Bonsai sind wie Heiligenstatuen
- Walter Pall
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Andreas,Andreas Ludwig hat geschrieben: Mir scheint nämlich die ganze Erscheinung seiner Figur hier etwas «Persönliches» zu sein. Ich erkenne kein Einstehen für irgendetwas, kein Bekenntnis zu einem wie immer gearteten Konzept. Ich erkenne nur Ablehnung. Ich weiss recht genau, gegen was er ist, aber kaum, wofür er eigentlich ist. Es in der Bonsaiwelt so zu lassen wie es ist? Das kann nun niemand allen Ernstes erwarten. Für die Betrachtung jedes Baums als Einzelfall? Dann müsste er sich zurückziehen und sich ganz dem Besuch von Ausstellungen und allenfalls dem Verfassen von Rezensionen derselben widmen.
wofür ich einstehe, hättest Du auf Seite 18 ganz oben lesen können, mir war das so nicht bewußt ... deswegen meine von Dir so freundlich gewürdigte Fragerei (wer nicht fragt bleibt dumm ... oder?).
Ich glaube nicht, dass Du recht genau weißt, gegen was ich bin ... ich bin mir dessen sogar ziemlich sicher. Wenn es so wäre, würdest Du es, wenn ich an frühere Beiträge von Dir denke, nicht nur nachvollziehen sondern auch verstehen können.
Also nochmal ... ich bin auf gar keinen Fall gegen den Fortschritt in der Bonsaiwelt!
Du solltest Dich langsam mit dem Gedanken anfreunden, dass Deine Einschätzung meiner Person lediglich suboptimal gelungen ist ... sie liegt eigentlich vollkommen neben der Sache
Bis bald!
K.
"Was machen Sie da?" wurde Herr K. gefragt. Herr K. antwortete: "Ich gestalte Bonsai."
K.
"Was machen Sie da?" wurde Herr K. gefragt. Herr K. antwortete: "Ich gestalte Bonsai."
Ich weiß ehrlich nicht, was das mit meinen Beiträgen hier zu tun hat.mohan hat geschrieben: Derselbe Eindruck ist bei mir als Admin entstanden, da die Moderation parallel eine PN nach der anderen von ihm erhält, mit „Intrigenfantasien“, Vorwürfen und derartiges. Das möchte ich ihm hier einmal öffentlich zurückmelden, da es auch mit diesem Thread zusammenhängt..
Da er nicht bereit ist, per PN Erklärungen anzunehmen, bitte ich ihn hiermit, die Moderation in oben genannten „Anliegen“, nicht mehr per PN zu konsultieren.
Sollten weiterhin Unklarheiten bestehen, steht es im frei, seine Belange öffentlich vorzubringen oder selbstverständlich seine Konsequenzen daraus zu ziehen.
Und wenn hier schon öffentlich über meine PN geredet wird, was ja an sich schon ein tolles Ding ist, so solltest Du Sie wenigstens nicht entstellen.
Zur Information, ich habe um die Löschung meiner Beiträge gebeten, die hier tw. auch auf Initiative von Usern hin- und hergeschoben wurden und irgendwo zusammenhanglos rumstehen und munter mit Attributen wie zum kotzen und wo ist das Kotzbecken bedacht wurden.
Ich mußte einsehen, daß das jetzt hier toleriert wird.
Die zitierten Erklärungen der Admin auf meine PN, beschränkten sich darauf, daß mir unterstellt wurde, ich würde ganz andere Ziele verfolgen, daß ich, wenn ich die Beiträge selbst lösche mit Sanktionen zu rechnen hätte, und meine Vorwürfe unverschämt seinen.
Als PN habe ich es deshalb geschrieben, weil ich die ohnehin hitzige Debatte nicht noch weiter anstacheln wollte.
Sorry das gehört eigentlich nicht hierher!
Ein andere Anregung!
Hallo,
ich habe nun heute mit Interesse eure Diskussion verfolgt und habe manches gefunden, was auch meiner Meinung entspricht, aber auch mehrere Dinge, denen ich weniger zustimme.
Nun ist es nicht so, dass ich denke meine Meinung wäre von besonderem Interesse. Vielmehr glaube ich, dass noch ein Aspekt in diesem virtuellen Gespräch fehlt, den ich ( explizit ich) für sehr wichtig halte.
Es ist nämlich eine sehr grundsätzliche Frage, die sich mit der Frage beschäftigt, warum sich Menschen überhaupt mit so etwas wie Kunst beschäftigen.Man kann ja zweifellos sagen,dass die Menschheit sich schon sehr lange mit künstlerischen Dingen beschäftigt. Schon länger als man von der Schaffung von Kunst leben konnte,also ist Kunst und ihr Reiz etwas was einem menschlichen Bedürfnis entspricht und ihrem Wesen nach dieses versucht auszudrücken. Dies können sehr elementare Bedürfnisse, die objektiver Natur sind oder auch subjektive Bedürfnisse, die nur das Innere weniger Menschen oder sogar nur eines einzigen ausdrücken.
Nun ist es auch so, dass für das Verständnis von Kunst manchmal eine gewisse Vorkenntnis nötig ist, die aber eigentlich immer dazu dient ein tieferes Verständnis für die eigentliche Aussage eines Kunswerkes zu wecken. Eigentlich sollte aber die Beschäftigung mit der Geschichte des Kunstwerkes und des Schöpfers, genügen um den Inhalt des Kunstwerkes auf einen größeren Kontext zu übertragen.
Ich habe im vorherigen Satz absichtlich den Begriff " Schöpfer" gebraucht, weil er das ausdrückt, was meiner Meinung nach eines der Bedürfnisse ist, was Menschen dazu bringt sich der Bonsai-Kunst zu widmen. Es ist nämlich die Tatsache, dass wenn wir ehrlich sind jeder Mensch irgendwie von der Tatsache und der zitternden Gewissheit bewegt wird, dass er eigentlich ein Bewegter und kein Bewegender ist. Betrachtet man nämlich die wirklich essentiellen Stellen unseres Lebens, wie Geburt und Tod, dann kommt man schnell zum Ergebnis, dass wir darauf keinen Einfluss haben. Jeder Mensch wird ins Leben geworfen und genauso wieder dem Leben entzogen, ob er will oder nicht. Diese Erkenntis ist übrigens auch der Anstoss für die großen Weltreligionen und viele philosophische Richtungen. Nun kann der Mensch mit der Beschäftigung mit der Natur, sich diese immerwährende Frage, wie bei einer Meditation immer wieder stellen. Der Mensch wird so ein Teil der Natur, er vereinigt sich mit ihr, nimmt Anteil an ihr und hat doch eigentlich keinen Einfluss,er kann fördern, aber er muss mit dem arbeiten, was schon da ist- wie im richtigen Leben also.
Er muss mit dem auskommen, was er hat, kann aber doch etwas völlig neues erschaffen.
Mit natürlichem Gruß
Martin
ich habe nun heute mit Interesse eure Diskussion verfolgt und habe manches gefunden, was auch meiner Meinung entspricht, aber auch mehrere Dinge, denen ich weniger zustimme.
