Die Berberitze, das abgelehnte Geschenk

Allgemeine Philosophie, Stilarten, Techniken, Vorstellung und Besprechung von Rohmaterial sowie lose Sammlung von Entwicklungs-Dokus
Antworten
Benutzeravatar
klauso
Beiträge: 2359
Registriert: 18.01.2004, 14:29
Kontaktdaten:

Die Berberitze, das abgelehnte Geschenk

Beitrag von klauso »

Hallo zusammen,

heute möchte ich Euch eine alte Berberitze vorstellen und eine kleine Geschichte dazu erzählen. :)

Irgendwann letzten Herbst rief mich mein Bonsaikumpel M. an und bat mich, da er einige Pflanzen verkaufen wollte, um ein Urteil bzw. eine Einschätzung des Verkaufspreises. Nachdem er mir die Bilder der Verkaufspflanzen sendete, sah ich diese Berberitze. Gleich den Hörer in die Hand genommen und Ihn angerufen und Ihm gesagt, ob er den wahnsinnig sei, solch ein schöne Berberitze herzugeben. Darauf erklärte er mir, dass er mit der Gestalt der Berberitze nicht viel anfangen könne und meinte, wenn ich sie haben wollte, würde er mir die Berberitze schenken. Boooah hab ich so für mich gedacht. Nach einer Millisekunde Überlegung habe ich das Geschenk mit folgender Erklärung abgelehnt. Wortlaut: „M. das ehrt mich sehr, aber ich kann Dein Geschenk nicht annehmen. Ich weiß was in dieser Pflanze steckt und ich würde mich nicht gut fühlen, wenn Du das erst in 2 – 3 Jahren bei mir im Garten dann siehst. Bitte behalte diese Pflanze und glaube mir, Du hast da was gaanz Besonderes gefunden.“ Nach einigem hin und her hat sich dann mein Freund dazu überreden lassen die Berberitze zu behalten. Bei einem AK-Treffen habe ich (die Berberitze durfte bei mir in der Garage überwintern) M.‘s Berberitze zur Besprechung mitgebracht. Der Tenor war sehr positiv und alle waren sich darüber einig, dass solch eine Berberitze nicht ganz so alltäglich ist. Natürlich war M. sehr froh einen solchen Fund gemacht zu haben. :) Ich bin glücklich, dass M. das Bäumchen behält und hoffentlich was Feines daraus macht. Gestern rief mich dann M. an und meinte, dass er zwei neue, ganz ähnliche Berberitzen ausgegraben hat. Ich dürfe mir eine von den zwei Gegrabenen aussuchen. Was bin ich glücklich!! :-D Aber das wird dann eine neue Geschichte……..

Nun zum Bäumchen: Die Berberitze ist nachweislich ca. 25 Jahre alt und durfte diese Zeit in so einem nach unten offenen Pflanzstein, mit dem man auch Mauern macht, wachsen. Während dieser Zeit wurde sie immer wieder kräftig zurückgeschnitten. Dies erklärt auch den kompakten Habitus. Ich würde die Skurrilität der Pflanze heraus arbeiten. Weitere Optionen wären auch denkbar. Was meint Ihr?
Dateianhänge
DSC_0154.jpg
DSC_0155.jpg
DSC_0156.jpg
DSC_0157.jpg
DSC_0158.jpg
DSC_0159.jpg
DSC_0160.jpg
Benutzeravatar
fritze
Beiträge: 1539
Registriert: 19.08.2010, 22:13
Wohnort: bei karlsruhe
Kontaktdaten:

Re: Die Berberitze, das abgelehnte Geschenk

Beitrag von fritze »

das könnte der wahnsinnsberberitzenshohin werden!
die langen fast ganz ab und in 10 jahren ist sie der star.
beneidenswerte pflanze.
liebe grüße
christian

Instagram: krachkunst_der_fritz
Benutzeravatar
bonsaiheiner
Freundeskreis
Beiträge: 4022
Registriert: 24.05.2010, 15:30
Wohnort: Mittelbaden

Re: Die Berberitze, das abgelehnte Geschenk

Beitrag von bonsaiheiner »

Hallo Klaus,

bin mir fast sicher, dass sie am Stamm jede Menge Knospen hat. Runter mit den langen Dingern wie Christian schon schrieb!
Eine Berberitze zum träumen.
Was wird die in 5-8 Jahren für ein Furore machen!

