Der von Martin S. dargebotene Laubbaum, befindet sich offenbar noch in der Entwicklung, was sich u.a. aus den teilweise gedrahtenen Aesten und der noch unpassenden Schale schliessen laesst. Die zwar harmonisch verteilten aber noch spaehrlich belaubten Laubpolster verstaerken diesen unfertigen Eindruck.zopf hat geschrieben: die freie Besenform im naturalistischen Stil.
Der leicht frei geschwungene, massive, breite Stamm, verfuegt ueber eine relativ starke Borkenbildung und zeugt im Gegensatz zu oben genannten von glaubwuerdigem Alter.
Dieses Gefuehl findet sich beim betrachten der unteren Stammhaelfte wieder, ein sich nach oben verjuengender, keilfoermiger Sharibereich erweckt den Eindruck von „schmerzlichen“ Erfahrungen und Gelebtheit.
Es ist bemerkenswert wie schoen sich dieser vewundete Bereich in seiner Ausrichtung und Lage in das Gesamtbild des Stammes einfuegt.
Insgesamt stellt sich dem Betrachter aber durch den genannten grossen Kontrast im „Zusammenspiel“ von Stamm und Krone eine starke Uneinigkeit im Charakter dar.
Obwohl in einem Punkt zunaechst durchaus eine Uebereinstimmung besteht wird das vorgegebene Thema von zopf mit diesem Baum nicht zufriedenstellend erfuellt.
Bei erster Betrachtung liegt es nahe den Baum formal spontan der Besenform zuzuordnen, da er zumindest in einem Teil ein wesentliches Merkmal, „viele, moeglichst gleichwertige Aeste entspringen dem Stamm aus einem Punkt." aufweist, und bei genauerer Betrachtung stellt sich die Form tatsaechlich als freie Besenform dar.
Die abgehenden, im 45 Grad-Winkel nach oben strebenden Aeste entpuppen sich als unterschiedlich dominante Nebenstaemme mit waagerecht angeordneten Primaer u. Sekundaeraesten. Auffaellig in diesem Zuge ist, wie der mittig angeordnete "Hauptstamm" den linken und rechten Kronenteil in gleichgrosse Segmente unterteilt.
Der Baum zeigt seine Unzulaenglichkeiten an die Forderung auf der (gefuehlsmaessigen) Ausdrucksebene.
Der Baum laesst insgesamt mehr von der klassischen Stilisierung als von der Abstraktion des Natuerlichen erkennen.
Der Gestalter hat sich im Wesentlichen auf die visuelle Gestaltungsebene beschraenkt und mit Sorgfalt ihre charakteristischen designerischen Aspekte, wie z.B. die erwaehnte Astanordnung und Flaechenaufteilung herausgearbeitet und eine stimmige Perspektive und korrekte Propotionen ( u.a. von Stamm und Krone, hier 1:2), angelegt.
Durch die Einhaltung der formalen Gestaltungsregeln wird zwar durchaus ein aesthetischer Eindruck geschaffen, aber das innere Wesen einer auf einer Plantage oder im Freistand gewachsenen Korkeichenidylle wurde mit dem bisherigen Gestaltungsweg nicht erfasst.
Vielmehr wird der Aussagekraft des Baumes durch die allzu grosse Symmetrie, speziell auch die Silhouette der Krone, die einem gleichschenkligen, ja sogar gleichseitigem Dreieck gleicht, eine naturalistisch anmutende Stimmung vollends entzogen.
