Rohling - was nun ? Teil2

Allgemeine Philosophie, Stilarten, Techniken, Vorstellung und Besprechung von Rohmaterial sowie lose Sammlung von Entwicklungs-Dokus
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zopf
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Rohling - was nun ? Teil2

Beitrag von zopf »

Hallo
An Beispiel von Dietmar´s Hainbuche kann man recht gut sehen,
wie schwierig es ist sich vom zukünftigen Bäumchen
Vorstellungen zu machen.
Am Anfang der Bestandsaufnahme wurden schon die ersten
Virtuals gemacht und bei einer Zahl von über 20
ist es recht schwer möglich diese vernünftig zu vergleichen.
Stellt Euch die Ausdrucke auf DIN A4 Format vor
und legt Sie vor Euch hin.
Mehr als 3-4 Ausdrucke kann man nicht gleichzeitig erfassen
daher ist es sinnvoll erst einen kompletten Überblick
über das Baäumchen zu bekommen und dann erst zu virtualisieren.

Wir haben mit Fehlern angefangen und wenn wir damit durch sind,
haben wir verschiedene Möglichkeiten damit umzugehen.
Entfernen, verstecken oder einen Fehler so in die Gestaltung
integrieren, das aus dem ehemaligen Fehler
ein Baumbestimmender Aspekt wird.

Aber jedes Bäumchen hat auch seine Vorzüge
und diese gehören genauso in die Bestandsaufnahme.

In der Liste stehen nun Vorzüge und Nachteile
die gegeneinander abgewogen werden müssen.
Hilfreich dabei ist es sich über die Baumart zu informieren
um einen Anhaltspunkt zu haben was für Optionen man hat.
Abmoosen, Anpropfen, Rückknospung, Wundheilung, Holzhärte
sind nur einige Punkte die wir bei der Beurteilung
mit einbeziehen sollten.

Könnt Ihr Euch vorstellen was
allgemeine Gestaltungsrichtlinien sein könnten ?

mfG Dieter
grüsse an die bewohner von melmac
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avicenna
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Re: Rohling - was nun ? Teil2

Beitrag von avicenna »