Nun ist es nicht so, dass ich denke meine Meinung wäre von besonderem Interesse. Vielmehr glaube ich, dass noch ein Aspekt in diesem virtuellen Gespräch fehlt, den ich ( explizit ich) für sehr wichtig halte.
Es ist nämlich eine sehr grundsätzliche Frage, die sich mit der Frage beschäftigt, warum sich Menschen überhaupt mit so etwas wie Kunst beschäftigen.Man kann ja zweifellos sagen,dass die Menschheit sich schon sehr lange mit künstlerischen Dingen beschäftigt. Schon länger als man von der Schaffung von Kunst leben konnte,also ist Kunst und ihr Reiz etwas was einem menschlichen Bedürfnis entspricht und ihrem Wesen nach dieses versucht auszudrücken. Dies können sehr elementare Bedürfnisse, die objektiver Natur sind oder auch subjektive Bedürfnisse, die nur das Innere weniger Menschen oder sogar nur eines einzigen ausdrücken.
Nun ist es auch so, dass für das Verständnis von Kunst manchmal eine gewisse Vorkenntnis nötig ist, die aber eigentlich immer dazu dient ein tieferes Verständnis für die eigentliche Aussage eines Kunswerkes zu wecken. Eigentlich sollte aber die Beschäftigung mit der Geschichte des Kunstwerkes und des Schöpfers, genügen um den Inhalt des Kunstwerkes auf einen größeren Kontext zu übertragen.
Ich habe im vorherigen Satz absichtlich den Begriff " Schöpfer" gebraucht, weil er das ausdrückt, was meiner Meinung nach eines der Bedürfnisse ist, was Menschen dazu bringt sich der Bonsai-Kunst zu widmen. Es ist nämlich die Tatsache, dass wenn wir ehrlich sind jeder Mensch irgendwie von der Tatsache und der zitternden Gewissheit bewegt wird, dass er eigentlich ein Bewegter und kein Bewegender ist. Betrachtet man nämlich die wirklich essentiellen Stellen unseres Lebens, wie Geburt und Tod, dann kommt man schnell zum Ergebnis, dass wir darauf keinen Einfluss haben. Jeder Mensch wird ins Leben geworfen und genauso wieder dem Leben entzogen, ob er will oder nicht. Diese Erkenntis ist übrigens auch der Anstoss für die großen Weltreligionen und viele philosophische Richtungen. Nun kann der Mensch mit der Beschäftigung mit der Natur, sich diese immerwährende Frage, wie bei einer Meditation immer wieder stellen. Der Mensch wird so ein Teil der Natur, er vereinigt sich mit ihr, nimmt Anteil an ihr und hat doch eigentlich keinen Einfluss,er kann fördern, aber er muss mit dem arbeiten, was schon da ist- wie im richtigen Leben also.
Er muss mit dem auskommen, was er hat, kann aber doch etwas völlig neues erschaffen.
Mit natürlichem Gruß
Martin
Frühlingstage am 06./07.04.13 - bringt eure Bäume mit!
Infos unter: http://www.bonsai-sturm.de
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Zwei Fragen zum Verständnis.
Ist die Intention des Schaffenden, oder die Beurteilung
des Betrachtenden ausschlaggebend für die Kunst-Kitsch Bewertung ?
Ist der Zeitpunkt des Geschaffenen oder der Zeitpunkt der
Betrachtung ausschlaggebend ?
mfG Dieter
ps Es geht mir nicht um Argumente für eine Diskusion,
sondern nur zum Verstehen Eurer Denkweise.
Würde ich mich im Konsens Kunst-Kitsch betrachten,
wäre alles von mit Erschaffenene Kitsch, das muss ich
fairerweise zugeben. Nur mein Ego verträgt es nicht
15 Jahre gestalterischen Schaffens mit dem
negativ behafteteten Ausdruck Kitsch zu belegen.
Ist die Intention des Schaffenden, oder die Beurteilung
des Betrachtenden ausschlaggebend für die Kunst-Kitsch Bewertung ?
Ist der Zeitpunkt des Geschaffenen oder der Zeitpunkt der
Betrachtung ausschlaggebend ?
mfG Dieter
ps Es geht mir nicht um Argumente für eine Diskusion,
sondern nur zum Verstehen Eurer Denkweise.
Würde ich mich im Konsens Kunst-Kitsch betrachten,
wäre alles von mit Erschaffenene Kitsch, das muss ich
fairerweise zugeben. Nur mein Ego verträgt es nicht
15 Jahre gestalterischen Schaffens mit dem
negativ behafteteten Ausdruck Kitsch zu belegen.
Hallo Dieter,
Theoretisch.
In realiter sind wir alle nicht so richtig neutral. Manchmal hab ich eine richtiggehende Schwäche für kitschige Blütenbäumchen
Ein Rembrandt kann nur im Kontext der Niederlande des 17. Jahrhunderts wirklich verstanden werden (genießen kann man ihn natürlich auch ohne dieses Wissen), bei der Betrachtung von romantischen Landschaftsgemälden hilft es, ein wenig über die Gegebenheiten Deutschlands im 19. Jahrhundert Bescheid zu wissen (und siehe da: der romantische Caspar-David-Friedrich-Baum wird plötzlich politisch!)
Aber auch darüber streiten sich die Gelehrten. Es gibt Kunstwissenschaftler, die sehen das "Werk" am liebsten losgelöst von Zeit und Raum und Schöpfer. Andere, so wie ich, meinen, daß man es sich damit ein bißchen zu einfach macht.
Diese Diskussion ist bis heute nicht entschieden, es gibt beide Schulen. Insofern sind beide Meinungen berechtigt - alllerdings müssen sich die Vertreter des "reinen Werksgedankens" von mir fragen lassen, ob sie nicht einfach zu faul sind, Dinge aus der Sicht des kulturellen und zeitlichen Umfelds verstehen zu lernen.
Walter schrieb:
Es gibt Leute, die die kulturellen Wurzeln des Bonsai besser kennenlernen wollen, damit sie die Entwicklung, die diese Kunst genommen hat, besser nachvollziehen können. Beschäftigung mit der Vergangenheit gibt einem ja immer auch Hinweise auf mögliche zukünftige Entwicklungen. Das heißt, wenn man die Vergangenheit des Bonsais erforscht, könnte einem auffallen, daß da eine Entwicklung stattgefunden hat, die noch längst nicht abgeschlossen ist.
Und es gibt solche, die sich in der Vergangenheit kuschelig einrichten und von da am liebsten gar nicht mehr wegwollen. Das sind die Retro-Freunde, die Exotisten. Die machen das im Grunde wie die Fürsten im 18. Jahrhundert, die sich "exotische" chinesische Pavillions in ihre Gärten gebaut haben - oder zumindest das, was man im damaligen Europa für chinesisch hielt. Das ist ja alles Projektion.
Das kann man machen, aber Nostalgie und Sehnsucht nach fernen Kulturen ist leider eher eine Ausweichbewegung als eine Basis für Kunstschaffen.
