Verzärtelte Bäume und Pflegestress ?

Spezielle Baumpflege z.B. düngen, umtopfen, Erden, ein- und auswintern, Pflanzenschutz
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Bergi
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Verzärtelte Bäume und Pflegestress ?

Beitrag von Bergi »

Liebe Bonsaianer,

Bonsais haben mich seit vielen Jahren gewissermaßen als "platonisches Hobby" gepackt. "Platonisch" deswegen, weil es mir meine beruflichen Reisen, meine Familie und meine anderen Hobbies einfach nicht erlauben, jeden Tag zuverlässig ein paar Stunden mit der Brause um meine Bäumchen herumzuspringen. Trotzdem bleibe ich dem Thema treu, einerseits lesend in diesem Forum, als baum-interessierter und reisender Biologe und staunend vor der tollen Sammlung eines Bekannten, andererseits aber auch "ein bisschen aktiv" als Gestalter unserer paar Zimmerbäume (Ficus, Annona, Guave), als Töpferer (eines meiner konkurrierenden Hobbies) und ab und zu auch als "In-Obhut-Nehmer" von Zufalls-Yamadoris (einen davon hatte ich hier schon mal vorgestellt).

So ein Zufalls-Yamadori war auch der Spitzahorn, den mein Sohn vor drei Jahren vom Pausehof der Grundschule anschleppte. Irgendein Mitschüler hatte ihn aus einer Pflasterritze gerissen, und mein empörter Youngster steckte ihn prompt in einen herumstehenden Pot auf unserer Terrasse. Von der Gestaltung etc. her ist er wohl nicht besonders der Rede wert (dazu muss man wissen, dass ich bei diesem speziellen Baum das Thema "Schneiden" nicht mal in den Mund nehmen darf... Aber was mich schon fasziniert, ist die Härte dieses Baums: er steht meistens in der Sonne auf unserer Terrasse, wird extrem unregelmäßig mitgegossen und während des Urlaubs an einer schattigen Stelle ins Gras gesetzt. Dennoch macht sich das Bäumchen, treibt ein bisschen, hat kaum Ungeziefer, bringt inzwischen ganz nette kleine Blätter...

Es mag sein, dass bestimmte Ahorne einfach hart im Nehmen sind - aber darauf wollte ich hier eigentlich nicht hinaus - dieser Baum ist nur exemplarisch gemeint. Was mich immer wieder ins Grübeln bringt, ist die Diskrepanz zwischen den trockenen und kargen Bedingungen, denen gerade der typische bonsai-taugliche Yamadori in der Natur ausgesetzt ist, und dem extremen Pflegeaufwand, dem er dann als Bonsai unterzogen wird. Besonders was das Substrat angeht, springt mir da ein Widerspruch ins Auge: Yamadoris stehen oft in steinhart gebackenem Lehm (der aber natürlich auch recht lange Wasser speichern kann); der Standard-Tipp für Bonsaisubstrat ist aber "durchlässig", typischerweise in Kombination mit "zweimal täglich überbrausen"...
In diesem Zusammenhang grüble ich auch über den Ursprung der Techniken: ist gerade in Japan aufgrund des humiden Klimas der Gieß-Aufwand geringer, entspricht verhärtetes Akadama wieder dem natürlichen Lehm-Standort und entlastet den Pfleger?

Hintergrund meiner Diskussionsanregung ist die Beobachtung, dass viele Leute (mich inklusive) sich nur sehr reduziert mit Bonsai befassen, weil sie das "andauernde Gießen" einfach nicht gewährleisten können. Geht es vielleicht auch in vielen Fällen anders?
(Mich erinnert diese Fragestellung etwas an die Aquaristik, bei der gerne pauschal "möglichst häufiger Wasserwechsel" empfohlen wird. Eine häufige und fatale Folge davon sind Blaualgenprobleme, die vielen Anfängern dieses Hobby gründlich verleiden. Ein sanfteres, low-tech Herangehen bringt da extreme Vorteile).

Mich hätten eure Erfahrungen mit "Minimal-Pflege-Ansätzen" extrem interessiert, und vielleicht stehe ich da auch nicht alleine da.

