Probleme mit Laubbäumen

Spezielle Baumpflege z.B. düngen, umtopfen, Erden, ein- und auswintern, Pflanzenschutz
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Jürg Stäheli
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Probleme mit Laubbäumen

Beitrag von Jürg Stäheli »

Hallo zusammen
In den 39 Jahren, in denen ich Bonsai pflege, hatte ich solche Probleme noch nie.

Einige Bäume, vor allem Rotbuchen, haben im Frühjahr die Knospen einfach verschlafen und haben nicht ausgetrieben. Alle diese Bäume haben dann weiter zurück an den Ästen und sogar am Stamm einen neuen Austrieb gemacht. Ich musste jedoch feststellen, dass der Austrieb sehr empfindlich war.

Als Massnahme wurden die Bäume jeden Tag in die kühle, helle Werkstatt gestellt und in der Nacht wieder im Freien und das wochenlang.

Diese gezeigten Bäume sind mir im Laufe Juli eingegangen, also ein herber Verlust! Ganz besonders schmerzt der Verlust von der Rotbuche, die ich seit 1997 pflegte.
viewtopic.php?t=47574

Fast bei allen Rotbuchen haben viel Knospen, gefühlte 10 - 20%, nicht ausgetrieben.
Alle meine Rotbuchen hatten Probleme nach dem Austrieb. Die Blätter haben einige Wochen jeden Tag gewelkt, ich musste sie besonders schützen. Zum Glück hat der Rest der Buchensammlung sich gut erholt und alle bilden jetzt überall Knospen.

Die Ursache dieses Schadens ist mir ein Rätsel. Ich weiss nicht, ist es tierisch oder ein Pilzbefall. Irgendetwas hat die Wasserzufuhr zu den Knospen beschädigt. Natürlich habe ich einige Knospen aufgemacht und schon gesehen, dass der innere Kern ganz leicht faulig wirkte. Aber ich konnte die Ursache nicht erkennen. Ich habe auch schon den Verdacht, dass der mineralische Dünger die Wasserzufuhr verstopft hat?
Vielleicht hat jemand ähnliche Probleme oder weiss sogar wie man das in Zukunft vermeiden kann.
LG Jürg
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Von l. nach r. Carpinus caroliniana Rotbuche, Kriechenpflaume, Rotbuche
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Dirk K. aus L.
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Re: Probleme mit Laubbäumen

Beitrag von Dirk K. aus L. »

Hallo Jürg!
Jürg Stäheli hat geschrieben: 12.08.2023, 17:40 Ich habe auch schon den Verdacht, dass der mineralische Dünger die Wasserzufuhr verstopft hat?
Bei deiner langen Erfahrung und deinen großartigen Erfolgen maße ich mir nicht an, dir einen Tipp geben zu können. Aber was meinst du mit obigem Satz genau?

Grundsätzlich spritzt du doch prophylaktisch deine Bäume, oder? Womit und wogegen genau?


Mit aufmunternden Grüßen

Dirk
Der wahre Weg geht über ein Seil, das nicht in der Höhe gespannt ist, sondern knapp über dem Boden. Es scheint mehr bestimmt stolpern zu machen, als begangen zu werden. (Franz Kafka)
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Heini August
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Re: Probleme mit Laubbäumen

Beitrag von Heini August »

Irgendwie erinnert mich das letzte Bild an einen älteren Thread, wo Spinnmilben die Blätter eine Rotbuche befallen hatten. Die sahen auch so grünbraun-verkräuselt aus. Ich schätze mal, dass die Spinnmilben dann den geschwächten Buchen den letzten Rest gegeben haben, nachdem sie schon geschwächelt hatten, war bei mir auch so( Ein Yamadori von letztem Herbst hate schwach ausgetrieben, ist jetzt, dank Spinnmilben, tot...) Bei Spinnmilben müssten kleine weiße , leicht geringelte und wattige "Würmer"( von der Form her) , etwa 0,2-0,4 cm lang, auftauchen. Habe aber keine Ahnung, was den Primärschaden ausgelöst hat und ob das wirklich Spinnmilben sind, ist nur ne Vermutung. Trotzdem schade, passiert hoffentlich nicht wieder.
Grüße, Timon.
Ich hasse das Chaos, aber es liebt mich.
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roro
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Re: Probleme mit Laubbäumen

Beitrag von roro »

Lieber Jürg,

das ist sehr traurig mit der wunderbaren Rotbuche, die dich schon Jahrzehnte begleitet hat. Sie war ein wirklich herausragender Baum, etwas ganz besonderes unter Ihresgleichen. Eine Buche, die mich beim Betrachten in die Kindheit zurückversetzen konnte. Und natürlich auch schade um die weiteren Bäume.

