Waldgestaltung: Do it yourself-Anleitung
Waldgestaltung: Do it yourself-Anleitung
Liebe Bonsai-Interessierte und im besonderen Wald-Interessierte
der Frühling weckt zu Tatendrang und so hatte ich gestern die Gelegenheit mit Jürg Stäheli einen weiteren Wald zu gestalten. Dabei habe ich die Technik aus der ersten Waldgestaltung verfeinert und möchte mit euch diese Anleitung teilen. Es geht hier in erster Linie um die Technik und nicht um die Gestaltung. Die entstandenen Wälder werden später separat vorgestellt.
Jürg hat sich anerboten, die Bilder der Technik beizusteuern. Das wird sicherlich das hier geschrieben verständlicher machen.
1. Schritt (die Pflanzenvorbereitung)
genügend Rohmaterial, Sämlinge, Stecklinge oder im Wald gesammelte Pflanzen mindestens eine Saison in kleinen Töpfchen vorbereiten. Im Frühjahr Laubbäume (Rotbuchen im Winter) mit kräftigem Wurzelschnitt umtopfen. Ich wähle dazu Joghurt-Becher oder Frischkäse-Schälchen. wichtig ist, dass sie kompakt und stabil sind. mit einer heissen Nadel werden Abflusslöcher in den Boden und in die Seiten unten gebohrt. 2-3 Löcher am oberen Rand können für die Befestigung der Pflanze gemacht werden.
Die Pflänzchen in gut durchlässiges Substrat einpflanzen. Die Wurzel darf direkt auf dem Boden des Bechers liegen, den Becher nur etwa bis zur Hälfte füllen. ich verwende ein Gemisch mit 50% Perlite. bei säureliebenden Pflanzen ergänze ich das Substrat mit Basaltsplitt, Kanuma-Erde und feingechnittenem (Torf-)Moos.
Bei übrigen Pflanzen ergänze ich mit Blähtonbruch, Akadama, scharfem Sand und was sonst noch so gerade herumsteht (Kokos-Torfersatz). Buchen erhalten noch eine Portion kleingewalzter Eierschalen.
Mit Kunstbast werden die Bäume abgespannt und im Töpfchen fixiert. Dicht an dicht, in eine Gitterbox oder Gemüsekiste gedrängt, dürfen sie bei regelmässiger Wassergabe ein Jahr voll Sonnenschein verbringen.
Meine Buchen wurden nach einem Jahr ein zweites Mal mit Wurzelschnitt in dieselben Schälchen und Becher getopft. Ziel: Ein möglichst dichter kleiner Wurzelballen.
2. Schritt (Kiste)
für die Gestaltung ist es wichtig, eine Kiste zu haben, die der künftigen Schalengrösse entspricht. Länge und Breite sollten etwa der künftigen Schalengrösse entsprechen. Die Tiefe muss mindestens 3cm tiefer sein, als die zukünftige Schale. Die 3 cm zusätzliche Höhe wird mit einer Styroporplatte mit entsprechender Dicke gefüllt. Diese wird exakt in die Kiste eingepasst und sollte möglichst an einem Stück sein.
Wir haben uns eine Kiste aus zwei Dachlatten, 8 Täferbrettern und 40 Nägeln gebaut. Auch eine alte Weinkiste oder sonstwie zwei Jahre feuchtebeständige Box leisten gute Dienste.
Die Styroporplatte (EPS-Platte) wird exakt eingepasst und vor dem Einlegen in die Kiste mit einer Ahle oder einem Schraubenzieher mehrmals durchstossen (Entwässerungslöcher).
3. Schritt (Wurzelballen und Baumfixierung)
die Wurzeln der vor einem oder zwei Jahre vorbereiteten Pflanzen werden sorgfältig ausgekämmt und der Wurzelballen von toten Wurzeln befreit. Schaschlikspiesse (vorzugsweise aus Bambus) werden an jeden einzelnen Stamm gebunden und die Bäume sortiert. Es ist wichtig, die Bäume satt an mindestens zwei Stellen mit dem Spiess zu befestigen. Die Spitze des Spiesses zeigt nach unten und steht etwa 2 cm aus dem Wurzelballen heraus. Mit halbiertem Kunstbast zu arbeiten, geht sehr gut. Er löst sich unter dem UV-Anteil binnen 2-3 Jahre auf.
4. Schritt (Zusammenstellen)
mit den fertig vorbereiteten Bäumen kann das Gestalten beginnen! Die Bäume werden mithilfe des Schaschlik-Spiesses in die Styrpoprplatte gesteckt. Die Position lässt sich 1 zu 1 überprüfen und einfach umstecken. Das lässt sich gut auch alleine handhaben. Das umständliche Festhalten von Bäumen bis zum Einfüllen des Substrats entfällt.
5. Schritt (Substrat und Terraingestaltung)
wenn alle Pflänzchen platziert sind, kann das Substrat eingearbeitet werden. Mit einem feinen Stäbchen wird das Substrat zwischen die Wurzeln eingearbeitet. Hügel oder Senken können geformt werden und dienen nebst einer lebendigen Gestaltung auch dazu das Substrat lokal etwas feuchter zu halten.
Ein durchdringendes Giessen schliesst die Zusammenstellung ab.
Jetzt können die kleinen Wurzelballen zusammenwachsen, ehe die Stämme weiter geformt werden.
Nachahmer sind herzlich willkommen! Viel Spass.
der Frühling weckt zu Tatendrang und so hatte ich gestern die Gelegenheit mit Jürg Stäheli einen weiteren Wald zu gestalten. Dabei habe ich die Technik aus der ersten Waldgestaltung verfeinert und möchte mit euch diese Anleitung teilen. Es geht hier in erster Linie um die Technik und nicht um die Gestaltung. Die entstandenen Wälder werden später separat vorgestellt.