Viele Grüße,
Stefan

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Kränzle S.
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Beitrag von Kränzle S. »

Hallo Stefan,

durchläßiges Substrat garantiert Platz für die Wurzeln und es garantiert, dass sich Feuchtigkeit nicht staut.
Bei durchläßigem Substrat muß, ja es soll sogar oft gegoßen werden weil nur durch das Wasser, Sauerstoff und Nährstoffe in einem gewissen Optimum an die Wurzeln gelangen und im Gegenzug auch unverbrauchte Salze ausgewaschen werden.
Außerdem sind unsere Bäume hauptsächlich in flachen Schalen mit ziemlich großer Oberfläche, wodurch selbstverständlich die Verdunstung der Feuchtigkeit im Substrat intensiver ist als bei im Ø kleineren und tieferen Pflanzgefäßen.
Dein Bäumchen ist schön, aber was würde denn passieren wenn du die Schale wechselst in eine, die zwei Drittel flacher und die Hälfte breiter wäre? Würde dann das sporatische Gießen was du beschreibst noch ausreichen? Ich denke nicht. *nee*

Sicherlich kann man auch sagen: " die übertreiben es" und es würde bestimmt auch anders gehen, ob so gut sei dahingestellt, aber wenn ich ehrlich bin, will ich es sogar übertreiben und ich bin mir sicher es geht meinen Bäumen gut.
Ist aber bestimmt eine Sache der eigenen Einstellung.

Verhärtetes/ verdichtetes Akadama entlastet den Pfleger nicht, im Gegenteil ist es sehr schlecht wieder feucht zu bekommen wenn es einmal trocken ist und es belastet das Wurzelwachstum und somit den gesamten Baum.
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Heike_vG
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Beitrag von Heike_vG »

Hallo, Ihr zwei Stefans,

man kann die Substratmischung in gewissen Grenzen auch dem realisierbaren Gießaufwand anpassen.
Wenn man den Humusgehalt etwas höher wählt, hält das Substrat das Wasser länger.
Bei schönen, flachen Schalen, wenigstens mittlerer Größe und halbschattigem Standort können die Bäume dann ggf. im heißen Sommer mit einmal Gießen am Tag zurecht kommen. Bei vielen Berufstätigen ist das die Realität.

Dass ein Bonsai aber im Sommer tagelang ohne Pflege bzw. vor allem Gießen auskommt, ist unrealistisch.

Manche Yamadori-Sammler halten nichts davon, ihre Bäume, die vielleicht jahrhundertelang in der harten Natur der Berge überlebt haben, hinterher im Garten mit viel Dünger zu füttern.
Andererseits kann nur ein gesunder, starker Baum belastende Gestaltungsmaßnahmen schadlos hinnehmen.
Was er am Ursprungsort vielleicht für Strapazen überlebt hat, wird man ihm später nicht weiterhin zumuten, weil es für die Bonsaiform auf jeden Ast und Zweig ankommt und nichts dem Zufall überlassen werden soll.

Generell denke ich, dass Bonsai mit minimalem Pflegeaufwand nicht wirklich zu betreiben ist. Da ist das Überleben der Pflanzen Glückssache.
Es ist in meinen Augen ein Hobby für "ganz oder gar nicht", entweder man kann die Pflege - vielleicht mit einer organisierten Unterstützung durch einen Bonsaifreund - leisten, oder man lässt es besser.

Viele Grüße,

Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

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Kränzle S.
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Beitrag von Kränzle S. »

Heike_vG hat geschrieben:Hallo, Ihr zwei Stefans,

man kann die Substratmischung in gewissen Grenzen auch dem realisierbaren Gießaufwand anpassen.
Wenn man den Humusgehalt etwas höher wählt, hält das Substrat das Wasser länger.
Bei schönen, flachen Schalen, wenigstens mittlerer Größe und halbschattigem Standort können die Bäume dann ggf. im heißen Sommer mit einmal Gießen am Tag zurecht kommen. Bei vielen Berufstätigen ist das die Realität.
Ja klar Heike, mach ich ja genau so. :D
Generell denke ich, dass Bonsai mit minimalem Pflegeaufwand nicht wirklich zu betreiben ist. Da ist das Überleben der Pflanzen Glückssache.
Es ist in meinen Augen ein Hobby für "ganz oder gar nicht", entweder man kann die Pflege - vielleicht mit einer organisierten Unterstützung durch einen Bonsaifreund - leisten, oder man lässt es besser.
*clap* *clap*
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Bergi
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Beitrag von Bergi »

Hallo Heike und Stefan (noch einer...),

Es freut mich sehr, dass ihr euch so schnell gemeldet habt - und ich hätte Lust, noch ein bisschen zu dem Thema zu diskutieren (ich alter Widerspruchsgeist).

