Bonsai sind wie Heiligenstatuen

Allgemeine Philosophie, Stilarten, Techniken, Vorstellung und Besprechung von Rohmaterial sowie lose Sammlung von Entwicklungs-Dokus
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zopf
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Beitrag von zopf »

Hallo Andreas
Deine Hausaufgaben find ich gut.
Ist es Dir denn wichtig was andere über Deine
Arbeit sagen, was Sie denken, was Sie fühlen ?
Brauchst Du die Bestätigung anderer als Grundlage
Deiner Gestaltung ?
Ist denn nicht gerade der Gedanke an die Reaktion
des Gegenüber ein Hemmschuh der Kunst ?

Wenn ich hier lese, frage ich mich immer wieder,
immer öfter.....
"Damit oute ich mich ein Stück weit und riskiere neuen Spott. "
(Entschuldige das ich Dich zitiere)
Was ist der Grund für Eure Zurückhaltung bei einer konkreten,
persönlichen Meinungsäusserung ?
Seid Ihr Euch so wenig Eurer selbst bewusst ?
Bringt Euch ein klein bisschen Kritk, Spott, Anfeindung so
aus der inneren Ruhe, das Ihr so viel Furcht zeigt ?

Ihr könnt oben gesagtes locker ignorieren und euch weiter
verstecken, aber zur Kunst ist man so nicht fähig.
Die erste und in meinen Augen wichtigste Vorraussetzung
um Kunst zu erschaffen ist Freiheit. Freiheit und nicht Angst.

mfG Dieter
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Delamitri
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Beitrag von Delamitri »

Andreas,

wieso Spott? ... von mir nicht und andere scheinen mir ohnehin zu wenig couragiert zu sein.

Deine Ideen sind absolut in Ordnung, prima, warum auch nicht? ... etwas anderes erwartet?

Einige Deiner Ideen habe ich bereits umgesetzt ... "Linde" und die Kandelaber-Form (hier Lärche). Auch die "freie Besenform" habe ich bereits mehrfach gestaltet (mit großem Erfolg selbst bei Bewertern). Erstaunt?

Nach meiner Auffassung und Lebenseinstellung kannst Du machen, was Du willst. Ich respektiere es als Kunst ... aber gestatte mr die Freiheit zu sagen, dass es mir entweder gefällt oder nicht.

Und genau da haben wir zwei ein Problem ... es muss möglich sein, dass ich sagen und schreiben kann, wenn es mir nicht gefällt, ohne von Dir für geistig minderbemittelt gehalten zu werden ... siehe Diskussion um Nick Lenz!

Kurz dazu ... ist ein Baum ein Baum? ... natürlich ist er ein Baum, er kann aber auch wie ein Drachen oder Ungeheuer wirken, jedoch nur dann, wenn andere Voraussetzungen gegeben sind ... wie von Dir erwähnt z.B. die Dunkelheit.

Mir ist nicht bekannt, dass Nick Lenz diese kunstvoll gestalteten Bäume bei dazu passenden Lichtverhältnissen zeigt. Nur dann würde es für mich einen Sinn ergeben.

Aber egal, jeder soll das tun können, was er für richtig hält, jedoch das, was er tut, nicht für die einzige Wahrheit halten.

Ich trete also für eine absolute Freizügigkeit ein, was aber auch bedeutet, dass ich sie für mich reklamiere!
Bis bald!

K.

"Was machen Sie da?" wurde Herr K. gefragt. Herr K. antwortete: "Ich gestalte Bonsai."
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Alien66
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Beitrag von Alien66 »

zopf hat geschrieben:...Ist denn nicht gerade der Gedanke an die Reaktion
des Gegenüber ein Hemmschuh der Kunst ?

Wenn ich hier lese, frage ich mich immer wieder, immer öfter.... "Damit oute ich mich ein Stück weit und riskiere neuen Spott. " (Entschuldige das ich Dich zitiere). Was ist der Grund für Eure Zurückhaltung bei einer konkreten, persönlichen Meinungsäusserung ?
Seid Ihr Euch so wenig Eurer selbst bewusst ?
Bringt Euch ein klein bisschen Kritk, Spott, Anfeindung so aus der inneren Ruhe, das Ihr so viel Furcht zeigt ?

