Unbekanntes Schadbild an Zelkove

Spezielle Baumpflege z.B. düngen, umtopfen, Erden, ein- und auswintern, Pflanzenschutz
Antworten
Dhunger
Beiträge: 95
Registriert: 31.12.2006, 18:14
Wohnort: Aichtal

Unbekanntes Schadbild an Zelkove

Beitrag von Dhunger »

Hallo Liebe Bonsaigemeinde,

Nach langer Abstinenz im Forum melde ich mich mit einem Schadbild an einer Zelkova serrata, bei dem ich leider überfragt bin.

Kurz zum Baum: Zelkova serrata, In meinem Besitz seit 2005, wurde immer und wird halbschatting in einer Mischung aus 40/40/20 Bims/Akadama/Organisch kultiviert. Letztes Umtopfen fand 04/2021 statt und sie hat sich dannach, wie immer, super in der Schale etabliert. Gedüngt wird organisch mit Biogold und zusätzlich sporadisch mineralisch. Der Baum ist im Austrieb super vital und drückt aus allen Ecken.

Nach dem Winter 2021/22 hat sie tapfer ausgetrieben, aber einige verschrumpelte Blätter gehabt. Ich hab mir keine Gedanken gemacht, diese entfernt. Meine Vermutung war irgendwas saugendes, aber da ich keine Insekten entdecken konnte und der Schaden minimal war, so what... ich will nicht wegen jeder Kleinigkeit die Chemiekeule zücken.

Dieses Frühjahr, ein gleiches Schadbild, direkt am Erstaustrieb. Gleiches Spiel wieder, kaum ist der Austrieb als Blatt erkennbar, ein gewisses "kräuseln". Wenn das Blatt älter wird, wird es gelb und besitzt nicht scharf abgegrenzte schwarze Flecken, was mich auf ein Pilzmyzel tippen lässt. Unter der Lupe erkenne ich keine Insekten oder ähnliches.

Ein ähnliches Schadbild wurde mal hier beschrieben: viewtopic.php?t=29462 Jedoch ist das ganze hier sehr "lokal" und betrifft nicht den kompletten Ast und auch schon den Neuaustrieb.
Ulmensterben schließe ich aus, da das typische Abtrocknen der Blätter nicht passiert.

Hat er eine Idee zum Schadbild und kann evt. weitere Tipps geben? Ich würde mit einem systemischen Fungizid spritzen und wie schon zuvor die geschädigten Blätter entfernen.

Herzlichen Dank und beste Grüße,
David
Dateianhänge
Ältere befallene Blätter. Diese Fallen bei Berührung sehr einfach ab. Sie sind weder welk, noch trocken.
Ältere befallene Blätter. Diese Fallen bei Berührung sehr einfach ab. Sie sind weder welk, noch trocken.
Blätter_alt.jpeg (85.18 KiB) 1281 mal betrachtet
Noch grüne, befallene Blätter. Der Austrieb zeigt schon das gleiche Schadbild wie die älteren Blätter.
Noch grüne, befallene Blätter. Der Austrieb zeigt schon das gleiche Schadbild wie die älteren Blätter.
Blätter_jung_oben.jpeg (60.81 KiB) 1281 mal betrachtet
Selber Trieb von unten.
Selber Trieb von unten.
Blätter_jung_unten.jpeg (59.33 KiB) 1281 mal betrachtet
David
Sanne
Freundeskreis
Beiträge: 7928
Registriert: 01.02.2009, 19:09
Wohnort: Norddeutschland

Re: Unbekanntes Schadbild an Zelkove

Beitrag von Sanne »

Hallo David,

das sieht nach Blattfleckenkrankheit aus. Ich würde die Zelkove mit einem Fungizid wie z.B. COMPO Duaxo® Universal Pilz-frei behandeln.

Grüße, Sanne
Was wären wir ohne den Trost der Bäume…
(Zitat von Gisela V.)
Benutzeravatar
Andreas Ludwig
Mentor
Beiträge: 6756
Registriert: 29.03.2005, 16:50
Wohnort: Schweiz

Re: Unbekanntes Schadbild an Zelkove

Beitrag von Andreas Ludwig »

Das sieht insgesamt nach einem Pilzbefall aus, einer der (leider zahlreichen) Erreger für «Blattfleckenkrankheit» würde passen.

Etwas verwirrend sind die Umstände: Eigentlich ist Zelkova serrata ein «Geheimtipp» unter Stadtbegrünern, da sie robust ist und kaum anfällig. Bei deiner Beschreibung der Pflege stolperte ich bloss über den Halbschatten, denn Zelkowen mögen Sonne und Luft durchaus. Andererseits schreibst du, dass es ihr 15 Jahre lang sehr gut ging so. Vielleicht waren die Umtände ungünstig (feuchter Frühling), aber offensichtlich hat sich da was etabliert.