Ich habe dieses Jahr sehr genau die Buchen im Wald und auch unsere gemeinsam gesammelten beobachtet. Es ist ein äusserst seltsames Jahr. Den von dir beschriebenen stammnahen Austrieb hatte ich an einigen der im Dezember gesammelten Buchen auch. Sie hatten normal ausgeschlagen und die kleinen zarten Blättchen an den Endknospen entwickelt. die Blätter wurden 1 Monat später dürr (ich dachte, es sei ein Trockenschaden) und dann trieben die stammnahen Knospen aus und die Äste trockneten zurück. Die Buchen stehen in einer Gitterharasse zusammen und es erschloss mir keine Logik wieso es diese und jene traf. Alle wurden immer gleich gewässert und deshalb schliesse ich einen Trockenschaden aus.
Andere Buchen aus der Sammlung schlugen sehr verhalten aus und öffneten wie du beschreibst nur wenige Knospen. Weder Endknospen noch stammnahe, sondern sehr willkürlich. Das Wachstum blieb aus und ein paar der Buchen sind leider zurückgetrocknet.
Bei einem Spaziergang im Wald Ende Juli ist mir aufgefallen, dass fast alle Buchen massive Blattschäden aufweisen und teilweise extrem stark Früchte angesetzt haben. Es schien keinen Unterschied zu machen, ob es sich um jüngere Bäume am Waldsaum oder alte Buchen in der Tiefe des Waldes handelte: Alle haben sie die unten gezeigten Verkrüpplungen an den Blättern.
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Hagel kann ich ausschliessen. Ob es Insekten oder ein Pilz oder Trockenheit im Frühjahr war weiss ich nicht. Jedenfalls ist das Schaubild sehr merkwürdig. Was hat diese Nekrose ausgelöst?
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Ein Pilz vermute ich nicht, denn ich habe bereits im Frühjar direkt nach dem Austrieb hier in meiner Umgebung dieses Bild beobachten können und da war es eine längere Periode trocken. Und Frost war es vermutlich auch nicht, oder sonst während einem sehr sehr frühen Stadium. Es scheint mir nach irgendeinem Insekt allenfalls kombiniert mit einem Virus auszuschauen. Vielleicht finde ich Zeit und frage beim Institut für Botanik der UZH an, ob sie Auffälligkeiten registriert haben bei Rotbuchen oder ähnlichen. Die kleinen Löcher in den Blättern könnten auf die gefundenen Raupen hindeuten. Vielleicht sind die Waldbäume einfach wiederstandsfähiger als unsere Bäume und konnten trotz der massiven Schäden, besser mit dem Schaden umgehen?
Jedenfalls ist es einfach schade um die Verluste.
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Liebe Grüsse aus den Juraausläufern
R
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achim73
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Re: Probleme mit Laubbäumen

Beitrag von achim73 »

ich fürchte (weiß nicht wie es bei euch war), dass die zunehmenden wetterextreme und schwankungen die ursache sind. man liest das hier ja gerade aus mehreren quellen, und auch ich habe seltsame probleme. z.b. ist bei einem crataegus innerhalb von wenigen tagen ein kompletter substamm vertrocknet, da ist die saftzufuhr komplett kollabiert.
das seltsame: der rest vom baum war und ist völlig vital !
eine kiefer ist mit wurzelschaden eingegangen. das substrat war problematisch, aber die kiefer war letztes jahr mit dem selben substrat und bei gleicher pflege vital und wüchsig.
ein apfelbaum ist bereits mitte februar ausgetrieben, hat dann mehrmals geblüht (was ich noch nie hatte) und stagniert seitdem.
eine japanische lärche hat gute knospen gemacht, von denen sind aber ca. 25 % nicht aufgegangen und im lauf des frühjahrs vertrocknet. dass die lärchen über den winter zweige absterben lassen kennt man ja, aber das phänomen hatte ich noch nie.
ich bin heilfroh, dass das wetter hier seit 2 monaten recht mild und feucht ist, das scheint den pflanzen gut zu tun.
Gruss, Achim
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BenBonsai
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Re: Probleme mit Laubbäumen

Beitrag von BenBonsai »

Das ist ein interessanter Thread. Irgendwie beruhigend, dass es nicht nur mir so geht.