Jürg hat sich anerboten, die Bilder der Technik beizusteuern. Das wird sicherlich das hier geschrieben verständlicher machen.
1. Schritt (die Pflanzenvorbereitung)
genügend Rohmaterial, Sämlinge, Stecklinge oder im Wald gesammelte Pflanzen mindestens eine Saison in kleinen Töpfchen vorbereiten. Im Frühjahr Laubbäume (Rotbuchen im Winter) mit kräftigem Wurzelschnitt umtopfen. Ich wähle dazu Joghurt-Becher oder Frischkäse-Schälchen. wichtig ist, dass sie kompakt und stabil sind. mit einer heissen Nadel werden Abflusslöcher in den Boden und in die Seiten unten gebohrt. 2-3 Löcher am oberen Rand können für die Befestigung der Pflanze gemacht werden.
Die Pflänzchen in gut durchlässiges Substrat einpflanzen. Die Wurzel darf direkt auf dem Boden des Bechers liegen, den Becher nur etwa bis zur Hälfte füllen. ich verwende ein Gemisch mit 50% Perlite. bei säureliebenden Pflanzen ergänze ich das Substrat mit Basaltsplitt, Kanuma-Erde und feingechnittenem (Torf-)Moos.
Bei übrigen Pflanzen ergänze ich mit Blähtonbruch, Akadama, scharfem Sand und was sonst noch so gerade herumsteht (Kokos-Torfersatz). Buchen erhalten noch eine Portion kleingewalzter Eierschalen.
Mit Kunstbast werden die Bäume abgespannt und im Töpfchen fixiert. Dicht an dicht, in eine Gitterbox oder Gemüsekiste gedrängt, dürfen sie bei regelmässiger Wassergabe ein Jahr voll Sonnenschein verbringen.
Meine Buchen wurden nach einem Jahr ein zweites Mal mit Wurzelschnitt in dieselben Schälchen und Becher getopft. Ziel: Ein möglichst dichter kleiner Wurzelballen.
2. Schritt (Kiste)
für die Gestaltung ist es wichtig, eine Kiste zu haben, die der künftigen Schalengrösse entspricht. Länge und Breite sollten etwa der künftigen Schalengrösse entsprechen. Die Tiefe muss mindestens 3cm tiefer sein, als die zukünftige Schale. Die 3 cm zusätzliche Höhe wird mit einer Styroporplatte mit entsprechender Dicke gefüllt. Diese wird exakt in die Kiste eingepasst und sollte möglichst an einem Stück sein.
Wir haben uns eine Kiste aus zwei Dachlatten, 8 Täferbrettern und 40 Nägeln gebaut. Auch eine alte Weinkiste oder sonstwie zwei Jahre feuchtebeständige Box leisten gute Dienste.
Die Styroporplatte (EPS-Platte) wird exakt eingepasst und vor dem Einlegen in die Kiste mit einer Ahle oder einem Schraubenzieher mehrmals durchstossen (Entwässerungslöcher).
3. Schritt (Wurzelballen und Baumfixierung)
die Wurzeln der vor einem oder zwei Jahre vorbereiteten Pflanzen werden sorgfältig ausgekämmt und der Wurzelballen von toten Wurzeln befreit. Schaschlikspiesse (vorzugsweise aus Bambus) werden an jeden einzelnen Stamm gebunden und die Bäume sortiert. Es ist wichtig, die Bäume satt an mindestens zwei Stellen mit dem Spiess zu befestigen. Die Spitze des Spiesses zeigt nach unten und steht etwa 2 cm aus dem Wurzelballen heraus. Mit halbiertem Kunstbast zu arbeiten, geht sehr gut. Er löst sich unter dem UV-Anteil binnen 2-3 Jahre auf.
4. Schritt (Zusammenstellen)
mit den fertig vorbereiteten Bäumen kann das Gestalten beginnen! Die Bäume werden mithilfe des Schaschlik-Spiesses in die Styrpoprplatte gesteckt. Die Position lässt sich 1 zu 1 überprüfen und einfach umstecken. Das lässt sich gut auch alleine handhaben. Das umständliche Festhalten von Bäumen bis zum Einfüllen des Substrats entfällt.
5. Schritt (Substrat und Terraingestaltung)
wenn alle Pflänzchen platziert sind, kann das Substrat eingearbeitet werden. Mit einem feinen Stäbchen wird das Substrat zwischen die Wurzeln eingearbeitet. Hügel oder Senken können geformt werden und dienen nebst einer lebendigen Gestaltung auch dazu das Substrat lokal etwas feuchter zu halten.
Ein durchdringendes Giessen schliesst die Zusammenstellung ab.
Jetzt können die kleinen Wurzelballen zusammenwachsen, ehe die Stämme weiter geformt werden.
Nachahmer sind herzlich willkommen! Viel Spass.
Sind diese Blumen künstlich? - Natürlich.
Also natürlich oder künstlich? - Natürlich künstlich!
Also natürlich oder künstlich? - Natürlich künstlich!
Re: Waldgestaltung: Do it yourself-Anleitung
Hey Roger,
da freue ich mich schon auf die Bilder!
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Gruß
László
"Wer arbeitet, macht Fehler."
Alfred Krupp
László
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- Jürg Stäheli
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Re: Waldgestaltung: Do it yourself-Anleitung
Der Buchenwald. November 24.
- Dateianhänge
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- Roger sortiert die vorbereiteten Bäume.
- P1030235 2.JPG (135.52 KiB) 13387 mal betrachtet
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- Das Ausgangsmaterial.