Ich hoffe sehr, mehr geklärt als verwirrt zu haben.
beste Grüße
Andrea
Tja, eigentlich die Intention des Schaffenden. Kunstkritik geht immer um die Intention des Künstlers, und inwieweit es ihm gelingt, seine Intention umzusetzen.Ist die Intention des Schaffenden, oder die Beurteilung
des Betrachtenden ausschlaggebend für die Kunst-Kitsch Bewertung ?
Theoretisch.
In realiter sind wir alle nicht so richtig neutral. Manchmal hab ich eine richtiggehende Schwäche für kitschige Blütenbäumchen
Der Zeitpunkt des Schaffens!Ist der Zeitpunkt des Geschaffenen oder der Zeitpunkt der
Betrachtung ausschlaggebend ?
Ein Rembrandt kann nur im Kontext der Niederlande des 17. Jahrhunderts wirklich verstanden werden (genießen kann man ihn natürlich auch ohne dieses Wissen), bei der Betrachtung von romantischen Landschaftsgemälden hilft es, ein wenig über die Gegebenheiten Deutschlands im 19. Jahrhundert Bescheid zu wissen (und siehe da: der romantische Caspar-David-Friedrich-Baum wird plötzlich politisch!)
Aber auch darüber streiten sich die Gelehrten. Es gibt Kunstwissenschaftler, die sehen das "Werk" am liebsten losgelöst von Zeit und Raum und Schöpfer. Andere, so wie ich, meinen, daß man es sich damit ein bißchen zu einfach macht.
Diese Diskussion ist bis heute nicht entschieden, es gibt beide Schulen. Insofern sind beide Meinungen berechtigt - alllerdings müssen sich die Vertreter des "reinen Werksgedankens" von mir fragen lassen, ob sie nicht einfach zu faul sind, Dinge aus der Sicht des kulturellen und zeitlichen Umfelds verstehen zu lernen.
Walter schrieb:
Das erscheint jetzt erstmal wie ein gröblicher Widerspruch gegen das, was ich oben schrieb. Aber das muß nicht sein:Es geht, wenn überhaupt, gegen das, was im Westen als japanische traditioneller Stil gesehen wird, es aber gar nicht ist. Es geht dagegen, dass die grosse japanische Bonsaikunst zum erheblichen Teil zum Kitsch verkommmen ist. Auch unter Mithilfe der Japaner.
Es geht gegen die, die meinen, dass Bonsai was mit Zen-Buddhismus zu tun hat, dass Bonsai ohne Verständnis der japanischen Ästehtik nicht begriffen werden kann. (...)
Richtig ist, dass viele zu Bonsai gefunden haben, weil sie sich für fernöstliche Kultur interessieren, weil sie dort eine gewisse Geborgenheit finden, die sie in userer Kultur vermissen. Die trifft es verständlicherweise hart, wenn sie hören, dass Bonsai im modernen Sinn damit gar nichts zu tun hat. Die möchten natürlich das Rad zurückdrehen.
Solche nenne ich Bonsaifundementalisten.
Es gibt Leute, die die kulturellen Wurzeln des Bonsai besser kennenlernen wollen, damit sie die Entwicklung, die diese Kunst genommen hat, besser nachvollziehen können. Beschäftigung mit der Vergangenheit gibt einem ja immer auch Hinweise auf mögliche zukünftige Entwicklungen. Das heißt, wenn man die Vergangenheit des Bonsais erforscht, könnte einem auffallen, daß da eine Entwicklung stattgefunden hat, die noch längst nicht abgeschlossen ist.
Und es gibt solche, die sich in der Vergangenheit kuschelig einrichten und von da am liebsten gar nicht mehr wegwollen. Das sind die Retro-Freunde, die Exotisten. Die machen das im Grunde wie die Fürsten im 18. Jahrhundert, die sich "exotische" chinesische Pavillions in ihre Gärten gebaut haben - oder zumindest das, was man im damaligen Europa für chinesisch hielt. Das ist ja alles Projektion.
Das kann man machen, aber Nostalgie und Sehnsucht nach fernen Kulturen ist leider eher eine Ausweichbewegung als eine Basis für Kunstschaffen.
Ich hoffe sehr, mehr geklärt als verwirrt zu haben.
beste Grüße
Andrea
Hallo Andrea
Danke für Deine Antworten.
Deine Äusserungen (meinen Gedanken ähnlich) passen
zu einem System, in dem die Kunst sich wohl selbst sieht.
Nicht der Bewerter entscheidet, sondern eine
gelungene Kombination aus Schaffendem, Geschaffenem im
Kontext seiner Zeit.
Für mich war es klärend, kein bisschen verwirrend.
Ein schönes Wochenende
Dieter
Danke für Deine Antworten.
Deine Äusserungen (meinen Gedanken ähnlich) passen
zu einem System, in dem die Kunst sich wohl selbst sieht.
Nicht der Bewerter entscheidet, sondern eine
gelungene Kombination aus Schaffendem, Geschaffenem im
Kontext seiner Zeit.
Für mich war es klärend, kein bisschen verwirrend.
Ein schönes Wochenende
Dieter
- Walter Pall
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Andrea,
jetzt auch noch Du und der Martin und der Zopf. Das habe ich ja gar nicht mehr zu träumen gewagt. Ich wollte das Thread endgültig beenden und mich angeekelt abwenden. Und nun das! Jetzt wird alles, alles gut.
Wenn immer ich kann, gehe ich in ein Kunstmuseum irgendwo in der Welt. Da gibt es so viel zu sehen, dass man sich das schon einteilen muss. Oft sind die Sammlungen chronologisch angeordnet. Da kommt dann das Mittelater vor der Renaissance usw. Ich habe mir angwöhnt, das Mittelalter grundsätzulich zu meiden. Es vergeudet meine Zeit, es spricht mich nicht an, es interssiert mich nicht. Was gibt es dann da zu sehen? Fast nur Heiligenstatuen und so. Ich gehen einfach davon aus, dass das alles Kunstwerke sind, sonst wären sie ja nicht im Museum. Warum lassen mich die dann sowas von kalt, wenn das Kunst ist? Ich bin doch kein totaler Banause? Oder?
Oder doch! Was die Heiligenstatuen betrifft bin ich totaler Banause. Ich bin nämlich radikal antireligös. Für mich selber meine ich, andere dürfen gerne glauben was sie wollen. Für mich ist eine Heiligenstatue ein Stück Holz. Ich weiss nichts davon und will auch nichts wissen. Das das was 'heiliges' ist, ist für mich persönlch absurd. Für mich stammt das alles aus einer Zeit, als wir so fortschrittlich waren wie ländliche Gebiete im heutigen Iran.
Ich meine, mit so einer Einstellung kann das ja nichts werden. Sind da jetzt die, die das geschaffen haben keine Künstler? Kann man absolut nicht sagen. Die waren wohl selbst zutiefst gläubig und haben an etwas heiligem gearbeitet. Die Betrachter waren dann meist auch tief gläubig, oder noch tiefer und haben das gesehen was sie sehen sollten und wollten.