Mir scheinen "durchlässiges Substrat" und "Lehm" ziemliche Schlüsselthemen zu sein. Wichtig dazu ist ja mal die Feststellung, dass quasi alle Bäume in Lehm wurzeln bzw. unter fast jeder Humusschicht Lehm ansteht (mal von Sandgruben, Felsen oder Mooren abgesehen). Dazu gibt es eine schöne Betrachtung von (glaub so heißt er) Kiko Dancer "Building an Earth Oven" (im Internet frei zugänglich). Ich hab unten mal ein Bild von unserem "Erdofen" angehängt, wie er schon seit ein paar Jahren bei uns rumsteht - wohlgemerkt, nur aus dem Lehm gebaut, der eben bei uns (und den meisten Menschen dieser schönen Welt) ein paar Zentimeter unter dem Rasen sitzt.

@Stefan: du schreibst
"durchläßiges Substrat garantiert Platz für die Wurzeln und es garantiert, dass sich Feuchtigkeit nicht staut. "
Etwas ketzerisch möchte ich die Gegenthese hinstellen, dass viele Bäume aus Gründen des Wasserspeichervermögens in der Natur überhaupt nur auf lehmigem Boden wachsen können.
"was würde denn passieren wenn du die Schale wechselst in eine, die zwei Drittel flacher und die Hälfte breiter wäre?"
Wieder scheint mir "Lehm" der springende Punkt; in einer flachen Felstasche, die nur mit durchlässigem Substrat gefüllt ist, überlebt kein Baum, mit entsprechender Lehmbeimischung könnte ers packen.

@Heike: du implizierst, dass "durchlässiges Substrat und häufiges Gießen" einfach besser sind und dass daher andere Ansätze unnötig das Leben des Baumes gefährden und nicht vertretbar sind. Andererseits haben die Bäume natürlich eine gewisse Plastizität und passen sich z.B. mit der Blattgröße an das Wasserangebot an. Trimmt man sie jetzt auf "viel Wasser", erzeugt man einen anfälligeren Zustand.
Und - wieder ketzerisch - ich könnte mir vorstellen, dass im Ganzen mehr Bonsais vertrocknen als an lehmigem Substrat eingehen - ?

Habt ihr vielleicht Beispiele/Fotos auf Lager, bei denen Bäume durch lehmiges Substrat eingegangen oder geschädigt worden sind? (gestern hatte ich ja nach "Minimalisten-Beispielen" gefragt - das wäre natürlich noch schöner...).
Gruß,
Stefan
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Andreas Ludwig
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Beitrag von Andreas Ludwig »

Bergi - du klammerst irgendwie das allerwichtigste aus: Ein Topf ist in erster Linie eine massive Reduktion, soar wenn du ihn mit Felsspalten vergleichst. Kein natürlicher Standort kann isoliert betrachtet werden, wenn man sich die «Bodenphysik» anschaut. Felsspalten sind über weitere Ritzen verbunden, es staut sich irgendwo Wasser, eine «Grundfeuchtigkeit» ist da, eventuell auch als Morgentau etc.

Ein Topf auf einem Brett dagegen ist ziemlich isoliert und muss darum dauernd «nachjustiert» werden. Versuche ruhig, alternative Methoden der Bonsaihaltung zu entwickeln. Die Wahrscheinlichkeit ist aber gross, dass du irgendwann bloss feststellst, dass ein Rad mit Vorteil rund ist...
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Heike_vG
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Beitrag von Heike_vG »

Hallo Bergi-Stefan,

ehrlich gesagt sehe ich keine besondere Veranlassung, diese grundlegenden Dinge der Bonsaipflege, die sich in jahrelanger Erfahrung bewährt haben, in Frage zu stellen.

Klebriger Lehm in einer Bonsaischale ist etwas ganz anderes als im Freiland. Probiere es ruhig aus.

Ich mache seit ca. 26 Jahren Bonsai und habe in dieser Zeit viele verschiedene Erden und Substrate ausprobiert. Da ich als Teenager mit untauglicher Literatur und wenig Geld alleine mit meinem Hobby war, habe ich Freilanderde anfangs auch hin und wieder benutzt, immer mit schlechtem Resultat. Die Bäume sind zwar nicht sofort eingegangen, haben aber häufig gekränkelt, geringen Zuwachs gehabt, Wurzel- und Astteile absterben lassen.
Mit gekauften Bonsaierden, die vor allem aus Humus und Sand bestanden, waren die Ergebnisse etwas besser.
Dann kam Akadama auf und ich stellte fest, dass es pur verwendet auch erhebliche Schwierigkeiten machen kann.
Mit den modernen Substratmischungen, die sehr schnell trocknen, bei kleinen Schalen im Sommer auch schon mal dreimal täglich gewässert werden müssen, entwickeln sich die Bäume am besten.
Die Wurzeln werden durch das schnelle Abtrocknen und häufige Gießen gut belüftet und machen ein exzellentes Wachstum, das sich dann auch oberirdisch bemerkbar macht.