- P1030237.JPG (236.87 KiB) 13387 mal betrachtet
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- Beginn der Gestaltung.
- P1030239 2.JPG (102.08 KiB) 13387 mal betrachtet
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- Die Bäume werden mit den Stäbchen in die Styroporplatte gesteckt.
- P1030244 2.JPG (117.11 KiB) 13387 mal betrachtet
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- Das Granulat wird dazu gegeben.
- P1030245 2.JPG (103.67 KiB) 13387 mal betrachtet
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- Die Gestaltung ist vorläufig abgeschlossen.
- P1030250 2.JPG (95.62 KiB) 13387 mal betrachtet
- Jürg Stäheli
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Re: Waldgestaltung: Do it yourself-Anleitung
Der Stewartia Wald. März 25
- Dateianhänge
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- Roger mit der vorbereiteten Kiste.
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- Auch die Bäume sind gut vorbereitet.
- P1030773 3.JPG (165.22 KiB) 13378 mal betrachtet
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- Die Wurzeln werden gerichtet.
- P1030775 2.JPG (164.46 KiB) 13378 mal betrachtet
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- Ein Pflanzplan wurde erstellt.
- P1030780 2.JPG (109.81 KiB) 13378 mal betrachtet
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- Ideenskizze
- P1030782 2.JPG (70.68 KiB) 13378 mal betrachtet
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- Beginn der Gestaltung.
- P1030778 2.JPG (92.34 KiB) 13378 mal betrachtet
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- P1030784 2.JPG (106.51 KiB) 13378 mal betrachtet
- Jürg Stäheli
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Re: Waldgestaltung: Do it yourself-Anleitung
weiter
- Dateianhänge
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- P1030789 2.JPG (110.54 KiB) 13371 mal betrachtet
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- P1030793 2.JPG (124.06 KiB) 13371 mal betrachtet
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- Die Bäume werden mit den Stäbchen in die Styroporplatte aufgespiesst.
- P1030796 2.JPG (132.09 KiB) 13371 mal betrachtet
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- Die Anordnung ist vorläufig abgeschlossen.
- P1030801 2.JPG (140.86 KiB) 13371 mal betrachtet
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- Das Granulat wird eingefüllt.
- P1030806 2.JPG (196.42 KiB) 13371 mal betrachtet
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- Die Arbeit ist abgeschlossen.
- P1030809 2.JPG (140.66 KiB) 13371 mal betrachtet
Re: Waldgestaltung: Do it yourself-Anleitung
Vielen Dank für die Anleitung
Gruß Holger
Gruß Holger
Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit.
Beim Universum bin ich mir aber noch nicht ganz sicher
(Albert Einstein)
Beim Universum bin ich mir aber noch nicht ganz sicher
(Albert Einstein)
Re: Waldgestaltung: Do it yourself-Anleitung
Diese Anleitung mit wertvollen Tipps ist auch für mich als Anfänger super geeignet, mich an das Thema Waldgestaltung und dessen praktische Umsetzung zu trauen. Vielen Dank @roro und @Jürg Stäheli dass ihr euch die Mühe für diesen Leitfaden gemacht habt!
Re: Waldgestaltung: Do it yourself-Anleitung
Hallo Roger,
eine sehr hilfreiche Anleitung. Einen Wald zu pflanzen ist eine sehr wackelige Angelegenheit, bei der oft 4 Hände nicht ausreichen und ständig etwas umfällt. Weiteres Problem: wenn man Stämme eng zusammensetzten möchte, drückt man zuerst fest zusammen und verbiegt dabei die Wurzeln. Die Wurzeln wollen wieder in ihre ursprüngliche Position zurück und dabei drückt es die Stämme wieder auseinander. Diese Probleme hast du mit deiner Methode nicht. Auch bleiben deinen Bäume im rechten Winkel gerade stehen.
Bitte beide Wälder hier regelmäßig posten. Bin sehr gespannt auf die Entwicklung in den kommenden Jahren.
lg Thomas
eine sehr hilfreiche Anleitung. Einen Wald zu pflanzen ist eine sehr wackelige Angelegenheit, bei der oft 4 Hände nicht ausreichen und ständig etwas umfällt. Weiteres Problem: wenn man Stämme eng zusammensetzten möchte, drückt man zuerst fest zusammen und verbiegt dabei die Wurzeln. Die Wurzeln wollen wieder in ihre ursprüngliche Position zurück und dabei drückt es die Stämme wieder auseinander. Diese Probleme hast du mit deiner Methode nicht. Auch bleiben deinen Bäume im rechten Winkel gerade stehen.
Bitte beide Wälder hier regelmäßig posten. Bin sehr gespannt auf die Entwicklung in den kommenden Jahren.
lg Thomas
Re: Waldgestaltung: Do it yourself-Anleitung
Vielen Dank für die tolle Anleitung, Roger und Jürg.
Das ist wirklich sehr hilfreich. Jetzt weiß ich, was ich beim nächsten Wald anders machen muss.
Liebe Grüße,
Barbara
Das ist wirklich sehr hilfreich. Jetzt weiß ich, was ich beim nächsten Wald anders machen muss.
Liebe Grüße,
Barbara
"Sorge Dich um den Beifall der Leute, und Du wirst ihr Gefangener sein." LAOTSE
Re: Waldgestaltung: Do it yourself-Anleitung
Das kann man gebrauchen, toll gemacht, danke.
Norbert
So wie du bist, so sind auch deine Gebäude
Sullivan, 1924
So wie du bist, so sind auch deine Gebäude
Sullivan, 1924
Re: Waldgestaltung: Do it yourself-Anleitung
Vielen Dank @Jürg Stäheli für die tolle Ergänzung mit Bild und Legenden.