Ich denke über ähnliche Dinge nach. Die langanhaltenden Wärme-, Wind- und Regenperioden und vielleicht noch wichtiger - die extremen Sprünge dazwischen - haben nach meinem Gefühl zugenommen und sich vermutlich in den letzten Jahren kumuliert. Es scheint, dass das Wetter zu lange in einer bestimmten Phase hängenbleibt und dann wieder in einen anderen extremen Zustand kippt. Als ich gestern durch eine Baumschule lief, die die Pflege immer gut im Griff hatte, war ich ziemlich erschrocken. Schwache Pflanzen, schlechte Blattgesundheit, nicht bei allen, aber doch im Mittel. Das gleiche, wenn man durch die Wälder streift, wie auch schon Roro beobachtet hat. Die Obstbauern müssen bei uns mehr bewässern, sie befürchten Ernteausfälle, weil die Wasserentnahme vom Bodensee begrenzt wird. Wenn Hydrologen sagen, dass uns in einzelnen Regionen anderthalb Jahre Niederschlag fehlen (https://www.youtube.com/watch?v=hq28nSyJ8BE), frage ich mich, wie sich das möglicherweise auf unsere Bäume auswirkt. Natürlich können das regionale Effekte sein, die sich wieder geben. Die Diskussion, ob es den Klimawandel gibt oder nicht, wird uns hier nicht weiterhelfen, sondern eher, wie wir uns an die gegebenen Umstände anpassen - und dabei weder katastrophisieren noch verleugnen.

Zurück zu unseren Bäumen: schon bedenklich, wenn plötzlich ganze Stammabschnitte zurücktrocknen (was auch bei an einigen meiner Bäumen der Fall war), die Blätter braune Spitzen kriegen und die Bäume generell an Vitalität verlieren oder gar sterben. Und dies, obwohl die Pflege eingespielt ist und viele der Faktoren, die man selbst bestimmen kann, gleich sind. Ich komme mir vor wie ein hilfloser Arzt, der bestimmte Symptome zu Gesicht bekommt, aber die Ursachen nicht herausfinden kann. Leider kenne ich mit Klimatologie nicht gut aus. Ich wünschte mir einen Kollegen, der die Wetterdaten analysieren und die richtigen Schlüsse daraus ziehen kann, vor allem auch regional.

Meine Suche nach einer Zuordnung scheiterte bislang an verlässlichen Daten. Bei einigen Wetterdiensten kann man zwar die Wetterdaten der letzten Jahre anschauen, dennoch weiß man noch nicht, ob sich die Werte bedeutsam unterscheiden. Zum Beispiel ob ein drei Grad wärmerer Oktober im Vergleich zu den vorangegangenen fünf Oktobern auffällig ist oder nicht? Diesen Gedanken könnte man als akademisch abtun, wenn er nicht am Ende doch Einfluss auf unsere praktischen Pflegeentscheidungen hätte. Die Massnahmen sind ja grundsätzlich verschieden, wenn es an der Trockenheit liegt, die Sonneneinstrahlung zu heftig ist, Staunässe unsere Pflanzen plagt, neue Schwächeparasiten auftauchen, etc.. Da gehe ich lieber zu einem Arzt, der die richtige Diagnose stellt als wenn er ratet.

Vielleicht kennt sich jemand mit der Analyse von Wetterdaten aus? Und weiß jemand, wie man an statistische Werte kommt?
Zuletzt geändert von BenBonsai am 13.08.2023, 10:31, insgesamt 1-mal geändert.
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Norbert_S
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Re: Probleme mit Laubbäumen

Beitrag von Norbert_S »

Und was würden dir statistische Werte nützen?
Ich melde mich gegen Abend noch einmal.
Norbert

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BenBonsai
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Re: Probleme mit Laubbäumen

Beitrag von BenBonsai »

Lieber Norbert, wohl das gleiche, wie aus Erfahrungswerten gewonnene Daten, wie frostempfindlich bestimmte Bäume sind. Hagedorn hat in seinem Buch "der Bonsaiketzer" eine Übersicht mit empirischen Daten und den jeweiligen Abweichungen abgebildet, kennst Du wahrscheinlich. Zumindest ein Orientierungspunkt, nicht mehr. Du hast mich wohl erwischt, ich traue Daten mindestens genauso wie intuitivem oder überliefertem Wissen :lol:

