Welche Maßnahmen bei einem chlorotischen Feldahorn?

Spezielle Baumpflege z.B. düngen, umtopfen, Erden, ein- und auswintern, Pflanzenschutz
Benutzeravatar
HeinrichI
Beiträge: 386
Registriert: 03.11.2016, 22:08
Wohnort: Fredersdorf-Vogelsdorf

Re: Welche Maßnahmen bei einem chlorotischen Feldahorn?

Beitrag von HeinrichI »

Hallo Tim, ich kann Deine Sorge nicht verstehen, denn der Austrieb, der auf dem Foto vom 30.06. zu sehen ist, hat zwar eine bemerkenswerte Farbe, aber auf keinen Fall eine Chlorose.
So wie Rainer geschrieben hat, wirst Du bei den alten Blättern die Chlorose-Merkmale wohl nicht weg bekommen.
Wie sehen die Blätter Deiner anderen Laubbäume aus.
Du wirst übrigens mit dem Leitungswasser den notwendigen pH-Wert, der für die Aufnahmefähigkeit von Eisen und Magnesium notwendig ist, nicht hinbekommen. Und mit sauren Beimischungen wirst Du den pH-Wert auch nicht hinbekommen.
Das von Dir beschriebene Substrat scheint ja sehr außergewöhnlich zu sein; topfe im nächsten Jahr in eine sauberes mineralisches Substrat um, ohne jegliche organischen Bestandteile, auch kein Cocohum, das kommt allenfalls in die Deckschicht, aber nicht in das Hauptsubstrat.
Schau mal auf den Link vom 15.06.24, da habe ich etwas wie viele schon an andere Stelle über meine Substratvorstellung geschrieben: viewtopic.php?t=49264&start=165
Und im übrigen hast Du etwas über einen verfilzten Wurzelkern, der im mineralischen Substrat steht, geschrieben. Über den Fall habe ich meine neusten Erfahrungen dort auch kund getan; die besondere Wässerungsstrategie habe da auch beschrieben.
Schau mal, Gruß Heiner
Benutzeravatar
Suikinkutsu
Beiträge: 200
Registriert: 25.03.2024, 13:49
Wohnort: bei Dortmund

Re: Welche Maßnahmen bei einem chlorotischen Feldahorn?

Beitrag von Suikinkutsu »

Hallo Heinrich,

vielen Dank für Deinen Beitrag, der mich daran erinnert, dass ich auch hier noch ein Feedback schuldig bin: der Zustand des Ahorn hat sich nach dem Umtopfen dramatisch verbessert, auch und gerade an den alten Blättern.

Krone von oben
Krone von oben
20240619_121258_resized.jpg (226.59 KiB) 2708 mal betrachtet
Detail: ältere Blätter in der Krone
Detail: ältere Blätter in der Krone
20240619_121307_resized.jpg (158.19 KiB) 2708 mal betrachtet
20240619_121323_resized.jpg
20240619_121323_resized.jpg (206.7 KiB) 2708 mal betrachtet

Deine von Dir erwähnten Beiträge habe ich gefunden und Dein Vorhaben - wenn ich es richtig verstanden habe - ehrt Dich.
Allerdings habe ich mit etwas Engagement viele der von Dir im "Hilfe, mein Baum ist krank!"-Faden formulierten Informationen bereits an anderer Stelle gefunden, teils auch konzentriert und zusammengefasst im Sinne regelrechter Anfängerkurse.
Das man sich als Anfänger in diesem großen Forum erstmal zurechtfinden und etwas suchen muss, finde ich durchaus zumutbar - und auch bei Deinen Beiträgen wird das bereits in einigen Monaten der Fall sein.
Aber das ist Dir sicher bewußt.

Um auf Deine konkreten Empfehlungen ein zu gehen, für die ich mich herzlich bedanke:

meine Jungpflanzen scheinen sich in modernem Substrat (Bims, Blähtonbruch, Lavabruch, Seramis, etwas Zeolithe, bunt gemischt, Körnung größer 2 und kleiner 7mm mit 25% Torf) bisher recht wohl zu fühlen. Insbesondere die Birken und die Linde ziehen ihre TPK trotz des diesigen und feuchten Wetters über den Tag leer und müssen abends dringend gegossen werden. Bei anderen Jungpflanzensorten werde ich den Torfanteil zukünftig auf 15% reduzieren (bzw. habe das zuletzt bereits getan). In dieser Mischung steht nun auch der Ahorn.
Rein mineralisches Substrat wäre mir zu gießintensiv (wenn es wirklich mal Sommer wird, müsste ich absehbar zumindest die Birken auch dreimal am Tag gießen, was ich nicht immer gewährleisten kann), außerdem wirkt der saure Torf natürlich eine gewisse Zeit lang als Puffer für mein leicht alkalisches Gießwasser. Und nach zwei, drei Jahren wird ja wieder umgetopft, also frischer Torf zugemischt. Für reifere Bäume würde ich dann auf Pinienrinde umsteigen, wie @Norbert_S das sehr erfolgreich vorführt - aber das führt hier wirklich zu weit und ist ja auch Zukunftsmusik.