Für einen Ungläubigen sind die dann aber so wie Totemmasken aus Afrika. Man kann das Heilige, die Kusnt nicht erkennen, ist da unfähig, aber das Handwerk kann man irgendwie doch beurteilen.
Nun, soweit so gut. Wenn nun Kopien von diesen Statuen unten im Museumshop verkauft werden, dann ist das maximal Kunsthandwerk, möglicherweise schon Kitsch. Wenn einer hergeht und heute, fünfhundert Jahre später genau in dem Stil arbeitet, aber eher zeitgemäss oberflächlich gläubig oder ungläubig ist, nur um die Dinger an reiche Amerikaner zu verkaufen, dann ist das im besten Falle Kunstfälschung, im schlechtesten Falle Oberkitsch.
Was hat das jetzt mit Bonsai zu tun? Bonsai wurden hergestllt um in einer Tokonoma zu bestimmten Zeiten ausgestellt zu werden. Eine Tokonoma ist ein buddhistischer Hausaltar. Das ist eine Kultur, in die sich ein Europäer kaum einfinden kann. Er kann es ja versuchen, wird jedoch schwierig sein. Muss man nun als ernsthafter Bonsaimensch Bäume so gestalten, dass sie in eine Tokonoma passen? Sollte man sich dann sogar eine Tokonoma anschaffen? Ich halte das für sehr fraglich. Ist das gut? Ist es das was Bonsai ausmacht? Oder ist es ein Irrtum? Ich weiss aus mehreren Gesprächen mit Japanern, dass sie über die westlichen Versuche, die japanische Kultur links zu überholen im besten Falle lächeln. Ich habe aber das Gefühl, dass sie das verachten
Was dabei herauskommt ist dann so, wie die vielen 'Little Octoberfests' in Amerika. Folklorekitsch. Kann man auch belächeln, oder verachten, je nachdem.
Sind die, die Kopien von Kopien von traditionellen Bonsai am laufenden Band herstellen und ans gläubige Volk bringen nicht genau so zu sehen wie die Devitionalienhändler in Lourdes?
Also ich meine Bonsai hat viel mit Heiligenstatuen zu tun.
jetzt auch noch Du und der Martin und der Zopf. Das habe ich ja gar nicht mehr zu träumen gewagt. Ich wollte das Thread endgültig beenden und mich angeekelt abwenden. Und nun das! Jetzt wird alles, alles gut.
Ich auch, ganz im Vetrauen. ich mag sogar die Bäume von mir, die ich öffentlich ganz ernsthaft als Kitsch bezeichne besonders gerne. Trotzdem sind sie Kitsch.andreaffm hat geschrieben:Theoretisch.
In realiter sind wir alle nicht so richtig neutral. Manchmal hab ich eine richtiggehende Schwäche für kitschige Blütenbäumchen
Das bringt mich wieder zurück zum Thema 'Bonsai sind wie Heiligensatuen'. Aus Deinen Ausführungen bin ich schlauer geworden.andreaffm hat geschrieben:Aber auch darüber streiten sich die Gelehrten. Es gibt Kunstwissenschaftler, die sehen das "Werk" am liebsten losgelöst von Zeit und Raum und Schöpfer. Andere, so wie ich, meinen, daß man es sich damit ein bißchen zu einfach macht.
Diese Diskussion ist bis heute nicht entschieden, es gibt beide Schulen. Insofern sind beide Meinungen berechtigt - alllerdings müssen sich die Vertreter des "reinen Werksgedankens" von mir fragen lassen, ob sie nicht einfach zu faul sind, Dinge aus der Sicht des kulturellen und zeitlichen Umfelds verstehen zu lernen.
Wenn immer ich kann, gehe ich in ein Kunstmuseum irgendwo in der Welt. Da gibt es so viel zu sehen, dass man sich das schon einteilen muss. Oft sind die Sammlungen chronologisch angeordnet. Da kommt dann das Mittelater vor der Renaissance usw. Ich habe mir angwöhnt, das Mittelalter grundsätzulich zu meiden. Es vergeudet meine Zeit, es spricht mich nicht an, es interssiert mich nicht. Was gibt es dann da zu sehen? Fast nur Heiligenstatuen und so. Ich gehen einfach davon aus, dass das alles Kunstwerke sind, sonst wären sie ja nicht im Museum. Warum lassen mich die dann sowas von kalt, wenn das Kunst ist? Ich bin doch kein totaler Banause? Oder?
Oder doch! Was die Heiligenstatuen betrifft bin ich totaler Banause. Ich bin nämlich radikal antireligös. Für mich selber meine ich, andere dürfen gerne glauben was sie wollen. Für mich ist eine Heiligenstatue ein Stück Holz. Ich weiss nichts davon und will auch nichts wissen. Das das was 'heiliges' ist, ist für mich persönlch absurd. Für mich stammt das alles aus einer Zeit, als wir so fortschrittlich waren wie ländliche Gebiete im heutigen Iran.
Ich meine, mit so einer Einstellung kann das ja nichts werden. Sind da jetzt die, die das geschaffen haben keine Künstler? Kann man absolut nicht sagen. Die waren wohl selbst zutiefst gläubig und haben an etwas heiligem gearbeitet. Die Betrachter waren dann meist auch tief gläubig, oder noch tiefer und haben das gesehen was sie sehen sollten und wollten.
Für einen Ungläubigen sind die dann aber so wie Totemmasken aus Afrika. Man kann das Heilige, die Kusnt nicht erkennen, ist da unfähig, aber das Handwerk kann man irgendwie doch beurteilen.
Nun, soweit so gut. Wenn nun Kopien von diesen Statuen unten im Museumshop verkauft werden, dann ist das maximal Kunsthandwerk, möglicherweise schon Kitsch. Wenn einer hergeht und heute, fünfhundert Jahre später genau in dem Stil arbeitet, aber eher zeitgemäss oberflächlich gläubig oder ungläubig ist, nur um die Dinger an reiche Amerikaner zu verkaufen, dann ist das im besten Falle Kunstfälschung, im schlechtesten Falle Oberkitsch.
Was hat das jetzt mit Bonsai zu tun? Bonsai wurden hergestllt um in einer Tokonoma zu bestimmten Zeiten ausgestellt zu werden. Eine Tokonoma ist ein buddhistischer Hausaltar. Das ist eine Kultur, in die sich ein Europäer kaum einfinden kann. Er kann es ja versuchen, wird jedoch schwierig sein. Muss man nun als ernsthafter Bonsaimensch Bäume so gestalten, dass sie in eine Tokonoma passen? Sollte man sich dann sogar eine Tokonoma anschaffen? Ich halte das für sehr fraglich. Ist das gut? Ist es das was Bonsai ausmacht? Oder ist es ein Irrtum? Ich weiss aus mehreren Gesprächen mit Japanern, dass sie über die westlichen Versuche, die japanische Kultur links zu überholen im besten Falle lächeln. Ich habe aber das Gefühl, dass sie das verachten
Was dabei herauskommt ist dann so, wie die vielen 'Little Octoberfests' in Amerika. Folklorekitsch. Kann man auch belächeln, oder verachten, je nachdem.
