Dolomiten-Lärche – Lohnt der Weg zum Bonsai?

Allgemeine Philosophie, Stilarten, Techniken, Vorstellung und Besprechung von Rohmaterial sowie lose Sammlung von Entwicklungs-Dokus
Antworten
Benutzeravatar
Bonsette
Freundeskreis
Beiträge: 1405
Registriert: 12.01.2013, 20:12
Wohnort: Nähe Teutoburger Wald

Dolomiten-Lärche – Lohnt der Weg zum Bonsai?

Beitrag von Bonsette »

Hallo, hier möchte ich euch eine Lärche zeigen.
Ich habe sie 2010 aus den Dolomiten mitgenommen. Die folgenden 7 Jahre war sie im Balkonblumenkasten und die letzten fast 4 Jahre im Beet. Außer dem jährlichen Heckenscherenrückschnitt wurde nichts an ihr gemacht. Wegen Brunnenarbeiten musste ich sie gestern aus dem Beet holen, und weil sie dort sowieso nicht bleiben soll, muss ich mich jetzt entscheiden, ob sie auch noch als Bonsai auf meinem Regal einziehen darf.
2020-10-16__.jpg
2020-10-16__.jpg (247.27 KiB) 1897 mal betrachtet

Hier heißt es ja meistens, einen Literaten macht man nur, wenn einem sonst nichts einfällt. Aber weil ihr vorne und hinten Äste fehlen, ist mir tatsächlich noch nichts anderes eingefallen.
Oder hat evtl. noch jemand eine andere Idee?

LG und ein schönes Wochenende!
Steffi
Benutzeravatar
Heike_vG
Beiträge: 24312
Registriert: 04.09.2005, 20:30
Wohnort: Norddeutschland
Kontaktdaten:

Re: Dolomiten-Lärche – Lohnt der Weg zum Bonsai?

Beitrag von Heike_vG »

Hallo Steffi,

die Lärche sieht doch nicht schlecht aus! *daumen_new* Sie hat eine schöne Stammbewegung und Hauptäste an den richtigen Stellen. Um die Hauptäste genügend am Ansatz absenken zu können, kann man sie dort ein wenig einschneiden und einen kleinen Keil reinstecken. :idea: Vorher drahten und Spanndrähte vorbereiten.
Wenn an Vorder- und Rückseite nicht überall Äste vorhanden sind, wo Du gerne welche hättest, kann man aber doch im Laufe der Zeit Grünbereiche davor platzieren oder herunterziehen, so dass überall Laub platziert werden kann, wo man welches möchte. Das ist doch eigentlich bei jeder Gestaltung bzw. Entwicklung eines Bonsai Thema. Welcher Rohling oder gar alter Yamadori hat schon an jeder wünschenswerten Stelle den perfekten Ast. Und wenn, wäre es langweilig und sähe künstlich aus. *z*

Einen Literaten sehe ich in diesem Baum wirklich nicht. Außerdem ist die Literatenform eine hoch anspruchsvolle Gestaltung und gar nicht als Notlösung geeignet.

Warum steht der Baum denn eigentlich jetzt mit nackten Wurzeln?

Liebe Grüße,
Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

AK Hamburg & Umland
Benutzeravatar
bock
Freundeskreis
Beiträge: 6141
Registriert: 25.02.2009, 14:20
Wohnort: EU, D, S-H (z.Z. Langenhorn)

Re: Dolomiten-Lärche – Lohnt der Weg zum Bonsai?

Beitrag von bock »

Moin Steffi,

das Grundgerüst ist eher typisch für einen Laubbaum. Vermutlich ist es eine L. decidua. Wie sieht es mit dem Wurzelansatz aus?
Ließe sich mit dem ersten Ast (der ja zu Anfang anscheinend wenig Bewegung hat) eine glaubhafte Krone basteln? Sonst würde ich nur mit den Ästen 2 und 3 arbeiten. Da gibt es anscheinend auch einen kleinen Rückseitenast.
Ast 2 fast senkrecht nach unten brechen und Ast 3 zur Krone entwickeln.
Erinnerst du dich noch an die Lärchengestaltungen von Karl Thier?
Irgendwas geht immer, bin gespannt, wie du dich entscheidest!
Schönes Wochenende!

:-D

Ah, ich sehe gerade - Heike hat soeben kompetenten Rat erteilt. Meine Gedanken lasse ich dann mal so als spontane Eingebung stehen... ;)
liebe Grüße Andreas
Ein Leben ohne Bonsai ist möglich - aber völlig sinnlos! :faellen:
besucht mich auf flickr
Hippo
Freundeskreis
Beiträge: 4020
Registriert: 24.08.2019, 11:51
Wohnort: AR Vorderland

Re: Dolomiten-Lärche – Lohnt der Weg zum Bonsai?

