Über Schnittmaßnahmen bei Rosskastanien

Spezielle Baumpflege z.B. düngen, umtopfen, Erden, ein- und auswintern, Pflanzenschutz
Antworten
Benutzeravatar
HeinrichI
Beiträge: 386
Registriert: 03.11.2016, 22:08
Wohnort: Fredersdorf-Vogelsdorf

Re: Über Schnittmaßnahmen bei Rosskastanien

Beitrag von HeinrichI »

Hallo,
abgesehen davon, dass in diesem Jahr alles etwas später kam, hat sich dazu durch meinen Klinikaufenthalt alles etwas schwieriger gestaltet. Aber man muss ja dran bleiben. So stelle ich hier mal den Rückschnitt von gestern vor. Einige Triebe hatten ein extrem langes erstes Internodium. Wie von Norbert bereits beschrieben, schneide ich auch alle Triebe komplett weg, dessen erstes Internodium über 2 cm Länge hat.
Hier das Aussehen vor dem Schnitt:
P1110817_B01_k.jpg
P1110817_B01_k.jpg (97.57 KiB) 6227 mal betrachtet
Dann die Kastanie nach dem Rückschnitt:
P1110818_B01_k.jpg
P1110818_B01_k.jpg (94.06 KiB) 6227 mal betrachtet
Den Zeitpunkt für einen Rückschnitt mache ich vom Aussehen der Knospenhüllblätter abhängig. Also, sehen die Hüllblätter braun aus und lassen sich leicht entfernen, kann der Rückschnitterfolgen. Es ist eine wage Vermutung und meine Hypothese, dass dann ein angemessener Reifegrad für eine Rückschnitt vorliegt. Das ist aber meine Orientierung für den richtigen Zeitpunkt eines Rückschnittes.
Hier mal ein Foto der reifen Knospenhüllblätter:
PICT0002_B01_k.jpg
PICT0002_B01_k.jpg (119.46 KiB) 6227 mal betrachtet
Und hier ist der Triebansatz ohne Hüllblätter zu sehen:
PICT0003_B01_k.jpg
PICT0003_B01_k.jpg (175.9 KiB) 6227 mal betrachtet
Leider haben die starken Fröste (für 3 Tagen zwischen -16 und -18 °C) im Februar Probleme an einigen Kastanien hinterlassen. So stehen immer noch einige im Knospenstadium da. Was soll ich machen, ich betreue sie ganz normal und warte ab, was sich entwickelt.
Eine dieser Schlafmützen beginnt jetzt die Blätter zu entfalten.

Gruß Heiner
Zuletzt geändert von HeinrichI am 24.05.2025, 15:30, insgesamt 2-mal geändert.
Benutzeravatar
HeinrichI
Beiträge: 386
Registriert: 03.11.2016, 22:08
Wohnort: Fredersdorf-Vogelsdorf

Re: Über Schnittmaßnahmen bei Rosskastanien

Beitrag von HeinrichI »

Ich schneide die Triebe immer auf ein Länge von ca. 1 cm zurück.
PICT0005_B01_k.jpg
PICT0005_B01_k.jpg (104.57 KiB) 6165 mal betrachtet
Im Hintergrund sind noch weitere 2 Stummel von zurück geschnittenen Trieben zu erkennen.

Gruß Heiner
Benutzeravatar
HeinrichI
Beiträge: 386
Registriert: 03.11.2016, 22:08
Wohnort: Fredersdorf-Vogelsdorf

Re: Über Schnittmaßnahmen bei Rosskastanien

Beitrag von HeinrichI »

Es wird wohl ein paar Wochen dauern, bis sich neue Knospen gebildet haben.
Benutzeravatar
Norbert_S
BFF-Autor
Beiträge: 8148
Registriert: 09.08.2006, 08:30

Re: Über Schnittmaßnahmen bei Rosskastanien

Beitrag von Norbert_S »

Code: Alles auswählen

Alles klar Norbert, Deine Erfahrungen werde ich mir bei der Gestaltung schon vor Augen halten.
Ich habe das Problem, dass die Triebe eines Baumes sehr unterschiedlich wachsen und da schneide ich Triebe mit zu langen Internodien ganz und gar weg, um eine Gleichmäßigkeit zu erhalten.
Dann gibt es viele Triebe mit 2 normalen Blattpaaren, die Internodienlängen gegen Null haben. Das passiert trotz der meiner Meinung nach reichlichen Düngung: mineralisch und organisch von Wuxal, Saidung usw. bis Taubendung. Taubendung habe ich seit dem Frühsommer vorigen Jahres zur Verfügung, den bekommen alle meine Bonsai in der Saison jede Woche eine der Größe angemessenen Priese und vertragen es hervorragend. Die Blätter machen eine widerstandsfähigen Eindruck und sehen (bis auf meine Aprikose) sehr gesund aus.