Ihr könnt oben gesagtes locker ignorieren und euch weiter verstecken, aber zur Kunst ist man so nicht fähig. Die erste und in meinen Augen wichtigste Vorraussetzung um Kunst zu erschaffen ist Freiheit. Freiheit und nicht Angst...
Dieter,

*clap* *clap* *clap* ,

sehr gut formuliert. Ich denke, Du triffst einen wichtigen, vielleicht sogar als menschliche Eigenschaft zu bezeichnenden Punkt, von dem zumindest ich selber leider auch nicht frei bin.

Grüße, Chris.
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Walter Pall
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Beitrag von Walter Pall »

Delamitri hat geschrieben:Andreas,

wieso Spott? ... von mir nicht und andere scheinen mir ohnehin zu wenig couragiert zu sein.!
Wenn einer hier seit jeher ekelhaft anonym herummäkelt, dann kann da von couragiert überhaupt keine Rede sein.
Ich nenne sowas ausgesprochen feige und abstossend.
Meine Beiträge und Bäume dürfen gerne kritsch beurteilt und diskutiert werden.
Aber bitte nicht unbedingt mit mir.

mit freundlichen Grüßen
Walter Pall
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Delamitri
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Beitrag von Delamitri »

Walter Pall hat geschrieben:Wenn einer hier seit jeher ekelhaft anonym herummäkelt, dann kann da von couragiert überhaupt keine Rede sein.
Ich nenne sowas ausgesprochen feige und abstossend.
Lasse Dir das noch mal durch den Kopf gehen ... war wohl zu spät ... trotzdem gelbe Karte von mir! Interessiert keinen, ist mir aber egal :D
Bis bald!

K.

"Was machen Sie da?" wurde Herr K. gefragt. Herr K. antwortete: "Ich gestalte Bonsai."
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mohan
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Beitrag von mohan »

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*augenverdreh*

*back*
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Andreas Ludwig
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Beitrag von Andreas Ludwig »

Ja, back to topic.

zopf: Aus allerhand Gründen bin ich kein ausgeprochen konfliktfreudiger Mensch. Ich kann nicht denken, wenn ich brüllen muss. Auch mir ziehts oft genug den Ärmel rein, aber das sind für mich keine besonders wertvollen Tage. Also gehe ich dem schon etwas aus dem Weg. Übrigens Walter – ich bin da auch anonym. Wie ganz viele hier. Das alleine ist nicht weiter schlimmm, glaube ich.

Doch, delamitri: viel Spott, viel zuviel. Mancher fühlte sich bemüssigt, mit scheinbarem Scharfsinn zu demontieren, was gerade erst angedacht wird. Da kamen idiotische Vergleiche, es wurden absurde Bilder eingestellt, wenn Moskau nicht längst «Bisinessland» wäre, hätte mancher mich und andere wohl gerne dahin geschickt – sinngemäss jedenfalls. Das weisst du alles auch. Jetzt können wir natürlich retrospektivisch weiterzanken und uns gegenseitig vorwerfen, dass ich da und du dort, der dann und der andere damals.

Bloss werde ich immer wieder auf meinen Ansatz zurückkommen und diese Art der Auseinandersetzung wesensfremd, altväterisch-konfliktuös und völlig fruchtlos nennen. Mourir pour Bonsai? Nö. Aber es deswegen seinlassen? Auch nicht. Es alleine im Hinterzimmer betrieben? Kanns auch nicht sein (Begründung unten). Ich lasse den Konflikt als Mittel zum Zweck in Politik und Alltag gelten. Aber der Beweis, dass er hilfreich bei der Entwicklung von Bonsai sein soll, steht für mich aus. Tja – ich postuliere eine friedliche Haltung. Ausgerechnet in der Neidgenossenschaft Bonsai. Mut hab ich also schon. Aber die Verkrustungen brechen langsam auf, manche haben sich zurückgezogen, andere kommen aus der Reserve. Darum weiter:

