Herr Takeo Kawabe war der Headliner. Er war am Samstag nachmittags für eine Demo angesagt. Tatsächlich arbeitete er an einem riesigen Weltklasse-Wacholder, der vor einem Jahr FERTIGGESTELLT wurde. Er hatte den Baum ein Jahr lang in Frieden wachsen lassen. Eine ganze Stunde lang malte bloss Jinmitel auf das Totholz. Dann schnitt er eineinhalb Stunden den Neuzuwachs weg. Und fertig war der Baum. War er schon vorher. Ich denke, Herr Kawabe wollte durch diese NICHT-DEMONSTRATION etwas sagen:
Herkömmliche Demos sind Quatsch. Bäume werden ruiniert, der Künstler steht über dem Baum, das Publikum lernt das Falsche. Sollte man abschaffen.
Ich kann da nur zustimmen.
Am Sonntag war dann eine weitere Demo angesagt. Tatsächlich erschienen fünf Studenten der Kawabe Schule mit Kiefern in verschiedenem Entwicklungsstand. Vorgeführt wurde hauptsächlich, dass NICHTS gemacht wurde, oder sehr wenig. Es ist egal wie der Baum in der Entwicklung aussieht. Er muss nur gesund sein. Jede Kritik eines Baumes in der Entwicklung verbietet sich, wenn der Kritiker nicht weiss, was angestrebt wird. Das ist nämlich kaum sichtbar. Äste werden jahrelang dran gelassen , obwohl völlig klar ist, dass sie in der Endgestaltung nichts verloren haben.
Mehrere Punkte wurden immer wieder erwähnt:
- beachte die Natur
- gucke nicht in Bonsaibücher oder nach dem, was andere Künstler so machen, gucke nach natürlichen Bäumen
- nur runde Spitzen, niemals ein Dreieck
- keine horizontalen Äste mit Negativbereich. Alles herabhängende Äste wie an natürlichen Kiefern
- kein Leere an der Vorderseite. Die Vorderseite HAT MEHR ÄSTE ALS DIE Rückseite: Die Vorderseite ist zur Sonne geneigt und wächst deshalb besser
- vergiss das was so allgemein über Bonsaigestaltung gesagt und geschrieben wird
- mache so wenig wir möglich
- nimm dir Zeit, und wenn es Jahrzehnte dauert
Ein perfekte Lektion der naturalistischen Bonsaiphilosophie. Mir kam immer wieder vor, als hätte ich das alles schon einmal gehört .