Sind die, die Kopien von Kopien von traditionellen Bonsai am laufenden Band herstellen und ans gläubige Volk bringen nicht genau so zu sehen wie die Devitionalienhändler in Lourdes?
Also ich meine Bonsai hat viel mit Heiligenstatuen zu tun.
Das war sowas von erhellend, ich bin entzückt.andreaffm hat geschrieben:Walter schrieb:Das erscheint jetzt erstmal wie ein gröblicher Widerspruch gegen das, was ich oben schrieb. Aber das muß nicht sein:Es geht, wenn überhaupt, gegen das, was im Westen als japanische traditioneller Stil gesehen wird, es aber gar nicht ist. Es geht dagegen, dass die grosse japanische Bonsaikunst zum erheblichen Teil zum Kitsch verkommmen ist. Auch unter Mithilfe der Japaner.
Es geht gegen die, die meinen, dass Bonsai was mit Zen-Buddhismus zu tun hat, dass Bonsai ohne Verständnis der japanischen Ästehtik nicht begriffen werden kann. (...)
Richtig ist, dass viele zu Bonsai gefunden haben, weil sie sich für fernöstliche Kultur interessieren, weil sie dort eine gewisse Geborgenheit finden, die sie in userer Kultur vermissen. Die trifft es verständlicherweise hart, wenn sie hören, dass Bonsai im modernen Sinn damit gar nichts zu tun hat. Die möchten natürlich das Rad zurückdrehen.
Solche nenne ich Bonsaifundementalisten.
Es gibt Leute, die die kulturellen Wurzeln des Bonsai besser kennenlernen wollen, damit sie die Entwicklung, die diese Kunst genommen hat, besser nachvollziehen können. Beschäftigung mit der Vergangenheit gibt einem ja immer auch Hinweise auf mögliche zukünftige Entwicklungen. Das heißt, wenn man die Vergangenheit des Bonsais erforscht, könnte einem auffallen, daß da eine Entwicklung stattgefunden hat, die noch längst nicht abgeschlossen ist.
Und es gibt solche, die sich in der Vergangenheit kuschelig einrichten und von da am liebsten gar nicht mehr wegwollen. Das sind die Retro-Freunde, die Exotisten. Die machen das im Grunde wie die Fürsten im 18. Jahrhundert, die sich "exotische" chinesische Pavillions in ihre Gärten gebaut haben - oder zumindest das, was man im damaligen Europa für chinesisch hielt. Das ist ja alles Projektion.
Das kann man machen, aber Nostalgie und Sehnsucht nach fernen Kulturen ist leider eher eine Ausweichbewegung als eine Basis für Kunstschaffen.
Ich hoffe sehr, mehr geklärt als verwirrt zu haben.
beste Grüße
Andrea
Meine Beiträge und Bäume dürfen gerne kritsch beurteilt und diskutiert werden.
Aber bitte nicht unbedingt mit mir.
mit freundlichen Grüßen
Walter Pall
Aber bitte nicht unbedingt mit mir.
mit freundlichen Grüßen
Walter Pall
Kitsch ist nicht zwangsläufig schlecht! Vorsätzlich eingesetzt kann Kitsch auch eine Aussage transportieren und ist dann ein Stilmittel.zopf hat geschrieben:Nur mein Ego verträgt es nicht 15 Jahre gestalterischen Schaffens mit dem negativ behafteteten Ausdruck Kitsch zu belegen.
Heinrich Heine hat beispielsweise mit Kitsch den Wechsel in eine neue Epoche eingeläutet.
Hallo Joker
Ich mache im Jahr 500-600 Entwürfe.
Nach 15 Jahren, rechne selbst.
Ich mache im Jahr 499-599 mal Kitsch.
Das kreative Schaffen von Mist
macht den Geruch leider nicht besser.
Wenn ich mit einem Bäumchen Harmonie, Schlüssigkeit
einen kleinen Hauch "Unbeflecktheit" versuche zu
gestalten, ist es nicht Ausdruck von Naivität oder
Realitätsleugnung.
Aber wenn ich es einordnen würde, es wäre Kitsch
und damit keinen Deut besser als der erzwungene Kitsch
meiner Arbeit und
bedauerlicher Weise wird sich daran auch niemals etwas
ändern, es fällt halt eben nur immer weniger Leuten auf.
mfG Dieter
Ich mache im Jahr 500-600 Entwürfe.
Nach 15 Jahren, rechne selbst.
Ich mache im Jahr 499-599 mal Kitsch.
Das kreative Schaffen von Mist
macht den Geruch leider nicht besser.
Wenn ich mit einem Bäumchen Harmonie, Schlüssigkeit
einen kleinen Hauch "Unbeflecktheit" versuche zu
gestalten, ist es nicht Ausdruck von Naivität oder
Realitätsleugnung.
Aber wenn ich es einordnen würde, es wäre Kitsch
und damit keinen Deut besser als der erzwungene Kitsch
meiner Arbeit und
bedauerlicher Weise wird sich daran auch niemals etwas
ändern, es fällt halt eben nur immer weniger Leuten auf.
mfG Dieter
Na! Das meinte ich doch!
Kitsch muss nicht negativ sein, nicht zwangsläufig etwas schlechtes. Wenn Walter seine Kitschbäume schön findet, ist das doch auch nur verständlich. Es sind Kunstwerke aus Deiner (Walters natürlich) Hand, sie enthalten Deinen Geist, auch wenn sie vielleicht nur billige (tschuldigung) Kopien eines anderen Baumes sind. Trotzdem Kitsch. Ich finde Walters Vergleich mit dem Devotionalienshop ( "Jesus Virgin Mega Store") sehr treffend. Da hat irgend ein Künstler eine Figur geschnitzt, gemeißelt oder sonstwas, ohne Zweifel Kunst, oder zumindest Kunsthandwerk. Die Karten und Püppchen und so im "JVMS" sind dann die billigen Kopien. Die kaufen die Leute, um zu Hause ihre eigenes Heiligenpüppchen zu haben. Für den Käufer ein Heiligtum, für den der sie gemacht hat, nix besonderes (doch Kohle, Kohle und nochmals Kohle).
Zurück zum Bonsai. Wenn ich es richtig verstanden und gelesen habe, heißt das: wir einigen uns auf bestimmte gärtnerische und gestalterische Grundlagen, z.B. Substrat muss dränfähig sein, für die Gestaltung bestimter Eigenarten, wie Jins usw. gibt es Möglichkeiten, diese natürlich und nicht "reingefräst" aussehen zu lassen. Allerdings wäre die Annahme erster Ast unten links und zweiter Ast unten rechts und einer hinten und Krone auch irgendwie reglementiert der von Walter angesprochene Stillstand.
Hab' ich das jetzt richtig? Die Kunst besteht also darin, aus jedem Baum ein Individuum zu "zaubern" etwas Einzigartiges, wie Marc's "Die gelbe Kuh".
Ist dann mit anderen Worten gesagt alles erlaubt? Wären dann Figuren, die ich aus einem Buchsbaum schneide Kunst, Kitsch oder etwas anderes? Kommt es auf die Figur an?