Yami hat nach dem Wesen der Kunst gefragt. Das ist eine Sackgasse. Ingenieure fragen auch nicht nach dem Wesen der Technik, sondern bauen Kamine und Brücken. Die Frage nach dem Sinn einer Strasse darf nicht mit der nach dem Sinn von Verkehr verwechselt werden. Da übernimmt man sich. Wer mag, kann sich ja trotzdem in diese Thematik etwas einarbeiten, muss sich aber bewusst sein, dass er mit mehr Fragen als Antworten aus der Sache herauskommen wird. Nicht gerade Antworten, aber Anregungen gibt die Kunstwelt dennoch. Man kann Vergleiche ziehen (wie den der Heiligenstatuen, erinnert Ihr Euch – 19 Seiten früher?).

Ziehen wir also mal – Andrea kann mir ja helfen, wenn ich mich verirre, ich schreib das so aus dem Ärmel.

Bonsai ist wahrscheinlich für viele Leute reizvoll, weil es primär eine mimetische Kunst (Mimesis: Abbildung) ist. «Bonsai» bildet ab, erzeugt Abbilder von Bekanntem. Das erleichtert den Zugang. Der Betrachter muss sich nicht erst fragen, was Beuys mit Filz und Fett überhaupt meint, muss die Legende der Pflege durch die Tartaren nicht aufnehmen, hinterfragen und als Überhöhung durchschauen, er muss bloss schauen. Scheinbar – wie die Diskussion zeigt.

Mimesis kommt eben nie allein daher. Sie hat immer ihre Schwestern dabei, die da heissen «Schein», «Beschaulichkeit» und «Hintersinn». Ersteres hat Magritte mit seinen drei bekannten Bildern von der Tabakpfeife durchexerziert: Ceci n'est pas une pipe. Nö – eben ein Abbild. Was natürlich irgendwann zur naheliegenden Frage führt, warum wir so krampfhaft am Urbild kleben. Ceci n'est pas un arbre! Dann sind wir beim idealisierten Baum. Bloss – wie sollte ich ausserhalb eines Kontexts dessen Idealisierung übernehmen? Wie sollte ich im Ernst als Eurpäer japanische Bäumchen gestalten? Das wäre ein Rollenspiel, Schein.

Beschaulichkeit fängt für mich bei den 13'724 s-förmigen «Bonsai» im Baumarkt an und geht dann bis zu den putzigen Steinlaternchen, die manche an sich tolle Gestaltung hart landen lassen. Darüber müssen wir glaube ich nicht mehr reden.

Hintersinn ist ergiebiger. WARUM ein Abbild? Wovon? Das kann mich aus der Sinnkrise mit der für mich nicht möglichen «japanischen Art» führen. Ich muss bloss eine eigene Intention einerseits und ein eigenes Vorbild andererseits einsetzen, dann habe ich mein Rezept. Ich glaube, das wurde bisher massiv unterschätzt und fälschlicherweise belächelt. In riesigem Eifer wurden Tausende Zeilen geschrieben, die uns den japanischen Hintergrund vermitteln sollen. Dabei genügt die blosse Attraktion (Anziehung) durch das Phänomen (Erscheinung) Bonsai, um eine eigene Arbeit zu legitimieren. Ich muss nichts, aber auch nichts vom Hinter-Sinn der Japaner haben, um Bonsai machen zu können, die absolut ebenbürtig neben den japanischen stehen können. Allenfalls stehen beide unterhalb der chinesischen, wenn man denn Bonsai historisch werten will. Aber diese Vorstellung einer linear sich entwickelnden Kunst finde ich arg altmodisch.

Bonsai ist eine Technik, die von Mal zu Mal mit eigenen Inhalten gefüllt werden kann. Das Vorbild dieser Abbilder ist höchstens durch die Grenzen definiert, die der gesunde Menschenverstand gibt. Und der ist verhandelbar. Zur Erinnerung: Für seine «Grosse Nacht im Eimer» kriegte Baselitz Ende der sechziger Jahre noch Ärger mit den Behörden. Heute lässt sowas völlig kalt.