zopf hat geschrieben:Könnt Ihr Euch vorstellen was
allgemeine Gestaltungsrichtlinien sein könnten
Ich habe lange über diese Frage nachgedacht und habe auch an meinem Beispiel der Carpinus orientalis ( Rohling -was nun ? Teil 1 ) gesehen, wie schwierig es sein kann, grundlegende Gestaltungsschritte einzuleiten. Hat man einmal einen Rohling vor sich, hat dieser sicher schon, in manchen Fällen bis zu Jahrzehnten oder manchmal ja noch länger, Gestaltungsarbeit der Natur hinter sich, ist ein yamadori, eine Baumschulkontainerpflanze, ein Urbandori ( aus städtischen Anlagen, Friedhöfen etc.) und hat von daher schon einen Wert, insbesondere in ideeller Hinsicht. Bevor man also zu Gestaltungsschritten schreitet, sollte meiner Meinung nach, damit nicht gutgemeinte Schritte in die Hose gehen und der Baum eingeht oder überfordert wird in seiner Genesung oder wie auch immer man es nennen möchte, genaustens beobachtet werden. Fragen die hier am Anfang überhaupt jedweder Gestaltung liegen sollten, wären meines Erachtens ...
- Welche Bedingungen muss ich schaffen, um dem Baum das bestmögliche Wachstum zu ermöglichen.
- Welches Substrat braucht er, welche Düngungen, welche Lichtintensitäten während des Jahresverlaufs, welche Toleranzen zeigt er in Bezug auf seinen
Standort bei mir.
Beispiel, einem absoluten "Lichtbaum" wie z.B. einer Birke oder einer Kiefer, kommt man nicht entgegen, sie im Schatten aufzustellen und auf kräftiges
Wachstum, hohe Regenerationsbereitschaft , kleine Blatt- oder Nadelentwicklung und feine Verästelung, Rückknospungen etc. zu hoffen und dann eine
opimale Gestaltung zu erwarten.
- Welche Maßnahmen von Astlenkungen, Drahtungen, Laubreduzierungen werden von der Spezie toleriert und in welchem Maße ?. Beispiel : Oftmals hört man
von erfahrenen Gestaltern die ihre Informationen aus vielen hunderten von Gestaltungen über Jahre gesammelt haben, dass z.B. Fichten erst in höchstem
Vitalzustand gestaltet werden sollten. Reduziert man Astpassagen mit viel "Grün" zu frühzeitig ( aus gestalterischen Gründen), kann es zu einem Absterben
ganzer Astpassagen, wenn nicht sogar des ganzen Baumes führen. Ebenso verhällt es sich bei Drahtungen der Fichtenäste. Werden Fichtenäste in der
vertikalen Ebene nach oben gebogen, kommt es schnell zu Rissen in wichtigen und notwendigen Leitungsbahnen unterhalb des Astes und der Ast kann
absterben, bei Drahtungen nach unten ist dies bei Fichten nicht so, das tolerieren sie ganz gut. Seitliche, starke Windungen sollten auch ganz bedacht und
mässig ausgeführt werden usw.
- Welche Teile des Grüns darf man oder sollte man entfernen, welche sollten belassen werden ? Beispiel :Taxus. Urikawa hat wunderbar beschrieben, dass
eine Eibe nicht eben nur immergrünes Laub hat, das man eben für seine Gesatlungsarbeit entfernen kann wenn es nicht zur Gesatltung passt und die
Pflanze dann genau so wächst wie man es möchte. Eiben haben Lang- und Kurztriebe. Bei den einen befindet sich am Ende eine terminale Knospe und bei
den anderen nicht. Entfernt man nun gerade die, die genetisch auf Wachstum und nicht auf Blüte programiert sind, kann man lange auf ein weiteres
Austreiben warten ... es geschieht dort einfach nichts. Also man muss hier genau wissen, welche Triebe man abschneiden kann und für die Gestaltung
nutzen kann und den Aufbau und welche nicht.
- Desweiteren sollte man sich nach Beispielen von in der Natur wachsenden Exemplaren umsehen, nach Bildbeispielen suchen ... in welchen Formen und
Wachstumsvarietäten steht der Baum den ich gestalten will an seinen natürlichen Standorten ? Es führt meines Erachtens immer schnell zu einem kuriosen
Erscheinungsbild, wenn Oliven in der Form einer Tanne gestaltet werden etc.
- Ein weiterer Punkt fällt mir ein zu der Verwendung von sharis. An einem Wacholder der auf einem Stein wachsend ausgestellt wurde ( ich bin mir nicht mehr
sicher ob bei Noelanders ...), erschien der gesamte Baum wohl gesettelt und mit all seinen Laubpolstern wohl ausgeglichen auf einem Stein wachsend. An
jedem Ast !!, ich betone an jedem !! tauchten Sharilinien auf, waren mit Jinmittel bestrichen und schimmerten weiß durch das "Grün". Der Gesamteindruck
war strange und völlig kurios und meine spontane Reaktion war ...da hat der Gestalter wohl wie ein Kleinkind genörgelt und sich gesagt ... ich will auch
scharies !!! und zwar an jedem Ast !!!. Ob dies sinnvoll und nutzbringend war bleibt dahin gestellt. Für den Ausdruck des Wacholders war es m.E. eher
kontraproduktiv und einer Ebene wie der Noelanders nicht würdig. Also die Frage ... Sind meine Gesatltungsschritte für den Ausdruck meines Baumes
von Nutzen ? irgendwo einzuordnen in ein natürlich wirkendes Bild für den Baum?, macht es Sinn in proportionaler und ästhetischer Hinsicht ? ist es
logisch ?

Ich weiß nun nicht, ob man diese Gedanken als Richtlinien bezeichnen könnte oder sollte, aber sie wären sicher nicht falsch sie in jedem Falle vor einer Gestaltungsmaßnahme an einem Baum einmal durch zu spielen und erst dann zu beginnen. Man möchte ja das Beste aus seinen Rohlingen herausholen ;-)

saludos
avicenna
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Köhler Rudolf
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Re: Rohling - was nun ? Teil2

Beitrag von Köhler Rudolf »

Hallo,

anhand der vielen Bilder und Vorschläge sieht man, dass es nicht immer nur eine Lösung geben kann.

Das Problem bestand aus meiner Sicht aber darin, dass verzweifelt versucht wurde, möglichst viele Äste in die neue Gestaltung einzubringen.