Ist es demnach auch erlaubt Laubbäume mit Totholz zu gestalten? Wenn ich nicht irre, steht dieses "Verbot" irgendwo bei Horst Stahl. Es wäre in jedem Falle, naturalistisch, ich kenn' ne Menge Bäume mit toten, abgebrochenen Ästen. Natürlich sehen die nicht aus, wie Kiefern an der Baumgrenze. Ist dann nicht auch die ganze Stilrichtungen Einteilung irgendwie für unsere europäischen Köpfe zu reglementiert?
Ich habe manchmal das Gefühl, als ginge mancher (ich schließe mich da nicht aus) los, mit dem festen Willen heute inen Literaten zu gestalten. Und damit ist doch dann der Kitsch vorprogrammiert.
So, nu darf wieder jemand anderes.
Nur der Vollständigkeit halber:
Ja, ich denke daß auch ein Programmierer ein Künstler sein kann, das Autotuning eine Kunst sein kann, das Gärtner Künstler sein können, Altenpflegerinnen, Unternehmensberater und jede Menge mehr.
Gruß
Holger
Kitsch muss nicht negativ sein, nicht zwangsläufig etwas schlechtes. Wenn Walter seine Kitschbäume schön findet, ist das doch auch nur verständlich. Es sind Kunstwerke aus Deiner (Walters natürlich) Hand, sie enthalten Deinen Geist, auch wenn sie vielleicht nur billige (tschuldigung) Kopien eines anderen Baumes sind. Trotzdem Kitsch. Ich finde Walters Vergleich mit dem Devotionalienshop ( "Jesus Virgin Mega Store") sehr treffend. Da hat irgend ein Künstler eine Figur geschnitzt, gemeißelt oder sonstwas, ohne Zweifel Kunst, oder zumindest Kunsthandwerk. Die Karten und Püppchen und so im "JVMS" sind dann die billigen Kopien. Die kaufen die Leute, um zu Hause ihre eigenes Heiligenpüppchen zu haben. Für den Käufer ein Heiligtum, für den der sie gemacht hat, nix besonderes (doch Kohle, Kohle und nochmals Kohle).
Zurück zum Bonsai. Wenn ich es richtig verstanden und gelesen habe, heißt das: wir einigen uns auf bestimmte gärtnerische und gestalterische Grundlagen, z.B. Substrat muss dränfähig sein, für die Gestaltung bestimter Eigenarten, wie Jins usw. gibt es Möglichkeiten, diese natürlich und nicht "reingefräst" aussehen zu lassen. Allerdings wäre die Annahme erster Ast unten links und zweiter Ast unten rechts und einer hinten und Krone auch irgendwie reglementiert der von Walter angesprochene Stillstand.
Hab' ich das jetzt richtig? Die Kunst besteht also darin, aus jedem Baum ein Individuum zu "zaubern" etwas Einzigartiges, wie Marc's "Die gelbe Kuh".
Ist dann mit anderen Worten gesagt alles erlaubt? Wären dann Figuren, die ich aus einem Buchsbaum schneide Kunst, Kitsch oder etwas anderes? Kommt es auf die Figur an?
Ist es demnach auch erlaubt Laubbäume mit Totholz zu gestalten? Wenn ich nicht irre, steht dieses "Verbot" irgendwo bei Horst Stahl. Es wäre in jedem Falle, naturalistisch, ich kenn' ne Menge Bäume mit toten, abgebrochenen Ästen. Natürlich sehen die nicht aus, wie Kiefern an der Baumgrenze. Ist dann nicht auch die ganze Stilrichtungen Einteilung irgendwie für unsere europäischen Köpfe zu reglementiert?
Ich habe manchmal das Gefühl, als ginge mancher (ich schließe mich da nicht aus) los, mit dem festen Willen heute inen Literaten zu gestalten. Und damit ist doch dann der Kitsch vorprogrammiert.
So, nu darf wieder jemand anderes.
Nur der Vollständigkeit halber:
Ja, ich denke daß auch ein Programmierer ein Künstler sein kann, das Autotuning eine Kunst sein kann, das Gärtner Künstler sein können, Altenpflegerinnen, Unternehmensberater und jede Menge mehr.
Gruß
Holger
"The mind is like a parachute. It doesn't work unless it's open."
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- Registriert: 29.03.2005, 16:50
- Wohnort: Schweiz
Ist das schön, wenn unter dem Schlamm langsam Boden zum Vorschein kommt! Andrea hat herausgearbeitet, welche Motivation man haben kann, Bonsai zu machen und wie diese Weichenstellung dann eben tendenziell zu Kitsch führt.
Tendenziell – da war doch öfters mal Walters kleiner, netter Baum mit den roten Trompetenblüten. Das ist für mich schöner Kitsch und ich stelle dazu fest, dass ich es als «Zugabe» zu den bekannten Pall-Gestaltungen ganz anders werte, als wenn es die einzige Art Bäumchen wäre, die er gestaltet. Da sind wir dann wieder bei der Person des Künstlers. (Andrea: Ein Stück weit geht diese postulierte Trennung von Werk und Person ja auf die Idee einer «absoluten Kunst» zurück. Bloss hört man dummerweise in den Fugen doch immer wieder den Bach, nicht wahr?).
Kitsch, Kunst. Ich glaube, das ist nicht das Problem. Problematisch ist vielmehr die Angst vor Kitsch. Die Wertung. So gesehen, entstehen die Gattungen vielleicht doch erst beim Betrachter. Das wissen wir alle: Eine dominierende Kraft in allen Kunstmärkten ist die Angst vor Irrtümern. Die kann zu ganz grotesken Erscheinungen führen. Das führt dann dazu, dass im Moment ALLES akzeptiert wird, was zum Beispiel unter «Neue Wilde» auftaucht, später aber rigoros selektiert wird und vielleicht mal gerade ein Zehntel «übrigbleibt». Was das mit Bonsai zu tun hat? Es zeigt, dass man sich vielleicht als Gestalter doch nicht zuviele Gedanken machen sollte. Ich meine, wir sind alle oft viel zu produktorientiert, hängen viel zu sehr daran, das «Richtige» zu machen. Siehe meine Frage zum Aussäen von Misteln: Die wurde angeschossen, bevor da irgendwas gekeimt hatte…
Ob alles geht, lässt sich auch so beantworten: Erstmal sicher. Man kann, darf und soll erstmal alles machen. Dann wird gesiebt. Erst siebt der Gestalter, der sich entscheidet, was er zeigt. Dann der Aussteller, der sich entscheidet, was er annimmt. Dann der Fotograf, der sich entscheidet, was er abbildet. Und so weiter. Darum braucht sich der Gestalter eigentlich nicht zu kümmern im Zeitpunkt des Gestaltens, sonst würde er sich überschätzen. Man kann weder Kunst noch Kitsch aufzwängen, aberman kann eine totale Gestaltungshemmung kriegen, wenn man sich zu sehr aufs Resultat fixiert.
holgerb: Wir haben bei uns grad eine Matisse-Ausstellung. Die empfehle ich. Sie hat mich dazu gebracht, wieder mal etwas mehr über die Sache mit den Innen- und Aussenräumen nachzudenken. Matisse arbeitet wie Brancusi oft ganz gezielt mit dem Raum, der zwischen den eigentlichen Gegenständen bleibt. Hebt ihn hervor, macht aus dem Hintergrund eine den Objekten gleichwertige, eigenständige Fläche. Das kennst du schon: Picasso hat mal zwei Gesichter so gegenübergestellt, dass sie den «Innenraum» eines Pokals formen. So «infiziert», kann ich dann Bäume ganz neu anschauen. Das kann vielleicht dazu führen, dass ich die Sache mit «Vater und Sohn» über Bord werfe, mich nicht mehr darum kümmere, ob ein Stamm mindestens um ein Drittel dünner ist als der andere, sondern den Schwerpunkt bei der gezielten Gestaltung des «Luftlochs» zwischen den Stämmen setze.
