mitreden kann vielleicht nicht jeder, aber genießen - das ist wichtiger.

Und am Rande: ich habe hier niemanden von der Diskussion ausgeschlossen.
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zopf
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Beitrag von zopf »

Hallo Raphneck
Vor den Ufficien in Florenz siehst Du
Horden von Kunststudenten die für kleines Geld
in verschiedenen Richtungen Portraits zeichnen.
Für viele Besucher ist das Kunst und
das Portrait wird zuhause gerahmt und an
die Wand gehängt.
In den Ufficien hängen viele Bilder
weltbekannter Künstler, viele Portraits
in teilweise akribischer Art ausgeführt.
Von der "Lohnarbeit" des guten Kunststudenten
ist nur ein kleiner Weg zum Portait
im Museum, lass ein paar Jahrhunderte
vergehen und die Lohnarbeit wird als
Kunst deklariert.
Kunst ist nicht elitär - Kunstkritiker, Verkaufstalente,
erfolglose Künstler mit rhetorischer Begabung -
eine Auswahl von Personen die aus dem
einfachen Begriff Kunst eine riesige Blase machen.
mfG Dieter

ps Der Gebrauch von nicht alltäglichen Fremdwörtern
schliesst Menschen von einem Meinungsaustausch aus.
So machen Kunstkritker "Kunst"
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flu
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Beitrag von flu »

Also, was soll man nun bitteschön von dieser Generalkritik an elitären Akademikern bzw. dem intellektuellen Diskurs hier halten.
Das ist mal wieder typisch deutsch.

Ist es so schwer zu akzeptieren, dass es nun einmal dumme (ungebildete) und kluge (gebildete) Köpfe gibt? Dass der Ungebildete bei akademischen Auseinandersetzungen nicht immer mithalten kann ist doch in der Natur der Sache. Deswegen muss doch der Gebildete sein Gesprächsniveau nicht herunterschrauben.

Es schadet niemanden, einfach mal den Mund zu halten und zu lesen, was Andere, potentiell gebildetere hier zu schreiben haben.
Mein Kunstverstand reicht auch nur von hier bis zur Tür, deswegen stelle ich doch aber nicht den intellektuelle Diskurs über Kunst und Kitsch in Frage.

Da kann ich nur mit dem Kopf schütteln.
BildBildBild
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Raphneck
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Beitrag von Raphneck »

Hört sich plausibel an, was du sagst, Dieter.

Mein Englisch-Professor hat mal sinngemäß über das Buch "Pamela-Virtue Rewarded" gesagt, es sei aus heutiger Sicht saulangweilig, aber es ist halt im Kanon und gilt als eines der wichtigsten englischen Bücher, weswegen wir uns damit beschäftigen müssen - ähnliches Phänomen.

Zu Fremdwörter-Geschichte: Ich benutze sie nicht, um besonders kompliziert oder unverständlich, sondern um präzise zu sein. Wenn das den Nebeneffekt der Unverständlichkeit hat, tuts mir leid, ich gelobe in der Hinsicht Besserung.

Noch was: Wenn Kunst so ein einfacher Begriff ist, dann muss man wohl nicht drüber diskutieren. Warum ärgerst du dich also, aus der Diskussion "ausgeschlossen" zu werden, wenn sie dich sowieso nicht interessiert?

MfG, Raphael
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zopf
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Beitrag von zopf »

Hallo Ulf
Mit Freude lese ich das sich ein elitär, gebildeter Akademiker
herablässt einem dummen, ungebildeten Handwerker
darzulegen, das er sich besser raushält wenn sich
gebildete Leute auseinandersetzen.
Ein Studium und die Verwendung
von Fremdwörtern können einen Hinweis
auf Bildung sein, aber wenn Du das unter
Bildung verstehst, hast Du vollkommen recht.
Das ist nicht mein Niveau.
mit friedvollen Grüssen Dieter
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