Mir ist immer noch Aussage von Othmar Auer den Siggi in ihrem Bericht vom WS geschrieben hat in Erinnerung:

„Ansonsten Othmar Auers Grundprinzip der Gestaltung (alles hier mit der Einschränkung wiedergegeben, dass ich es nur so wiedergeben kann, wie ich es mit meinen bescheidenen Kenntnissen und Möglichkeiten begriffen habe und dazu noch stark verkürzt)

Trenne dich von allem, was du an dem Baum nicht gut/nicht schön findest!
Arbeite alles heraus, was gut ist und reduziere den Baum auf das Wesentliche.
Und versuche anschließend mit viel Geduld und Ausdauer, was draus zu machen.“

Wenn man so vorgeht, kommt man aus meiner Sicht schnell zu Lösung. Die Umsetzung dauert dann eventuell etwas länger. Das Resultat entschädigt aber dann für die Zeit, wo der Baum nicht so gut ausgesehen hat.

Eine entsprechende Erfahrung im Umgang mit vergleichbaren Bäumen ist immer von Vorteil. Ich gehe fest davon aus, dass z. B. Walter Pall schnell zu einer guten Lösung für diesen Baum gekommen wäre.

Deshalb finde ich die einzelnen Baumbesprechungen bei einem WS vor der Bearbeitung immer am interessantesten. Manchmal verrent man sich in eine Idee und man muss erst durch einen Außenstehenden wieder auf das Wesentliche zurück geführt werden. Außerdem sind solche „schwierigen“ Bäume bestens für WS geeignet.

Die Inkonsequenz bei der Erstgestaltung rächt sich aber im laufe des Bonsailebens des Baumes. Die Fehler bleiben Fehler. Man kann sie mehr oder weniger kaschieren. Wichtig ist natürlich dabei, dass man das Überleben des Baumes an erste Stelle stellt.

Ich hoffe, dass ich jetzt niemanden auf die Füße getreten bin.

Grüße

Rudi K.
Grüße
Rudi K.
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zopf
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Re: Rohling - was nun ? Teil2

Beitrag von zopf »

Hallo Rudi
Die Gestaltungskurzform von Othmar Auer ist die Aussage eines Könners.
"Trenne Dich von Allem was Du nicht gut findest"
Einem Könner reichen ein paar Blicke,
aber die Könner sind wohl eher eine Minderheit hier im Forum.
Die Aussage "..was Du nicht gut findest" ist halt ein zweischneidiges Schwert.
Es gibt gut im Sinne von guter Gestaltung
und es gibt gut in den Augen des "Unerfahrenen".
Ein Workshop ist eine gute Lösung um einen Baum zu gestalten.
Aber wie groß ist der Lerneffekt ?
Die Lösung jeden seiner besseren Bäume in einem Workshop
zu gestalten ist ein gangbarer Weg.
Das sind dann halt Fremdgestaltungen, wo der Eigentümer vielleicht
noch eine Nuance eigener Persönlichkeit mit einbringt.

Lohnt es sich wirklich mit einem 50€ Baum
zu einem 100€ Workshop zu gehen ?
Vielleicht ist es ja möglich über ein Forum soviel zu vermitteln,
das zumindest die ersten Schritte etwas leichter fallen.
mfG Dieter

ps Ich hätte nichts dagegen auch mal etwas Unterstützung
von erfahreneren Bonsaianern zu bekommen.
grüsse an die bewohner von melmac
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avicenna
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Re: Rohling - was nun ? Teil2

Beitrag von avicenna »

Köhler Rudolf hat geschrieben:Trenne dich von allem, was du an dem Baum nicht gut/nicht schön findest!
Arbeite alles heraus, was gut ist und reduziere den Baum auf das Wesentliche.
Und versuche anschließend mit viel Geduld und Ausdauer, was draus zu machen.“
Hallo Rudi,
grundsätzlich stimme ich dieser Aussage zu, ganz klar aber ... :D . das Ganze bezieht sich immer auf den Besitzer eines Rohlings der sich, naturgemäß :D , in einem bestimmten Entwicklungsstand befindet, einen bereits erreichten Erfahrungsschatz zurückgreifen kann oder auch nicht, weiß was man vielleicht aus Fehlern, Nachteilen, kleinen Macken etc. machen kann oder auch nicht, was an dem speziellen Baum möglich ist in zukünftiger Entwicklung usw. . Wenn ich mich spontan von einem dicken Ast trenne weil ich ihn nicht "gut" finde, ihn stammnah abtrenne, sagt mir ein anderer ... vielleicht hätte man daraus noch einen Jin machen können der super gepasst hätte, einen Aststumpf aus dem heraus viele Neuaustriebe einen wichtigen Part hätte aufbauen können der der Gesamterscheinung sehr nützlich gewesen wäre etc. oder wenn man vorher einen anderen Pflanzwinkel gewählt hätte, wäre möglicherweise gerade dieser Ast nicht gefallen sondern ein ganz anderer etc. Und ab ist ab :) . Spontan entschieden in einem bestimmten Entwicklungs- und Erfahrungshorizont hieße das, der Baum hat viel von seinen Möglichkeiten verloren für die weitere wesentliche Grundgestaltung.
Wie Dieter es schon treffend gesagt hat, nicht jeder nimmt , kann oder will an WS 's teilnehmen und sich einen Baum "fremdgestalten" lassen, kauft einen teuren Rohling mit viel Potential, lässt ihn besprechen, nimmt Gestaltungstipps eines erfahrenen Gestalters entgegen und macht dann nur noch das Pinzieren etc..