Auch das Problem "Wurzelballen in verdichtetem Substrat in modernes Substrat umsetzen" habe ich auf dem Schirm, da ich es beim Umsetzen zweier Jungpflanzen im April sehenden Auges in Kauf genommen habe.
Es handelt sich aber um eine Birke und eine Linde, die, wie gesagt, in Substrat mit 25% Torf stehen. Da scheint der Unterschied in Wasseraufnahmegeschwindigkeit und Wasserhaltevermögen nicht so groß zu sein, dass es problematisch wird. Jedenfalls haben beide Pflanzen bereits von außen sichtbare Wurzelspitzen bis zu den Wänden ihrer TPK und gedeihen sehr gut.
Der Wurzelballen des Ahorn hingegen ist im oberen Bereich schlicht verfilzt. Da muss ich bei nächster Gelegenheit richtig umtopfen, also mit Bearbeitung der Wurzel - aber das frühestens im nächsten, vielleicht auch eher im übernächsten Frühjahr.

Chloroseerscheinungen zeigen alle Pflanzen, die ich in dem von mir problematisierten Substrat übernommen habe, allerdings nicht so stark, wie das beim Ahorn zu beobachten war. Deshalb werde ich die erst im Frühjahr umtopfen.

Edit: Wurzelballen Ahorn thematisiert.
Schöne Grüße

Tim
Benutzeravatar
HeinrichI
Beiträge: 386
Registriert: 03.11.2016, 22:08
Wohnort: Fredersdorf-Vogelsdorf

Re: Welche Maßnahmen bei einem chlorotischen Feldahorn?

Beitrag von HeinrichI »

Hallo Tim, vielen dank für Deine Rückmeldung.
ich muss noch einmal auf Deinen Substratzusammensetzungen zurückkommen. Möglichkeiten gibt es viele, die Bonsai wachsen in den kuriosesten Zusammensetzungen ; die Frage ist nur: Wie lange?
Noch einmal: die sogenannten modernen Substrate bestehen nur aus mineralischen Bestandteile und da haben organische Substanzen nichts drin zu suchen. Du sagst, dadurch hält die Feuchtigkeit länger vor. Das ist richtig, aber Torf z.B. wird über kurz oder lang Dein Substrat und vor allen Dingen Deine Drainageschicht verschlämmen. Spätestens dann können die Probleme beginnen. Experten warnen immer wieder vor so einer Verwendung.
Die Lösung dazu ist, wie ich es auch beschrieben habe, eine Deckschicht aus feinerem Material zu verwenden. Ich habe auf Deinem Foto auch gesehen, wie grob die Oberfläche aussieht. Das da die Feuchtigkeit schnell raus ist ist mir völlig klar.
Schau mal, Deckschicht hier bei einer Lärche:
PICT0350Kd.jpg
PICT0350Kd.jpg (111.71 KiB) 2662 mal betrachtet
Da verdunstet natürlich auch Feuchtigkeit, aber um einen hohen Faktor geringer. Dann solltest Du Dein Substrat in 2 Korngrößen sieben, dabei kommt das Gröbere auf die Drainageschicht und darauf die Feinere und zum Abschluss die 1 cm starke Deckschicht. Diese Schichtfolge reduziert schon mal den Feuchtigkeitsverlust. So mache ich das bei allen meinen Bäumen.
Man kann es auch wie im folgenden Beispiel "übertreiben"; das ist eine Deckschicht aus zerkleinertem Laubmoos; Experten empfehlen Sphagnum. Das ist mir zu schade, Laubmoos tut es auch und kann die 10fache Masse an Wasser aufnehmen und kann es dosiert an das darunter liegende Substrat abgeben.
PICT0351_kd.jpg
PICT0351_kd.jpg (142.55 KiB) 2662 mal betrachtet
Im Beispiel bei einer Chinesischen Ulme, sieht zwar nicht so schön aus, ist aber ein super Verdunstungsschutz, vor allem bei heißem Wetter.
Du musst aber nicht gleich umtopfen, Deine Pflanzen werden es schon bis zum nächsten Umtopfen aushalten, aber mach eine Deckschicht auf Dein Substrat.
Mach´s gut, Gruß Heiner
Benutzeravatar
mydear
Beiträge: 9264
Registriert: 13.09.2011, 17:47
Wohnort: Regensburg

Re: Welche Maßnahmen bei einem chlorotischen Feldahorn?