In Buchs schnitzen werde ich nicht. Das kommt mir zu artifiziell vor. Mir fällt sowieso auf, dass immer dann, wenn von Neuerungen die Rede ist, möglichst extreme Beispiele herangezogen werden: Bunter Plastik, Stahlbottiche, Schnitzen. Das ist irgendwie fies. Es zielt (scheint mir) darauf ab, jede noch so geringe Erweiterung der bestehenden Grenzen im vorneherein zu diskreditieren, indem man die gewählte Richtung ad absurdum führt.
Darum – und ganz besonders für delamitri, der mich offenbar so wenig versteht, wie ich ihn – probiere ich jetzt mal, ganz konkrete Ideen zu formulieren. Damit oute ich mich ein Stück weit und riskiere neuen Spott. Vielleicht kommen aber auch gute Hinweise und aufbauende Antworten. Ich bin da recht zuversichtlich, wenn ich mir den Stand der Diskussion so betrachte. Hier also ein paar Hausaufgaben aus meinem Bonsai-Notizbuch:
Kulturbäume
Neben «altehrwürdigen und natürlichen Bäumen» finde ich sehr anregend: Obstbäume mit der Struktur jahrzehntelangen Rückschnitts durch den Menschen, Allee- und Promenadenbäume aus demselben Grund, Spalierbäume (allerdings ein Schalenproblem). Ich mag auch die optimistische Stimmung, die von einem kerzengeraden, jungen Baum ausgeht, der sicherheitshalber noch an einen Pfosten gebunden wurde. Und das Bild eines Strassenbaums, der aus seinem Pflastersteinkreis wächst. Was ist Natur?
Fluss- und Seebäume
So nenne ich Bäume, die vom Wasser mitgestaltet wurden. Konkret in Arbeit: Ein Baum nach dem Vorbild von Weiden, deren unterste Äste in der Strömungsrichtung des Flusses stehen und einiges Totholz tragen, da sie arg zerschlagen werden bei Hochwasser. Gehört thematisch zu den windgepeitschten Formen.
Der Baum in der Landschaft
Hatten wir schon mal. Die Tölzer Linde von Walter Pall. Ich meine, dass ein Baum in einem Acker nicht adäquat abgebildet werden kann, wenn es nicht gelingt, ein gutes Stück Acker «mitzunehmen». Primär eine Frage der Schalengestaltung. Dann die «Stammhalterbäume»: In einigen Gebieten meiner Heimat war es üblich, dass Bauern bei der Geburt eines Stammhalters einen Baum auf einen Hügel pflanzen. Dabei geht es um charakteristische Hügel, die in den Eiszeiten geformt wurden. Kennt bei uns jedes Kind, viele dieser Bäume stehe unter Schutz.
Das Gebüsch, die Hecke
Gehört auch zu unserer Agrarlandschaft: Primär als Windschutz angelegte, schmale Gehölzstreifen, die Äcker trennen und die Landschaft prägen. Als Ergänzung zum Thema Waldpflanzung vielleicht, aber vom Schnitt her völlig anders aufzubauen.
Steigungen im Gelände
Wir haben eine Menge «Alphornfichten». Ganz typisch für die Alpen und Voralpen: Die Fichte wächst aus dem steilen Gelände senkrecht nach oben und hat darum eine starke Krümmung im untersten Bereich. Auch ein Schalenproblem, habe ich bereits mal irgendwo angesprochen. Technisch gelöst.
Lothar und Viviane tanzen wild herum…
Die Idylle des romantischen Waldes wackelt bei uns, seit starke Unwetter fast alljährlich drin rumtoben. Neue Bilder prägen sich ein: Umgestürzte Bäume, die wieder ausschlagen, Spuren der Verwüstung, abgebrochene Stämme. Walter Pall hat mit dem Kandelaber-Baum diesen Weg bereits beschritten.
Ist ein Baum ein Baum?
Das ist meine Spielwiese. Manchmal ist ein Baum ein Baum. Manchmal ist er ein Drachen oder ein Ungeheur. Weiss jedes Kind, das zu lange von zu Hause wegblieb und jetzt durchs Dunkle heimschleicht. Können Erwachsene wieder lernen. Lenz hats vorgemacht.
Soviel zurzeit. Von bereits beschriebenen Ansätzen wie der «freien Besenform» rede ich jetzt gar nicht, Einzelfunde wie die Klumpfussfichte lasse ich auch aus. Die sind ausser Konkurrenz, da nicht wiederholbar. Ob jetzt das eine oder andere des oben skizzierten Kitsch oder Kunst wird, oder erst das eine und dann das andere, ob das den Walter begeistert, den holger nicht oder beide, ob Danny es annimmt, ob es Vorbild sein kann oder nicht – das ist dann die nächste Ebene. Erstmal, Sires, will ich bloss Gedankenfreiheit und die Erlaubnis, mit anderen – auch öffentlich – drüber nachdenken zu können.
Tendenziell – da war doch öfters mal Walters kleiner, netter Baum mit den roten Trompetenblüten. Das ist für mich schöner Kitsch und ich stelle dazu fest, dass ich es als «Zugabe» zu den bekannten Pall-Gestaltungen ganz anders werte, als wenn es die einzige Art Bäumchen wäre, die er gestaltet. Da sind wir dann wieder bei der Person des Künstlers. (Andrea: Ein Stück weit geht diese postulierte Trennung von Werk und Person ja auf die Idee einer «absoluten Kunst» zurück. Bloss hört man dummerweise in den Fugen doch immer wieder den Bach, nicht wahr?).