Und ich freue mich, wenn es den/ die eine/n oder andere/n ermutigt es auch mit einer Waldgestaltung zu versuchen!
Die Wälder werden in ein paar Jahren separat vorgestellt, wenn sie dann gestalterisch interessanter sind. momentan müssen die Einzelpflanzen erst einmal zusammenwachsen.
Und ich freue mich, wenn es den/ die eine/n oder andere/n ermutigt es auch mit einer Waldgestaltung zu versuchen!
Die Wälder werden in ein paar Jahren separat vorgestellt, wenn sie dann gestalterisch interessanter sind. momentan müssen die Einzelpflanzen erst einmal zusammenwachsen.
Sind diese Blumen künstlich? - Natürlich.
Also natürlich oder künstlich? - Natürlich künstlich!
Also natürlich oder künstlich? - Natürlich künstlich!
Re: Waldgestaltung: Do it yourself-Anleitung
Servus
Sehr gute Anleitung, leicht verständlich und nachvollziehbar. Mit den Bildern ist noch mal genauer detailliert. Ich habe schon Mal Wald gestaltet mit ähnlichen Verlauf, bloß ich habe die Bäume mit dem etwas dickeren Draht umwickelt und dann in das Styropor eingesteckt, vom Rand hab ich ca halben Zentimeter weggelassen und unter Styropor grobe Granulat gemacht damit das Wasser besser abfließen kann. Habe auch hier im Forum abgeguckt.
Bin schon gespannt wie es in der Zukunft weiter geht.
LG Andreas
Sehr gute Anleitung, leicht verständlich und nachvollziehbar. Mit den Bildern ist noch mal genauer detailliert. Ich habe schon Mal Wald gestaltet mit ähnlichen Verlauf, bloß ich habe die Bäume mit dem etwas dickeren Draht umwickelt und dann in das Styropor eingesteckt, vom Rand hab ich ca halben Zentimeter weggelassen und unter Styropor grobe Granulat gemacht damit das Wasser besser abfließen kann. Habe auch hier im Forum abgeguckt.
Bin schon gespannt wie es in der Zukunft weiter geht.
LG Andreas
Re: Waldgestaltung: Do it yourself-Anleitung
Hallo Roger und Jürg,
das ist eine tolle praktische Anleitung für den fummeligen Schritt der ersten Zusammenstellung einer Waldpflanzung und eine gute Weiterentwicklung des von Herbert Aigner gezeigten Wegs!
Ich freue mich schon auf die weitere Doku der zwei gezeigten Wälder!
Herzliche
das ist eine tolle praktische Anleitung für den fummeligen Schritt der ersten Zusammenstellung einer Waldpflanzung und eine gute Weiterentwicklung des von Herbert Aigner gezeigten Wegs!
Ich freue mich schon auf die weitere Doku der zwei gezeigten Wälder!
Herzliche
Grüße
Monika
Monika
Waldgestaltung: Do it yourself-Anleitung - Teil 2 (Theorie)
Liebe Waldbegeisterte
den Schwung aus unserem Symposium möchte ich nutzen um die gestalterischen Ansätze hinter Wäldern - oder Gruppenpflanzungen - hier zu beleuchten.
Der erste Teil dieses Berichts diente der „technischen“ Umsetzung des Waldes - oder allgemeiner der Gruppenpflanzung. In diesem zweiten Teil möchte ich mich den gestalterischen Aspekten eines Waldes widmen.
Als Quellen dienten mir die Texte von John Yoshio Naka (Bonsai Techniques I), die Texte von Koide, Kato und Takeyama (Bonsai, Freude an japanischen Zwergbäumen, BLV), sowie Auszüge aus Man Lung Artistic Pot Plants, 1967 und aus Peter Adams’ Bonsai Landscapes, ward lock.
Waldgestaltungen sind der Überbegriff einer Vielzahl an Gestaltungsformen, die prinzipiell aus 3 und mehr Bäumen bestehen (wobei hier einige Autoren erst ab fünf Pflanzen von Waldgestaltungen sprechen).
Übliche Unterscheidungen sind die Art des Rohmaterials, die Form der Waldgestaltung und die geographische Differenzierung. Auf diese Punkte werde ich weiter unten eingehen.
Die Gestaltung eines Waldes gibt eine grosse Befriedigung, da bereits mit der ersten Setzung die Weichen gestellt sind und das Gerüst für die künftige Feingestaltung aufgebaut ist.
Es ist ratsam, das Rohmaterial ein paar Jahre vorzubereiten, damit diese erste Setzung auch wirklich glückt.
Bei einer Demonstration mit Laubbäumen kann ich mir nur eine Waldgestaltung vorstellen, da sie den ähnlichen Effekt der „Verwandlung“ zeigt wie bei Koniferen-Yamadori. Dort ist nach einer Demonstration meist die eingeschlagene Richtung sichtbar und die Zukunft des Baumes vorstellbar. So ist es bei Wäldern ebenfalls.
Gerade dies macht die Waldgestaltung für Anfänger bei Bonsai so verlockend: Man hat schnell ein Zwischenergebnis.
Der schlechte Ruf von Wäldern in der (westlichen) Bonsaiszene hat damit zu tun, dass man aus „minderwertigem“ Ausgangsmaterial, aus dem sich kein ansprechender Einzelbaum gestalten lasse, immer noch ein Wald gestalten könne so die häufige Aussage.
Bei meiner Recherche insbesondere von John Yoshio Naka taucht diese Aussage nachvollziehbar auf. Im Buch von Takeyama, Kato und Koide wird dazu keine Aussage gemacht, viel mehr wird explizit erwähnt, dass die Bäume für Wälder einige Jahre vorbereitet werden sollen. Im Podcast von Bjorn Bjorholm über Saburo Kato und Mansei-en (Katos ehemaliger Bonsaigarten) erwähnt Bjorn, dass Kato sich gerade wegen der westlichen Begeisterung für Waldgestaltungen den Wäldern zugewandt hat, um so die Kunst des Bonsai dem Westen zugäglicher zu präsentieren.