Gruß Heiner
Dann hier meine Überlegungen dazu.
Solange die Triebe unterschiedlich wachsen, ist der Kraftausgleich über den Baum noch nicht gelungen. Diesen zu erreichen und zu erhalten ist eine der wichtigsten Aufgaben in der jährlichen Pflege unserer Bäume.
Die unterschiedliche Stärke im Baum kannst du bei Kastanien sehr leicht an der unterschiedlichen Knospengröße erkennen.
Bei den starken wäre es sinnvoll nicht erst durchtreiben zu lassen, sondern im Frühjahr zeitig die Spitzenknospen auszubrechen. Bis die Kraft in die zwei daneben liegenden gewandert ist und diese austreiben, haben die anderen einen Startvorteil und können früher austreiben und mehr Kraft sammeln. Dazu ist die Kraft durch ausbrechen jetzt auf zwei Triebe verteilt. schon diese Maßnahme führt unweigerlich zu einem verbesserten Kraftausgleich. Genaues Wahrnehmen unserer Bäume ist für mich zum wichtigsten Punkt in der Pflege aufgestiegen. Nur durch sie können die richtigen Maßnahmen abgeleitet und durchgeführt werden.
Wenn dieses selektive ausbrechen nicht alleine zielführend ist, kannst du bei gut gepflegten gesunden Kastanien auch durchaus einmal die stärksten Triebe pinzieren. Das beruhigt sie zusätzlich und schwächt sie nicht übermäßig. Pinzieren würde ich nicht jedes Jahr machen, dann verlieren die Triebe zuviel Kraft, davon halte ich nichts. Lieber etwas länger für die Zielerreichung benötigen mit vitalen Bäumen.

Die von dir beschriebenen Kurztriebe kenne ich auch, sind auch an meiner Kastanie zu finden. Sie sind nur sehr schwer zu dynamisieren, meist trocknen sie irgendwann ein. Das sind Triebe die vom Start an zuwenig Licht und Energie bekommen haben, weil der Blattschnitt zu spät gemacht wurde oder sie an einer eigentlichgünstigen Stelle sitzen, aber von den umliegenden stärkeren Äste die Kraft abgesaugt wird. Meist sind das Triebe, die für die Gestaltung ohne großen Wert sind, aber aus unterschiedlichen Gründen von uns nicht sofort ausgeschnitten werden.

Schönen Feiertag gewünscht.
Norbert

So wie du bist, so sind auch deine Gebäude
Sullivan, 1924
Benutzeravatar
HeinrichI
Beiträge: 386
Registriert: 03.11.2016, 22:08
Wohnort: Fredersdorf-Vogelsdorf

Re: Über Schnittmaßnahmen bei Rosskastanien

Beitrag von HeinrichI »

Danke Norbert, ich habe heute erst rein geschaut.

Das Prinzip mit dem Ausbrechen der Knospen hat mich voll überzeugt, da ich sonst, wie Du bereits erläutert hast, keine Gleichmäßigkeit rein bekomme. Das habe ich mir für die nächste Saison fest vorgenommen.
Ich werde mir Deinen Lehrsatz gut aufheben.

Ansonsten sehen die Kastanien alle gesund aus, außer 2 Stück, die mit anderen Jungpflanzen (trotz Unterstand) die 3 Frosttage im Februar mit Temperaturen zwischen -16 und -18 °C nicht verkraftet haben. Die, die gesund aussehen, haben an einer "besseren" Stelle gestanden.

Dir noch einen schönen Abend, Gruß Heiner
Benutzeravatar
HeinrichI
Beiträge: 386
Registriert: 03.11.2016, 22:08
Wohnort: Fredersdorf-Vogelsdorf

Re: Über Schnittmaßnahmen bei Rosskastanien

Beitrag von HeinrichI »

Abgesehen vom Strategiewechsel („zukünftig auch Knospen auszubrechen“), will ich von meinen Ergebnissen in diesem Jahr trotzdem weiter berichten.