Wenn in aller Munde ist, dass das mediterrane Klima zu uns herauf schleicht, tun sich bei mir einfach Fragen auf: was heißt das genau? Weniger Regen? Mehr Sonne? Niedrigere Luftfeuchtigkeit im Sommer, höhere im Winter? Mehr Wind? Mehr Temperatursprünge? Wann? Zu viel und zu abrupt von allem? Neue Schwächeparasiten und -pilze?

Ob der "wissenschaftliche" Ansatz alleinig zum Ziel führt, bezweifle ich ernsthaft, dennoch halte ich es wie immer: "sowohl als auch" statt "entweder-oder". Ich kann den PH-Wert messen und gleichzeitig nicht eindimensional alles daran festmachen. So wie ich Dich kennengelernt habe, denkst Du da ähnlich.

Vielleicht kann man ja die Informationen irgendwie miteinbeziehen. Und das schliesst ja nicht aus, jeden Baum mit seinen Besonderheiten genau zu beobachten und individuell zu reagieren. Ich habe bei mir da einfach weniger Möglichkeiten z.B. beim Giessen, weil ich max. 1x/Tag in den Garten komme.
Zuletzt geändert von BenBonsai am 13.08.2023, 12:03, insgesamt 2-mal geändert.
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espanna
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Re: Probleme mit Laubbäumen

Beitrag von espanna »

Moin allerseits,

wenn wir von Bäumen in Schalen sprechen und in erster Linie von Laubbäumen in diesem Thread würde ich den Klimawandel bezogen auf Trockenheit, oder Nässe nicht beachten, sehr wohl aber was die „Verschiebung der Arten und Krankheiten“ angeht.

Was sind die Fakten;
-Jürg pflegt seine Bäume top,
-Letztes Jahr war alles supi (?)
-Laubbäume zeigen Probleme recht schnell an, also kommt es nicht von vor x Jahren,
-Die Schäden schauen Teilweise so aus als wenn die Saftbahnen blockiert wären => die Wurzeln haben die Blätter nicht versorgen können.

Was könnten die Ursache sein;
-die Pflanzen wurden falsch gepflegt, Wurzelschaden, vergessen zu gießen, mineralischen Dünger unverdünnt draufgekippt-> ich denke, diese Sachen können wir ausschließen.
-wenn das Substrat, die Pflege, die Wurzeln, die Düngung ok- gut waren, bleiben meine Meinung nach Parasiten, Krankheiten und Ähnliches.

Was mich interessieren würde Jürg, wann wurden die gezeigten Bäume umgetopft?
Gruß
László

"Wer arbeitet, macht Fehler."
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Andreas Ludwig
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Re: Probleme mit Laubbäumen

Beitrag von Andreas Ludwig »

Ben - alle Aussagen zum Klima sind gezwungenermassen eben nur Statistik. Über das Wetter vor Ort geben sie keine zuverlässige Auskunft. Da fallen ja viele Leute rein derzeit: Sie verwechseln Wetter und Klima und nehmen dann einen verregneten, kühlen Frühling als Beweis dafür, dass es nicht wärmer wird. Dass insgesamt eine Dürre in Spanien, das Absaufen von Bangladesh und Starkregen über dem Ahrtal sehr wohl zusammenhängen, entgeht ihnen.

Zurück zu den Buchen: Lange war es der Standardbaum für zentraleuropäische Forstler. Sie kommen davon weg. Hier etwa (320 m.ü.M., sonnige Juralage, starke Drainage durch Karstböden) werden überalterte, teils gefährliche Bestände gerodet und etwa durch Traubeneichen ersetzt. Die Fichten-Bauholzplantagen, diese Sünden aus dem letzten Jahrhundert, sind schon weitgehend weg, es wurde zu trocken für sie. Der Wald wird umgebaut, es drängt sich auf. Er wird Züge annehmen, wie wir sie bisher aus dem Mittelmeerraum kannten, die «dämmerige Buchenhalle der Germanen» ist passé.