Nun zu den obern erwähnen Differenzierungen:
Differenzierung übers Rohmaterial:
Die folgenden Themen sollte man im Vorfeld und während der Gestaltung für sich bedenken und Antworten finden resp. seine Entscheide dazu treffen:
Rohmaterial
Das Rohmaterial muss auf die geplante Waldform abgestimmt sein. Es sollte nach der genauen Vorstellung der gewünschten Waldgestaltung ausgewählt werden. In einem bereits zusammengestellten Wald einen anderen gestalterischen Weg einzuschlagen, ist schwierig. Deshalb hier nochmals die Empfehlung die Einzelbäume für die Gestaltung genügend vorzubereiten und mehrmals zusammenstellen (in ihren Einzeltöpfchen, ich verwende Joghurtbecher), um die künftige Gestaltung zu überprüfen und bei der Rohmaterial-Erarbeitung einzugreifen. Waldgestaltungen sollten, wenn erstmals zusammengepflanzt, nur noch selten umgetopft und noch weniger wieder auseinandergenommen werden. Die Pflanzen verwachsen mit Ihren Wurzeln zu einer Einheit. Dies hilft auch bei den hormonellen Prozessen der Pflanzen untereinander und der Wuchssteuerung der Gesamtkomposition.
Artengleiche Wälder und Mischwälder
Wälder werden meist nur aus einer einzelnen Pflanzensorte gestaltet. Dies hat vor allem pflegerische Aspekte. Nichts desto trotz gibt es ein paar wenige sehr bekannte Gestaltungen mit Mischungen aus verschiedenen Laub- und sogar Nadelbäumen. Hier wären die ikonischen Mischwälder von Saburo Kato zu erwähnen.
In Bonsai Techniques I rät John Yoshio Naka ebenfalls zu Waldgestaltungen mit nur einer einzelnen Pflanzenart. Mischwaldgestaltungen mit Nadel- und Laubbaumarten werden nach seinen Anweisungen jeweils in unterschiedlichen Tiefen gepflanzt: Beispielsweise die Laubbäume im Vordergrund und die Koniferen im Hintergrund oder gerade umgekehrt.
Haine, Wälder, Forste
Gruppen- oder Waldpflanzungen können unterschiedliche Waldformationen repräsentieren. Das können kleine, lichte Haine sein, aber auch weitläufigere Wälder oder dichte Forste. Die Übergänge zwischen diesen Grössenbezeichnungen sind fliessend, so auch bei der Bonsaigestaltung.
Fernwirkung und Nahwirkung Die Wirkung die eine Waldgestaltung in der Schale erzielt, kann einen Wald in der Ferne repräsentieren oder auch die Stimmung, des „sich-im-Wald-befindens“ .
Bei der Fernwirkung hat der Betrachter eine grosse Distanz zum Wald. Die einzelnen Bäume sind meist nicht vollkommen erkennbar, aber die Silhouette des Waldes (Kontur der Kronen) ist dabei als Grossform ablesbar. Die Stämme wirken aus der Ferne ähnlich, so auch Ihre Stammdurchmesser und ihre Stellung zueinander. Die perspektivische Tiefe der Bäume zueinander spielt eine untergeordnete Rolle (Bild oben links)
Bei der Nahwirkung sind im Extremfall die Umrisse des Waldes nicht mehr sichtbar. Umsomehr ist aber die Stellung der einzelnen Bäume zueinander, deren Dickenverhältnisse und die räumliche Tiefe des Waldes prägend (Bild oben rechts).
Bei der Übersetzung dieser Stimmung in eine Bonsaiwaldgestaltung entstehen aufgrund der begrenzten Fläche durch die Schale immer Umrisse des Waldes. Die Herausforderung bestehet darin, diese Kontur gestalterisch so zu behandeln, dass sie unseren gewünschten Eindruck unterstützt (z.B. Waldrand, Lichtung oder auch nur ein Ausschnitt aus einem grösseren Ganzen)
Unterscheidung gesäter Wald - komponierte Baumsetzung
Die komponierte Baumsetzung ist die häufigste anzutreffende Waldform. Hierbei werden (meist) unterschiedlich dicke Bäume in einer natürlich wirkenden Anordnung in die Bonsaischale gesetzt.
Es wird eine ungerade Zahl Bäume gewählt und darauf geschaut, dass sich keine Bäume komplett verdecken und keine Abstände zwischen den Bäumen identisch sind (Bild oben rechts).
Der gesäte Wald ignoriert diese gestalterischen Prinzipien komplett. Er besteht meist aus einer Vielzahl von Einzelbäumen, die dicht wachsen und über ihre schiere Anzahl das Bild des Waldes wiedergeben. Kein Austarieren der Abstände oder Anordnung der Bäume untereinander ist hier nötig. Die Gestaltung kann man sich vorstellen, wie wenn sich die Bäume durch natürlichen Samenflug vermehrt hätten (Bild oben links). Gesäte Wälder haben meist ähnlich dicke Stämme und diese stehen in der Regel enger, als komponierte Wälder.