Aber Achtung: Da lauert schon die grosse Falle des «topping». Die Malerei ist da schon durch, die Promis lernen es gerade: Immer eins draufsetzen wollen führt zur Entwertung einer gesamten Sparte und zu sonst gar nix. In der Malerei führte es ganz einfach dazu, dass Positionen wieder denkbar wurden, die auf dem Rückgriff beruhen. Anselm Kiefer beispielsweise oder Polke und Immendorf benutzen die Malerei wieder als reine Technik und verzichten auf jedes «ars gratia artis» (Kunst um der Kunst willen – Pollock etc.). Die Konzeptualisten finden das doof, das Publikum mags es, weil es zugänglich ist.

Darum, delamitri, meine überraschend harmlose Position: Angesichts der Möglichkeiten und Unmöglichkeiten, die das Medium Bonsai bietet, habe ich mich für eine fast schon lokalhistroische Auffassung von «Baum» entschieden. Ich sehe keinen Grund, vom Baum abzuweichen und auch keinen, ihn mit Stahl zu kombinieren. Ich bleibe ganz brav mimetisch. (Aber aufgepasst: Wo das Vorbild in meinen Augen es rechtfertigt, wird halt schon mal ein Drache aus dem Baum. Auch Mimesis. Solche der Projektion). Aber ich bezweifle vehement, dass die existierenden Stilrichtungen die Breite des Abbildbaren und erst noch als ästhetisch Wahrgenommenen abdecken. Neue Stilrichtungen will ich dabei nicht schaffen, auch wenn meine Hausaufgaben so wirken mögen. Ich sehe das eher als «realisierte Analyse», was ich da so bastle. Analyse des unerforschten Raums oder so. Wir brauchen Bonsai, nicht Sparten. Was aber voraussetzt, dass wir die Entstehung solcher Bonsai ermutigen und begleiten, wo es nur geht.

Damit, zopf, sind wir bei deiner Frage: warum so empfindlich? Warum öffentlich? Tja. Vielleicht habe ich diesen blöden inneren Drang, den die Künstler für sich reklamieren. Vielleicht bin ich auch bloss stur. Jedenfalls kann ich es nicht lassen, wenn ich beispielsweise die Sache mit der «Vorderseite» bei Bonsai antreffe, mir das genau zu überlegen und zum Schluss zu kommen, dass man das nur braucht, wenn man den Bonsai vor eine Wand oder in eine Tokonoma stellt. Dann hab ich den 3D-Bonsai und finde das erst noch wichtig und mitteilenswert. Wenn ich dann nicht verstandn werde, ärgere ich mich. Wenn ich angegriffen werde, bin ich verletzt, weil ich mir doch bloss Mühe gegeben habe. Kann man nix machen – Künstlerkinderkünstler. Angesichts dessen, was uns an Information so um die Ohren gehauen wird, finde ich es aber gerade noch zumutbar.

So. jetzt darf, wer will.
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zopf
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Beitrag von zopf »

Danke Andreas
Einiges an Deinen Gedanken, existiert unartikuliert auch in mir.
Unartikuliert, warum soll ich es artikulieren. Wenn ich Fehler
(in meinen Augen) sehe, ist es Höflichkeit die mich davon abhält
diesen Fehler zu artikulieren.

Schwarz-Weiss das ist theoretischer Natur und nicht diskutierbar.
Der Graubereich-ist auch nicht diskutierbar. Selbst Delamitri
unser Mahner in der Dunkelheit. Jede Äusserung die Du machst,
Delamitri, vervollkommnet Dein Persönlichkeitsprofil. Wenn Du
nicht angreifbare Anonymität möchtest, schreibe nichts, wähle
keinen Namen der nachvollziehbar ist, denn selbst ein Schatten
ist eine Projektion des Körpers und damit rückrechenbar.

