Da kann ich mich Bens Empfehlung anschließen, und würde die Formulierung vll sogar umdrehen: Bis Du nicht mit den Fräsarbeiten fertig bist, würde ich ihn wachsen lassen. Die Stümpfe und deren Fasern führen direkt in das "Mark" des Baumes, und schädlichen Pilzen sind damit buchstäblich Tür und Tor geöffnet. Wenn Du nachfräst, heißt das auch, dass Du zum Teil diese "Tore" erst einmal etwas durchlässiger machst, aber natürlich mit der Aussicht, dass der Baum die Wundbereiche gut überwallen kann und damit sicherer lebt - sei es, dass die Wunde komplett zugeht oder nicht.
Wieso Du ihn dabei möglichst ungehindert weiter wachsen lassen solltest: Als Reaktion auf Verletzungen bildet der Baum äußerlich Kallus, was hinlänglich bekannt ist. Nach innen hin schottet er sich aber ebenfalls ab, und das geschieht über Zellen, die an "Grenzregionen" in die bestehenden toten Zellen und Leitbahnen hineinwachsen und sie dadurch innerlich verschließen bzw. eben abschotten. Das ist ein aufwändiger Prozess und er funktioniert nicht immer auf Anhieb perfekt (beim Fächerahorn vermute ich sogar, dass er eher schlecht darin ist und deshalb gerne an Pilzbefall stirbt).
Was das für den Baum heißt: Erstens, je mehr Wachstum Du ihm zugestehst, umso besser klappt das mit der Abschottung, und vielleicht sogar auf Anhieb, oder wenn nicht, ist er auch vitaler und kann besser weiterhin abschotten.
Zweitens: Je öfter/länger dieser Prozess schiefgeht, umso mehr Leitbahnen sind tot. Wenn Du den Baum nun wachsen lässt, hat er die Energie, neue zu bilden. Das heißt, selbst, wenn die alten Leitbahnen zu einem großen Teil sterben, kann der Baum dem Befall "davonwachsen", was gerade auch sicher stellt, dass die Triebe weiterhin wachsen können, was ihm wiederum weiterhin Energie bringt, etc.
Somit hast Du eine Art Regelkreis in dem Baum, der sich entweder selber verstärkt, oder sich abschwächt abschwächt. Mit anderen Worten, selbst, wenn Du anfänglich den Baum nur leicht schwächst, kann das die Schwächung sein, die ihn in eine Abwärtsspirale bringt. Umgekehrt werden seine Chancen mir jedem Blatt und jedem Zweiglein mehr "exponentiell" besser.
Hallo Gerd,
wie BenBonsai schon vorher mal angemerkt hat, so finde auch ich Deine Vorgehensweise goldrichtig in Deiner Vorsicht und so "bonsaiuntypischer Geduld" und der Baum scheint es Dir auch zurückzugeben.
Ich drücke Dir weiterhin die Daumen für eine sehr lange gemeinsame Zukunft.
Liebe Grüße
Rüdiger
Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben geben, daß Du es sagen darfst(Voltaire)
Vielen Dank für euer positives Feedback, es freut mich sehr das ich hier so ausführliche Tipps bekomme!
Ich habe mir vorgenommen es so wie bei den Mädchenkiefern zu handhaben, also nur eine Gemeinheit im Jahr. Die Stümpfe werde ich demnächst angehen, muss nur sehen womit am besten, Dremel ist vorhanden. (Vielleicht hat ja jemand einen Tipp welches werkzeug am besten geeignet ist...)Ich werde ihn ansonsten nur ordentlich durchtreiben lassen, danke Werner für deine ausführliche Antwort!
Am besten du benutzt einen Geradschleifer und einen geeigneten Fräskopf, den du im Bonsaifachhandel bekommst. Den Dremel halte ich für unterdimensioniert. Graham Potter hat bei YouTube ein paar schöne Videos gemacht und Empfehlungen zur Werkzeugauswahl bei größeren Fräsarbeiten gegeben.
Ich selbst nutze eine Makita 18V und einen Kopf, den ich bei Graham bestellt habe.
Hallo Ben,
ein weiteres Jahr ist vergangen. Ich habe an meinem Ahorn noch nichts weiter unternommen, nur gewässert und gedüngt. Ich habe noch keine Frästarbeiten unternommen.
Der Ahorn hat aber im letzten Jahr ordentlich zugelegt. Da er ja nun wirklich sehr gut Wurzeln gemacht hat, meinst du ich sollte ihn sobald sich die Blätter entfalten auf innere Knospen zurückschneiden oder erst mal warten bis das Dickenwachstum der neuen Äste erreicht ist?
Ich werde morgen mal ein Bild einstellen...
Der Baum sieht kräftig aus. Du machst das genau so, wie es dem Ahorn gefällt. Langsam.
Ich würde auf die Substratoberfläche eine dicke Schicht Spaghnum auflegen und vor Vögeln schützen. Wenn sich der Baum nicht komplett selbst beschattet, in den Halbschatten stellen und direkte Sonneneinstrahlung auf der Rinde vermeiden.
Den Schnitt würde ich im Mai machen, kann, aber muss nicht. Ich würde zuerst die Fräsarbeiten machen, dann hast Du einen besseren Blick auf den Baum und siehst die Saftbahnen.
Hallo ,
mit dem Moos würde ich sehr vorsichtig sein, dass hat bei meinem einen richtigen
Wurzelschaden angerichtet. Einige der neuen Wurzeln, der Abmoosung ,wurden schwarz und faulig!
Also immer wieder kontrollieren .
Gruß Harry
Ja, leider eindeutig!
Gücklicher weise konnte ich den Schaden noch rechtzeitig eindämmen.
Nach der Entfernung des Spaghnum hat sich der Wurzelzustand erholt.
Es war wohl einfach zu feucht für die relativ jungen Wurzeln.
Gruß Harry