Geographische Differenzierung
Es gibt unzählige Waldarten mit ihren eigenen Stimmungen. Ich empfehle bei einer Gestaltung sich ein Referenzbild zu suchen und dieses zu analysieren. Dieses Bild muss nicht zwingend ein Foto aus der Natur sein. Es können auch andere Abbildungen beigezogen werden, seien dies Kunstwerke und Studien alter Meister (z.B. Pieter Breughel, Albrecht Dürer oder Caspar David Friedrich) oder Künstler aus der Neuzeit wie David Hockney, Leo Piron, Gerhard Richter u.v.a.m)
Eine geschickt gewählte Referenz hilft ungemein, seine Vorstellung des Waldes zu schärfen und diese bei der Umsetzung kritisch zu betrachten. Sie ist eine Hilfe für die Formung der inneren Vision. Diese Vision ist bei der Komposition eines Waldes sehr wichtig, da wir es nicht mit einer Einzelpflanze und deren Ästen zu tun haben (und diese Einzelpflanze auch mal drehen können beim Umtopfen). Bei einem Wald potentiert sich alles durch die Anzahl der Bäume und die Verbindung, die sie beim Zusammenwachsen eingehen. Ein rasches Drehen einzelner Elemente ist kaum mehr möglich. Die Aststellungen der einzelnen Bäume beeinflussen sich gegenseitig.
Einige Prinzipien zur Pflanzung
Während der erste Teil der Anleitung die ausführungstechnischen Tricks bescheibt; wie z.B. die Bäume befestigt werden, soll hier nun eine grobe Richtschnur zu den gestalterischen Tricks folgen. Es sind allgemeine Regeln, die sich aus der menschlichen Wahrnehmung und der Harmonielehre ergeben. Sie sind aber keine Gesetze die strikt angewendet werden sollten, sondern mehr Leitlinien, deren Kenntnis helfen kann.
Die Anordnung der Bäume kann dem folgenden Schema folgen. Die kleinste Gruppengestaltung beinhaltet 3 Bäume. Gruppengestaltungen mit mehr als 3 Bäumen bauen auf dem Prinzip auf und wenden diese Regeln an.
Der Hauptbaum wird etwas vor oder hinter die Mittelachse der kurzen Schalenkante platziert und meist ca. 1/3 vom Rand eingerückt. Der Begleitbaum steht relativ nahe zu diesem Baum und kann etwas vor oder etwas hinter dem Hauptbaum angeordnet werden. Der dritte Baum, z.T. als „Springer“ bezeichnet, steht auf der gegenüberliegenden Schalenseite ebenfalls nicht auf einer parallelen Linie zur Schalenvorderkante. Die drei Baumstämme bilden zusammen ein ungleichschenkliges Dreieck.
Je nach dem, wie der Nebenbaum und Springer zum Hauptbaum platziert sind, entsteht eine andere Tiefenwirkung: Ist der Hauptbaum (der grösste und dickste) vor den beiden anderen platziert, wird Tiefe suggeriert (Bilder untern links). Wird der Hauptbaum hinter die beiden begleitenden Bäume gestellt, wirkt die Gestaltung dichter und mit weniger Tiefe (Bilder unten rechts).
Dieses Prinzip gilt auch für alle weiteren dazu gruppierten Bäume. Weitere Bäume könne entweder in Gruppen zu zwei bis fünf dazu arrangiert werden, die dann als Grüppchen etwas Abstand zur Hauptgruppe haben oder die weiteren Bäume werden frei nach dem folgenden Prinzip angeordnet: Nie liegen zwei Bäume auf einer parallelen Linie zur Schalenkante, Abstände zwischen den Bäumen sind möglichst unterschiedlich zu wählen (Bäume stehen teilweise ganz eng, und teilweise weit auseinander (Bild unten). Diese Richtwerte sind aber immer mit Vorsicht zu geniessen. Es hängt massgeblich davon ab, welches Bild und welche Stimmung man vermitteln will.
den Schwung aus unserem Symposium möchte ich nutzen um die gestalterischen Ansätze hinter Wäldern - oder Gruppenpflanzungen - hier zu beleuchten.
Der erste Teil dieses Berichts diente der „technischen“ Umsetzung des Waldes - oder allgemeiner der Gruppenpflanzung. In diesem zweiten Teil möchte ich mich den gestalterischen Aspekten eines Waldes widmen.
Als Quellen dienten mir die Texte von John Yoshio Naka (Bonsai Techniques I), die Texte von Koide, Kato und Takeyama (Bonsai, Freude an japanischen Zwergbäumen, BLV), sowie Auszüge aus Man Lung Artistic Pot Plants, 1967 und aus Peter Adams’ Bonsai Landscapes, ward lock.
Waldgestaltungen sind der Überbegriff einer Vielzahl an Gestaltungsformen, die prinzipiell aus 3 und mehr Bäumen bestehen (wobei hier einige Autoren erst ab fünf Pflanzen von Waldgestaltungen sprechen).
Übliche Unterscheidungen sind die Art des Rohmaterials, die Form der Waldgestaltung und die geographische Differenzierung. Auf diese Punkte werde ich weiter unten eingehen.
Die Gestaltung eines Waldes gibt eine grosse Befriedigung, da bereits mit der ersten Setzung die Weichen gestellt sind und das Gerüst für die künftige Feingestaltung aufgebaut ist.
Es ist ratsam, das Rohmaterial ein paar Jahre vorzubereiten, damit diese erste Setzung auch wirklich glückt.
Bei einer Demonstration mit Laubbäumen kann ich mir nur eine Waldgestaltung vorstellen, da sie den ähnlichen Effekt der „Verwandlung“ zeigt wie bei Koniferen-Yamadori. Dort ist nach einer Demonstration meist die eingeschlagene Richtung sichtbar und die Zukunft des Baumes vorstellbar. So ist es bei Wäldern ebenfalls.
Gerade dies macht die Waldgestaltung für Anfänger bei Bonsai so verlockend: Man hat schnell ein Zwischenergebnis.
