Kaum sind die Herbststürme vorüber gezogen und die Schneeglöckchen kündigen den Frühling an, schon meldet sich der Furor Bonsai bei uns zurück.
Die Vöglein zwitschern beim ersten Sonnenstrahl, der Nachtfrost ist noch regelmäßiger Gast im Garten aber es wird bereits geschnitten, gestaltet und umgetopft was das Zeug hält.
Ist das sinnvoll?
Zumindest ist es unvermeidlich. Aber zum Teil auch unverzeihlich.
Liebe Leute, ihr könnt den Kalender nicht durch hektischen Aktionismus austricksen!
Die Eisheiligen sind Mitte Mai. Und wer keine geeignete Unterbringungsmöglichkeit für seine Schützlinge hat, der halte bitte vorerst die Füße still!
Aber es gibt schon jetzt was zu tun. Die Bonsairegale überprüfen, wo muss was ausgebessert werden, brauchen sie einen neuen Anstrich? Haben alle Schalen den Winter soweit schadlos überstanden? Ist genug Substrat, Draht, Abdecknetz fürs Umtopfen vorrätig? Muss ich noch die eine oder andere Schale ersetzen?
Dann kommt die Begutachtung der Bäume auf Winterschäden. Vertrocknete Zweige können entfernt werden, bei manchen Bäumen das trockene Laub (Eiche, Buche, Hainbuche) oder mumifizierte Früchte (Zierapfel).
Und was auch im Winter munter wächst ist meist das, was nun in die Schranken gewiesen werden kann. Moos kann ja ganz hübsch sein, wächst es aber den Stamm hoch, ist es definitiv zu raumgreifend. .
Fragt sich also, will ich nur den Stamm säubern oder machen wir Tabula rasa? .
Diese Sorte ist sehr ausbreitungsfreudig, sie wächst nicht in hübschen Polstern sondern fädig-netzartig über Substrat, Wurzeln und selbst an relativ glatten Stämmen hoch. Der sehr nasse, verhältnismäßig milde Winter hat dem Wachstum erheblich Vorschub geleistet.
Also weg damit. .
Bei der Gelegenheit wird natürlich das Substrat auch gleich auf Sternmoos, Brunnenlebermoos, Vogelmiere, Sauerklee und dergleichen inspiziert - immer nach dem Motto "wehret den Anfängen"!
Wer dann noch Lust hat, kann auch gleich die Schale reinigen. Habe ich mir erstmal gespart...
Die Pinzette ist wohl nicht das allergeeignetste Werkzeug für die Moos- und Wildkrautentfernung, aber zumindest bei geringem Bewuchs leistet sie gute Dienste.
Nun könnte man noch die obere Substratschicht durch frisches Substrat ersetzen und schon ist der Baum bereit für sein erstes "Winterporträt" des Jahres.
Jetzt lehnen wir uns beruhigt im Gartenstuhl zurück, geniessen den Sonnenuntergang und warten geduldig auf Austrieb und Wachstum unserer Schützlinge...
