Walter Pall hat geschrieben:Weil das Holz noch lebte, konnte er die Holzspäne abziehen. Das ist immer zu empfehlen, wenn es geht. Danach mit der kleinen Lötflamme drüber und dann mit einer Stahlbürste, zuletzt mit einer Messingbürste.
Lasst mich als stiller Leser, bescheidener Novize und Versuchter alles Lebende zu Achtender sagen, dass es mich an solchen Stellen nach wie vor ergraut ob der Selbstverständlichkeit wie Lebewesen ihre Haut abgezogen wird. Ein Teil der Kunst, für den ich mich - immernoch - vor den Viertelwissenden schäme und rechtfertigen muss.
viele Menschen, die kochen lernen ekeln sich vor rohem Fleisch. Sie sind unfähig , ein Huhn auszunehmen. Ich war jahrelang Fischer; meine Frau kann bis heute keinen Fisch ausnehmen.
Aber schön essen wollen sie alle.
Wer in die Küche geht, der muss die Hitze ertragen.
Tolle Sprüche.
Meine Beiträge und Bäume dürfen gerne kritsch beurteilt und diskutiert werden.
Aber bitte nicht unbedingt mit mir.
Im Prinzip kann ich Pitfile verstehen, es ist halt eine Frage der Ethik im Umgang mit Lebewesen. Genauso wie er bin ich der Meinung, dass man beim Bonsaigestalten (trotz aller Kunst) nicht vergessen sollte, dass man an einem Lebewesen arbeitet. Bis zu einem Gewissen Grad sind gestalterische Methoden in Ordnung (hier muss jeder für sich selbst entscheiden, wie weit das gehen darf). Jin an totem Holz auszuarbeiten, sei es auch mit Brennen ist "meines ethischen Erachtens" in Ordnung, aber lebendes Holz absterben zu lassen finde ich auch übertrieben. Bekanntlich hinken Vergleiche ja und so sind Leute, die ein Kunstwerk (Gemälde, Kochen was auch immer) gut finden, es aber selbst nicht praktizieren können (oder im Fall Bonai nicht wollen) doch keine schlechten Menschen. Mit anderen Worten jedem das seine.
P.S: nein, ich will hier nicht klugscheißen *g
"it is only through struggle does one cultivate the strength to reach their true destiny" (unknown)
Hallo Midgard,
diese Einstellung ehrt natürlich und ist gewiß auch so in Ordnung. Aber trotzdem habe ich Einwände. Die Diskussion mit Quälen der Pflanze oder nicht, gibt es wirklich schon, seit es Bonsai in Deutschland gibt. Sie wird auch immer wieder von Anfängern angefacht.
Meine kurze und einfache Meinung dazu:
Wie sehr ich einen Baum quäle, sehe ich mit einem ganz kurzen Blick auf seinen Zustand.
Da haben wir den Fortgeschrittenen, der fräst, sägt und brennt an seinem Baum herum, dass es zum Fürchten ist. Der Baum zeigt aber ein tolles gesundes Laub, viele Knospen und einen sehr gesunden Wurzelballen.
Ein Anfänger sagt, dass es Quälerei ist, was dieser Fortgeschrittene da mit dem Baum veranstaltet. Er spannt höchstens einmal gaaaanz vorsichtig ein Zweiglein ab, zur Formgebung. Sein Baum sieht aber zum Gruseln aus. Gelber Austrieb, der nur sehr spärlich wächst. Matschige Wurzeln, Kalkränder am Stamm, schmieriger Bewuchs auf dem Substrat.
Ja nun, wer quält denn hier?
Reiner
Mit Totholztechniken hatte ich bisher nie wirklich zu tun, aber wenn ich denn nun mal an einem Baum rumschnippele, probiere ich auch das aus. Den Jin auf dem Bild fand ich ganz einfach passender als den Ast kompett abzuschneiden. Nur entrindet und ein paar Fasern abgezogen.
Da muss ich dir zustimmen. Anfänger quälen wohl am meisten, aber meist unbewusst. Bonsaiprofis wissen halt was sie machen, ohne der Pflanze allzu großen Schaden zuzufügen, dennoch muss das nicht jeder für gut befinden ( im Sinne der Gesundheit der Pflanze, gut aussehen tuts natürlich, was Walter und auch andere da "zaubern").
"it is only through struggle does one cultivate the strength to reach their true destiny" (unknown)
Ich kenne die Gestaltung, war mal in der Bonsai Art. Bei so einem Baum kannst du das alles machen. Aber auf engerem Raum sieht die Sache wieder ganz anders aus.
Hallo Martin
Dann wirst Du auch die Antwort auf die
Dauer der Arbeit kennen. Das Künstlerische zu beurteilen
überlass ich anderen , nur das handwerkliche der Arbeit betrachtend
meine ich, das ein mehr an Zeit sich für jedes kleine Ästchen positiv auswirkt. Vielleicht sehe ich das auch einfach zu extrem.
Mich interessiert nur der Weg zum Optimum, ansonsten pflege
ich lieber Rohlinge.
Für den nächsten Workshop mit Dir fange ich an einen Wacholder
vorzubereiten, bis jetzt sind es erst 15 Stunden. Bis zum Workshop
werden es wohl 120-140 Stunden sein. Dabei ist kein Totholz gestaltet
kein Ast geschnitten. Und ich weiss das ich nicht so sauber arbeite
wie es sein sollte
mfG Dieter
So jetzt komme ich endlich dazu auch was über Totholzbearbeitung zu zeigen. Normalerweise arbeite ich bei Koniferen mit der Abziehtechnik und verwende keine Fräsmaschine, sieht natürlicher aus. Aber es gibt Laubbäume wo man so wie bei Koniferen viel Totholz bearbeiten kann und es passt weil dies auch in der Natur so geschieht. Dazu gehören Hölzer wie der Cornus oder der Perückenstrauch (Cotinus), die aber ein sehr hartes Holz haben und da kann man nur etwas mit der Fräse ausrichten. Ich habe da ein Exemplar von einem über hundert Jahre alten Perückenstrauch bearbeitet. Wichtig bei der Fräsarbeit ist immer mit der Holzfaser zu arbeiten und nicht kreuz und quer. Seht selbst.
Dateianhänge
Detail davon
shari_07.jpg (58.31 KiB) 2375 mal betrachtet
ein abgestorbener Nebenstamm, nach der Bearbeitung
shari_06.jpg (58.92 KiB) 2375 mal betrachtet
etwas unter dem Stammende
shari_05.jpg (50.3 KiB) 2376 mal betrachtet
und danach
shari_04.jpg (59.41 KiB) 2375 mal betrachtet
Stammende vor der Bearbeitung
shari-03.jpg (58.21 KiB) 2374 mal betrachtet
Stamm nach der Bearbeitung
shari_beruek.02.jpg (59.2 KiB) 2374 mal betrachtet