Worum es mir aber geht.
Bei japanischen Bonsai bewundere ich die Verfeinerung, aber es
fehlt mir etwas. Ein Teil des fehlenden habe ich in Bäumen von
Walter gesehen. Einen Teil bei Virtuals von Manfred Jochum.
Das sind Beispiele.
Mein immer mehr gesteigertes Interesse an Bonsai, hat Ihren
Ursprung im nicht Endenden. Der Weg von Schudde oder Lenz
ist mir verwehrt. Kunst will ich nicht schaffen, ich habe nichts
zu sagen.
Ich will einen, nur einen Bonsai machen. Nicht mehr und nicht weniger.
Gegen meinen eigentlichen Wunsch, habe ich im Forum eine
Gestaltung gezeigt. Das ist Kitsch und ich weiss es. Es mag sein
das ich früher oder später einen Baum ausstelle. Der Baum wird
Kitsch sein. Das weiss ich jetzt schon.
Ich will nur einen Bonsai machen.
Dazu muss ich lernen. Von jedem.
Deswegen bin ich hier im Forum.
Bis jetzt habe ich nur Walter als Lehrer.
Ich will aber nicht klein Walter werden.
mfG Dieter
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Delamitri
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Beitrag von Delamitri »

zopf hat geschrieben:Es mag sein, dass ich früher oder später einen Baum ausstelle. Der Baum wird Kitsch sein. Das weiss ich jetzt schon.
Und ich behaupte, der Baum wird kein "Kitsch" sein ...
Bis bald!

K.

"Was machen Sie da?" wurde Herr K. gefragt. Herr K. antwortete: "Ich gestalte Bonsai."
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zopf
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Beitrag von zopf »

Hallo Delamitri
Man kann zuerst Eliphas Levi und dann Crowley, Blavatsky ... lesen.
Oder andersrum.
Das ergibt ganz unterschiedliche Denkweisen.
Leider habe ich zuerst Levi gelesen.
Der Weg zur Kunst ist zu, da ich mich beim Akt des Schaffen´s
selbst überhole.
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Beitrag von Delamitri »

zopf hat geschrieben:Der Weg zur Kunst ist zu, da ich mich beim Akt des Schaffen´s
selbst überhole.
Glaube ich nicht ... Du schaffst das!
Bis bald!

K.

"Was machen Sie da?" wurde Herr K. gefragt. Herr K. antwortete: "Ich gestalte Bonsai."
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Beitrag von zopf »

[quote="Andreas Ludwig"]
Ich sehe keinen Grund, vom Baum abzuweichen und auch keinen, ihn mit Stahl zu kombinieren. Ich bleibe ganz brav mimetisch. (Aber aufgepasst: Wo das Vorbild in meinen Augen es rechtfertigt, wird halt schon mal ein Drache aus dem Baum. Auch Mimesis. Solche der Projektion). Aber ich bezweifle vehement, dass die existierenden Stilrichtungen die Breite des Abbildbaren und erst noch als ästhetisch Wahrgenommenen abdecken. Neue Stilrichtungen will ich dabei nicht schaffen, auch wenn meine Hausaufgaben so wirken mögen. Ich sehe das eher als «realisierte Analyse», was ich da so bastle. Analyse des unerforschten Raums oder so. Wir brauchen Bonsai, nicht Sparten. Was aber voraussetzt, dass wir die Entstehung solcher Bonsai ermutigen und begleiten, wo es nur geht.]
Du fasst den Ansatz, die Suche in Worte.
Nicht was ein Gelehrter über Kunst-Kitsch schreibt.
(Das ist mir zu weit weg, in solchen Sphären bewege ich mich nicht)
Keine Auseinandersetzung mit dem japanischen Weg.
(Ich verstehe so vieles an Menschen meiner nächsten Umgebung nicht,
wie soll ich mir da anmaaßen, einen Japanischen Gestalter zu verstehen)
Die Entstehung solcher Bonsai ermutigen und begleiten, wo es nur geht.
(Hier ist irgendwie ein Kernproblem. Wenn eine Weiterentwicklung
stattfinden soll, glaube ich nicht das isoliertes Gestalten der richtige Weg ist. Allerdings ist mir klar, das konstruktive Kritik noch im Entwicklungsstadium ist und es schon der Hornhaut eines Handwerkers bedarf mit manchen Kommentaren umzugehen)

Zumindest ist es gut zu wissen, das es noch mehr gibt.
Ich hoffe das irgendwann, den Worten, auch Bilder folgen.

mfG Dieter
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andreaffm
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Beitrag von andreaffm »