Seit Jahren wird zur «Buchen-Komplex-Krankheit» publiziert. Die ist tatsächlich komplex. Triebsterben, Astabbrüche, Blattwelken, Schädlinge gehören zu den beobachteten Symptomen. Noch unklar ist, wie sich das im Verband auswirkt, denn jede Buche verdunstet hunderte Liter Wasser – pro Tag. Das ergibt Verdunstungskälte, die kühlt den Wald, wie jeder Spaziergänger weiss. So kann es dann sein, dass eine absterbende Buche der erste Dominostein ist und recht schnell ein ganzer Bestand «kippt».

Offensichtlich sind Buchen zwar sehr robust, aber nur in einer relativ schmalen Bandbreite der Bedingungen. Die wechseln jetzt aber. Vielleicht schafften Jürgs Buchen diese Wechsel einfach nicht mehr, vielleicht hat sich ausgerechnet bei ihm im feuchten, kühlen Frühjahr ein Pilz epidemisch ausgebreitet, der sich über die kühle Schonhaltung dann noch gefreut hat, vielleicht gab ihnen das nachfolgende Phänomen einer Kombination von sehr viel Sonne und zuviel Wind (= Stress, auch für das Giesspersonal, ich musste manchmal viermal am Tag ausgleichen) dann den Rest. Oder umgekehrt. Durch Dünger verstopfte Saftbahnen würde ich als allerletzte, weil recht exotische Erklärung einbeziehen.
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hopplamoebel
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Re: Probleme mit Laubbäumen

Beitrag von hopplamoebel »

Moin,

auch hoch im Norden ist der Klimawandel angekommen und mutet allen Pflanzen im Allgemeinen und unseren Bonsais im Besonderen viel zu.
Letztes Jahr sind mir zwei Eichen eingegangen - erst Mehltaubefall und nach dem Winter gab es keinen neuen Austrieb mehr. Besonders traurig daran ist, dass der eine Baum meine abgemooste Eiche war, die ansonsten hervorragende Anlagen besaß.
Dieses Jahr hat eine meiner Eiben überhaupt nicht ausgetrieben - Null. Dann kamen noch Schildläuse dazu und ich konnte jeden Tag braune Nadeln entfernen. Vor drei, vier Wochen hat sie dann endlich neu ausgetrieben. Vermutlich hatte sie einen Wurzelschaden, vielleicht durch Dickmaulrüssler, aber das ist lediglich eine Vermutung.
Meine Rotbuche hat /hatte starke Probleme mit besagten Spinnmilben und alle Eiben haben immer wieder Schildläuse.

M.M.n. wird das Bonsai gestalten eine immer schwierigere Kunst, da der Klimawandel die Bäume vor zusätzliche Herausforderungen stellt - sie kommen sozusagen on Top zu den Krankheiten und Schädlingen, die sowieso schon reichlich da sind. In Kombination kommt es dann schnell zum Exitus.

Für mich nicht verwunderlich, da sich unsere Bäume ja in ihren Schalen sehr schnell am Limit befinden und nicht die Kraft besitzen, sich gegen eine Kombination von schlechten Einflüssen zu wehren.

Als ich vor 2 Wochen in Würzburg durch einen Park ging stand dort ein uralter mächtiger Ahorn mit einer wunderbaren Wurzelplatte wie ich sie selten gesehen habe - allerdings hatte der Baum kein einziges Blatt. Ich denke, dass die vergangene Hitzeperiode zuviel für den Baum war, möglicherweise in Kombi mit anderen negativen Einflüssen ...

Für unsere Bonsai heißt das wohl: Noch mehr aufpassen, noch häufiger in den Schatten stellen und vielleicht sogar Phasen, wo sie für einige Zeit zurück ins Freiland dürfen / müssen...

Grüße,
woodman
So ist nun weder der etwas, der pflanzt, noch der begießt, sondern Gott, der das Gedeihen gibt.
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Heini August
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Re: Probleme mit Laubbäumen

Beitrag von Heini August »

Den Ebereschen gehts dieses Jahr auch ziemlich dreckig... Hier im Erzgebirge ist jede 2. kaputt( jetzt schon Herbstfärbung, kaum Langtriebe, vertrocknete Blätter, usw. )
Grüße, Timon
Ich hasse das Chaos, aber es liebt mich.
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Norbert_S
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Re: Probleme mit Laubbäumen

Beitrag von Norbert_S »