An den zurück geschnittenen Extremtrieben, sind die „schlafenden“ Knospen am vorjährigen Holz erst jetzt zum Ausbruch gekommen. Das wären die gewesen, die bereits im Frühjahr gekommen wären, wenn ich die dicken Endknospen ausgebrochen hätte.
P1110862_k.jpg
P1110862_k.jpg (63.79 KiB) 5790 mal betrachtet
Ebenso sind an den in diesem Jahr zurück geschnittenen Stummeln auch schon neue Knospen und auch kleine Triebe entstanden. Allerdings ist das folgende Beispiel nicht Erfolgversprechend, denn sie wachsen in dieselbe Richtung, wie die bereits größeren Triebe und müssen demzufolge entfernt werden.
PICT0009_k.jpg
PICT0009_k.jpg (102.49 KiB) 5790 mal betrachtet
Ein Beispiel, wo die neuen Triebe an den Rückschnittstummeln brauchbar sind, werde ich zur gegebenen Zeit zeigen.

Bis dann, Gruß Heiner
Benutzeravatar
Norbert_S
BFF-Autor
Beiträge: 8148
Registriert: 09.08.2006, 08:30

Re: Über Schnittmaßnahmen bei Rosskastanien

Beitrag von Norbert_S »

Heiner,
es gibt auch noch 2 weitere Schnittalternativen.
Je nachdem, wo der Ast sitzt, kann man den Schnitt wählen. Diese Schnittführung ist für die weitere Entwicklung auf der langen Zeitachse nicht unwichtig, weil diese Art des Schnittes später natürlicher aussieht.
Dateianhänge
PICT0009_k.jpg
PICT0009_k.jpg (72.72 KiB) 5712 mal betrachtet
Norbert

So wie du bist, so sind auch deine Gebäude
Sullivan, 1924
Benutzeravatar
HeinrichI
Beiträge: 386
Registriert: 03.11.2016, 22:08
Wohnort: Fredersdorf-Vogelsdorf

Re: Über Schnittmaßnahmen bei Rosskastanien

Beitrag von HeinrichI »

Hallo Norbrt,

ich danke Dir für Deine Mühe. Das etwas gemacht werden muss, war mir schon klar. Den Unterschied der von Dir eingezeichneten Farben ist mir nicht klar.

Es ist ein zur Seite stehender Ast, bei dem ich die beiden kleineren Knospen erst einmal entfernen werde. Wenn die beiden größeren Triebe stärker geworden sind, kommt dann auch der Stummel weg.
Dann schaue ich, wie sich die beiden (größeren) Triebe entwickeln werden. Auf jeden Fall bleibt der nach unten stehen Trieb erhalten.
PICT0009_km.jpg
PICT0009_km.jpg (102.77 KiB) 5649 mal betrachtet
Gruß Heiner
Benutzeravatar
Norbert_S
BFF-Autor
Beiträge: 8148
Registriert: 09.08.2006, 08:30

Re: Über Schnittmaßnahmen bei Rosskastanien

Beitrag von Norbert_S »

Das würde ich, wie geschrieben, von der Stellung des Astes im Baum abhängig machen.
Da die Kastanie ja doch relativ dicke Zweige ausbildet, wird der Astverlauf schöner, wenn man die Möglichkeit hat, die neuen Triebe nicht aus einem Punkt sondern leicht versetzt nutzen kann.
Grundsätzlich sind die blauen oder roten Schnitte gleichwertig.
Norbert

So wie du bist, so sind auch deine Gebäude
Sullivan, 1924
Benutzeravatar
HeinrichI
Beiträge: 386
Registriert: 03.11.2016, 22:08
Wohnort: Fredersdorf-Vogelsdorf

Re: Über Schnittmaßnahmen bei Rosskastanien

Beitrag von HeinrichI »

Kapiert: "...leicht versetzt...".
Die rote Variante schien mir dabei als zweckmäßig, obwohl es mir schwer fiel, den kräftigeren Trieb zu entfernen. Aber es erscheint mir auch als logisch.
An einer anderen Stelle, an diesem Baum, habe ich es noch einmal so gemacht.