Hallo,

(hat jetzt einen Moment gedauert, bis ich Eure Beiträge verdaut hab ...)

das freut mich, daß ich Walter, den alten Gestalterhasen erhellen konnte :)

Andreas, das stimmt: Wenn man als Gestalter zu sehr auf das Ergebnis oder den Markt schielt, wird das nix. Die Künstleresoterik sagt dazu: Das Werk ist im Idealfall immer klüger als der Autor/Gestalter. Trotzdem hilft es natürlich, wenn man sich ab und an Gedanken macht über das, was man da so vor sich hinwerkelt. Dein Notizheft ist ziemlich interessant, ähnliche Gedanken hab ich mir auch schon gemacht. Ähnliche Gedanken machen sich hier sicherlich viele, sie rücken nur nicht damit heraus :)

1. Kulturbäume: Wenn ich aus dem Zugfenster schaue, erkenne ich immer an den Apfelbäumen und Streuobstwiesen, daß ich bald zu Hause sein muß. Diese Streuobstwiesen sind ein Kulturprodukt, aber sie prägen die Landschaft hier - das wollte ich schon lange mal umsetzen.
Am Stamm dieser Obstbäume stehen unvermeidlicherweise auch einige verwitterte Holzlatten, die sich dem Baum in der Farbe schon angepaßt haben. Diese Latten werden im Sommer dazu benutzt, schwerbeladene Äste abzustützen. Ich habe mir sogar schon überlegt, daß ein Apfelbaum-Bonsai ohne diese Holzlatten eigentlich nicht richtig konsequent ist, weil sie für mich nur als Ganzes das "richtige" Bild ergeben.

2. Sturm, Verwüstungen: In der Endphase der Landschaftsgärtnerei, also kurz bevor man wieder auf artige Blumenrabatten umzuschwenken begann, trieb man es mit der Naturnachahmung soweit, daß man sogar tote Bäume pflanzte, um eine noch natürlichere Landschaft zu erreichen. Allerdings hielt sich das nicht lange, das war nur eine kurze heftige Phase, denn in Gärten geht es ja doch immer um eine idealisierte, geformte Natur. Wie überhaupt in der Kunst der Formwille ein ausschlaggebendes Stichwort ist - denn was man als "natürlich" empfindet, unterliegt ja auch dem Zeitgeschmack.

Interessant wird die Frage mit der mimetischen Kunst, wenn man bedenkt, daß Bonsai eine Kunst ist, die mit per se gegenständlichem, nicht abstraktem Material arbeitet. Ein Baum ist ein Baum ist ein Baum. Egal was man macht, er bleibt einer. Ein Baum kann nicht die Form der Venus von Milo annehmen, ein Marmorblock schon. Angewandt auf Bonsai überlege ich mir nun, angeregt von Deinen Ausführungen, folgendes:

1) Man kann also einerseits den autobiographischen Weg gehen, das heißt, auf Erinnerungen zurückzugreifen, die sich mit einem bestimmten Baumtypus verbinden. Das wäre dann mein heimatlicher Apfelbaum mit den Holzlatten. Oder Andreas' lokalhistorischer Ansatz, wenn ich das richtig interpretiere.

2) Man kann andererseits naturalistisch werden, das heißt, in der Formgebung eine natürliche, ungekünstelte Qualität anzustreben. In der Gartenkunst hat sich das gut bewährt, auch wenn es da die ein oder andere (oben erwähnte) Sackgasse gibt. Natürlichkeit ist immer auch ein bißchen unspektakulär.