Das ist auch eine Möglichkeit ... unbestritten, aber das was Dieter anspricht ist ein ganz wichtiger Punkt für das eigene Lernen und das Sammeln von Erfahrungen hier im Forum, ohne dass man sie vielleicht schmerzlich selber machen muss, sondern sie sich von "erfahrenen" Leuten über einen Lernweg hier erschließt.
Wenn ich an meine Carpinus orientalis denke, ist dies ein Baum, den ich leider nicht selbst gesucht habe. Das ist eines meiner Prinzipien, dass ich eigentlich keine Rohlinge kaufe, sondern meine Bezüge zu dem Baum schon beim und durchs yamadori aufbaue. Der Baum ist eigentlich mein erster dicker Brummer aus zweiter Hand ( von Walter über Marija und Andrija aus Dalmatien) und hat dadurch einen besonderen Wert. Ich will nichts "falsch" machen bei der Grundgestaltung und es helfen mir die Tipps hier ungemein die von erfahrenen Leuten abgegeben werden ... sie sind nicht bindend, helfen aber bei der eigenen Entscheidungsfindung. Daher stimme ich ununwunden Dieter zu wenn er sagt ...
zopf hat geschrieben:ps Ich hätte nichts dagegen auch mal etwas Unterstützung
von erfahreneren Bonsaianern zu bekommen.
:D

saludos
avicenna
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Frank80
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Re: Rohling - was nun ? Teil2

Beitrag von Frank80 »

zopf hat geschrieben:Es gibt gut im Sinne von guter Gestaltung
und es gibt gut in den Augen des "Unerfahrenen".
Das ist jetzt ein bisschen fies formuliert, aber es trifft wohl den Kern.
Ich war kürzlich bei einem AK-Treffen und ein anderer Einsteiger hatte einen Rohling zur Gestaltung mitgebracht. Es entwickelte sich eine sehr angeregte Diskussion über die Bestimmung der Vorderseite und darüber, welche Äste "zum Baum gehörten" und welche nicht. Das Ergebnis war, dass die 3 "Anfänger" (also ich inkl.) zu einer Lösung tendierten, die "Alteingesessenen" eine andere Variante bevorzugten. Letztlich siegte dann der Erfahrungsschatz und die Anfänger gaben nach.
Auf diese Weise gestaltet man aber im Grunde immer nur das, was andere bereits gemacht haben (was ja nicht zwangsläufig schlecht sein muss!). Man kreiert nichts eigenes, neue Pfade werden nicht beschritten, weil man keine eigenen Lösungen sucht, sondern sich auf den Erfahrungen anderer ausruht.
Bitte nicht missverstehen: Man muss nicht alles infrage stellen, es hat ja auch Gründe, warum sich bestimmte Dinge bewährt haben. Aber manchmal schadet auch ein Blick über den Tellerrand nicht.
zopf hat geschrieben:Ein Workshop ist eine gute Lösung um einen Baum zu gestalten.
...
Das sind dann halt Fremdgestaltungen, wo der Eigentümer vielleicht
noch eine Nuance eigener Persönlichkeit mit einbringt.