Danke, Gruß Heiner
Benutzeravatar
HeinrichI
Beiträge: 386
Registriert: 03.11.2016, 22:08
Wohnort: Fredersdorf-Vogelsdorf

Re: Über Schnittmaßnahmen bei Rosskastanien

Beitrag von HeinrichI »

Schon erledigt:
PICT0016_1.jpg
PICT0016_1.jpg (130.2 KiB) 5559 mal betrachtet
Fast zu Schade, um es weg zu schneiden; beim nächsten Mal rechtzeitiger:
PICT0015_2.jpg
PICT0015_2.jpg (117.12 KiB) 5559 mal betrachtet
Noch einen schönen Pfingsttag, Gruß Heiner
Benutzeravatar
HeinrichI
Beiträge: 386
Registriert: 03.11.2016, 22:08
Wohnort: Fredersdorf-Vogelsdorf

Re: Über Schnittmaßnahmen bei Rosskastanien

Beitrag von HeinrichI »

Hallo Kastanienfreunde,
viel passiert nun nicht mehr. Das Wachstum der Triebe und Blätter ist schon lange beendet und alle Kraft geht nun in sämtliche Knospen. Es wird noch bis Mitte August normal weiter gedüngt; dann beginnt die Herbst-Winterdüngung mit PK-Düngung und Superphosphat für die Ausreifung und Winterhärte.
Im folgenden noch einmal meine Kastanie "11/1", die ich am 27.05.24 schon einmal vorgestellt hatte.
P1110951_1.jpg
P1110951_1.jpg (201.75 KiB) 5141 mal betrachtet
Und hier ein paar meiner anderen Kastanien:
Zwei meiner Sammlung haben die harten Wintertage (einige Tage zwischen -16 und -18 °C) im Februar nicht überstanden. Ich habe noch alles mögliche versucht, solange noch Grün unter der Rinde zu erkennen war, aber vor ein paar Tagen musste ich sie aus der Schutzkiste in die ewigen Jagdgründe gehen lassen. Die Beiden standen im Gegensatz zu den Überlebenden an einer anderen Stelle, die wohl nicht so gut war. So erging es auch noch anderen Jungpflanzen.
Ansonsten sind alle anderen Bonsai bei bester Gesundheit.

Mit besten Grüßen, Heiner
Dateianhänge
P1110950_k.jpg
P1110950_k.jpg (102.08 KiB) 5141 mal betrachtet
baerst5
Beiträge: 98
Registriert: 04.05.2022, 18:39

Re: Über Schnittmaßnahmen bei Rosskastanien

Beitrag von baerst5 »

Hallo Heiner, die Sommerhitzeperiode haben die aber scheinbar gut überstanden (meine Kastanie hat da sehr gelitten).
Benutzeravatar
HeinrichI
Beiträge: 386
Registriert: 03.11.2016, 22:08
Wohnort: Fredersdorf-Vogelsdorf

Re: Über Schnittmaßnahmen bei Rosskastanien

Beitrag von HeinrichI »

Abgesehen von meinem für alle Bonsai angewandten Substrat-Schichtsystem sind sie auch im vorigen Jahr gut versorgt worden. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es auch daran liegt, denn alle meine Bonsai und andere Pflanzen werden unter anderem auch seit dem vorigen Jahr mit wohldosiertem Taubendung versorgt.
Zudem kommt (diese stehen nach Westen ausgerichtet), dass sie, wie oben auf dem Bild zu erkennen ist, mit einer Markise sowohl vor Regen als auch vor extremer Sonneneinstrahlung geschützt werden.
Sie haben aber trotzdem auch heftige Sonneneinwirkung erhalten. So stehen z.B. Murraya, Hainbuche und Chinesische Ulme nach Süden ausgerichtet und bekommen die volle Sonne zu spüren. Das geht aber nur mit stabilen lang etablierten Pflanzen; bei Jungpflanzen würde ich das nie machen. Das sind auch ausladende Pflanzen, die durch ihr eigenes Laubdach die Schale und das Substrat vor der intensiven Sonneneinstrahlung schützen können.
Unser Vorzug ist dazu, dass wir ganztägig zu Hause sind und somit die Pflanzen permanent mit dem nötigsten versorgen können.

Viel Spaß, Gruß Heiner
Sanne
Freundeskreis
Beiträge: 7928
Registriert: 01.02.2009, 19:09
Wohnort: Norddeutschland

Re: Über Schnittmaßnahmen bei Rosskastanien

Beitrag von Sanne »

@HeinrichI
Ich verstehe nicht, warum Du immerzu Taubendung empfiehlst. Es ist bekannt, dass Taubenkot große Schäden sogar an Gebäuden verursachen kann etc. Siehe hier: https://vogelhauswelt.de/taubenabwehr/# ... 20Balkonen.

Grüße, Sanne
Was wären wir ohne den Trost der Bäume…
(Zitat von Gisela V.)
Antworten