3) Man müßte aber theoretisch auch abstrakt werden können. Und das interessiert mich im Moment gerade - auch weil ich noch nicht genau weiß, wie das zu lösen ist. Wie wird man abstrakt, wenn das Material gegenständlich ist? Geht das überhaupt?
Abstraktion erzählt immer vom Material: Abstrakte Kunst erzählt von Formen und Farben. Avantgardistische Architektur jenseits von Vier-Wände-mit-Satteldach lotet die Möglichkeiten von Baustoffen, von Raum und Licht aus. Während aber die Malerei nicht "benutzbar" sein muß, muß das avantgardistische Gebäude dennoch seinen Zweck erfüllen - genau wie der Baum, den man eben nicht mit der Krone in die Erde pflanzen kann, weil er sonst nicht mehr "funktioniert". Egal was man macht, der Keller ist immer unten, die Wurzeln sind immer in der Erde.
Aber dennoch, in einigen Bäumen erkenne ich eine gewisse abstrakte Qualität: nackte Ilexzweige mit roten Beeren, Scheinquittenanhäufungen, winzigkleine Ahornkaskaden, überhaupt viele Shohin (um mal einige Beispiele zu nennen, die jedem schnell vor dem geistigen Auge verfügbar sein dürften). Reine, konsequent umgesetzte Kompositionsideen, die mit dem, was man als "archetypischen Baum" bezeichnen könnte, nicht mehr viel zu tun haben. Ist das künstlich, ist das Kunst?

Ich glaube, alle diese Ansätze können parallel existieren, und allen ist gemein, daß sie ihre Sackgassen und Stolperfallen haben, alle können sie in Kitsch umschlagen, wenn man nicht aufpaßt, und mit allen diesen Ansätzen kann man großartige Bäume schaffen. Solange man seinen eigenen "Hintersinn" (Andreas) mitbringt, seine eigene Intention. Ohne das wird's schnell hohl.

Grüße
Andrea
Junimond
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Bonsai sind wie Heiligenstatuen...und so weiter!

Beitrag von Junimond »

Hallo Walter,
Dein Beitrag über Bonsai sind wie Heiligenstatuen ist ja so richtig nach meinem Geschmack!
und
Hallo Leute,
da sind ja einige starke Beiträge dazu gebracht worden und offensichtlich einige belesene Philosophen unter uns!

ich hab zwar nicht alles gelesen, aber einiges davon! Und ich bin beeindruckt und möchte die Kernsache noch einmal aufnehmen-die Heiligenstatuen.

Der Vergleich mit den Heiligenstatuen ist meiner Meinung einfach stark! :D Ein religiöses Thema zum Vergleich heranzuziehen wäre heikel?! Wieso denn? Angst? Es gibt auch Japaner die Heiligen- oder Marienstatuen sammeln und keine Christen sind!

Hier geht es doch um was ganz anderes! Wenn man auf dieser Ebene von Bonsai sprechen will, dann redet man von Kunst! Bonsai auf künstlerischer Ebene eben! Das find ich gut, wichtig und anregend!
Gute Kunst ist eben nicht einfach schön, oder kitschig, oder plakativ! Sie muß auch nicht auf den ersten Blick gefallen, oder eben gar nicht!
Aber eins muß sie: Emotionen wecken, provuzieren, zum nachdenken anregen! Unsere tiefsten Wünsche freilegen, oder in Frage stellen. Das ist verdammt noch mal ihre Pflicht. Der Mensch sticht vor allem dadurch hervor, daß er nicht einfach nur denkt, sondern auch so etwas außerordentliches, feingeistiges und gefühlvolles wie Kunst in sich trägt! Bonsai ist sehr wohl eine Möglichkeit sich auf solche weise zu äußern!

Ganz platt gesagt gibt es auch Bäume vor denen man auf die Knie fällt! Wie vor Heiligenstatuen! Aber das meine ich gar nicht! Ich würde hier sehr gern darüber weiterdiskutieren ob Bonsai eine versteckte Aussage beinhalten können, oder müssen!?!
Ich finde daß sie das sogar unbedingt sollen! Beim betrachten soll ein sehr guter Baum erst Gefühle wecken. Dann zum Nachdenken anregen! Eben durch Dinge, die man erst beim genauen hinschauen wahrnimmt! Es wäre ja traurig, wenn man zu einem Bonsai nur sagen würde: Mei...der ist aber schön! Das wäre doch zu billig! Bonsai auf sehr hohem Niveau hat etwas verborgenes mitzuteilen, daß sich vielleicht wirklich nur jemandem mitteilt, der etwas von einem Literaten hat. Etwas feingeistiges eben. Etwas, das mehr sucht, als das vordergründige!

