Winterlinde im Aufbau seit 2008

Allgemeine Philosophie, Stilarten, Techniken, Vorstellung und Besprechung von Rohmaterial sowie lose Sammlung von Entwicklungs-Dokus
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Andreas Ludwig
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Re: Winterlinde im Aufbau seit 2008

Beitrag von Andreas Ludwig »

Platyphyllos und cordata sind sich ebenbürtig, wenn sie Zeit haben. Die Sommerlinde wurde wegen ihrer Blattmasse immer wieder bevorzugt für repräsentative Einzelpflanzungen oder Gartenanlagen, die Winterlinde dagegen im ländlichen Raum, weshalb die eine oder andere Art für den einen oder anderen halt weniger präsent ist. Bilder im Kopf. Allerhand Beispiele, (zwar kitschige, aber sehr aussagekräftige) kriegt man, wenn man einfach mal beim Kickel eingibt: «Linde Hügel» oder sonst ein einschränkendes Beiwort.

Aber überlassen wir es doch Heiner, wie er die Frage beantwortet. Dann sehen wir weiter.
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RoyF.
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Re: Winterlinde im Aufbau seit 2008

Beitrag von RoyF. »

Hallo lieber Heiner,

da ich deine Arbeit mit deinen Bäumen sehr schätze und ich weiß, dass du viel Weitblick beim Aufbau von Laubbäumen hast, möchte ich dir gerne meine Vorstellung des Baumes zeigen, auch auf die Gefahr hin, dass dir dieser nicht gefallen wird.
Meines Erachtens hat der Baum als Solitär ein großes Problem, im Hinblick auf die Astverteilung, wie sie in der Natur vorkommt. Und zwar geht der erste Ast bei 1/3 der Baumhöhe los und zudem wirkt der Baum von vorn irgendwie nackt. Der Baum muss also deutlich höher werden. Wenn man den Baum jetzt einfach so weiter macht und vielleicht noch Höhe gewinnt, wird er tendenziell von den Ästen zu sehr wie ein Schirm aufgespannt. Ich würde also den oberen Teil der Krone komplett rausnehmen, was die Verjüngung und Bewegung in dem Teil des Baumes verbessern könnte und ich würde aus dem linken Ast einen deutlichen Substamm, der nach oben geht machen. Die Äste müssen dann zur Seite und nach unten zeigen. Der Spitzentrieb sollte auch ab der Schnittstelle etwas nach links gebracht werden. Vermutlich müsste auch der rechte Ast etwas näher an den Stamm, dessen erste Verzweigung ein weiterer substammähnlicher Ast für die Rückseite werden könnte. Vielleicht würde der Rückschnitt auch schlafende Augen wecken, die zusätzliche Optionen der Verzweigung aus dem Inneren heraus bilden könnten.
Ich weiß, dass das eine durchaus radikale Veränderung wäre, die auch viele nicht teilen werden, aber ich würde es an Hand der Bilder so machen, weil ich glaube, dass das in Zukunft den glaubwürdigeren Baum machen würde, auch wenn die Skizze etwas vereinfacht dargestellt ist und weitere Jahre der Entwicklung Lücken füllen müssen. Vielleicht sieht es aber auch in 3D anders.... Der Baum stellt für mich keinen altehrwürdigen Baum dar, sondern versprüht eher ein junges nach oben streben.

Noch ein Satz du gebogenen Ästen durch Gewicht. Ich denke, das ist ein Mythos. Ich habe es mal von einem Baumforscher so gehört, dass die Bäume durch Zug- und Druckholz die Äste nach unten oder oben biegen, um sie besser ins Licht zu stellen. Das kann man sehr oft beobachten, auch wie Bäume reagieren, wenn man sie stark zurückschneidet in der Natur.
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bonsaiheiner
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Re: Winterlinde im Aufbau seit 2008

Beitrag von bonsaiheiner »