Ketzerisch oder nicht, es ist wohl von uns hier nicht abschätzbar, woran die meisten Bonsai welt- oder deutschlandweit zu Grunde gehen.
Ich kann mir schon denken, dass mindestens so viele an Staunässe sterben, wie an Trockenheit. Im Basics-Bereich des BFF bekommt man jedenfalls diesen Eindruck...

Bei mir gehen allerdings höchst selten überhaupt mal Bäume zu Grunde. Und ich möchte keine kränkelnden, schwach wachsenden Bäume haben, sondern optimal versorgte, gesunde, widerstandsfähige.
Das kann ich von meinen Bonsai guten Gewissens behaupten.

Dass es nicht vertretbar wäre, etwas anders zu machen als ich z.B., habe ich nie behauptet.
Ich behaupte nur, dass eine dauerhafte, erfolgreiche (im Sinne von Baum gesund und in Form gehalten) Bonsaihaltung ohne ein Minimum an Pflegeaufwand (was in der warmen Jahreszeit tägliches Gießen bedeutet) nicht machbar ist.

Viele Grüße,

Heike
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Andreas Ludwig
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Beitrag von Andreas Ludwig »

Bergi hat geschrieben:Andererseits haben die Bäume natürlich eine gewisse Plastizität und passen sich z.B. mit der Blattgröße an das Wasserangebot an. Trimmt man sie jetzt auf "viel Wasser", erzeugt man einen anfälligeren Zustand.
Dazu noch gesondert: Irrtum. Bäume haben eine Bandbreite der möglichen Entwicklung, etwa wie Fische (grosse Goldfische, kleine Goldfische - je nach Raum- und Nahrungsangebot) oder in viel geringerem Mass auch Menschen (Europäer sind im Schnitt ein Stück grösser als etwa Nordkoreaner - proteinreiche Nahrung). Glaube aber bloss nicht, dass die kleinen zäher und gesünder sind und die grossen verzärtelt und schwächer. Das Gegenteil ist der Fall, Optimum ist Optimum.
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Heike_vG
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Beitrag von Heike_vG »

Es ist auch ebenfalls ein Irrtum, dass die Bäume, die in durchlässigem Substrat stehen und deswegen oft gegossen müssen, dadurch besonders viel Wasser bekommen.
Es fließt ja im Gegenteil das meiste Wasser aus dem Substrat sofort wieder heraus und das Substrat trocknet schnell wieder.

Bäume in lehmigem Substrat stehen lange mit nassen Wurzeln ohne zu trocknen und sind daher dauerhaft bei zu viel Wasser gehalten. Hierdurch wird der anfällige Zustand erzeugt.
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Bergi
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Beitrag von Bergi »

Herzlichen Dank für Eure Antworten !

Ich möchte gleich noch mal betonen, dass ich viel zu wenig Erfahrung in der Baumpflege habe, um Bewährtes ernsthaft in Frage zu stellen oder "das Rad neu zu erfinden".
Beweggrund für mein"Rumgelehme" ist eigentlich nur folgender simpler Gedankengang:

"Möchte gerne mehr mit Bonsais machen & kenne viele Leute, die sich auch interessieren würden" - "Warum tust dus dann nicht?" - "Ich kann einfach nicht so häufig gießen" - "Hmmmm, in der Natur gießt doch auch keiner ständig" - "Tscha, die Natur ist eben die Natur" - "Hmmm, das ist aber ein bisschen sehr pauschal :? " - "In der Natur haben die Bäume viel mehr Platz im Boden" - "Hmmm - Gegenbeispiel Felsspalten und Pflasterritzen" - "So ein typischer Pflasterritzenboden ist aber auch ganz anders als das Substrat, das im BFF meistens empfohlen wird" - " :idea: das ists - wir brauchen was, das genausogut Wasser speichert, wie der typische Yamadoristandortboden, dann müsste es eigentlich gehen".

Kurz gesagt: die Suche nach :arrow: pflegeleichteren Modellen.

