Hi Serge

Wieso macht ein Bonsai kleine Blätter und Kleine Früchte?
Einerseits stimmt wohl auch das, was Wolfgang schreibt, ein weiterer Aspekt ist aber auch der regelmäßige Rückschnitt, der die Pflanze veranlasst aus schlafenden Knospen auszutreiben um sozusagen ein Notprogramm zu fahren. Der Pflanze geht es darum möglichst schnell möglichst viel neue Blattmasse aufzubauen.
Die Zahl der Zellen eines Blattes, und damit auch die endgültige Größe, wird schon in der Knospe festgelegt. Wenn ein Blatt aus der Knospe bricht, dann finden fast keine Zellteilungen mehr statt sondern nur noch Streckungswachstum, d.h. die Zellen blähen sich nur noch mit Wasser auf, wie ein Luftbalon. Schneide ich nun einen Trieb ab, so muss die Pflanze aus noch sehr unreifen Knospen nachtreiben. Das Ausreifen der Knospen findet dann im Zeitraffer statt, es bleibt also nicht mehr viel Zeit für Zellteilungen. Das führts zu einer geringeren Zahl an Zellen pro Blatt und somit zu kleineren Blättern.

Wie sieht die Morphologie eines Bonsaiblattes im vergleich mit einem "natürlichen" Blattes aus?
Exakt genau gleich.

Was sind die unterschiede im Holzquerschnitt zu grossen Bäumen?
Exakt genau gleich mit der von Wolfgang angesprochenen Variation der Jahresringstärke.
Um einen guten Blattquerschnitt hinzukriegen brauchst du Holundermark. Man nehem einen einjährigen Schössling (auch Reißer genannt) von
Sambucus nigra (zur Not geht auch etwas Styropor) und schneide mit einer Rasierklinge sauber im rechten Winkel an. Nun teilt man das Mark senkrecht zu dieser Schnittfläche, so daß du ein Stück Blatt dazwischen legen kannst. Das Holundermark dient nur der besseren Hadhabung. Hast du jetzt das zu untersuchende Blatt zwischen die beiden Hälften des Holundermarks eingeklemmt, dann machst du noch einmal einen frischen Anschnitt des Blattes mit einer Rasierklinge.
Jetzt machst du den eigentlichen Schnitt: dazu legst du die Klinge auf die Schnittfläche auf und ziehst sie (ohne Schneidebewegungen) sauber zu dir hin, so dass du einen winzigen Keil ausschneidest. Neben dir liegt der Objektträger mit einem Tropfen Wasser. In diesen Tropfen entlässt du den Schnitt. mache immer gleich mehrere Schnitte (5-10). Dann legst du senkrecht zum Objektträger das Deckgläschen an, so dass du damit den Wassertropfen berührst. Nun lässt du das Deckgläschen langsam auf den Tropfen gleiten. So verhinderst du Luftblasen.
Jetzt kannst du mikroskopieren.
Dadurch, dass du einen keil aus dem Blatt geschnitten hast, findet sich immer ein Bereich, in dem der Schnitt nur eine Zelllage dick ist. Hier erkennst du die Anatomie des Blattes am besten.
Viel Erfolg!