Beste Grüsse,
Heiner
Ein Tag ohne Beschäftigung mit Bonsai ist ein verlorener Tag!
Benutzeravatar
Norbert_S
BFF-Autor
Beiträge: 8152
Registriert: 09.08.2006, 08:30

Re: Die Berberitze, das abgelehnte Geschenk

Beitrag von Norbert_S »

Moin Kluas

Wenn die langen Dinger weg sollten, dann hättest du uns diese Geschichte nicht erzählt. Kleine dicke Berberitzen sind so selten nicht.

Das macht für mich die Sache nicht einfacher.
So wie jetzt eingestellt wirkt der Baum wie ein krabbelndes sich aufrichtendes Insekt. Es ist vor allem in China ja nicht unüblich Bäume nach Tier- oder Phantasiegestalten zu kreieren. Da bietet dieser Baum sicherlich eine Möglichkeit.

Mir streben vor allem die beiden oberen Äste zu weit und gleichförmig auseinander.
Ich denke, ich würde von den fünft dicken Ästen(Substämmen) zwei entfernen und über Jahre den Baum großkugelförmig aufbauen.

Mutiger als auf der Skizze bin ich anhand der Fotos nicht und selbst das ist schon ein sehr langzeitiges Projekt. Der erste intuitive Weg würde Fritze ind Heiner folgen, mehr Spaß würde eine Alternative machen.

Lass und Samstag darüber reden, sehr spannend.
Dateianhänge
000DSC_0154.jpg
Norbert

So wie du bist, so sind auch deine Gebäude
Sullivan, 1924
Benutzeravatar
Reiner K
Beiträge: 1152
Registriert: 16.08.2006, 16:42
Kontaktdaten:

Re: Die Berberitze, das abgelehnte Geschenk

Beitrag von Reiner K »

Hallo Norbert,
warum der 2ter rechte Ast noch so lang??
und der 2te linke ist auch etwas zu dick für meinen Geschmack...

LG Reiner
Das Ziel ist das Ziel
AK Yamadorifreunde Schenefeld und
Meine kleine Webseite Neue Homepage!
Benutzeravatar
Norbert_S
BFF-Autor
Beiträge: 8152
Registriert: 09.08.2006, 08:30

Re: Die Berberitze, das abgelehnte Geschenk

Beitrag von Norbert_S »

Reiner,
zu dick sind sie doch eigentlich alle.
Darum geht es doch nur sekundär. Der o8/15 Vorschlag liegt doch schon dreifach auf dem Tisch.

Wenn sich der Baum noch leicht nach rechts kippen lässt, wäre in meinen Augen eine etwas geneigte Gestaltung nach rechts möglich.
Auf der rechten Seite ergäbe sich ein gefälliger bogiger Stammverlauf, der ein starkes Gegengewicht links im Geäst hat.
Wenn nicht bleibt auch so immer noch die Möglichkeit eine auffälligen Gestaltung.
Bei H&M im Schaufenster wird er dann aber wohl nicht stehen.
Norbert

So wie du bist, so sind auch deine Gebäude
Sullivan, 1924
Benutzeravatar
Reiner K
Beiträge: 1152
Registriert: 16.08.2006, 16:42
Kontaktdaten:

Re: Die Berberitze, das abgelehnte Geschenk

Beitrag von Reiner K »

Auch wenn Du den kippen würdest dann denke ich mal wirst Du Probleme mit dem Wurzelansatz bekommen..
Der sieht dann recht einseitig aus. Links sieht es so auls ob da keine Wurzel ist.
Dein gebogener Stammverlauf passt auch irgendwie nicht zu dem restlichen unteren Teil.
Dann doch lieber unterhalb der Bogens schneiden... dann stört aber der linke dicke rein optisch..
mal sehen was Klaus daraus macht..
LG Reiner
Das Ziel ist das Ziel
AK Yamadorifreunde Schenefeld und
Meine kleine Webseite Neue Homepage!
MarcusT
Beiträge: 118
Registriert: 22.02.2008, 20:19

Re: Die Berberitze, das abgelehnte Geschenk

Beitrag von MarcusT »

Hallo zusammen,
jetzt melde ich mich auch mal zu Wort. Ich bin der "M" dem das Bäumchen gehört.
Lieber Klaus, danke für die schönen Bilder und die Geschichte. Sie hat sich wirklich so zugetragen.
Ich bezeichne mich noch als Anfänger und tue mir immer noch schwer bei der Potentialerkennung. Nachdem der Klaus
mich überzeugt hat die Berberitze zu behalten sind wir schon ein paar Möglichkeiten durchgegangen. Naheliegend ist
alle dicken abzuschneiden und einen kleinen dicken Shohin aufzubauen (wie einige geschrieben haben). Mir tut es aber in der Seele weh die einzelnen dicken Äste abzuschneiden da sie alle schon eine schöne Borke haben. Wir haben das Bäumchen gedreht und gewendet aber die richtige Lösung haben wir noch nicht gefunden. Irgendwie skurril soll er aussehen.

