Linde stark einkürzen oder nicht?

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martini
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Linde stark einkürzen oder nicht?

Beitrag von martini »

Hallo Comunity,

mein Name ist Martin, ich bin schon seit einigen Jahren fleißig am "Rohlinge" aus Samen etc. produzieren. Durch mein Studium, Familiengründung, Hausbau, etc. lief das Bonsaithema bei mir nebenher und ich konnte mich nicht so stark wie gewünscht mit den Pflanzen beschäftigen.

Vor einigen Jahren haben ich einen etwas dickeren Steckling einer Linde geschenkt bekommen. Der Wurzelansatz war nicht so gut, weswegen ich mich zunächst aufs umtopfen, Wurzeln ordnen und den groben Rückschnitt beschränkt habe. Heute habe ich mir die Linde angesehen und gedacht, entweder schneide ich die Pflanze sehr stark zurück, da ich den oberen geraden Bereich nicht so schön finde, und lasse sie wieder ein paar Jahre treiben oder ich beginne mit der eigentlichen "Bonsaikunst" und forme einen realistisch anmutenden Baum aus dem Rohling. Für die letztere Alternative fehlt mit aber die nötige Phantasie. Vielleicht hat jemand aus dieser Comunity einen Vorschlag, den ich noch nicht sehe.

Die Linde hat am Stammansatz einen Durchmesser von 5 cm und eine Höhe von ca. 30 cm.

Über Vorschläge würde ich mich sehr freuen.

Ich habe noch eine Version eingefügt, mit der ich mich anfreunden könnte, die würde aber einen starken Rückschnitt und bestimmt 5 weitere Jahre des Aufbaus bedeuten.

Gärtnerische Grüße aus Oelde
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bock
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Re: Linde stark einkürzen oder nicht?

Beitrag von bock »

Moin Martin,

du bist ja schon ewig lang hier angemeldet. Hast du dir mal die Linden von Roy F. angeschaut? Die sind ausgezeichnet aufgebaut und dein Rohling kann mal in der Liga mitspielen. Stark einkürzen würde ich den Baum nicht, die Proportionen sind doch so ganz brauchbar. Trennen würde ich mich wohl von den unteren zwei dicken Ästen und die obere grobe Schnittstelle würde ich nacharbeiten.
Dann oben öfter schneiden als unten und gut füttern.
Zur Ausrichtung der Bilder schreibt Rainer aka mydear hier gefühlt täglich
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Ist zugegebenermaßen etwas unbequem, aber anders geht es hier leider nur, wenn du von vornherein Querformat-Aufnahmen machst.
Bin gespannt, was aus deiner Linde noch wird.

:-D
liebe Grüße Andreas
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martini
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Re: Linde stark einkürzen oder nicht?

Beitrag von martini »

Hallo Andreas, danke für die schnelle Antwort. Dank deines Hinweises konnte ich die Bilder nun richtig einfügen. Die Linden von Roy habe ich mir gerade angesehen, die sehen sehr gut aus, sind aber auch deutlich dicker und sehen somit mehr nach einen Baum aus als mein Rohling.

Ja, ich bin schon länger am ausprobieren, über den Rohlingstatus bin ich aber noch nicht gekommen. Die nächsten Jahre werde ich versuchen aus meinen Rohlingen und Sämlinge etwas bonsaiähnliches zu machen. Leider habe ich keine Bilder von der Anzucht, das muss ich ab jetzt ändern und mehr Fotos machen.

Beste Grüße aus Oelde
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bock
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Re: Linde stark einkürzen oder nicht?

Beitrag von bock »

martini hat geschrieben: 12.02.2022, 15:52 ... Die Linden von Roy habe ich mir gerade angesehen, die sehen sehr gut aus, sind aber auch deutlich dicker und sehen somit mehr nach einen Baum aus als mein Rohling.
...
Die sind auch schon ein paar Tage älter. ;)
Unter mastigen Bedingungen (große Blätter, reichlich Zuwachs vor dem Rückschnitt) legt der Stamm gerade im TPK auch noch ganz gut zu. Aber mit zunehmender Verzweigung und damit dichterer Belaubung erreichst du dasselbe in nur wenig längerer Zeit.
Linden, speziell Winterlinden erreichen in der Verfeinerung auch recht kleine Blattgröße, so dass dein angepeiltes Ziel von unter 30 cm Baumhöhe nicht ganz unrealistisch ist - ich würde den Baum aber erstmal etwas größer anlegen als in deiner nachträglich eingefügten Skizze. Nicht zuletzt weil du so mehr Stammzuwachs und eine stärkere Verjüngung von Stamm und Ästen erreichst. Und du brauchst nicht ganz so kurze Internodien, was für den engagierten Wiedereinsteiger leichter zu bewältigen ist.
martini hat geschrieben: 12.02.2022, 15:52 ... Dank deines Hinweises konnte ich die Bilder nun richtig einfügen. ...
*daumen_new*

Schönen Sonntag!