Beitrag von mydear »

HeinrichI hat geschrieben: 19.06.2024, 16:39 …das ist eine Deckschicht aus zerkleinertem Laubmoos; Experten empfehlen Sphagnum. Das ist mir zu schade, Laubmoos tut es auch und kann die 10fache Masse an Wasser aufnehmen und kann es dosiert an das darunter liegende Substrat abgeben.
Immer beachten, dass mit gesammeltem Moos viel Ungeziefer/ Kleingetier in die Schalen eingebracht werden kann. Nachdem ich diverse Wurmlarven, Nemathoden und Drahtwürmer entdeckt hatte, bin ich auf Sphagnummoos umgestiegen.

Steinmoos von feuchten Mauern sammeln geht auch. Doch lasse ich es erst ein paar Tage in einem Untersetzer mit Wasser gut einweichen.

Grüße
Rainer
“Fais de ta vie un rêve, et d'un rêve, une réalité“ Antoine de Saint-Exupéry
Benutzeravatar
HeinrichI
Beiträge: 386
Registriert: 03.11.2016, 22:08
Wohnort: Fredersdorf-Vogelsdorf

Re: Welche Maßnahmen bei einem chlorotischen Feldahorn?

Beitrag von HeinrichI »

Hallo Rainer,
Danke für den Hinweis, bei mir ist es so, dass dieses Laubmoos schon Monate lang zerkleinert bevorratet ist. Das gibt es viel in Wäldern, aber bei uns wächst es an einer Grabenkante. Ich werde beim nächsten Mal mehr auf Ungeziefer achten, bis jetzt ist mir dergleichen noch nicht aufgefallen.
Gruß Heiner
Benutzeravatar
Andreas Ludwig
Mentor
Beiträge: 6756
Registriert: 29.03.2005, 16:50
Wohnort: Schweiz

Re: Welche Maßnahmen bei einem chlorotischen Feldahorn?

Beitrag von Andreas Ludwig »

Nebenbei bemerkt: Wurmlarven, Nematoden, Drahtwürmer und anderes sind nicht a priori problematisch. Zumindest dann nicht, wenn sie «anderes Futter» kriegen, etwa Giersch, Springklee, Sternmoos (Sagina procumbens) und anderes, was Bonsaianer gerne reflexartig rausreissen, weil sie es gerne steril hätten in ihren Schalen. Wird hier ja auch aufschlussreich beschrieben: Bloss keine organischen Bestandteile im Wurzelbereich, cave canem!

Ich kann das so nicht unterstützen, im Gegenteil: Ein «normaler Boden», worunter ich so etwa ein Drittel drainagefähiges Material, ein Drittel Sand oder feinen Kies sowie ein Drittel humose Erde verstehe, hat mir allmal gut gedient. Er hielt die Feuchtigkeit besser als die rein mineralischen Substrate und taugte auch für «Krümelbewuchs» wie oben genannte Arten. Ist die Substratoberfläche etwas begrünt, gleicht das die Austrocknung massgeblich aus und die «Schädlinge» haben zarteres Gemüse vorgelegt als den Baum und seine Wurzeln. Aber jeder, wie er mag.
It is not enough to be busy. So are the ants. The question is: What are we busy about?
(Thoreau)
Benutzeravatar
HeinrichI
Beiträge: 386
Registriert: 03.11.2016, 22:08
Wohnort: Fredersdorf-Vogelsdorf

Re: Welche Maßnahmen bei einem chlorotischen Feldahorn?

Beitrag von HeinrichI »

Andreas, danke für den Kommentar. Ich akzeptiere: "...jeder wie er´s mag".
Ich schätze Deine Erfahrung und respektiere ungesehen Deine langjährigen Erfahrungen mit "Deiner" Substratvariante.

Wie aus oben genannten Gründen, kommt für mich eine Variante mit organischen Substanzen im Hauptsubstrat nicht in Frage. Der organische "Substanzspender" liegt bei meiner Variante in der Deckschicht, wo außer Cocohum auch zerkleinerter Pferdemist enthalten ist.

Wichtig in der Deckschicht ist ein relativ hoher Anteil von Lava, weil Lava (und auch Kanuma) die beste (schnellste Aufnahme ohne jegliche Verzögerung) Wasseraufnahmefähigkeit und Weiterleitfähigkeit besitz. Damit wird beim Benetzen das Abperlen des Wassers minimiert.

Und ich kann versichern, dass, wenn nach mehreren Jahren umgetopft wird, ich eine "saubere" Drainageschicht vor finde, es liegt also keine Verschlämmung vor.

