Autor: bonsaimike
Die Lärchen haben mich bereits in meiner Kindheit beschäftigt. Ein Nadelbaum, der aber ein Laubbaum ist?!
Seit dem Jahre 2000 beschäftige ich mich mit Bonsai. Seit dieser Zeit hat diese Faszination der Kindheit eine ganz andere Bedeutung bekommen. Kaum eine andere heimische Sorte hat solche extreme Merkmale wie die Lärche, und diese machen sie meiner Meinung nach für Bonsai ideal.
- Borkige Rinde, die ein fortgeschrittenes Alter darstellt
- Wunderschönes Totholz
- Wuchs freudig und damit “leicht” aufbaufähig
- Das bunte Spiel der Jahreszeiten ist eine reine Freude
- Blüten und Zapfen der Lärchen sind das I-Tüpfelchen.
- Größe – von klein bis riesig ist alles möglich
- Relativ einfach zu pflegen
- Klimatisch in der gemäßigten Zone beheimatet
- Einfache Materialbeschaffung – sei es durch Sämlinge, Jungpflanzen aus Natur oder Gartencenter, Yamadori
Die Lärche ist auf der Nordhalbkugel weit verbreitet. Dort, wo das Klima etwas härter ist und wo kurze Sommer und lange Winter herrschen, fühlt sie sich wohl – auch bis zur Baumgrenze .
Anbei ein Auszug aus Wikipedia:
Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/Larch
Eurasian
Northern, short-bracted
- Larix decidua (syn. L. europaea) European Larch. Mountains of central Europe.
- Larix sukaczewii Russian Larch.* Russia west of Ural Mountains.
- Larix sibirica Siberian Larch. Plains of western Siberia.
- Larix gmelinii (syn. L. dahurica) Dahurian Larch. Plains of central Siberia.
- Larix cajanderi (syn. L. dahurica) Dahurian Larch. Plains of eastern Siberia.
- Larix kaempferi (syn. L. leptolepis) Japanese Larch. Mountains of central Japan.
- Larix principis-rupprechtii Prince Rupprecht’s Larch. Mountains of northern China (Shanxi, Hebei).
- Olgan Larch or Olga Bay Larch (Larix gmelinii var. olgensis) is sometimes treated as a distinct species Larix olgensis.[4]
- Larix potaninii Chinese Larch. Mountains of southwestern China (Sichuan, northern Yunnan).
- Larix himalaica Langtang Larch.* Mountains of central Himalayas.
- Larix mastersiana Masters’ Larch. Mountains of western China.
- Larix speciosa Yunnan Larch.* Mountains of southwest China (southwest Yunnan), northeast Burma.
- Larix griffithii (syn. L. griffithiana) Himalayan Larch. Mountains of eastern Himalaya
- Larix laricina Tamarack Larch or American Larch. Parts of Alaska and throughout Canada and the northern United States from the eastern Rocky Mountains to the Atlanticshore.
- Larix lyallii Subalpine Larch. Mountains of northwest United States and southwest Canada, at very high altitude.
- Larix occidentalis Western Larch. Mountains of northwest United States and southwest Canada, at lower altitudes.
Bei uns in Tirol sind die Lärchen weit verbreitet. Das gilt natürlich auch für das benachbarte Südtirol und die Schweiz. Dementsprechend ist es auch “leicht” geeignetes Material in der Natur zu finden. Aber bitte immer nur mit Genehmigung des Grundstückseigentüme ausgraben! Die weiter unten gezeigten Lärchen stammen von einer Almweide, auf der sich im Sommer Rinder aufhalten. Dadurch werden sie immer wieder niedergetreten, und auch Lawinen und Steinschlag halten sie natürlich klein. Gerade diese verkrüppelten ”Dinger” haben somit keine wirtschaftliche Bedeutung für die Holzindustrie. Wir haben damit unsere Freude
Lärche als Bonsai – worauf muss man aufpassen?
Ausgraben
Yamadori wären immer besser im Frühjahr zu holen, aber in der Praxis scheitert das oft am Schnee in den Bergen, da man zu den passenden Gebieten nur schwer zukommt. Wenn im Hochgebirge dann im Juni der Schnee endlich weg ist, auszugraben, damit habe ich keine gute Erfahrungen gemacht. Am Berg wachen sie gerade auf und im Tal hat es dann schon sommerliche Hitze. Das geht nicht gut!