Beitrag von Hippo »

Salü Steffi,

Ich habe auch noch was für den Papierkorb. :lol:
Bis zum dritten Hauptast (von Vorne) hat der Stamm eine gewisse Spannung/Dramaturgie.
Darüber wird's zur Wiederholung und daher etwas einschläfernd.
Deshalb würde ich die Kronenspitze auf diesen Ast ableiten, etwas zurechtbiegen und den darüberliegenden Rest gelegentlich zu einem gespenstischen Finish umstricken.

Just my 50 cts
Gruss George
Grumpy old fat Kiboko.
Benutzeravatar
Bonsette
Freundeskreis
Beiträge: 1405
Registriert: 12.01.2013, 20:12
Wohnort: Nähe Teutoburger Wald

Re: Dolomiten-Lärche – Lohnt der Weg zum Bonsai?

Beitrag von Bonsette »

Vielen Dank für eure Anregungen, Heike, Andreas und George! :-D :-D

Heike, als Fan Deiner Besenstielfresserlärche habe ich mich gerade an sie erinnert und nochmal nachgeschaut.
(viewtopic.php?p=548586#p548586)
Sie hat ja auch mit wenig Ästen eine tolle Ausstrahlung, und das Herunterbrechen der Äste hast Du an ihr auch schon demonstriert. Das könnte ich tatsächlich einmal ausprobieren.
Wenn ich mit dem Äste-Brechen scheitere, könnte ich ja immer noch so etwas ähnliches machen:
viewtopic.php?p=463697#p463697
Hippo hat geschrieben: 17.10.2020, 11:31 Deshalb würde ich die Kronenspitze auf diesen Ast ableiten, etwas zurechtbiegen und den darüberliegenden Rest gelegentlich zu einem gespenstischen Finish umstricken.
Meinst Du damit, dass Du aus dem Rest über dem dritten Ast einen wilden Jin gestalten würdest?
Heike_vG hat geschrieben: 17.10.2020, 11:01 Warum steht der Baum denn eigentlich jetzt mit nackten Wurzeln?
Sie musste gestern aus der Erde, weil sie neben einem Brunnenrohr wächst, an dem wir arbeiten mussten. Über Nacht war sie in einem Wassereimer geparkt, und jetzt ist sie mit Bonsaierde, Herbstdünger und Mykorrhiza in einem Teichpflanzkorb.

Wann würdet ihr denn mit den Gestaltungsmaßnahmen an der Lärche beginnen?

LG
Steffi
Hippo
Freundeskreis
Beiträge: 4020
Registriert: 24.08.2019, 11:51
Wohnort: AR Vorderland

Re: Dolomiten-Lärche – Lohnt der Weg zum Bonsai?

Beitrag von Hippo »

Bonsette hat geschrieben: 17.10.2020, 12:45 Meinst Du damit, dass Du aus dem Rest über dem dritten Ast einen wilden Jin gestalten würdest?

Wann würdet ihr denn mit den Gestaltungsmaßnahmen an der Lärche beginnen?
Zum Ersten: Ja, aber nicht einen wilden Jin sondern einen wohlproportionierten Blitzeinschlag mit Jinspitzen, welche durch die Krone, nach Oben etwas herausblinzeln.

Zum Zweiten: Gestalten würde ich diese Lärche erst im Herbst 21 oder 22, wenn sie gut eingewurzelt in der Schale steht und sie über den Sommer gesund getrieben hat. Klar, die langen Schnäuze soll man ja schon zwischendurch zurückschneiden um die Triebwilligkeit möglichst weit Innen zu erhalten.

Gruss George
Grumpy old fat Kiboko.
Benutzeravatar
Bonsette
Freundeskreis
Beiträge: 1405
Registriert: 12.01.2013, 20:12
Wohnort: Nähe Teutoburger Wald

Re: Dolomiten-Lärche – Lohnt der Weg zum Bonsai?

Beitrag von Bonsette »

Am Wochenende waren nach den letzten Gartenarbeitswochen auch mal wieder einige Bonsai dran. Zum Beispiel startete die Erstgestaltung dieser Lärche, bei der ich mich bislang nie für irgendeine Form entscheiden konnte.
Zum Glück hatte ich Unterstützung von Thorsten, so dass es mir etwas leichter fiel, mich von manchen Ästen zu trennen.
Ich habe die Lärche nachher noch gedrahtet, aber nur leichte Biegungen durchgeführt und nichts gebrochen. Ohne etwas an den Wurzeln zu machen habe ich sie in einen größeren Topf gehoben und mit neuer Erde aufgefüllt.
Zwei mal hätte ich gerne einen Rückgängig-Button gehabt, aber nun finde ich das Ergebnis erstmal ok. In Zukunft muss ich versuchen, noch mehr Grün nach vorne zu bekommen, denn sie hat nur ganz oben zwei Vorderseitenäste. Sie ist jetzt 45cm hoch.
2021-03-30_.jpg
2021-03-30_.jpg (110.75 KiB) 1455 mal betrachtet

(Bei meinem Tempo wird Bonsai wohl immer nur ein Hobby zum Entspannen bleiben. Als ich die halbe Lärche bearbeitet hatte war Thorsten schon mit 7 Ulmen fertig, die jetzt alle eine schöne Grundform haben.)