Lohnt es sich wirklich mit einem 50€ Baum
zu einem 100€ Workshop zu gehen?
S.o. Jeder Anfänger bringt eigene Vorlieben und Ansichten mit, die das Hobby Bonsai bereichern können. Wenn alle nur das Gleiche tun, weil es eben alle anderen auch so machen, verzichtet man auf viel Individualität - und gerade die Einzigartigkeit jedes Baumes und jeder Gestaltung finde ich faszinierend.
Man sollte dabei auch die unterschiedlichen Motivationen beachten, warum jemand sich mit Bonsai beschäftigt: Will er auf Ausstellungen Preise gewinnen, sich einfach nur an seinen eigenen Pflanzen erfreuen oder gar nur nette Gespräche im AK führen? Man kann auch mit "billigen" Pflanzen seine Freude haben, den Anspuch, auf der nächsten Ausstellung damit zu gewinnen, sollte man dann allerdings nicht haben. Aber seinen Anspruch kann ja jeder für sich selbst formulieren.
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Bodo.P.
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Re: Rohling - was nun ? Teil2

Beitrag von Bodo.P. »

Hallo zusammen

Ich selber kann einen Workshop nur empfehlen.
Es kommt halt darauf an was ich möchte.Wer einen fertigen Baum haben möchte wird vermutlich wenig lernen weil er nur Zeit für
seinen Baum nimmt.
Viel besser ist es doch wenn man sich die Baumbesprechungen des WS-Leiters zu jedem Baum anhört, fragen stellt und auch
zwischendurch schaut was bei den anderen gemacht wird und warum. Am Ende des Workshops habe ich ein Ziel für meinen Baum
vor Augen. Dabei ist es doch unerheblich ob das Ziel vom WS-Leiter, von mir oder von uns beiden formuliert wurde. Die erworbenen
kenntnisse kann nich zu Hause umsetzen. Es schadet auch nicht bei einem anderen Gestalter mit einem ANDEREN Baum noch einen
Workshop zu besuchen.
Wenn ich alle meine WS Besuche zusammen zähle komme ich auf etwa 14-16 bei verschiedenen Leitern.
In den seltensten Fällen war mein Baum fertig.
Im übrigen gebe ich meinen Vorrednern recht wenn sie sagen das es wenig bringt mit einem 50€ Baum zu einem 100€ Workshop
zu gehen. Die verhltnisse müssen schon stimmen.
Wir können doch auch nicht erwarten das M.Schumacher mit einem Käfer Formel 1 Weltmeister wird.

Den größten Vorteil von Workshops und auch AK s sehe ich darin das man verschiedene Sichtweisen kennen lernen kann.

mfg
Bodo.P.
marius
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Re: Rohling - was nun ? Teil2

Beitrag von marius »

Trenne dich von allem, was du an dem Baum nicht gut/nicht schön findest!
Arbeite alles heraus, was gut ist und reduziere den Baum auf das Wesentliche.
Und versuche anschließend mit viel Geduld und Ausdauer, was draus zu machen
ach, wer vermag schon zu sage, was in jedem fall richtig oder fasch ist? gewinnt ein baum auf einer ausstellung 'nen preis, dann sagen die meisten: "hier wurde von beginn an alles richtig gemacht. ein wunderbarer baum."

den vielleicht auch möglichen "anderen" weg sieht man dann nicht mehr bzw. zieht ihn nicht mehr in betracht. man analysiert dann das, was man sieht, nicht das, was auch möglich gewesen wäre. insofern kann man anhand eines fertigen baumes ohnehin keine rückschlüße darauf ziehen, wie man den nächsten baum gestaltet.

viele anfänger haben wahrscheinlich ohnehin das problem nach einem workshop das gelernte anzuwenden, weil jeder baum halt anders ist. was nutzt mir die beste baumbesprechung, wenn ich das an meinem eigenen baum kaum anwenden kann, weil da die begebenheiten ganz andere sind?

das beispiel "wie mache ich aus einer baumschulpflanze einen potenziel gutklassigen bonsai" kennt fast jeder neuling aus der literatur. an diesbezüglicher hilfe mangelt es ja nicht. trotzdem haben viele anfänger einige schwierigkeiten damit, ihre pflanzen entsprechend weiterzuentwickeln. über den ersten schnitt hinaus auch das potenzial entsprechend zu fördern. das geht mir nicht wesentlich anders.


eher schon an der nötigen geduld und ein stück weit an der fähigkeit auf die dynamik einer pflanze einzugehen. (selbstkritischen tag heute, marius?) ;)

insofern ist es für mich eher ein fehler bzw. für einen neuling der rat nicht immer sinnvoll, die pflanze anzuschauen, eine idee dazu zu entwickeln, den nötigen schnitt zumachen und dann "gnadenlos" daran festzuhalten. ich glaube, dadurch gehen ihm viele möglichkeiten der weiterentwicklung verloren. ist aber nur eine vermutung.