Kitsch, Kunst. Ich glaube, das ist nicht das Problem. Problematisch ist vielmehr die Angst vor Kitsch. Die Wertung. So gesehen, entstehen die Gattungen vielleicht doch erst beim Betrachter. Das wissen wir alle: Eine dominierende Kraft in allen Kunstmärkten ist die Angst vor Irrtümern. Die kann zu ganz grotesken Erscheinungen führen. Das führt dann dazu, dass im Moment ALLES akzeptiert wird, was zum Beispiel unter «Neue Wilde» auftaucht, später aber rigoros selektiert wird und vielleicht mal gerade ein Zehntel «übrigbleibt». Was das mit Bonsai zu tun hat? Es zeigt, dass man sich vielleicht als Gestalter doch nicht zuviele Gedanken machen sollte. Ich meine, wir sind alle oft viel zu produktorientiert, hängen viel zu sehr daran, das «Richtige» zu machen. Siehe meine Frage zum Aussäen von Misteln: Die wurde angeschossen, bevor da irgendwas gekeimt hatte…
Ob alles geht, lässt sich auch so beantworten: Erstmal sicher. Man kann, darf und soll erstmal alles machen. Dann wird gesiebt. Erst siebt der Gestalter, der sich entscheidet, was er zeigt. Dann der Aussteller, der sich entscheidet, was er annimmt. Dann der Fotograf, der sich entscheidet, was er abbildet. Und so weiter. Darum braucht sich der Gestalter eigentlich nicht zu kümmern im Zeitpunkt des Gestaltens, sonst würde er sich überschätzen. Man kann weder Kunst noch Kitsch aufzwängen, aberman kann eine totale Gestaltungshemmung kriegen, wenn man sich zu sehr aufs Resultat fixiert.
holgerb: Wir haben bei uns grad eine Matisse-Ausstellung. Die empfehle ich. Sie hat mich dazu gebracht, wieder mal etwas mehr über die Sache mit den Innen- und Aussenräumen nachzudenken. Matisse arbeitet wie Brancusi oft ganz gezielt mit dem Raum, der zwischen den eigentlichen Gegenständen bleibt. Hebt ihn hervor, macht aus dem Hintergrund eine den Objekten gleichwertige, eigenständige Fläche. Das kennst du schon: Picasso hat mal zwei Gesichter so gegenübergestellt, dass sie den «Innenraum» eines Pokals formen. So «infiziert», kann ich dann Bäume ganz neu anschauen. Das kann vielleicht dazu führen, dass ich die Sache mit «Vater und Sohn» über Bord werfe, mich nicht mehr darum kümmere, ob ein Stamm mindestens um ein Drittel dünner ist als der andere, sondern den Schwerpunkt bei der gezielten Gestaltung des «Luftlochs» zwischen den Stämmen setze.
In Buchs schnitzen werde ich nicht. Das kommt mir zu artifiziell vor. Mir fällt sowieso auf, dass immer dann, wenn von Neuerungen die Rede ist, möglichst extreme Beispiele herangezogen werden: Bunter Plastik, Stahlbottiche, Schnitzen. Das ist irgendwie fies. Es zielt (scheint mir) darauf ab, jede noch so geringe Erweiterung der bestehenden Grenzen im vorneherein zu diskreditieren, indem man die gewählte Richtung ad absurdum führt.
Darum – und ganz besonders für delamitri, der mich offenbar so wenig versteht, wie ich ihn – probiere ich jetzt mal, ganz konkrete Ideen zu formulieren. Damit oute ich mich ein Stück weit und riskiere neuen Spott. Vielleicht kommen aber auch gute Hinweise und aufbauende Antworten. Ich bin da recht zuversichtlich, wenn ich mir den Stand der Diskussion so betrachte. Hier also ein paar Hausaufgaben aus meinem Bonsai-Notizbuch:
Kulturbäume
Neben «altehrwürdigen und natürlichen Bäumen» finde ich sehr anregend: Obstbäume mit der Struktur jahrzehntelangen Rückschnitts durch den Menschen, Allee- und Promenadenbäume aus demselben Grund, Spalierbäume (allerdings ein Schalenproblem). Ich mag auch die optimistische Stimmung, die von einem kerzengeraden, jungen Baum ausgeht, der sicherheitshalber noch an einen Pfosten gebunden wurde. Und das Bild eines Strassenbaums, der aus seinem Pflastersteinkreis wächst. Was ist Natur?
Fluss- und Seebäume
So nenne ich Bäume, die vom Wasser mitgestaltet wurden. Konkret in Arbeit: Ein Baum nach dem Vorbild von Weiden, deren unterste Äste in der Strömungsrichtung des Flusses stehen und einiges Totholz tragen, da sie arg zerschlagen werden bei Hochwasser. Gehört thematisch zu den windgepeitschten Formen.
Der Baum in der Landschaft
Hatten wir schon mal. Die Tölzer Linde von Walter Pall. Ich meine, dass ein Baum in einem Acker nicht adäquat abgebildet werden kann, wenn es nicht gelingt, ein gutes Stück Acker «mitzunehmen». Primär eine Frage der Schalengestaltung. Dann die «Stammhalterbäume»: In einigen Gebieten meiner Heimat war es üblich, dass Bauern bei der Geburt eines Stammhalters einen Baum auf einen Hügel pflanzen. Dabei geht es um charakteristische Hügel, die in den Eiszeiten geformt wurden. Kennt bei uns jedes Kind, viele dieser Bäume stehe unter Schutz.
Das Gebüsch, die Hecke
Gehört auch zu unserer Agrarlandschaft: Primär als Windschutz angelegte, schmale Gehölzstreifen, die Äcker trennen und die Landschaft prägen. Als Ergänzung zum Thema Waldpflanzung vielleicht, aber vom Schnitt her völlig anders aufzubauen.
Steigungen im Gelände
Wir haben eine Menge «Alphornfichten». Ganz typisch für die Alpen und Voralpen: Die Fichte wächst aus dem steilen Gelände senkrecht nach oben und hat darum eine starke Krümmung im untersten Bereich. Auch ein Schalenproblem, habe ich bereits mal irgendwo angesprochen. Technisch gelöst.
Lothar und Viviane tanzen wild herum…
Die Idylle des romantischen Waldes wackelt bei uns, seit starke Unwetter fast alljährlich drin rumtoben. Neue Bilder prägen sich ein: Umgestürzte Bäume, die wieder ausschlagen, Spuren der Verwüstung, abgebrochene Stämme. Walter Pall hat mit dem Kandelaber-Baum diesen Weg bereits beschritten.
Ist ein Baum ein Baum?
Das ist meine Spielwiese. Manchmal ist ein Baum ein Baum. Manchmal ist er ein Drachen oder ein Ungeheur. Weiss jedes Kind, das zu lange von zu Hause wegblieb und jetzt durchs Dunkle heimschleicht. Können Erwachsene wieder lernen. Lenz hats vorgemacht.
Soviel zurzeit. Von bereits beschriebenen Ansätzen wie der «freien Besenform» rede ich jetzt gar nicht, Einzelfunde wie die Klumpfussfichte lasse ich auch aus. Die sind ausser Konkurrenz, da nicht wiederholbar. Ob jetzt das eine oder andere des oben skizzierten Kitsch oder Kunst wird, oder erst das eine und dann das andere, ob das den Walter begeistert, den holger nicht oder beide, ob Danny es annimmt, ob es Vorbild sein kann oder nicht – das ist dann die nächste Ebene. Erstmal, Sires, will ich bloss Gedankenfreiheit und die Erlaubnis, mit anderen – auch öffentlich – drüber nachdenken zu können.