Der schlechte Ruf von Wäldern in der (westlichen) Bonsaiszene hat damit zu tun, dass man aus „minderwertigem“ Ausgangsmaterial, aus dem sich kein ansprechender Einzelbaum gestalten lasse, immer noch ein Wald gestalten könne so die häufige Aussage.
Bei meiner Recherche insbesondere von John Yoshio Naka taucht diese Aussage nachvollziehbar auf. Im Buch von Takeyama, Kato und Koide wird dazu keine Aussage gemacht, viel mehr wird explizit erwähnt, dass die Bäume für Wälder einige Jahre vorbereitet werden sollen. Im Podcast von Bjorn Bjorholm über Saburo Kato und Mansei-en (Katos ehemaliger Bonsaigarten) erwähnt Bjorn, dass Kato sich gerade wegen der westlichen Begeisterung für Waldgestaltungen den Wäldern zugewandt hat, um so die Kunst des Bonsai dem Westen zugäglicher zu präsentieren.
Nun zu den obern erwähnen Differenzierungen:
Differenzierung übers Rohmaterial:
- - Alle Bäume derselben Art (häufigste Gestaltung)
- Unterschiedliche Bäume verschiedener Arten
- Bäume des selben Alters, der selben Stammdurchmesser
- Bäume unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Stammdurchmesser
- Bäume mit ähnlichem Wuchs
- Bäume mit unterschiedlicher Wuchsform
- - Haine
- Wälder
- Forste
- Auf Fernwirkung bedachte Waldform
- Auf Nahwirkung bedachte Waldform
- „gesäte“ Wälder
- „komponierte“ Arrangements
- - Wälder in der Ebene
- Wälder auf hügligem Gelände
- Wälder am unteren Berghang
- Wälder mit Lichtungen
- Küstenwälder
- Urwälder
- Sumpfwälder
- Wälder mit Bachläufen
- Wälder mit kleinen Pfaden
usw.
Die folgenden Themen sollte man im Vorfeld und während der Gestaltung für sich bedenken und Antworten finden resp. seine Entscheide dazu treffen:
Rohmaterial
Das Rohmaterial muss auf die geplante Waldform abgestimmt sein. Es sollte nach der genauen Vorstellung der gewünschten Waldgestaltung ausgewählt werden. In einem bereits zusammengestellten Wald einen anderen gestalterischen Weg einzuschlagen, ist schwierig. Deshalb hier nochmals die Empfehlung die Einzelbäume für die Gestaltung genügend vorzubereiten und mehrmals zusammenstellen (in ihren Einzeltöpfchen, ich verwende Joghurtbecher), um die künftige Gestaltung zu überprüfen und bei der Rohmaterial-Erarbeitung einzugreifen. Waldgestaltungen sollten, wenn erstmals zusammengepflanzt, nur noch selten umgetopft und noch weniger wieder auseinandergenommen werden. Die Pflanzen verwachsen mit Ihren Wurzeln zu einer Einheit. Dies hilft auch bei den hormonellen Prozessen der Pflanzen untereinander und der Wuchssteuerung der Gesamtkomposition.
Artengleiche Wälder und Mischwälder
Wälder werden meist nur aus einer einzelnen Pflanzensorte gestaltet. Dies hat vor allem pflegerische Aspekte. Nichts desto trotz gibt es ein paar wenige sehr bekannte Gestaltungen mit Mischungen aus verschiedenen Laub- und sogar Nadelbäumen. Hier wären die ikonischen Mischwälder von Saburo Kato zu erwähnen.
In Bonsai Techniques I rät John Yoshio Naka ebenfalls zu Waldgestaltungen mit nur einer einzelnen Pflanzenart. Mischwaldgestaltungen mit Nadel- und Laubbaumarten werden nach seinen Anweisungen jeweils in unterschiedlichen Tiefen gepflanzt: Beispielsweise die Laubbäume im Vordergrund und die Koniferen im Hintergrund oder gerade umgekehrt.
Haine, Wälder, Forste
Gruppen- oder Waldpflanzungen können unterschiedliche Waldformationen repräsentieren. Das können kleine, lichte Haine sein, aber auch weitläufigere Wälder oder dichte Forste. Die Übergänge zwischen diesen Grössenbezeichnungen sind fliessend, so auch bei der Bonsaigestaltung.
Fernwirkung und Nahwirkung Die Wirkung die eine Waldgestaltung in der Schale erzielt, kann einen Wald in der Ferne repräsentieren oder auch die Stimmung, des „sich-im-Wald-befindens“ .
Bei der Fernwirkung hat der Betrachter eine grosse Distanz zum Wald. Die einzelnen Bäume sind meist nicht vollkommen erkennbar, aber die Silhouette des Waldes (Kontur der Kronen) ist dabei als Grossform ablesbar. Die Stämme wirken aus der Ferne ähnlich, so auch Ihre Stammdurchmesser und ihre Stellung zueinander. Die perspektivische Tiefe der Bäume zueinander spielt eine untergeordnete Rolle (Bild oben links)
Bei der Nahwirkung sind im Extremfall die Umrisse des Waldes nicht mehr sichtbar. Umsomehr ist aber die Stellung der einzelnen Bäume zueinander, deren Dickenverhältnisse und die räumliche Tiefe des Waldes prägend (Bild oben rechts).
Bei der Übersetzung dieser Stimmung in eine Bonsaiwaldgestaltung entstehen aufgrund der begrenzten Fläche durch die Schale immer Umrisse des Waldes. Die Herausforderung bestehet darin, diese Kontur gestalterisch so zu behandeln, dass sie unseren gewünschten Eindruck unterstützt (z.B. Waldrand, Lichtung oder auch nur ein Ausschnitt aus einem grösseren Ganzen)
Unterscheidung gesäter Wald - komponierte Baumsetzung
Die komponierte Baumsetzung ist die häufigste anzutreffende Waldform. Hierbei werden (meist) unterschiedlich dicke Bäume in einer natürlich wirkenden Anordnung in die Bonsaischale gesetzt.
