Claudia, Dein Leiden hat ein Ende gefunden: Hier kommt Hulk!
Hallo,
wir werden uns heute den mitgenommenen chinesischen Ulmen widmen und wir fangen gleich mit dem "wilden Rohling" an, der unbedingt gezähmt werden sollte!
Damit Claudia nicht alleine da stand und damit sie sieht, dass eine chinesische Ulme eigentlich in jede Sammlung gehört, haben wir unsere Bäume auch gleich mitgenommen.

Fred´s und meine Bäume stehen im Gewächshaus, das hat sich in den letzten Jahren bewährt. Ein Frostwächter sorgt dafür, dass die Temperaturen nicht unter Null gehen. Ich habe allerdings dieses Jahr dennoch öfter eingefrorene Wurzelballen vorgefunden! Die Ulme hat darunter nicht gelitten.
(Freds Gewächshaus ist etwas höher eingestellt, sein Baum hat noch mehr Blätter behalten).

Ihre Wurzeln sind fleischig. Da ich keine Nebaris mag, bei denen man "verwurschtelte" Wurzeln sieht, habe ich die Wurzeln am Wurzelhals nach Möglichkeit entwirrt, mit Draht sternförmig ausgerichtet und in reinem Akadama getopft.

Dickere Wurzel, die ich abgeschnitten habe,wurden einfach in einen Topf gepflanzt. Sie haben ausgetrieben (siehe Bild). Da ich ziemlich stiefmütterlich damit umgegangen bin, hat nur die stärkere überlebt! Wer hätte wirklich gedacht, dass da wirklich was austreibt!!

Seitdem sie als mediterrane Pflanzen betrachtet werden, habe ich keine rote Spinne mehr gesehen.
Ich kann das jedem empfehlen.
Der Zeitpunkt von unserer Sicht her war optimal, um das Geäst zu begutachten: Eine feine Verzweigung läßt Rückschlüsse über den "Reifegrad" eines Baumes zu. Für uns war auch der richtige Zeitpunkt größere Äste zu schneiden oder einen Auslichtungsschnitt durchzuführen.
Sagen wir mal so: Es war gerade mal nicht zu früh!
Aber umtopfen sollte man lieber dann, wenn der Baum austreibt und deutlich Knospen zeigt. Bei uns so in etwa 3-4 Wochen, frühestens.
Claudia´s Hulk hat einen Grundschnitt erfahren:

Festlegung der Vorderseite: Es galt vorwiegend die Monotonie des "phallisch" ausgerichteten Stammes zu unterbrechen.
Siehe Posting in
http://www.bonsai-fachforum.de/viewtopic.php?t=99

Ein Drehen und Neigen des Baumes verhalf uns dazu, den richtigen Betrachtungswinkel zu finden.

Ein weißes Tuch diente dazu, Teile des Baumes zu verdecken, die entweder in die zukünftige Schale verschwinden würden oder gar weggeschnitten werden würden.

rote und gelbe Tapes sollten Äste markieren,

die als Opferäste noch verbleiben sollten (gelb),

die zu einem späteren Zeitpunkt weggeschnitten werden würden (rot)!

über deren Verbleib sich Claudia nicht sicher war (gelb oder rot)
Bei dieser Grundgestaltung gilt es herauszufinden

wo man mit der Gestaltung eines Baumes anfängt.

welche Äste bleiben sollten, welche nicht

welche Zweige weggeschnitten werden müssen, damit sich der Ast verjüngt.

wo die Opferäste belassen werden konnten und wo nicht

dass man in der Spitze mehr Äste wegschneiden sollte als im unteren Bereich

dass man mit den Fehlern eines Baumes leben muss und kann

dass drei Fehler besser sind als nur einen zwecks der Harmonie
Wichtig ist es auch,

die Schnitte selber durchzuführen. Dadurch gewinnt man Selbstvertrauen, Verantwortung und Bewußtseinsbildung.
Weshalb Claudia nach eigenen Angaben bereits am Samstagabend deutlich an ihr Limit von Phantasie, Konzentration und Mut kam. Sie nahm ihre Aufgabe sehr ernst und wollte je länger desto weniger andere an "ihren" Hulk lassen. So wurde ihr Spruch "Nimm Deine Finger aus meinem Baum!" fast zu einem geflügelten Wort des Wochenendes.

zu verstehen, dass es notwendig ist, manches gleich am Anfang zu schneiden, wenn es auch schmerzhaft zu verkraften ist. Später ist es zu spät!

warten zu können, damit man dem Baum die Gelegenheit gibt, sich zu erholen.

sich selbst Zeit zu geben und selber zu wachsen und zu verstehen
Es ist leichter, einen Schnitt durchzuführen anstatt mit Worten und Zeigefinger hinzudeuten, wo er gemacht werden muss: Nicht wahr, Fred?
Gleich vorweg, der eine oder andere (dazu gehöre ich auch!) würde jetzt sagen, man müsse den Baum durchdrahten.
Es ist an dem Tag beschlossen worden, zu einem späteren Zeitpunkt zu drahten. Was dem Baum auch nicht schadet, wohlgemerkt!
Ich werde die Bilder nicht groß kommentieren. Sie sprechen eigentlich für sich und zeugen von der netten Atmosphäre, die an diesem Tag geherrscht hat.
Nun dann
Viel Spaß
Margot
P.S. Kurt, meine Fehler seien mir verziehen!
P.S.S. Ich werde öfters die Gelegenheit wahrnehmen, zu reeditieren!
P.S.S.S. Danke Claudia für die redaktionelle Überarbeitung.
Bilder: Claudia (Jaaaa, auch wenn Du das nicht glauben willst, mindestens ein Bild stammt von Dir!!!!) und Margot