Hatte ich damals mal organische Substanzen im Substrat, war die Drainageschicht verschlämmt.
Die rein mineralischen Substrate sind für mich die High End Lösung und schließe somit jegliches Bewässerungsproblem aus. Gem. WP ist ein Überwässern gar nicht möglich.

Einen schönen Abend, Gruß Heiner
Benutzeravatar
Suikinkutsu
Beiträge: 200
Registriert: 25.03.2024, 13:49
Wohnort: bei Dortmund

Re: Welche Maßnahmen bei einem chlorotischen Feldahorn?

Beitrag von Suikinkutsu »

Hallo Heinrich,

ersteinmal vielen Dank für Deine freundlichen Ausführungen!
So ganz kann ich aber leider nicht folgen - und auch wenn ich Anfänger bin, sei mir doch auch Widerspruch erlaubt, wo es für mein Verständnis einfach nicht aufgeht:
HeinrichI hat geschrieben: 19.06.2024, 16:39 [...] die sogenannten modernen Substrate bestehen nur aus mineralischen Bestandteile und da haben organische Substanzen nichts drin zu suchen.
Tut mir leid, aber das stimmt so einfach nicht.

Ich halte mich zum Sammeln erster Erfahrungen an die Empfehlungen von Walter Pall, der das System "modernes Substrat" nach meinem Verständnis populär gemacht hat.
Und da ist organisches Material - in seinem Falle tatsächlich Torf - definitiv Bestandteil des Substrates. Kann man hier im Forum nachlesen. Ich dünge allerdings deutlich zurückhaltender.
Aber das ist ein anderes Thema.

HeinrichI hat geschrieben: 19.06.2024, 16:39 Du sagst, dadurch hält die Feuchtigkeit länger vor. Das ist richtig, aber Torf z.B. wird über kurz oder lang Dein Substrat und vor allen Dingen Deine Drainageschicht verschlämmen. Spätestens dann können die Probleme beginnen. Experten warnen immer wieder vor so einer Verwendung.

Welche Experten meinst Du?
Ich habe viel Kritik am modernen Substrat gelesen, isb. dass bezweifelt wird, dass ein und dasselbe Substrat, das lediglich im Anteil der Organik etwas variiert (s.o.), für Alles (Jung, Alt, Laub, Nadel, Durstig, Feuchtigkeitsempfindlich, etc.) funktionieren soll.
An Warnungen, das 15% Torf bei normalen Umtopfintervalen die Schale verschlammen, kann ich mich nicht entsinnen (ich mag sie überlesen haben und freue mich ehrlich über entsprechende Hinweise).

Aber vielleicht kannst Du kurz drauf eingehen, wie Du darauf gekommen bist.
Hast Du das so erlebt und darauf reagiert oder gründet sich Deine Ansicht auf theoretische Überlegungen? Ich fände das nicht verwerflich aber es ist ja doch ein Unterschied.
Falls ja: lag es sicher am Torf? Oder könnte es auch an etwas anderem gelegen haben?
Ich erhielt die Empfehlung, bestimmte organische Dünger lieber in einen Teebeutel verpackt aufzulegen, da sie nach der Umsetzung eine betonähnliche Schlammschicht am Boden einer Schale bilden können.

Außerdem erlaube mir die Frage: warum eine Drainageschicht? Im "modernen Substrat" ist das Substrat doch selbst die Drainageschicht. Auch wenn es etwas organisches Material enthält.

HeinrichI hat geschrieben: 19.06.2024, 16:39Die Lösung dazu ist, wie ich es auch beschrieben habe, eine Deckschicht aus feinerem Material zu verwenden.

Auch die Empfehlung, bei "modernem Substrat", nicht nur die Feinbestandteile auszusieben und eine möglichst gleichmäßige, mittlere Körnung zu verwenden (Pall schreibt von idealerweise 4-6mm, wenn ich es recht entsinne), sondern diese zu sortieren und nicht nur zur besseren Drainage unten die gröbste Körnung einzubauen, sondern nach oben immer feiner zu werden, habe ich bisher nur von Dir gelesen.

Das mag die Verdunstung verringern, Du schreibst aber selbst, dass dann das Gießen wieder komplizierter wird (zunächst mit Druckspritze, etc., pp), was wiederum die Gefahr von Gießfehlern (hier eher: zu wenig) erhöht.

Außerdem habe ich den Eindruck, dass Du übersiehst (oder bewußt außer Acht lässt), dass das "moderne Substrat" durchgehend luftig sein soll, damit möglichst viel Luft an die Wurzeln kommt. Wenn Du oben zu machst, ist das nur noch sehr eingeschränkt der Fall.
Das erst so mögliche "aggressive Gießen" dient bei Pall nicht nur dazu, das Gießen zu vereinfachen, sondern hat außerdem den Zweck, Luft mit dem fallenden Wasserspiegel durch das Substrat zu saugen und so zu einem aktiven Gasautausch zu führen. Natürlich trocknet es dann auch recht schnell wieder ab. Das soll aber so. Etwas Torf puffert das (und anderes) etwas ab.