Ich bedanke mich bei allen Schreibern für deren Meinung.

Viele Grüße
Marcus
Benutzeravatar
klauso
Beiträge: 2359
Registriert: 18.01.2004, 14:29
Kontaktdaten:

Re: Die Berberitze, das abgelehnte Geschenk

Beitrag von klauso »

Hallo,

Christian, Heiner und Reiner, lieben Dank für Eure Einschätzungen. Heiner, Du hast Recht, Sie treibt aus allen Ritzen.

Norbert, auch Dir meinen Dank zu Deinen Gedanken. Du hast das schon richtig gedeutet. Wenn es mein Baum wäre, würde ich keine 08/15 Gestaltung daraus machen. Das soll jetzt nicht abwertend sein. Mir gefällt einfach das Skurrile an der Berberitze. Eine noch nicht angesprochene Variante zur Gestaltung wäre auch noch auf den unteren dicken Ast abzusetzen. Es würde ein schöner Schwung mit guter Verjüngung entstehen. Dann eine kleine Krone darauf und fertig. Die von Dir gekennzeichneten Schnitte wären auch eine gute Möglichkeit. Das solche Berberitzen häufiger vorkommen, war mir nicht bewusst. Da muss ich zukünftig wohl mal die Augen besser aufmachen. Ich freue mich darauf mit Dir am Samstag über dieses Bäumchen zu reden.

Ich habe nun mal 6 Varianten zu der Berberitze grob virtualisiert. Interessant wie unterschiedlich das wirkt. Es gibt wahnsinnig viele Optionen. Macht richtig Spaß damit rum zu spielen. Bin gespannt was mein Bonsaikumpel Marcus daraus machen wird! Ja Marcus ich hätte da noch mehr Ideen anzubieten. Aber im Groben sind das Abwandlungen der hier gezeigten Virtuals.
Dateianhänge
berb1.jpg
berb2.jpg
berb3.jpg
berb4.jpg
berb5.jpg
berb6.jpg
Benutzeravatar
Heike_vG
Beiträge: 24312
Registriert: 04.09.2005, 20:30
Wohnort: Norddeutschland
Kontaktdaten:

Re: Die Berberitze, das abgelehnte Geschenk

Beitrag von Heike_vG »

Mir gefällt Variante 2 am besten.
Die ganz spartanische Variante mag ich nicht und mit den langen Haken kann ich nichts anfangen.
Totholz bei Berberitzen ist Textmarker-gelb, das hat irgendwie gar nichts, finde ich.

Liebe Grüße,

Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

AK Hamburg & Umland
Benutzeravatar
klauso
Beiträge: 2359
Registriert: 18.01.2004, 14:29
Kontaktdaten:

Re: Die Berberitze, das abgelehnte Geschenk

Beitrag von klauso »

Liebe Heike,

Du bist zu wenig rebellisch :lol:

Aber ich kann Dich verstehen! :roll:
Benutzeravatar
bonsaiheiner
Freundeskreis
Beiträge: 4022
Registriert: 24.05.2010, 15:30
Wohnort: Mittelbaden

Re: Die Berberitze, das abgelehnte Geschenk

Beitrag von bonsaiheiner »

Hallo Klaus,

"lange Dinger runter" und "fast ganz ab" heisst ja nicht bündig am Stamm abschneiden.

Heikes Vorschlag (Virtual 2) und dann aber noch die keulenartige Endverdickung am ersten Ast links wegnehmen: das scheint ein ordentliches Grundgerüst zu geben, mit dem weitergearbeitet werden kann, wobei die ausserordentlich Freude zur Rückknospung, auch am alten Holz hilft. NorbertS sieht es ja ähnlich. Von ihm nur etwas abweichend, würde ich den oberen rechten Ast etwas stärker einkürzen. Diese Lösung wäre mein Favorit.

Beste Grüsse,
Heiner
Ein Tag ohne Beschäftigung mit Bonsai ist ein verlorener Tag!
Antworten