seit einigen Jahren stiller "Student" hier im Forum, habe ich mich nun entschieden mich anzumelden und nach und nach meine Bäume vorzustellen.
Ab 2012 habe ich begonnen mich intensiv (theoretisch) mit Bonsai zu beschäftigen. Bücher, Forumsbeiträge, Entwicklungsgeschichten und ganz besonders auch die Fachzeitschrift "Bonsai-Art", welche vornehmlich artspezifisch konsumiert habe. Ich konnte es nicht erwarten endlich loszulegen. Ab 2018, nachdem ich das Stadtleben hinter mir gelassen habe, bot sich endlich die Möglichkeit dazu.
Seit nunmehr 5 Jahren also pflege ich diverse Baumarten in verschiedenen Entwicklungsstadien (Yamadori bis relativ reifer Baum) und habe mir eine bescheidene "Sammlung" aufgebaut. Ich habe zahlreiche Workshops besucht und verbringe so ziemlich jede freie Minute mit dem Thema Bonsai. Man kann durchaus von einer Besessenheit sprechen :D. Langsam fühle mich gegenüber meinen Bäumen auch sicher - ich meine sie zu kennen, sie lesen zu können
Als Anfänger stellen sich für mich grundlegende Fragen, insbesondere für Zukunftsplanung meiner Bäume, welche sich durch kein Buch der Welt beantworten lassen. Auch zu Workshops kann man nicht jeden Baum mitschleppen. Außerdem fände ich es einfach schön mit gleichgesinnten im Austausch zu stehen, denn mit meiner Leidenschaft bin ich meist alleine :D. Deshalb möchte ich nun nach und nach meine Bäume (teilweise mit Entwicklungsgeschichte - sofern vorhanden) gerne in diesem unfassbar professionellem Forum vorstellen.
Losgehen soll es mit einem meiner "Problemkinder". Ich habe den Baum sehr günstig erstanden und im Laub gefiel er mir damals sehr gut (is klar-Anfängerfehler). Je mehr Erfahrung ich sammle, desto mehr "Fehler" werden m.E. sichtbar. Dennoch bereue ich den Kauf keineswegs, alleine wegen der Müller Schale hat sich die Anschaffung gelohnt. Mit Geduld und Fleiß wird was draus.
Aus meiner Sicht stellen sich folgende Schwierigkeiten dar:
- Keine oder kaum vorhandene Verjüngung, teilweise sogar negative Verjüngung.
- Viele unansehnliche Knubbel am Stamm, ganz besonders im oberen Drittel.
- Unschöne Verdickungen an den Ästen.
- Überhaupt keine Herarchie im Astaufbau. Teilweise sind die Spitzenäste stärker als die "Etagen".
- Alle Äste sind ohne nennenswerter Struktur bzw. ohne interessantem Wuchs
- Nebari naja aber über die Jahre sollte sich etwas daraus machen lassen.
Trotz all der schwächen, hänge ich an dem Baum. Das kennt Ihr bestimmt. Ich möchte also Versuchen ihn so gut wie es eben möglich ist, gestalterisch voran bringen.
Umgetopft wurde er im Spätsommer 22. Das hat er super vertragen und innerhalb kürzester Zeit zeigte er mir neues Wurzelwachstum. Außer Formschnitt gab es keine weiteren Eingriffe. Überwintert wurde geschützt bei max. -2 Grad. Er steht in einer Mischung aus Akadama, Bims, Kanuma und einer Hand voll Humus.
Leidig sind die derzeit tiefen Temperaturen und der anhaltende Sturm, weshalb der Austrieb noch nicht so richtig in die Gänge kommt. Nächste Woche soll es Nachts bis zu -7 Grad kalt werden. Da wandern alle wieder temporär ins Winterquartier. Das ist aber ein anderes Thema
Nun zu meinen Gedanken bzgl. des weiteren Vorgehens (Varianten):
1. Blattschnitt Ende Mai-Anfang Juni und schauen ob sich alternativen anbieten? Im nächsten Jahr dann Rückschnitt auf eventuell in stammnähe gebildete Triebe?
2. Absetzen des Stammes auf den sich anbietenden Ast im unteren Drittel des Baumes (siehe Markierung auf den Fotos). So ergibt sich zwar eine nicht unbedeutende Schnittstelle (ca 5-6cm) und ich werfe den Baum um einige Jahre zurück, aber zumindest könnte ich den Baum dann nach meinen Vorstellungen neu aufbauen und eine ordentliche Verjüngung erzielen. Zudem empfinde ich den Tausch von vielen unschönen Stellen gegen eine größere Schnittstelle durchaus vertretbar - zumal der Dreispitz ja gut wunden schließen kann.
3. Wie Punkt 3 jedoch vorab das obere Drittel, im Bereich der Verdickung, Abmoosen. Aus eins mach zwei. Könnte ein schöner Shohin Anwärter werden. Den neuen Stammfortsatz vorher bereits in die richtige Position bringen und durchtreiben lassen um Dickenwachstum aufzuholen. Sobald sich ausreichend Wurzeln an der Abmoosung gebildet haben, die Abmoosung trennen und den Stamm absetzen. Das wäre mein Favorit. Die Frage ist nur, ob die Abmoosung an dieser Stelle klappen kann? Offensichtlich wurde an der Stelle schon viel geschnitten = viel Kallus.
4. Einfach weiter entwickeln.
So, jetzt hoffe ich mal, dass ich Euch mit meinem Text nicht völlig überfrachtet habe und noch ausreichend Energie für eine Einschätzung bleibt :D... Würde mich freuen.
Grüße und habe die Ehre.