Keine Frage: die 25%, die ich zunächst drin hatte, sind zuviel des Guten (Pall empfiehlt 15 bis höchtens 20%): Anfängerfehler, wird, da wo ich das so gemacht habe, baldestmöglich revidiert.

Aber Deine Empfehlungen stellen ebenfalls eine Abwandlung des "modernen Substrates" dar, die dieses meines Erachtens gleich dreier wichtiger Vorteile beraubt:
- einfache Erstellung und Handhabung beim Umtopfen,
- gute Belüftung der Wurzeln,
- einfaches Gießen.

Daher bin ich - bitte sei mir darob nicht böse - noch skeptisch, ob diese Abwandlung wirklich eine Verbesserung darstellt.

Ich freue mich aber in jedem Falle, dass Deine Ausführungen mich dazu zwingen, meine Herangehensweise kritisch zu hinterfragen und mich zu prüfen, ob ich das System, das ich ausprobiere, wenigstens verstanden habe und es mir nach wie vor plausibel scheint.
Alles andere wird erst mit zunehmender Erfahrung kommen - und die kann man sich nunmal (glücklicherweise noch) nicht anlesen.

Edit: meine Antwort hat sich mit Deiner von vorhin überschnitten, da ich länger dran saß; einen Teil meiner Fragen hast Du da schon beantwortet - auch dafür vielen Dank!
Schöne Grüße

Tim
Benutzeravatar
Andreas Ludwig
Mentor
Beiträge: 6756
Registriert: 29.03.2005, 16:50
Wohnort: Schweiz

Re: Welche Maßnahmen bei einem chlorotischen Feldahorn?

Beitrag von Andreas Ludwig »

Tim - nur eine kleine Anmerkung: Ich bin immer wieder mal erstaunt über die abenteuerlichen Theorien zur Frage der «Belüftung» von Substrat. Eine Schale ist keine Wohnung, durch die man ab und an Luft führen soll, damit sie nicht muffelt. «Belüftung» ist ein für viele irreführender Begriff. Tatsächlich geht es um «gelöste Gase», die im Wasser vorliegen. Stickstoff, Sauerstoff und Kohlendioxid werden vom Wasser aufgenommen und auch wieder abgegeben, «Luft» ist da keine. Die Konzentration hängt von der Temperatur und der Durchmischung ab, für Berechnungen dienen das Henry-Gestz und die Avogadro-Konstante o.ä.

Oder etwas einfacher: Will ich CO2 im Wasser, löse ich das durch Einblasen da drin und schliesse die Flasche gut zu. Darum blubbert die Cola. Will ich gar nichts im Wasser, koche ich es und lasse es abgedeckt stehen, das nennt man «ausgegastes Wasser» und ist nicht gut für Lebewesen. Giesse ich nun sprudelndes Leitungswasser in eine Kanne und über ein Substrat, in das es unter zusätzlicher Aufnahme von Umgebungsluft sickert, habe ich automatisch eine erhebliche «Belüftung», auch wenn man als Mensch da keine Luft sieht.
It is not enough to be busy. So are the ants. The question is: What are we busy about?
(Thoreau)
Benutzeravatar
Suikinkutsu
Beiträge: 200
Registriert: 25.03.2024, 13:49
Wohnort: bei Dortmund

Re: Welche Maßnahmen bei einem chlorotischen Feldahorn?

Beitrag von Suikinkutsu »

Hallo Andreas,

die Darstellung finde ich denn doch zu verkürzt und dadurch mißverständlich. Denn demnach müssten Pflanzen in wassergesättigtem Boden prima gedeihen, wenn man nur möglichst oft mit frischem Wasser gießt.

In sehr aufwändigen Varianten der Hydroponik (inzwischen offenbar auch dem Ackerbau, s.u.) tut man so etwas änliches sogar, in dem man z.B. luft- bzw. sauerstoffübersättigtes (Gieß-)Wasser verwendet.
In einfacheren Varianten der Hydroponik verwendet man hingegen ein Ebbe- und Flut-System. Damit zwischendurch Luft an die Wurzeln kommt....