Somit bleibt nur noch der Herbst übrig. Anfang September kann ideal sein – aber auch dann sind wir wieder vom aktuellen Wetter abhängig. Nach dem bergen aus der Natur wasche ich im Normalfall die Originalerde aus den Wurzeln. Die Erdmischung vom natürlichen Standort ist in den seltensten Fällen gut in der Schale. Frostfrei überwintern nach dem Ausgraben ist sinnvoll.
Ab wann ist eine Yamadori-Lärche über dem Berg (angewurzelt)?
Beispiel ausgegraben im Herbst –> im Frühjahr ist es dann normal, dass ein relativ schwacher Austrieb kommt. D.h. kurze Nadeln, fast keine Langtriebe und ein eher dunkles Grün. Wenn die Lärche dann bis zum Sommer genügend Wurzeln gebildet hat, schaut’s schon mal ganz gut aus. Wenn im Sommer allerdings Nadeln innerhalb von wenigen Tagen gelb werden und abfallen, dann ist es schon zu spät. Wenn ich bei einer frischen Lärche Anfang Sommer auch nur leicht gelbe Nadeln sehe, dann ab in den Schatten. Das hat mir schon geholfen, das eine oder andere Exemplar zu “retten”. Das kann helfen, ist aber nicht sicher. Auch Versuche, einen solchen Problembaum in ein Minigewächshaus zu geben, haben leider nicht immer funktioniert.
Umtopfen
Erfahrungsgemäß ist der beste Zeitpunkt zum Umtopfen, wenn die Knospen im Frühjahr zu schwellen beginnen. Goldige Knospen, bevor noch das Grün durchbricht, weisen auf die Zeit zum Umtopfen hin. Das kann dann sehr schnell gehen und das Zeitfenster ist oft nur ein paar Tage. Als Erde kommt bei mir nur Akadama oder reiner Bims zum Einsatz Mit Lava habe ich bei Lärchen schon schlechte Erfahrungen gemacht. Aber Erdmischungen sind nicht nur maßgeblich von den persönlichen Vorlieben und dem Mikroklima im Bonsai-Garten, sondern auch der zeitlichen Gießmöglichkeiten abhäng. Somit funktionieren sicher auch andere Substrate.
Vorausgesetzt, die Lärche ist fit, kann man kräftigen Wurzelschnitt machen. Aber bitte nicht so extrem wie das zum Beispiel bei Dreispitzahorn möglich ist
Jahreszeiten
Frühjahr
In der Übergangszeit sollte man nicht zu viel wässern, da die Wurzeln sonst faulen können. Wenn bei Lärchen bereits vor dem Austrieb der Nadeln gedüngt wird, kann es vorkommen, dass diese extrem lang werden. Auch besteht Gefahr nach dem Austrieb, dass man Schädlinge bekommen kann. Schildläuse, Wollläuse und Blattläuse sind dabei die üblichen Verdächtigen.
Sommer
Von Halbschatten bis zum voll sonnigen Standort ist alles möglich. Dabei sei aber gesagt, dass es Lärchen eigentlich gerne etwas kühler haben. Speziell den Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht ist sie vom Standort am Berg gewohnt. Während der warmen Jahreszeit muss auf ständige Feuchtigkeit geachtet werden, sonst kann es passieren, dass sie die Nadeln abwirft. Danach kann sie sich wieder erholen, muss aber nicht sein.
Herbst
Es ist eine wahre Freude, wenn die farbenprächtige Zeit kommt. Sei es bei einer Wanderung in der Natur oder auch im Bonsai-Garten. Die Lärchen glänzen mit goldig-gelben Nadeln. Die Zeit des Genusses kann kurz sein, wenn es schnell kalt und windig wird. Mir ist es schon passiert, dass ich den perfekten Zeitpunkt fürs Fotoshooting verpasst habe. In anderen Jahren gibt’s dann wieder “wochenlang” die Farbenpracht. Wovon das aber sonst noch genau abhängig ist, konnte ich bis jetzt nicht herausfinden.
Winter
Da ist die Lärche der sorgloseste Baum. Winterschutz ist eigentlich nicht notwendig – auch nicht, wenn sie in kleinen Schalen stehen. Ohne schützende Schneedecke haben sie bei mir bereits Temperaturen von minus 20° C und wochenlang unter minus 10° C problemlos überstanden. Nur bei frisch ausgegrabenen Pflanzen (im Herbst) sollte man etwas vorsichtiger sein.
Gestaltung
Von Mame bis Gartenbaum alles möglich. Lärchen können lieblich, aber auch extrem gestaltet werden. Durch die flexiblen Äste und deren Wucherfreudigkeit ist auch in relativ kurzer Zeit ein Erfolg sichtbar.