Und bei Heiligenstatuen spielen religiöse und andere Geisteswelten eine große Rolle. Sehnsüchte, Ängste und Weiterdenken eine Rolle. Keine unbedingt vordergründigen Dinge.

Bonsai ist ein Medium!

Bitte macht weiter mit diesem Thema!

Gruß, Uli Ernst und Jeanette P.P.
In der Ruhe liegt die Kraft
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Andreas Ludwig
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Beitrag von Andreas Ludwig »

Hi andrea

find' ich immer toll, wenn jemand so geduldig ordnen kann!

Um bei deiner Auflistung zu bleiben: 1) entspricht etwa dem «lokalhistorischen Ansatz». Und 3), die Abstraktion – das ist wahrscheinlich das grosse Potential von Bonsai.

Du meinst, ein Baum ist ein Baum ist ein Baum. Ich schliesse mich dem nicht an. Ein Baum ist eine verholzte Pflanze. Das ist alles. Der Baum vom Baum – das ist bereits unsere Sicht darauf. Und der Baum im Baum vom Baum – das kann sich in eine Richtung bewegen, die lediglich an die Basis der «verholzten Pflanze»gekoppelt ist. Oder etwas einfacher: Verpflichtend für mich als Gestalter ist der biologische Ablauf im Topf. Wenn der gewährleistet ist, kann ich das sich mir bietende Bild der Pflanze nutzen, um eine eigene Botschaft zu transportieren. Ich muss einfach die Wurzeln im Topf lassen, giessen und düngen und hin und wieder die Form nacharbeiten. Diese komplizierte Formulierung kann sogleich wieder vergessen, wer sie nicht so recht versteht. Sie ist lediglich eine Art kunstheoretische Absolution im voraus.

Abstraktion. Das Herausgezogene. Ein Begriff, der Generationen von Künstlern um- und umgetrieben hat. Erst hat er schockiert: Da sieht man ja nicht mehr, was es sein soll! Dann hat er dominiert: Dieser Langeweiler malt noch gegenständlich! Jedenfalls hat er lange, viel zu lange, polarisiert. Heute ist es etwas besser. Schon lange eigentlich. Als Claes Oldenburg Kaffee verschüttete und dann versonnen mit einigen Strichen die «Figur, einen Sack tragend» aus dem Fleck machte, hat er gewissermassen die Abstraktion mit der Gegenständlichkeit versöhnt. Auch schon wieder «alt». Versuchen wir es also ruhig auch mal:

Ausgangslage, die es zu überwinden gilt, ist die Betonung des Baums in der Bonsaikunst. Der soll alleine da stehen, altehrwürdig sein, die Schale darf sich nicht aufdrängen. Baum, Baum, Baum. Der Begriff ist total aufgeladen. Als ob die Bäume draussen auch so in Schalen rumstünden und ihre Umgebung sich zurückhielte… Stellen wir jetzt den Baum «zurück» in einen weiteren Kontext, entsteht von selbst Abstraktionsraum. Ein Baum ist nur ein Baum, wenn man das voraussetzt. Er kann – immer noch in einem reichlich naturalistischen Landschaftskontext ! – genausogut Wiederspruch, Akzent, Gegensatz, beliebig grosser Anteil, Rhytmus etc. etc. sein. Muss man bloss so sehen wollen als Gestalter.

Dann ist ein Baum auch das, was Kinder zeichnen: Etwas Starres mit grünen Flecken dran. Oder noch einfacher: Masse und/oder Struktur, Farbe und/oder Form. Einfach so einfach. Wenn Ludwig XIV. aus seinen Buchspflanzen hat Mäuerchen schnippeln lassen, warum sollten wir dann nicht Frisuren, Flügel, Silhouetten – irgendwas halt machen? (Einfach bitteschön etwas eleganter, wenn's geht). Geht auch intellektuell abgehogeb:Der Baum als «Lebendes» im Gegensatz zum «Gewollten» oder so. Da dürfen die Theoretiker dann wieder. Das wird über kurz oder lang konsequenterweise zu einem Schulterschluss mit der Land Art führen. Warum nicht? Vielleicht ist Andy Goldsworthy unser nächstes Vorbild.
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