Richtig ist natürlich, dass der Sauerstoff schlussendlich über den Wasserfilm auf der Wurzel in diese diffundiert. Da kommt er bei den hier diskutierten Substraten aber nicht nur über das Gießwasser hin, sondern v.a. über Poren im Substrat, die in der Tat Luft enthalten. Luft ist da also durchaus - und in grobem Substrat sieht man die dann sogar ohne Lupe oder Mikroskop.
Und es ist durchaus von Vorteil, wenn diese Luft regelmäßig ausgetauscht wird, damit der Sauerstoff kontinuierlich in den Wasserfilm auf der Wurzel nachrücken kann, da der Sauerstoffgehalt dort sich bei aktivem Stoffwechel recht zügig reduziert.
Das findet bei geeignetem Substrat durch die entstehenden Konzentrationsunterschiede von allein statt (je dichter und je zentraler, je schlechter...). Diese kleinen Zimmerchen hin und wieder ordentlich durchzulüften (durch intensives Gießen, wie das v.a. bei gut drainierten Substraten möglich ist) schadet aber nicht, ganz im Gegenteil.
Die Analogie zur eigenen Wohnung ist hier also garnicht so verkehrt.

Einfache Erklärung im Fachgebärden-Lexikon Gärtnerei und Landschaftsbau der Uni Hamburg (Lemmata "Wurzel" und "Bodenluft").

Ausführlicher in diesem Artikel, der weiter interessante Aspekte beleuchtet, die die Sauerstoffverfügbarkeit beeinflussen (mikrobielles Bodenleben und Salinität), deutlich macht, wie groß der Einfluß des Sauerstoffs im Wurzelbereich auf das Pflanzengedeihen ist - und welcher immense technische Aufwand in der Landwirtschaft zumindest in Tests betrieben wird, um diesen möglichst hoch zu schrauben (da in der Tat dann v.a. über das Gießwasser - aber möglichst zusätzlich zu einem gut ventilierten Boden).
Schöne Grüße

Tim
Benutzeravatar
Andreas Ludwig
Mentor
Beiträge: 6756
Registriert: 29.03.2005, 16:50
Wohnort: Schweiz

Re: Welche Maßnahmen bei einem chlorotischen Feldahorn?

Beitrag von Andreas Ludwig »

Es gibt bloss einen Haken in deinen Überlegungen: Es geht hier nicht um «stehendes Wasser», bloss um «verfügbare Feuchtigkeit». Also nicht Tümpelhaltung, sondern dieser diffizile Mix aus Dunst, Kapillarkraft und Speicherfeuchte im Substrat. Wurzeln sind nun mal auf Dauerfeuchtigkeit angewiesen. Spielchen mit «Belüften/Austrocknen lassen» können da ganz schnell in die Hose gehen, genauer innerhalb von 12 Stunden. Hat man allzu grosse Angst vor Staunässe, kriegt man dann den Stöpsel durch «hydrologischen Systemkollaps» klein...

Im übrigen gilt immer wieder der Hinweis, dass es Holzpflanzen jetzt schon ein paar Millionen Jahren ohne uns geschafft haben - nicht alle überall, aber immer wieder welche. Weshalb ich Beobachtung der Habitate, der Arten und ihrer Gewohnheiten weit über «Gardena-Terminator-Lösungen» stelle und keine Berührungsängste gegenüber humosem Substrat habe. Das Rad war rund, bevor der homo sapiens aufgetaucht ist.

Wenn dich die Materie interessiert, findest du in Nick Lenz' Buch «Bonsai from the wild» zum Beispiel sehr interessante Hinweise zum Vorkommen von Lärchen in neuenglischen Sümpfen. Folge immer den Praktikern. Die Theoretiker haben selten mehr als etwa eine Phalaenopsis auf der Fensterbank...
It is not enough to be busy. So are the ants. The question is: What are we busy about?
(Thoreau)
Benutzeravatar
HeinrichI
Beiträge: 386
Registriert: 03.11.2016, 22:08
Wohnort: Fredersdorf-Vogelsdorf

Re: Welche Maßnahmen bei einem chlorotischen Feldahorn?

Beitrag von HeinrichI »

Ich habe erst einmal alles nach meinem letzten "Auftritt" gelesen. Es gibt einiges, worauf zu antworten ist. Jetzt ist es einfach zu spät.
Benutzeravatar
HeinrichI
Beiträge: 386
Registriert: 03.11.2016, 22:08
Wohnort: Fredersdorf-Vogelsdorf

Re: Welche Maßnahmen bei einem chlorotischen Feldahorn?