Lärchen werden für den laublosen Zustand gestaltet – wie Laubbäume. Erst dann kann man die oft extrem fein verzweigten Äste und Zweige bestaunen.
Schneiden und Pinzieren
Triebe zu pinzieren ist eine gute und schnelle Möglichkeit, wenn man bereits reifere Exemplare hat. Dadurch wird das Wachstum gebremst und auch ausgeglichener über den ganzen Baum verteilt. Pinzieren kann mit den Fingern oder mit der Schere gemacht werden.
Triebe schneide ich erst, wenn sie leicht verholzt sind. Dann kommt bestimmt ein zweiter oder dritter Austrieb im Jahr.
Drahten
Im Verhältnis zu einem Igelwacholder (Tosho) sind die Lärchen eine Freude zum Drahten. Im laublosen Zustand von Ende Winter bis Anfang Frühling ist die arbeitsintensivste Zeit. Extreme Biegungen oder Einreißen von Ästen mache ich im Februar. In diesem Monat gibt es noch keinen hohen Saftfluss, und das Austreiben erfolgt auch erst später im März. Aber Achtung: Februar bezieht sich auf meinen Standort in Tirol! Kann in anderen Gegenden etwas früher oder später sein. Im Dezember 2012 hab ich einige Lärchen durchgedrahtet – die stehen dann auch bei Minustemperaturen ohne Heizung im Kalthaus. Das macht ihnen erfahrungsgemäß nichts aus.
Einige Gestalter bevorzugen für Lärchen Aluminium Draht. Das hat den einfachen Grund (Aluminiumdraht hat bei der gleichen Festigkeit einen größeren Durchmesser als Kupferdraht), dass man etwas mehr zeitlichen Spielraum hat, wenn im (Früh-)Sommer das Dickenwachstum einsetzt und der Draht einwachsen kann. Im Sommer unbedingt immer wieder die Drähte kontrollieren!
Schädlinge
Wollläuse und Lärchen-Knicklaus sind die einzigen Schädlinge, mit denen man sich herumschlagen muss.
Spezielle Techniken
Ablaktieren von Ästen ist bei Lärchen möglich. Das eröffnet viele Möglichkeiten bei der Gestaltung.
Lärchen-Abmoosen soll funktionieren. Sicher bin ich mir aber nicht! Ich habe das noch nicht gemacht. Würde mich freuen, wenn mir jemand dazu Infos liefern kann
Topfauswahl
Alles möglich und alles Mögliche schon gesehen. Von glasierten Schalen, die teilweise auch sehr bunt ausfallen können, klassisch schlichte Farben und Formen, Mondschalen, Überstein-Gestaltung, Steinplatten – wie gesagt: alles ist möglich. Dem persönlichen Geschmack sind keine Grenzen gesetzt. Das Einzige, was ich noch nie gesehen habe: eine Lärche in einer japanischen Porzellanschale. Wäre doch mal ein Versuch wert
Lärchen in Japan
… sind meines Wissens leider kein großes Thema. Tokio oder Osaka sind einfach zu warm für diese Art. Bei meinem letzten Besuch im Großraum Osaka konnte ich zwei Lärchen als Bonsai sehen. Wobei Bonsai vielleicht der falsche Begriff ist – es waren Jungpflanzen in einem Trainingstopf
Projekt Shohin-Lärchen aus unscheinbarem, kleinem Yamadori-Material
In Japan wird Shohin-Material aus Sämlingen, Stecklingen und aus dem Abmoosen gewonnen. Shohin-Yamadori sind eher selten zu finden, und wenn, dann extrem teuer. Ich hatte in der Vergangenheit immer wieder einzelne Shohin-Projekte aus unterschiedlichem Material gemacht. Mich reizte aber der Gedanke, aus kleinen unscheinbaren Yamadori-Lärchen spektakuläre Shohin zu machen. Ich hätte auch Sämlinge oder kleine Jungpflanzen aus der Baumschule verwenden können.
Dagegen sprachen für mich aber folgende Punkte:
Sämlinge
Hatte ich in der Vergangenheit das handwerkliche Problem, eine interessante, nicht zu künstliche Stammform hinzukriegen. Speziell die Formgebung mit Draht sah bei mir sehr 08/15-mäßig aus. Um hier alle möglichen Techniken auszuprobieren, fehlt mir leider auch der Platz in meinem kleinen Bonsai-Garten. Das Projekt benötigt sicher 15 bis 20 Jahre, um etwas halbwegs Vorzeigbares herzustellen.