LG
Steffi
Benutzeravatar
bock
Freundeskreis
Beiträge: 6141
Registriert: 25.02.2009, 14:20
Wohnort: EU, D, S-H (z.Z. Langenhorn)

Re: Dolomiten-Lärche – Lohnt der Weg zum Bonsai?

Beitrag von bock »

Moin Steffi,

Bonsai ist doch kein Wettrennen... ;)

Beim dritten Ast finde ich die Länge zu groß - der hintere (?) / obere Anteil würde mir für die Baumsilouhette ausreichen.
Möglicherweise liesse sich der längere (vordere (?) / untere) Anteil nach vorn umleiten, dann wäre auch das Fehlen eines Vorderseitenastes kaschiert.
Aber eventuell täuscht das Bild auch - zeig den Baum doch gern mal von allen Seiten!

:-D
liebe Grüße Andreas
Ein Leben ohne Bonsai ist möglich - aber völlig sinnlos! :faellen:
besucht mich auf flickr
Benutzeravatar
Thorsten1504
Beiträge: 2080
Registriert: 12.02.2014, 21:20
Wohnort: Münster /NRW

Re: Dolomiten-Lärche – Lohnt der Weg zum Bonsai?

Beitrag von Thorsten1504 »

Hi Steffi,

da ist ja dann noch einiges an Ästen gefallen...
bock hat geschrieben: 01.04.2021, 07:29 Beim dritten Ast finde ich die Länge zu groß
Da schließe ich mich mal an.

bock hat geschrieben: 01.04.2021, 07:29 Bonsai ist doch kein Wettrennen... ;)
Ne eigentlich mach ich ja Bonsai auch zur Entspannung, aber trotzdem kommt dann leider oft der Handwerker durch, der zügiges Arbeiten gewohnt ist.
Allerdings würde ich das sonst mit über 100 Bäumen auf dem Balkon und im Garten nicht schaffen...
Benutzeravatar
Bonsette
Freundeskreis
Beiträge: 1405
Registriert: 12.01.2013, 20:12
Wohnort: Nähe Teutoburger Wald

Re: Dolomiten-Lärche – Lohnt der Weg zum Bonsai?

Beitrag von Bonsette »

Vielen Dank für Deinen guten Vorschlag, Andreas!
Den dritten Ast kürzen oder etwas von seinem Grün nach vorne biegen ginge denke ich. Bei den noch vorhandenen Zweigen wollte ich zunächst abwarten welche kräftig genug treiben. Danach werde ich da sicher noch etwas dran machen.
Ich habe heute noch Bilder von anderen Seiten gemacht:
2021-04-01_0grad.jpg
2021-04-01_0grad.jpg (120.59 KiB) 1248 mal betrachtet
2021-04-01_45grad.jpg
2021-04-01_45grad.jpg (147.48 KiB) 1248 mal betrachtet
2021-04-01_135grad.jpg
2021-04-01_135grad.jpg (160.55 KiB) 1248 mal betrachtet
2021-04-01_180grad.jpg
2021-04-01_180grad.jpg (164.31 KiB) 1248 mal betrachtet
2021-04-01_225grad.jpg
2021-04-01_225grad.jpg (171.6 KiB) 1248 mal betrachtet
Thorsten1504 hat geschrieben: 01.04.2021, 21:08 Ne eigentlich mach ich ja Bonsai auch zur Entspannung, aber trotzdem kommt dann leider oft der Handwerker durch, der zügiges Arbeiten gewohnt ist.
Allerdings würde ich das sonst mit über 100 Bäumen auf dem Balkon und im Garten nicht schaffen...
Ok, dann hast Du auch mehr als doppelt so viele Bonsai wie ich. Aber keine Angst - im Garten schneide ich alles schon etwas schneller. :wink:

LG und schöne Ostertage!
Steffi
Arthur Dent
Beiträge: 284
Registriert: 12.10.2015, 21:05
Wohnort: Mitte/Nord

Re: Dolomiten-Lärche – Lohnt der Weg zum Bonsai?

Beitrag von Arthur Dent »

Heike_vG hat geschrieben: 17.10.2020, 11:01 Um die Hauptäste genügend am Ansatz absenken zu können, kann man sie dort ein wenig einschneiden und einen kleinen Keil reinstecken.
Wie muss ich mir das vorstellen?
Wenn ich einen Ast unter der Achsel einschneide und abspanne, presse ich den Schnitt wieder zusammen. Da ist dann kein Platz für einen Keil. Wenn ich auf der Astschulter einschneide entsteht ein breiter Spalt, in denn ich zwar einen Keil treiben kann damit aber das Kambium max.auftrenne?
Ist das dann so gewollt?
Gruß Arthur
Antworten