Beitrag von HeinrichI »

Hallo an alle, die es interessiert,
fangen wir mal für Tim oben an.
Tim, was die Sache mit den organischen Substanzen betrifft, habe ich vor über 20 Jahren ein Initialerlebnis gehabt. Bei einer Serissa (die wegen ihrer sogenannten Zickigkeit sehr unbeliebt ist) habe ich die Problematik mit schwarz werdenden Blättern und Triebspitzen auch kennen gelernt. Auch durch Verringerung der Wassermengen konnte ich nach dieser Misere sowieso nichts mehr erreichen. Habe den Wurzelballen aus der Schale genommen und gesehen, dass alles verschlämmt war. Aus lauter Verzweiflung (damals wusste ich es auch nicht genau) habe ich den Wurzelballen ausgespült, faulen Wurzeln entfernt und anschließend den Ballen in reinen Split eingetopft. Und siehe da die Serissa hat sich wunderbar erholt. Seit dem war mir klar, dass ein stabiles Substrat für eine gute Entwässerung und bleibende Belüftung sorgt und eine Verschlämmung unbedingt vermieden werden muss. Es gab zwar noch andere Effekte bei der Serissa, aber sie existiert heute noch.
Eine weitere später online- bestellte Serissa kam (man beachte) in einem reinen Lavasubstrat. Das ist eben eine Lösung für empfindliche Wurzeln und tendenziell für das generelle Wohlbefinden von Wurzeln.
Vor ein paar Jahren habe ich bei einer Kastanie ein anderes Experiment mit vermeintlich stabilem Terra-Preta-Granulat gemacht. Das ist voll in die Hose gegangen, nach 2 Jahren, sie sah nicht gut aus, musste sie im Mai 23 aus der Schale genommen und in neues Substrat (wie immer rein mineralisch) gesetzt werden. Die Kastanie sieht heute sehr gut aus.

Wegen dieser Vorkommnisse kommt für mich kein organisches Material in Frage. Und was die Anpassung des mineralischen Substrates für Laub- bzw. Nadelbäume betrifft, wird mit den Anteilen von Akadama, Bims und Lava variiert.
Im Gegensatz zu DDR-Zeiten konnten wir dann in der Neuzeit endlich das beliebte Akadama, Kanuma und Kiryu einsetzen. So habe ich ab Ende der 90er Jahre für alle Pflanzen grundsätzlich nur noch eine Mischung aus Akadama, Lava und Sand verwendet (alles gesiebt und damit ein Schichtsystem aufgebaut).

Wenn andere mit Ihrem System auch gute Erfahrungen gemacht haben, ist das OK.

Meine negativen Erfahrungen und das Ziel immer eine weitestgehend „saubere“ Drainageschicht (als Qualitätsmerkmal) zu bewahren, auch mit Hilfe einer korngrößenorientierten Schichtung mit Drainage unten und Deckschicht oben und die damit erreichten positiven Erfahrungen, haben mich dazu bewegt, mein Substrat so und nicht anders, zu gestalten und für die Zukunft beizubehalten.
Im Bild eine Wurzelballen eines Acer, der 2019 das letzte Mal umgetopft wurde. Da ist keine Verschlämmung erkennbar. Es wurde Zeit ihn umzutopfen.
P1100979_kd.jpg
P1100979_kd.jpg (109.2 KiB) 2307 mal betrachtet
Ich kann mich gar nicht erinnern, ob ich zu der damaligen Zeit überhaupt noch mit organischen Substanzen „gespielt“ habe. Ich weiß aber, dass ich zwischendurch auch fertige Bonsaierde verwendet hatte.
Jetzt interessiert mich aber auch ganz brennend, ob es noch mehr Kritik, außer den von Dir oben benannten Punkten, gibt.
Was eine baumorientierte Mischung betrifft, verwende nur eine „Substratsorte“, egal, ob für für Wacholder, Lärchen oder Laubbäume. Ich bin überzeugt, dass eine Mischungsoptimierung weitere Vorteile bringt, habe ich nicht untersucht. Bei dem Zustand meiner Bäume kann mich ganz entspannt zurücklehnen, weil dadurch keinerlei Probleme entstanden sind. Dieses Jahr sehen alle Pflanzen hervorragend aus, außer den beiden Wacholdern, aber das hat einen anderen Grund.

Was das Schichtsystem betrifft, lese ich immer wieder, dass das Substrat immer mit mehreren Sieben ausgesiebt wird, aber nie wie die Schichten aufgebaut werden. Defacto bedeutet das aber, dass diese verschiedenen Korngrößen dann auch in getrennten Schichten aufgebracht werden. Wozu muss man sonnst sieben?

Ein Beitrag dazu habe ich von Holger gefunden (12.06.2008) und heißt „Substrat – Grundlagen zum Substrat“ mit einem Kommentar von Zopf (Dieter)
wo unter dem Punkt „Korngrößen“ etwas über Korngrößenschichtung geschrieben steht, deren Erklärung ich allerdings nicht verstanden habe. Diese Schichtfolge mit der Deckschicht hat für mich einen von der Reihenfolge richtigen Sinn.

Du hast Recht, dass das mineralische Substrat gleichzeitig als Drainage dienen kann. Wer es so will, kann es ruhig so machen. Ich bleibe bei den 6 - 7 mm Steinen, ist einfach billiger. Bei sehr flachen Schalen würde mir wahrscheinlich auch nichts anderes übrig bleiben.