Es wird eine ungerade Zahl Bäume gewählt und darauf geschaut, dass sich keine Bäume komplett verdecken und keine Abstände zwischen den Bäumen identisch sind (Bild oben rechts).
Der gesäte Wald ignoriert diese gestalterischen Prinzipien komplett. Er besteht meist aus einer Vielzahl von Einzelbäumen, die dicht wachsen und über ihre schiere Anzahl das Bild des Waldes wiedergeben. Kein Austarieren der Abstände oder Anordnung der Bäume untereinander ist hier nötig. Die Gestaltung kann man sich vorstellen, wie wenn sich die Bäume durch natürlichen Samenflug vermehrt hätten (Bild oben links). Gesäte Wälder haben meist ähnlich dicke Stämme und diese stehen in der Regel enger, als komponierte Wälder.
Geographische Differenzierung
Es gibt unzählige Waldarten mit ihren eigenen Stimmungen. Ich empfehle bei einer Gestaltung sich ein Referenzbild zu suchen und dieses zu analysieren. Dieses Bild muss nicht zwingend ein Foto aus der Natur sein. Es können auch andere Abbildungen beigezogen werden, seien dies Kunstwerke und Studien alter Meister (z.B. Pieter Breughel, Albrecht Dürer oder Caspar David Friedrich) oder Künstler aus der Neuzeit wie David Hockney, Leo Piron, Gerhard Richter u.v.a.m)
Eine geschickt gewählte Referenz hilft ungemein, seine Vorstellung des Waldes zu schärfen und diese bei der Umsetzung kritisch zu betrachten. Sie ist eine Hilfe für die Formung der inneren Vision. Diese Vision ist bei der Komposition eines Waldes sehr wichtig, da wir es nicht mit einer Einzelpflanze und deren Ästen zu tun haben (und diese Einzelpflanze auch mal drehen können beim Umtopfen). Bei einem Wald potentiert sich alles durch die Anzahl der Bäume und die Verbindung, die sie beim Zusammenwachsen eingehen. Ein rasches Drehen einzelner Elemente ist kaum mehr möglich. Die Aststellungen der einzelnen Bäume beeinflussen sich gegenseitig.
Einige Prinzipien zur Pflanzung
Während der erste Teil der Anleitung die ausführungstechnischen Tricks bescheibt; wie z.B. die Bäume befestigt werden, soll hier nun eine grobe Richtschnur zu den gestalterischen Tricks folgen. Es sind allgemeine Regeln, die sich aus der menschlichen Wahrnehmung und der Harmonielehre ergeben. Sie sind aber keine Gesetze die strikt angewendet werden sollten, sondern mehr Leitlinien, deren Kenntnis helfen kann.
Die Anordnung der Bäume kann dem folgenden Schema folgen. Die kleinste Gruppengestaltung beinhaltet 3 Bäume. Gruppengestaltungen mit mehr als 3 Bäumen bauen auf dem Prinzip auf und wenden diese Regeln an.
Der Hauptbaum wird etwas vor oder hinter die Mittelachse der kurzen Schalenkante platziert und meist ca. 1/3 vom Rand eingerückt. Der Begleitbaum steht relativ nahe zu diesem Baum und kann etwas vor oder etwas hinter dem Hauptbaum angeordnet werden. Der dritte Baum, z.T. als „Springer“ bezeichnet, steht auf der gegenüberliegenden Schalenseite ebenfalls nicht auf einer parallelen Linie zur Schalenvorderkante. Die drei Baumstämme bilden zusammen ein ungleichschenkliges Dreieck.
Je nach dem, wie der Nebenbaum und Springer zum Hauptbaum platziert sind, entsteht eine andere Tiefenwirkung: Ist der Hauptbaum (der grösste und dickste) vor den beiden anderen platziert, wird Tiefe suggeriert (Bilder untern links). Wird der Hauptbaum hinter die beiden begleitenden Bäume gestellt, wirkt die Gestaltung dichter und mit weniger Tiefe (Bilder unten rechts).
Dieses Prinzip gilt auch für alle weiteren dazu gruppierten Bäume. Weitere Bäume könne entweder in Gruppen zu zwei bis fünf dazu arrangiert werden, die dann als Grüppchen etwas Abstand zur Hauptgruppe haben oder die weiteren Bäume werden frei nach dem folgenden Prinzip angeordnet: Nie liegen zwei Bäume auf einer parallelen Linie zur Schalenkante, Abstände zwischen den Bäumen sind möglichst unterschiedlich zu wählen (Bäume stehen teilweise ganz eng, und teilweise weit auseinander (Bild unten). Diese Richtwerte sind aber immer mit Vorsicht zu geniessen. Es hängt massgeblich davon ab, welches Bild und welche Stimmung man vermitteln will.
Zuletzt geändert von roro am 03.01.2026, 20:53, insgesamt 4-mal geändert.
Sind diese Blumen künstlich? - Natürlich.
Also natürlich oder künstlich? - Natürlich künstlich!
Also natürlich oder künstlich? - Natürlich künstlich!
Re: Waldgestaltung: Do it yourself-Anleitung
Klasse beschrieben, Roger, kann man sehr gut nachvollziehen.
Vielen Dank für dein Engagement.
Liebe Grüße,
Barbara
Vielen Dank für dein Engagement.
Liebe Grüße,
Barbara
"Sorge Dich um den Beifall der Leute, und Du wirst ihr Gefangener sein." LAOTSE