vielleicht ist es ein stück weit auch sinnvoll der pflanze "fehler" zu gestatten bzw. auch seine ideen zur gestaltung immer wieder neu anzupassen und nicht strikt alles wegzuhauen, was dem ursprünglichen plan nicht entspricht.

aber eines ist auch klar: es geht nicht ohne das grundsätzliche potenzial der pflanze und ein bischen gestalterisches talent des jeweiligen gestalters. ein taub geborener mensch wird selbst nach eingängigen studium der notenwelt keine musik hören, komponieren oder sich vorstellen können.

gruß marius
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avicenna
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Re: Rohling - was nun ? Teil2

Beitrag von avicenna »

Ich bin jetzt einmal ganz ehrlich ... :D . Oftmals schoß mir der Gedanke bei der Betrachtung eines toll gestalteten Ausnahmebaumes ( wie wir sie auf Walters Seite so vielfältig betrachten können in ihrer Entwicklung) durch den Kopf ... nun ja , aus einem tollen Rohling mit wunderbaren Voraussetzungen die die Natur ihm ja schon mit gegeben haben ... kann man auch 'nen tollen Bonsai gestalten ... wo liegt das Problem ? Her mit einem tollen Rohling und das schaffe ich doch mit links ... Ja Pustekuchen !!! :lol:

Bei der Darstellung vieler Bäume ... auch wieder auf Walters Seite ... , kann man sehen, aus was für Rohlingen er diese tollen Bäume gestaltet hat. Oftmals, wenn man diese Rohlinge sieht, hab ich mir gesagt ... was ? daraus bastelt der einen tollen Baum ? wie soll das denn klappen ... und beim Weiterscrolen kann man dann atemlos beobachten, wie Walter aus vermeindlichen Gestrüppen, komischen, unnatürlichen Wuchsformen, zunächst unpassend wirkenden Astpartien, die man als "Anfänger", "Nichtsehender", "Unerfahrener" ... abgeschnitten hätte, weil sie zunächst wie ein Fehler wirken , ... , die dann aber bei Walter dazu führten ( weil er es vorher schon sah) zu wunderbaren Baumskulturen heranreiften und zu einzigartigen Bäumen wurden.

Irgend etwas scheint doch also dran zu sein, dass erfahrene Gestalter aus den vermeindlich größten Krücken, einzigartig wirkende Bäume gestalten können. Woran liegt das ? Was sind die Prinzipien nach denen sie Bäume beurteilen und einer Gestaltung zuführen ? Wie gehen sie vor ? welchen Film lassen sie vor ihrem inneren Auge abspielen ?
Das ist glaube ich das, wonach Dieter hier fragt ...
zopf hat geschrieben: Könnt Ihr Euch vorstellen was
allgemeine Gestaltungsrichtlinien sein könnten ?
saludos
avicenna
Zuletzt geändert von avicenna am 10.12.2010, 15:38, insgesamt 1-mal geändert.
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Köhler Rudolf
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Re: Rohling - was nun ? Teil2

Beitrag von Köhler Rudolf »

Hallo,

Es muss nicht immer ein WS sein. Wenn ein guter AK existiert, kann man sich auch dort Hilfe holen.

Auch bei einem WS kommt es auf viele Details an:
WS-Leiter und dessen Fachkenntnisse.
Anzahl von Teilnehmern
Qualität der Bäume
Thema des WS und vieles mehr.

Ein guter WS muß auch nicht immer 100 ,-- € kosten.

Ich habe einige WS bei verschieden WS-Leiter besucht. Einer der größten Unsitten aus meiner Sicht ist es, sofort sich am eigenen Baum zu schaffen zu machen, wenn der WS-Leiter gesagt was, was zu machen ist. Dann bekomme ich nichts mehr von den anderen Bäumen mit.
Weiterhin muß ich den WS-Leiter Hinterfragen warum dieser Weg der Gestaltung sinnvoll ist und nicht ein anderer.
Ein guter WS-Leiter wird dich auch erst einmal erzählen lassen, welche Vorstellungen du hast und wohin die Reise gehen soll.

Ein weiterer Fehler wird immer wieder gerne gemacht, indem man den Baum nicht systematisch von unten nach oben beurteilt. Wenn es unten nicht stimmt, braucht man oben nicht weiter zu machen. Der Baum sollte in allen möglichen Ansichten begutachtet werden. Anschl. sollte man sich über die alle Vor und Nachteile der einezlen Ansichtsseiten bewusst sein.