Alles beruht auf eine fast 40jährige Bonsai-Erfahrung; nicht nur positive, gerade aus negativen Erlebnissen erfährt man dann eine harte Belehrungen. Oft ist es so, dass es Effekte gibt, die man sich im Nachhinein nicht erklären kann. So habe ich erst in diesem Jahr einen wunderschönen Acer ruiniert, so was kommt auch vor. Hier habe ich wenigstens eine Vermutung, warum das geschehen ist. Ich werde zu gegebenen Anlass dazu berichten.

Dann noch mal zu Deinem Substrat: Bei hochsommerlichem Wetter musst Du bei der groben Körnung bestimmt mehrmals am Tag gießen oder noch mehr?
Dazu noch mal meine Empfehlung: Mach eine Deckschicht aus feinerem Material drauf; noch besser, nimm die oberste Schicht bis auf die obere Wurzelebene weg und lege darauf die Deckschicht, wie oben von mir erläutert. Mach´s einfach.

Übrigens, Deine Vorstellung von Belüftung kann ich so nicht nachvollziehen. So wie beim Menschen zum Atmen über den Mund braucht es zum Belüften des Substrates auch nur eine Öffnung (die Abzugslöcher in der Schale). Bei Deinem offenen System gibt es gar keine geschlossene Be- und Endlüftung, nur eine starke Verdunstung. Die Frage, die ich auch nicht beantworten kann, ist, was ist besser.

Ich hoffe, dass ich Deine Fragen soweit beantworten konnte.

Ein schönes Wochenende, Gruß Heiner
Benutzeravatar
HeinrichI
Beiträge: 386
Registriert: 03.11.2016, 22:08
Wohnort: Fredersdorf-Vogelsdorf

Re: Welche Maßnahmen bei einem chlorotischen Feldahorn?

Beitrag von HeinrichI »

Man ist das ein Text da oben.

Noch mal zusammengefasst, wie ich auf mein Substratkonzept komme:
1. 40 Jahre Erfahrungen
2. einfach an der Hypothese (mechanisch stabiles Material verwenden und Durchlässigkeit gewährleisten, für viele Jahre) dran bleiben, beobachten und gegebenenfalls korrigieren.
Diese Substrat wird auch der eigentlichen Themenüberschrift (...Maßnahmen bei Chlorose...) gerecht. Clorose gibt es bei mir nicht, nur wieder die Serissa, die sehen etwas blass aus. Die haben vor kurzem ihr Eisenchelat bekommen.
PICT0354_kd.jpg
PICT0354_kd.jpg (94.67 KiB) 2232 mal betrachtet
Übrigens ist Seramis im Bonsaisubstrat unangebracht (sieht Sch... aus und braucht man auch nicht). Ich kann mich nicht genau an die früheren Kommentare erinnern, aber Seramis wurde allgemein abgelehnt.

Weiterhin recycele ich gebrauchtes Substrat:
1. Grobes wie Moos und Wurzeln wird schon mal rausgenommen
2. getempert 2h bei 130°C in einem Temperofen
3. gesiebt in DIE 2 Größen
4. in einer Windvorrichtung wird die Spreu (feines, organisches Material) vom Weizen (Mineralien) getrennt. Der Aufbau besteht aus einem modifizierten Karton und wird mit einem Haarfön als Windmaschine betrieben.

Hier der Temperofen:
PICT0358_kd.jpg
PICT0358_kd.jpg (101.37 KiB) 2232 mal betrachtet
Das mache ich bereit seit mindestens 10 Jahren und eigentlich weiß ich schon gar nicht mehr, wieviel Anteile von welchem Material dort noch enthalten sind. Ich gebe immer noch neues Material dazu, aber als mein Akadama aufgebraucht war, habe ich "Kölles Beste" dazu gegeben.
Ich kann nur sagen, dass die Wiederverwendung und sich zufällig ergebenden Mischungsverhältnisse keine negativen Auswirkungen auf das Wachstum gezeigt hat.
Welchen ein Spielraum sich dort offenbart. Materialtyp scheint nicht relevant zu sein, es kommt dann nur noch auf die Düngung an.

Gruß Heiner
Benutzeravatar
mydear
Beiträge: 9264
Registriert: 13.09.2011, 17:47
Wohnort: Regensburg

Re: Welche Maßnahmen bei einem chlorotischen Feldahorn?

Beitrag von mydear »

Was machst du denn mit dem Spiritus? Gibst du das zu den Eisensalzen oder -Chelaten?

Grüße
Rainer
“Fais de ta vie un rêve, et d'un rêve, une réalité“ Antoine de Saint-Exupéry
Antworten