Danke, auch Dir, lieber Roy,
für Deine Gedanken und für Dein Virtual. Es zeigt mir, dass Du Dir ernsthafte Gedanken gemacht hast über mein zugegebener Maßen, ernsthaftes Winterlindenproblem.
Wie Du korrekt ausführst, muß bei eiem Virtual, das 2D - Problem berücksichtigt werden und das ist das Haupthindernis für die 1:1 - Umsetzung Deines Vorschlags.
Ich habe das aktuell geprüft und mir die Linde abermals aus dem Winterquartier vorgeknöpft. Ich habe Ben´s Vorschläge teilweise beherzigt und werde diesen Weg weitergehen.
Die Linde wird deshalb von mir erst dann weitergezeigt werden, wenn mit dieser Wegroute aich etwas Neues abzeichnet.
Ein Wort noch zu den Stellungen der dickeren Äste/Substämme bei Laubbäumen: In borealen Wachstumsgebieten (Taiga) wachsen Bäume mit waagrechtem oder abwärts zeigendem Astursprung, aber dort findest Du nur so gut wie ausschlie0lich Nadelbäume (Schneelast).
Man kann dieses Gebot verlassen und sich bewußt bei Laubbäumen degegen entscheiden, aber meines Erachtens nur als Spielerei, als Gestaltungsübung, wie ich das bei meiner Chokkan-Feldulme unter "Feldulmenstecklinge-eine Spielerei" gezeigt habe. Dieses solte auch eine hommage an meinen verehrten Lehrer J.Y. Naka sein.
Beste Grüße,
Heiner
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Re: Winterlinde im Aufbau seit 2008

Beitrag von achim73 »

habe auf die schnelle ein bild gefunden, das sehr schön die idealtypische wuchsform zeigt, die bei z.b. roßkastanien ganz ähnlich sind. in rel. geringer höhe teilt sich der stamm in viele substämme, die steil nach oben streben. dadurch entsteht in dem bereich eine inverse verjüngung. dann geht es bogenförmig runter und am ende wieder rauf.
je weiter oben, desto flacher bzw. aufwärtstrebender der winkel.
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Gruss, Achim
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ania
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Re: Winterlinde im Aufbau seit 2008

Beitrag von ania »

RoyF. hat geschrieben: 07.02.2023, 00:19

Noch ein Satz du gebogenen Ästen durch Gewicht. Ich denke, das ist ein Mythos. Ich habe es mal von einem Baumforscher so gehört, dass die Bäume durch Zug- und Druckholz die Äste nach unten oder oben biegen, um sie besser ins Licht zu stellen. Das kann man sehr oft beobachten, auch wie Bäume reagieren, wenn man sie stark zurückschneidet in der Natur.
Da spielen mehrere Faktoren mit.
Jedem Baum ist durch seine Genetik ein bestimmter Astwinkel vorgegeben, aber mit einer gewissen Flexibilität. Licht und Hormone (ob der jeweilige Ast dominant oder untergeordnet ist) können den Winkel aktiv beeinflussen. Der Baum versucht dann über Druckholz (bei Nadelbäumen) oder Zugholz (bei Laubbäumen) seinen "idealen" Winkel zu erreichen. Auch wenn der komplette Stamm oder Ast verkippt wird, versucht er so seinen Idealwinkel wieder herzustellen.
Gewicht zieht den Ast immer nach unten und biegt ihn durch, Gravitation. Über Zugholz oder Druckholz kann das bei dünnen Ästen ausgeglichen werden. Das neu gewachsene Holz übt eine Kraft aus und korrigiert den gesamten Ast. Im bereits vorhandenen Holz tut sich nichts mehr. Je dicker der Ast schon ist, desto schwieriger wird so eine Korrektur, desto stärker ist aber die Belastung und das Biegemoment, denn an einem dicken Ast hängt meist viel Masse. Der biegt sich durch und kann nicht mehr selbst korrigieren, man sieht es schön bei alten Linden.

Mir gefällt das Bäumchen, aber lindentypisch ist es nicht gestaltet.
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