Was ich auch immer wieder feststelle, das Bäume nach Regeln gestaltet werden sollen. Ich sollte die Regeln kennen, aber muss ich sie immer anwenden?

Andere gestalten ihren Baum nach Vorlagen. Macht dies Sinn? Ich sollte viele gute Bäume auf Bildern und oder Ausstellungen mir angeschaut haben und im Kopf abgespeichert haben. Interessante Details können eventuell auch bei meinem Baum umgesetzt werden. Aber jeder Baum ist individuell. Und als solcher sollte er auch betrachtet werden und gestaltet werden.

Nur muss ich am Anfang auch über die verschiedenen techn. Möglichkeiten bei der Bonsaigestaltung informiert sein. Was gibt es. Wie geht es. Was kann ich wann meinem Baum zumuten. Dieses Wissen ist schwierig anhand von Büchern zu lernen.

Ich mache das Hobby nur für mich. Keine Interessen auf Ausstellungen zu gehen. Trotzdem versuche ich mein Wissen zu erweitern und besuche regelmäßig WS.

Ich habe mich aber schon lange davon gelöst, einen fertigen Baum am Ende des WS mitzunehmen. Ich habe immer mehrere Bäume in Arbeit. Je nach Entwicklungsstand und Jahreszeit und meiner Laune wird daran gearbeitet.

Gutes Material muss auch nicht immer teuer sein. Wenn es systematisch und konsequent aufgebaut wird, kann man auch sehr schöne Bäume aus günstigem Rohmaterial entwickeln.
Leider wird oftmals am Anfang davor zurückgeschreckt, einen Baum neu aufzubauen. Dann verliert man einige Jahre. Weil irgendwann muß der eine oder andere Ast später dann ab. Und dann hat man wieder unschöne Schnittstellen oder dicke Äste in der Spitze.

Es gibt viele Wege die zum Ziel führen.

Viele Grüße

Rudi K.
Grüße
Rudi K.
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zopf
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Re: Rohling - was nun ? Teil2

Beitrag von zopf »

Hallo Dietmar
Wenn ich Walter versuche singemäss zu zitieren wie er mit Bonsai begonnen hat.
"Demos und Workshops besuchen, nicht um teilzunehmen,
sondern um zu verstehen was, wie, warum gemacht wird"
Aus dem Verständnis könne sich "allgemeine" Gestaltungsregeln entwickeln,
die nicht einem Formenkanon kommen oder einem ABC-Schema entsprechen.
Verjüngung, Verzweigung, Bewegung ist so eine Allgemeinregel.
mfG Dieter
grüsse an die bewohner von melmac
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avicenna
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Re: Rohling - was nun ? Teil2

Beitrag von avicenna »

zopf hat geschrieben:Demos und Workshops besuchen, nicht um teilzunehmen,
sondern um zu verstehen was, wie, warum gemacht wird"
Aus dem Verständnis könne sich "allgemeine" Gestaltungsregeln entwickeln
Dieses Verstehen des was, wie und warum bezieht sich dann auf den betrachteten Baum. Eine Lärche, eine Kiefer, eine Eiche ... jeder Baum verlangt m.E. seine eigene Betrachtung und sie unterscheidet sich von denen anderer Bäume. Der Bezug wird doch dann meist hergestellt mit der Frage ... wie sieht eine Lärche, eine Kiefer, eine Eiche in der Natur aus, insbesondere wenn sie Eigenarten aufweist noch die Zusatzfrage ... wo könnte sie stehen, gestanden haben ? welchen Bedingungen kann sie unterlegen gewesen sein, welche Bedingungen könnten sie so geformt haben ? ....Erst nach der Beantwortung und Diskussion dieser Leitansichten kommt es zu den oben gestellten Was, Wie und Warum-Fragen.
Was muss ich belassen, was wegnehmen ... wie erhärte ich bestimmte Eindrücke, wie erreiche ich in vielen Gestaltungsschritten bestimmte Ziele an Verästelung, Windungen, Totholzberreichen etc.
zopf hat geschrieben:die nicht einem Formenkanon oder einem ABC-Schema entsprechen.
Verjüngung, Verzweigung, Bewegung ist so eine Allgemeinregel.
Muss man hier nicht auch zunächst unterscheiden zwischen einem yamadori, einem alten Baum mit einem vielleicht bereits schon dickem Stammansatz, dicken, stark verholzten Astpartien oder Substämmen ... und einem noch in vielen Bereichen formbaren Grundgerüst einer Jungpflanze ?

