claudi hat geschrieben:
Es hat für uns Hobby- Bonsaianer nicht die Bedeutung, wie für einen Jungpflanzenbetrieb bei dem es um Millionen Pflanzen und ne Menge Asche geht.
Hallo Claudi.
In manchen Punkten stimme ich Dir zu, in anderen nicht.
Der zitierte Satz ist in meinen Augen eben der wichtigste Deiner Ausführungen.
Die meisten machen das hier aus Hobby, nur wenige züchten ihre Bonsai selber (das sind dann die Baumschulen), um ne Menge Asche geht es zwar bei manchen auch, aber das sind wenige.
Und gerade jugendliche Anfänger verschreckt man mit der Annahme Bonsai müsse unbedingt Unsummen verschlingen. Für Wundpaste, für Desinfektionsmittel, für teures Werkzeug.
Ich sehe das realistisch:
In Monokulturen gebe ich Dir recht.
Aber Bakterien und Viren sind auch meist wirtspezifisch, wie pilzliche Erreger und Insekten. Allerdings gibt es bei Viren breite Streuungen, wie z.B. beim Tabak-Mosaik-Virus (mehrere hundert Wirte). Dafür sind manche Viren überhaupt nicht mechanisch übertragbar.
Wenn ich also einen potenziell befallenen Baum schneide und danach eine andere Gattung schneide (z.B.: Linde, Wacholder), dann dürfte wohl eher wenig passieren.
Fragen würde ich dann auch in diesem Zusammenhang, wie lange so ein Virus oder ein Bakterium auf "Messer's Schneide" (

) lebensfähig ist.
(als Beispiel habe ich auf die schnelle nur HIV gefunden: 60sec. an der Aussenwelt, hier:
http://www.med1.de/Forum/HIV/175720/)
Die Infektion mit Viren und Bakterien durch Insekten ist doch weitaus größer.
Ich sehe den Pflanzenschutz bei weitem nicht "blauäugig", ich versuche nur eine Verhältnismäßigkeit herzustellen.
Unter Glas und in Monokulturen mag' ich Dir recht geben, aber nicht bei Lieschen Müller im Garten hinterm Haus. Das ist mir zu unwahrscheinlich:
Und hier noch ein paar Zitate aus dem unten angeführten Buch über Phytopathologie:
S. 74:
"Um nach mechanischer Verwundung
Läsionenzu erzielen, scheint im Gegensatz zur systemischen Infektion eine große Anzahl von [Virus-]Partikeln im
Inokulumnötig zu sein. [...]"
S. 75f:
"Der Ernährungszustand der Pflanzen hat ebenfalls einen großen Einfluß auf den Infektionserfolg und die Virusausbreitung. Pflanzen, die unter optimalen Bedingungen gezogen wurden, sind im allgemeinen anfälliger als solche, die unter reduzierten Bedingungen gehalten wurde."
=> Das hat auch mich gewundert, aber es scheint so, daß nicht optimal wachsende Pflanzen mehr Energie zur Verteidigung zur Verügung stellen und dann wird es wieder logisch.
Zitate aus: E. F. Elstner, W. Oßwald, I. Schneider; Phytopathologie
Auch das hier ist ein interessanter Link zum Thema Viren:
http://www.biologie.uni-hamburg.de/b-online/d35/35.htm
Sicher, eine gewisse Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen, Bakterien sind gefährlicher als Viren. Aber Bakterien sind auch bekämpfbar, Viren nicht.
Zuletzt ein Tipp: Immer im gesunden Holz schneiden, dann findet auch keien Übertragung statt....
Gruß
Holger
"The mind is like a parachute. It doesn't work unless it's open."
- Frank Zappa -