Wie versprochen noch meine 5 Cent.
Ich denke über Pflegefehler bei Jürg muss nichts geschrieben werden, Andreas' Einschätzung zu möglichen Pilzen als Verursacher teile ich und vor allem auch, dass evtl. sogar zuviel gemacht wurde.
Es ist ja schwierig vom Bild her etwas zu analysieren, was schon länger zurück liegt. Die Wurzelballen der toten Bäume sehen für mich aber wirklich so aus, als hätte da nach dem umtopfen nichts stattgefunden, als hätten die Bäume gar nicht erst gestartet, alles, was sie an Leben gezeigt haben, waren Reserven.
Ich denke, falls Jürg da nicht noch eine zündende Idee hat, was da irrtümlich falsch gelaufen sein kann, bleibt im großem Maß die Ratlosigkeit.
Für mich immer total ärgerlich, wenn aus einem Schaden nicht einmal etwas gelernt werden kann.

@Ben
Natürlich bin ich nicht gegen Statistik und belastbare Zahlen, die für dich wichten kannst/musst du nur selber generieren.
Du sitzt doch an der Quelle.
Verteile großzüging Thermometer auf deinem Bonsaigarten und vergleiche die Werte mit den für die Gegend vorhergesagten. Über einen Zeitstrahl und vielen Ergebnissen wirst du eine Standardabweichung für bestimmte Bedingen in deinen Garten feststellen können.
Das gleiche geht auch bei den einzelnen Schalen. Schöne Beschäftigung für ein entspanntes WE.
Wie heiß wird denn die Schalenoberfläche, die Substratoberfläche, 3cm tief im Substrat zur Mittagszeit und wie groß ist die Differenz zur Sonnen abgewandten Seite?
Weist du noch wo und wie ausgerichtet die Bäume mit den Rücktrocknungen standen. Ich vermute einfach mal, dass die so standen, dass die meiste Hitze und Sonneneinstrahlung auf diese Bereiche viel. Hast du zumindest die Bäume täglich gedreht, damit die Beanspruchung durch einen Tag mehr Ruhe abgelöst wird?
Braune Blättspitzen sind ärgerlich, die Blätter kommen aber im nächsten Jahr oder nach einen Blattschnitt neu. Die Ursache ist doch ofensichtlich.
Und ab hier auch @woodman
Die Bäume, die ihr in Schalen oder Töpfe gesetzt habt, müssen das aushalten, was ihr ihnen zumutet.
Völlig egal ob Klimawandel oder nicht, weglaufen können sie nicht, also seid ihr verantwortlich für die Bedingungen, wer sonst.
Heiße Sommer haben wir immer wieder einmal gehabt die letzten 30 Jahre.
Meine Frau war wenig begeistert, wenn schon um 05:00 statt 05:30 der Wecker klingelte, weil ich vor Abfahrt noch eine halbe Stunde gießen und Untersetzer füllen musste. Abends nach meist 12 Std Abwesenheit erst eine Stunde Bonsai beglücken, gießen, Bäume aus den Untersetzern stellen damit sie abtropfen können etc..
Da kommt man relativ schnell auf den Gedanken, dass 100 Stück eher suboptimal sind....

Was alleine aus welchen Gründen auch immer nicht geschafft oder gemacht werden kann, muss anderweitig erledigt werden, meist durch Technik oder bauliche Maßnahmen.
Schattierungen - helfen gegen die blöden Spätfröste genauso gut wie gegen zuviel Sonne.
Wässern kann man automatisieren auch Sprühanlagen oder Vernebler leisten super Dienste. Wer wirklich in einer heißen Ecke, womöglich noch ohne Luftbewegung, wohnt, wird daran langfristig nicht vorbeikommen.

Das sind aber nur die groben Maßnahmen und ich habe sie ganz bewusst so eindeutig formuliert, weil ich einfach die Verantwortung klar benennen wollte.

Neben diesen eben beschriebenen Faktoren giebt es aber uns selbst noch als Fehlerquelle.
Sind wir wirklich immer konzentriert auf unsere Tätigkeiten, wenn wir mit und an unseren Bonsai pflegen?
Nehmen wir wirklich wahr, dass sich die Blätter der Eiche anders anfühlen als sonst und sehen dann noch genauer hin?
Sehen wir die leichte Rindenverfärbung, die auf zuviel Hitze hindeutet?
Haben wir am Ende der Woche alle die Dinge sorgsam erledigt, die wir uns für die Bäume vorgenommen hatten?
....
Manchmal brauchen wir auch einfach Glück, besser ist aber darauf nicht zu vertrauen.