Bei einem "alten yamadori" kann ich dann nach Linien suchen, die eine gewisse Verjüngung zeigen und deren Verlauf sich zu einer neuen Stammlinie aufbauen lässt. Die Verzweigung ist dann in großen Bereichen auch meist schon gegeben und ich muss entscheiden, welche Partien wegschneiden kann um sie dann möglicherweise wieder aufzubauen. Ist kaum Bewegung in großen Astabschnitten, muss ich entscheiden ob ich durch das Entfernen oder durch teilweisen Neuaufbau Bewegung in Astpartien bringen möchte oder kann.

Bei rel. jungen, noch in großen Teilen formbaren Bäumen kann ich entscheiden, in welchem Maße ich Formungen ausführen und mit welchen Techniken dies möglich sein kann. Hier müssen dann wieder die Punkte von Relation, Proportion, natürlichem Habitus etc. beachtet werden ...

Allgemeine Gestaltungsregeln zu entwickeln halte ich für außerordentlich schwierig und nicht in jedem Falle für übertragbar. Fichten, Kiefern, Lärchen, Buchen, Hainbuchen, Eichen etc. haben alle ihre Besonderheiten im Erscheinungsbild. Nicht umsonst erscheint es mir wohl immer als sehr fremd, wenn insbesondere die Spanier ihre super tollen Wildoliven gestalten in der Form von Kiefern ... es erscheint manchmal sehr fremd ...

saludos
avicenna
Zuletzt geändert von avicenna am 12.12.2010, 19:19, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Rohling - was nun ? Teil2

Beitrag von Walter Pall »

Mit Interesse verfolge ich dieses Thread.
Genau das sind Probleme, die kaum gelehrt werden. In meinen Seminaren 'Potenzialerkennung' wird auf dieses Thema intensiv eingegangen.
Siehe hier http://www.florapan.de/bonsai-seminar.html
Ich bitte um Entschuldigung für die Eigenwerbung.
Meine Beiträge und Bäume dürfen gerne kritsch beurteilt und diskutiert werden.
Aber bitte nicht unbedingt mit mir.

mit freundlichen Grüßen
Walter Pall
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Martin_S
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Re: Rohling - was nun ? Teil2

Beitrag von Martin_S »

Also der Weg vom Anfänger über semi Fan zu "infiziert" und abschließend "vollkommen verschrieben" geht eigentlich immer irgendwo über Forum (heute! Früher papiergeführte Dokumentationen :mrgreen: ), AK oder Demo.
Und ich meine "ja", warum nicht mit einem 50€ Baum einen 100€ WS besuchen? Wenn der Baum der Baum gute Voraussetzungen hat, dann ist sein Preis egal.
So ein WS hat natürlich den Charme, dass der WS Leiter in der Regel was von der Sache "versteht" und man sich eigentlich drauf verlassen kann, dass diese ersten Schritte die da gemacht werden, schon in eine Zukunft führen werden. Fertig ist ja bei unserem Hobby nix. Und man lernt natürlich was dabei...
Bonsai ist eben irgebdwie so....so....so "ganzheitlich" :lol:
Also was da bislang geschrieben wurde ist wirklich gut! Eine Sache eventuell noch als Beitrag von mir dazu. Beim Betrachten, von unten nach oben, ruhig "unmögliche" Winkel nehmen. Also den Baum wirklich in alle denkbaren Raumrichtiungen drehen. Man glaubt gar nicht was man da alles "finden" kann. Früher hat man gemeint, die Wurzel bekomme ich niemals in den Boden wenn ich den so oder so einpflanze. Das ist lange überholt!
M
Beste Grüße
Martin

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Thierry
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Re: Rohling - was nun ? Teil2

Beitrag von Thierry »

Martin_S hat geschrieben:Eine Sache eventuell noch als Beitrag von mir dazu. Beim Betrachten, von unten nach oben, ruhig "unmögliche" Winkel nehmen. Also den Baum wirklich in alle denkbaren Raumrichtiungen drehen. Man glaubt gar nicht was man da alles "finden" kann.
Das erinnert mich als du bei der letzten Noelanders die kleinen Bäumchen auf den Verkaufsständen begutachtet hast, weisst du noch?? :lol: Der eine oder andere Verkäufer hat komisch geguckt. :lol:
Viele Grüße,
Thierry

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