manchmal gießt das Schicksal eben auch ganz viel Wasser in den Wein des Bonsaiglücks.
Mein schöner uralter Eibenyamadori und ein in meinen Augen wunderbarer Juniperus sind mir leider über den Winter vertrocknet. Das klassische Problem: Frost und Sonne.
Sie standen extra auf einem Platz, auf dem die Sonne im Winter maximal nur ein paar Minuten reinscheint. Die Eibe hat schon mehrere Winter auf dem Buckel gehabt und meine anderen Eiben sind im Vollschatten problemlos durchgekommen. Aber die paar Minuten haben offenbar gereicht. Minuten!
Meine Sorge über den Winter war, ob es zu strengen Frost gibt. Aber doch nicht, dass ab und zu mal die Sonne scheint. Durch den im Vergleich zum Sommer niedrigeren Stand konnte sie wohl in eine ansonsten schattige Ecke reinscheinen... Im Sommer blockiert der Balkon über mir ihren Lichteinfall.
Beim Juniperus ist mir schon seit ein paar Tagen das glanzlose Laub aufgefallen, das wie so totes Moos aus der Weihnachtskrippe aussah. Heute greife ich in das sehr matte und leblose Laub der Eibe und merke: Alles trocken. Äste ohne jegliche Elastizät. Auch im Vergleich zu den anderen Eiben ganz klar: Dort ist Leben, hier ist Tod.
Der Schock saß. Ich war und bin noch immer etwas daneben. Ich warte ohnehin noch mal ein paar Wochen, ehe ich mir neue Bäume kaufe, denn das Geld muss ja erst mal da sein. Also vielleicht treibt irgendwo noch was Lebendiges aus bei den beiden. Aber ist bin mir über den Verlust eigentlich sicher, leider.
Es war leider der erste Winter mit diesen beiden Immergrünen auf meinem Balkon in Wien. In Berlin hatte ich anderes Licht, da gab es keine Probleme. Auch wenn ich "Immergrün" als Nick habe (mein erster Nick war viel baumfeindlicher und wurzelte aus meiner Liebe zu Totholz, unter dem Namen schreibe ich hier nicht mehr), werde ich doch wohl zwei neue Laubbäume an dieser Stelle platzieren, denn die haben im Winter nur den Frost als Feind, aber nicht das Licht.
Ich hatte mit den beiden Bäumen viele schöne Momente. Ich würde auch nicht sagen, dass ich jetzt trauere oder so. Aber ich bin schon etwas traurig und zugleich wütend auf mich selbst, dass mir so ein dummer Anfängerfehler nach alle den Jahren der Bonsaipflege unterläuft. Leider hat sich wieder mal mein Motto bewahrheitet: "Die Natur hat immer das letzte Wort." Und die Warnungen von jedem, der Immergrüne durch den Winter bringt - und ich selbst bin Teil dieses Chores gewesen - tönen laut in meinen Ohren.
Ich denke, dass ich - nach einer Phase der Zerknirschung - Prunus-Arten als Ersatz verwenden werde. Ich mag das Sparrige, Eigenwillige und zuweilen auch Häßliche der Prunus-Arten - freundlich formuliert: Die "wilde Schönheit" dieser Pflanzen. In informeller Gestaltung entsprechen sie sehr meinem Sinn für Ästhetik. Und nachdem ich mich wieder so in meine Mume verliebt habe, geht es vielleicht in diese Richtung. Denn: Meine "Sorgenkinder" überleben immer alles; ausgerechnet mein "Grünbeton", der niemals Probleme gemacht hat, stirbt...