Das einfachste um die Pflegebedingen für die Bäume zu verbessern ist den Bestand zu reduzieren.
Norbert

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Barbara
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Re: Probleme mit Laubbäumen

Beitrag von Barbara »

Lieber Jürg,

das tut mir sehr Leid, dass es ausgerechnet deine tollen Rotbuchen erwischt hat.

Ich habe das von dir beschriebene Problem heuer an meinen Granatäpfeln. Es sind sogar ein paar Äste abgestorben, obwohl sie noch sehr lange saftig grün unter der Rinde waren. Ein paar kahle Äste haben dann aber letztendlich doch noch (schwach) ausgetrieben. Ich dachte bisher, dass hier das kalte, regnerische Frühjahr ursächlich war.....aber rätselhaft ist es trotzdem.

Meine Rotbuchen hingegen- ich habe inzwischen vier- sind dieses Jahr erstaunlicherweise sehr gesund und triebfreudig.
Sie stehen immer überdacht, sodass ich den Wasserhaushalt gut kontrollieren kann. Zwei von ihnen stehen nämlich noch in sehr großen Plastikschalen und brauchen nur alle paar Tage gegossen zu werden.
Außerdem bekommen sie an ihrem Standort nur von morgens früh bis ca 13 Uhr volle Sonne, danach Vollschatten.
Dadurch fällt die größte Hitze am Nachmittag für sie schonmal weg.
Mit der Düngung habe ich erst recht spät angefangen, erst, als der Austrieb kam.
Vielleicht kannst du ja anhand dieser Kriterien ausmachen, was bei deinen Buchen die Ursache sein könnte.

Liebe Grüße,
Barbara
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BenBonsai
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Re: Probleme mit Laubbäumen

Beitrag von BenBonsai »

Eben vom Garten heimgekommen und schon staune ich, wieviel Interessantes geschrieben wurde.

Norbert und Andreas, meinen Beweggrund genauer zu erklären, retrospektive Wetterdaten anzuschauen, würde den Rahmen hier sprengen und das geht ja auch am eigentlichen Thema vorbei. Interessanter Gesprächsstoff für einen persönlichen Plausch :-D.

Zurück zu den möglichen Ursachen der Probleme, die Jürg beschrieben hat.

In den Wäldern in Italien nimmt der Bestand an Rotbuchen rapide ab. Eine Studie der Uni Mainz zeigte, dass sich das Wachstum in Spanien, Italien und auf dem Balkan seit Mitte des 20. Jahrhunderts um bis zu 20 Prozent verringert hat. Umgekehrt stieg das Wachstum im Süden von Schweden und Norwegen um bis zu 20 Prozent. Man geht davon aus, dass dieser Trend noch weiter voranschreitet. Es ist wahrscheinlich, dass das mit den extremen Witterungsbedingungen in Kombination mit einer Zunahme von Schwächeparasiten (v.a. Pilze) zu tun hat.

Wenn wir das so festhalten, bedeutet es am Ende, dass wir die Standortbedingungen, wie wir sie von früher kennen, so gut es eben geht simulieren müssen, um die gewohnten Erfolge aufrechtzuerhalten. Und ggf. die Wege verlassen, die bislang funktioniert haben.

Als ich mit Jürg über unsere Schäden sprach, haben wir lange überlegt, welche Stellschrauben es da überhaupt geben könnte. Am ehesten fiel uns die Düngung, Pufferwirkung/Siebkurve des Substrats, zusätzliche präventive Spritzungen mit Fungiziden/Insektiziden, Anpassung des Tempos der Entwicklung und raschere Reaktion auf Hitze und Nässe ein.

Vielleicht installiere ich bei mir in Trockenperioden tatsächlich irgendwann mal Wasserzerstäuber, die man in italienischen Cafés im Sommer so schätzt. Sicher werde ich meine Bäume noch genauer beobachten und mich, weil meine Aufmerksamkeitsspanne nicht unendlich ist, von dem ein oder anderen trennen müssen. Der schwierigste Schritt ist aber, mich innerlich umzustellen und anzuerkennen, dass alles mehr Zeit und Achtsamkeit braucht.
Zuletzt geändert von BenBonsai am 13.08.2023, 22:05, insgesamt 3-mal geändert.
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