Jungpflanzen aus Baumschule
Welche Sorten bekommt man da? Es sind meist Hybrid-Züchtungen mit “guten” Eigenschaften, das wäre ein Pluspunkt. Dafür aber meist mit geradem Stamm und fehlenden Ästen im unteren Bereich. D.h. ablaktieren wäre ein Muss, um auf einen guten Weg zu kommen.
Yamadori
… hat den Vorteil, dass die kleinen bereits eine natürliche Auslese hinter sich haben und somit schon mal nur kräftige Pflanzen zur Auswahl stehen. Auch wenn sie klein sein, können sie bereits einige Jahre alt sein. Somit dauert es dann auch nicht mehr so lange, bis sich eine schöne Borke ausbildet Die wichtigste Voraussetzung aber, dass sie bereits eine interessante bzw. vielleicht sogar einzigartige Bewegung im Stamm haben.
Meine Kleinen
Diese Lärchen wurden 2008 bzw. 2009 auf einer Hochalm ausgegraben. Die Wurzeln wurden ausgewaschen und in reinen Bims eingetopft. Von gesammelten 20 Stück hatte ich drei Ausfälle im folgenden Sommer. Einen nur, weil ich wieder Lava als Substrat getestet habe. Mit Lava als Substrat komme ich nicht wirklich zurecht. Die zwei anderen haben nicht überlebt, weil sie einfach zu wenig Wurzeln gebildet hatten. Der Rest der Kleinen entwickelte sich gut, auch wenn es im ersten Jahr sehr wenig Zuwachs gab: Kurztriebe und kurze Nadeln - das ist aber normal, da sich die Pflanze erst erholen muss und in dieser Zeit primäre Wurzeln bildet.
Im zweiten Jahr war dann ein gutes Wachstum ersichtlich. In weiterer Folge wurden sie dann in kleine, “flache” japanische Trainingstöpfe (stehen alle in Größe 4) eingepflanzt. Dabei wurde auch ein leichter Wurzelschnitt vorgenommen. Speziell die dickeren Wurzeln galt es einzukürzen. Beim Eintopfwinkel versuchte ich einen Kompromiss zwischen Zukunftsvision und schonenden Weg für die Wurzeln zu finden.
Im folgenden Sommer legte ich eine dünne Schicht Spaghnummoos auf die Erdoberfläche. Das hilft, die Verdunstung etwas zu verlangsamen und eine konstantere Feuchtigkeit zu gewährleisten. Im Frühjahr 2012 war es dann soweit, dass ich eine grobe Auswahl der Äste treffen konnte. Auch wurde teilweise gedrahtet. Über den Sommer hinweg gab es dann bei den Lärchen mit dem stärksten Wachstum zweimal einen Rückschnitt, bei denen mit normalem Wachstum nur einen. Ende Dezember 2012 begann dann die erste Grundgestaltung. Das, was ihr auf den Bildern seht, ist aber nur der erste Weg Richtung Bonsai. Ich habe versucht, interessante Merkmale aus dem Material hervorzuheben. Die Basis für ein ausbaufähiges Grundgerüst ist nun vorhanden.
Was werde ich 2013 bei den Kleinen machen?
Im Frühjahr wird die eine oder andere inkl. Wurzelschnitt und neuem Winkel eingetopft. Es wird wieder ein Trainingstopf gleicher Größe zum Einsatz kommen. Mit leichtem Düngen beginne ich dann zeitgleich. Teilweise wird der Austrieb pinziert werden, teilweise aber auch wachsen gelassen und erst im Sommer oder Herbst zurück geschnitten. Je nachdem, wo ich was brauche – Verzweigung oder dickere Äste.
Ich habe ja einige zu 100 Prozent durchgedrahtet. Dabei ist natürlich ständig darauf zu achten, dass der Draht nicht zu sehr einwächst, und andererseits, dass die Äste nicht gleich wieder in die ursprüngliche Position “zurückhüpfen”, wenn man den Draht zu früh entfernt. Äste selektieren, Verzweigung verbessern, immer wieder auf klein zurückschneiden, umtopfen, eine passende Schale suchen, …
Zukunftsvision
In fünf bis zehn Jahren sollte man zu diesen Pflanzen Bonsai sagen dürfen.
Wo ich sicher aufpassen muss: auf das Dickenwachstum der Äste und Zweige. Immer wieder kräftig
zurückschneiden, damit die Proportionen erhalten bleiben.
Fazit
Ich habe eine Menge Spaß mit den kleinen Lärchen. Es ist ein kostengünstiger Weg, um kreativ zu sein. Ich hoffe, damit einigen von euch Lust auf Lärchenexperimente gemacht zu haben.