Weil du beschreibst, dass es schon beim Austrieb losgeht, solltest du die Pflege des Baums davor nicht unterschätzen: In ähnlichen Fällen wird empfohlen, noch im Herbst und im Frühjahr ab Temperaturen von 8 Grad die Knospen bis zum Austrieb in Abständen von ein bis zwei Wochen zu behandeln, um die Pilze, die drin überwintern, zu zerstören. Empfohlen werden dafür die guten alten Kupfersulfatlösungen oder effektive Fungizide wie etwa Ridomil. Ausnahmsweise würde ich darum auf Experimente mit «sanften Mitteln» verzichten.
It is not enough to be busy. So are the ants. The question is: What are we busy about?
(Thoreau)
Benutzeravatar
mydear
Beiträge: 9268
Registriert: 13.09.2011, 17:47
Wohnort: Regensburg

Re: Unbekanntes Schadbild an Zelkove

Beitrag von mydear »

Hallo David,
bei deinem Blatt-Problem kann ich dir leider nicht weiterhelfen, würde auch mit einem Fungizid zweimal im Abstand von 7-10 Tagen behandeln.

Allerdings bezweifle ich, dass das eine Zelkova serrata ist. Könnte es nicht eine Zelkova nire sein?
Die Unterscheidung Zelkove-Ulme wurde hier diskutiert: viewtopic.php?p=588058#p588058

Grüße
Rainer
Dateianhänge
rechts Zelkova serrata, links eine Ulme
rechts Zelkova serrata, links eine Ulme
IMG_1662.jpeg (107.97 KiB) 1205 mal betrachtet
“Fais de ta vie un rêve, et d'un rêve, une réalité“ Antoine de Saint-Exupéry
Dhunger
Beiträge: 95
Registriert: 31.12.2006, 18:14
Wohnort: Aichtal

Re: Unbekanntes Schadbild an Zelkove

Beitrag von Dhunger »

Hallo,

Danke für eure hilfreichen Antworten! Ich denke das Vorgehen ist dann recht klar. Zwar ist es oft unmöglich den Pilz genau zu identifizieren, trotzdem bin ich bei sowas immer extrem interessiert, was da am Baum passiert.
Ich werd sie jetzt tapfer über den Sommer bringen und klassisch nach dem Blattfall und vor dem Austrieb spritzen.

Danke Rainer für deine Anmerkung. Tatsächlich stand ich schon mehrfach vor der absolut gleichen Frage. Eine Zelkova nire ist es auf jeden Fall nicht, da hab ich eine, die schaut anderst aus.
Im Prinzip ist die die Blattform etwas verschieden zu Zelkova serrata und ich schwanke immer wieder ob es eine ist, ich werd mich dann wohl doch ans nochmal bestimmen machen.

Liebe Grüße,
David
David
Benutzeravatar
Andreas Ludwig
Mentor
Beiträge: 6756
Registriert: 29.03.2005, 16:50
Wohnort: Schweiz

Re: Unbekanntes Schadbild an Zelkove

Beitrag von Andreas Ludwig »

Och... wir sind da gerne etwas fixiert auf serrata und nire. Es tauchen auch andere Arten auf, besonders bei Importen aus China/Südostasien und mindestens ein Hybrid (carpinifolia x serrata) ist im Gartenmetier dazu noch unterwegs. Weshalb ich schon öfters mal ein ganz klares «sowohl-als auch» bei der Blattrandform gesehen habe... Ist ein bisschen wie Glockenblumen, «DYCs» (damned yellow composites, z.B. Habichtskraut und Pippau, ein klassischer Taxonomen-Horror) oder Waldpilze bestimmen: Die Bilder in den Schlüsseln sind immer ganz eindeutig - aber was man vor sich hat irgendwie nicht.
It is not enough to be busy. So are the ants. The question is: What are we busy about?
(Thoreau)
Benutzeravatar
Andre K.
Beiträge: 393
Registriert: 20.11.2006, 22:04
Wohnort: Stralsund

Re: Unbekanntes Schadbild an Zelkove

Beitrag von Andre K. »

Nur mal nebenbei: Ridomil ist seit dem letztem Jahr aus in Deutschland (Zulassung ausgelaufen).

Irgendwie ist es mit den Pilzmitteln wie mit den Drogen: Alles was gut ist, ist leider verboten :lol:
Dhunger
Beiträge: 95
Registriert: 31.12.2006, 18:14
Wohnort: Aichtal

Re: Unbekanntes Schadbild an Zelkove

Beitrag von Dhunger »

Aus Dokumentationszwecken: Ich hab jetzt einmal mit Saprol gespritzt. Ich werde mich hier wieder melden. Evt. wird der Thread doch nochmal für andere hilfreich.

Danke und Grüße
David
Antworten