:-D
liebe Grüße Andreas
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Andreas Ludwig
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Re: Linde stark einkürzen oder nicht?

Beitrag von Andreas Ludwig »

bock hat geschrieben: 12.02.2022, 13:50Stark einkürzen würde ich den Baum nicht, die Proportionen sind doch so ganz brauchbar. Trennen würde ich mich wohl von den unteren zwei dicken Ästen und die obere grobe Schnittstelle würde ich nacharbeiten.
Dann oben öfter schneiden als unten und gut füttern.
Da habe ich Bedenken. Obschon der Thread-Ersteller mit der Erwähnung von «5 weiteren Jahren» eine jugendliche Ungeduld andeutet, wird es darunter kaum gehen. Denn: Ich sehe da eine gewisse «Kopflastigkeit» in den Bildern. Die Mehrzahl der Triebe ist im oberen Drittel angesiedelt, der Stamm hat fast durchgehend gleiche Stärke (siehe Viereck). Werden jetzt die zwei unteren Äste gekappt, wird kein wesentlicher Zuwachs im unteren Stammbereich mehr kommen, der wäre aber wünschenswert. Umgekehrt sollte man den Baum in der Entwicklung oben bremsen, da gehe ich einig mit bock.
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Alles in allem sehe ich einen Rohling, der in den nächsten (erfahrungsgemäss übrigens kurzen) fünf Jahren nicht gut aussehen muss, sondern an Form gewinnen. Das wäre erstmal Zuwachs am Stamm, unten mehr als oben. Dafür würde ich alles in der unteren Hälfte stehen lassen und sei es nur als Opferast. Oben «Ausmisten», alles, was nicht später eine Rolle als Hauptast spielen soll, kommt weg. Ich sehe z.B. oberhalb der grossen Schnisstelle einen kurzen Ast, der fast senkrecht nach oben geht. Der beibt, er hilft beim Überwallen der Schnittstelle darunter, aber oberhalb kann geschnitten werden. Sonst entwickelt sich dort eine weitere nahezu gerade Verlängerung des Stamms – der «Abzweiger» nebenan ist aber interessanter im Winkel und sollte bevorzugt werden. (Disclaimer: Ich stehe nicht vor dem Baum und mag mich darum täuschen, man nehme das darum alles als Hinweis auf eine grundsätzliche Auffassung, nicht mehr).

Oben gehören vor allem alle Spitzenknospen rigoros weg. Die werden vom Baum präferiert, das führt zu einem starken Wachstum. Kappt man sie, fördert man Rückknospung und bremst Dickenwachstum. Unten aber genau das Gegenteil: Alles, was dort ist, bringt Dickenwachstum und soll darum ein bis drei Jahre bleiben. Ja, das gibt dann wieder Schnittstellen, aber im Überwallen sind Linden ganz tüchtig. Augen zumachen beim Giessen und an die Zukunft denken, ann geht das schon.
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martini
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Re: Linde stark einkürzen oder nicht?

Beitrag von martini »

Update:
Für mich hat sich hier die Frage gestellt, ob ich mit dem geraden Stück im oberen Drittel leben kann oder nicht. Nach einer reichlichen Überlegung bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass es mich immer stören wird. Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschieden den oberen Bereich des Baumes zu entfernen. Die Höhe des übrig gebliebenen Stummels beträgt 17 cm. Ich peile eine Endhöhe von 25 - 30 cm an. Hierzu werde ich eine passende Knospe durchtreiben lassen.
Beste Grüße
Martin
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ania
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Re: Linde stark einkürzen oder nicht?

Beitrag von ania »

Ich wäre nicht ganz so radikal vorgegangen und hätte eher Andreas' Ansatz verfolgt und bissl mehr stehen lassen, u.a. eine Stammfortsetzung (oder ist dort eine Knospe?). Aber viele Wege führen zum Ziel.
Nur, was ist das Ziel?
Auf deiner Planungsskizze gehen die Hauptäste waagrecht weg, nach Nadelbaumschema. Alle Linden die ich kenne (in Großformat, nicht Bonsai) sind von bogenförmigen Ästen geprägt. Also vom Stamm in steilem Winkel nach oben, dann flacher werdend, und die Spitze hängt wieder durch. Sanfte Bögen. Ich fände das für eine Linde passender als waagrechte Äste. Vielleicht ist die Linde sogar mitarbeitsfreudiger, wenn man nicht gegen ihre natürliche Wuchsform ankämpft?
Hier ein schönes Beispiel
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:D ... _Linde.jpg
martini
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Re: Linde stark einkürzen oder nicht?

Beitrag von martini »

Das ist ein guter Einwand. Ein Doppelstamm wäre auch noch eine gute Alternative.
Beste Grüße aus Oelde
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