Ich hatte schon mal die Aquaristik angesprochen. Da hat sich in den letzten paar Jahren eine eigene Richtung herauskristallisiert, die sich durch minimalen Technikeinsatz und reduzierten Wasserwechsel bei geringem Tierbesatz auszeichnet. Diese "Alternativaquaristik" gab es quasi schon immer in Einzelansätzen, wurde aber vielleicht erst durch das Internet besser zusammengefasst und verbreitet. Ohne Gezänk ging es dabei nicht ab: die "Naturaquaristik" wurde und wird als "Altwasserpanscherei" und "Bakterienzucht" beharkt, inzwischen stehen aber beide Richtungen recht harmonisch nebeneinander, jeweils mit ihren optimalen Anwendungsbereichen.
Ich war jetzt natürlich neugierig, ob es solche Alternativansätze auch im Bereich der Bonsaipflege gibt, und entnehme euren Antworten bisher, dass in diese Richtung eher wenig (vielleicht aber auch nur extrem erfolglos) gearbeitet wurde.

Insofern werde ich weiter Augen und Ohren offen halten, selbst herumexperimentieren - und natürlich über die Ergebnisse berichten.

Noch ein Punkt @Andreas:
Irrtum. Bäume haben eine Bandbreite der möglichen Entwicklung, etwa wie Fische (grosse Goldfische, kleine Goldfische - je nach Raum- und Nahrungsangebot) oder in viel geringerem Mass auch Menschen (Europäer sind im Schnitt ein Stück grösser als etwa Nordkoreaner - proteinreiche Nahrung). Glaube aber bloss nicht, dass die kleinen zäher und gesünder sind und die grossen verzärtelt und schwächer. Das Gegenteil ist der Fall, Optimum ist Optimum.
Pflanzen passen sich den Standortfaktoren an (z.B. weniger Spaltöffnungen bei Trockenheit), was der Grund dafür ist, dass ein Findling nach dem Umpflanzen z.B. plötzlich größere Blätter schiebt. Diese größeren Blätter kippen aber leichter um, wenn das Wasserangebot schwankt; das habe ich hier, sicher nicht ganz glücklich, mit "anfällig" oder "verzärtelt" bezeichnet.
Du sprichst hier vom "physiologischen Optimum" der Standortfaktoren, das sich vor allem durch maximale Wuchsgröße und -geschwindigkeit bemerkbar macht. In der Natur lebt eine Pflanze aber immer im Bereich des "ökologischen Optimums", welches davon ziemlich verschieden sein kann (z.B. die berühmte Kiefer im Moor, im Sand oder auf dem Felsen). Ich könnte jetzt bei der Bonsaipflege ja versuchen, mich im Bereich des ökologischen Optimums zu bewegen, und dabei bewusst auf Maximalzuwächse verzichten. Damit tue ich der Pflanze noch lange keine Gewalt oder Nachlässigkeit an.

@Heike: Zur Substratwahl: du schreibst von Gartenerde - das ist für mich eher so was schwarzbraunes, humusreiches, in dem immer noch Zersetzungsvorgänge ablaufen. Als Lehm bezeichne ich eher das hellbraune, in dem kein Humus mehr vorkommt, auch kaum noch Regenwürmer (nur noch Baumwurzeln... :wink: ). Dann ist für dich Lehm ganz schnell "nasser Lehm" - man kann aber doch auch zurückhaltend gießen? Klar wird das dann leicht hart, aber Baumwurzeln sind doch im Sommer typischerweise in hartes Substrat eingebacken, oder?

Ich hoffe, man nimmt mir hier meine Diskutiererei und mein unausgegorenes Geschreibsel nicht allzu krumm,
Gruß,
Stefan
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Andreas Ludwig
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Beitrag von Andreas Ludwig »

Bergi hat geschrieben:Ich könnte jetzt bei der Bonsaipflege ja versuchen, mich im Bereich des ökologischen Optimums zu bewegen, und dabei bewusst auf Maximalzuwächse verzichten. Damit tue ich der Pflanze noch lange keine Gewalt oder Nachlässigkeit an.
Ja gut - in welchem «ökologischen Optimum» denn? Welche Ökologie ist «die Richtige»? Deine Wahl, QED.

Das mit dem Maximalzuwachs ist Alltagswissen. Kein Bonsaigestalter behandelt Jungpflanzen gleich wie reife Bäume. QEE (expectandum, zu erwarten).

«Gewalt und Nachlässigkeit» sind typische Termini aus der Bezugswelt des Homo sapiens. Sie führen zu «Wut, Betroffenheit und Enttäuschung» und zu weiteren Diskussionen. Bäume dagegen «sind» einfach. Die haben weder Papst noch Beck, weder Kant noch Sloterdijk. Entweder musst darum viel mehr und viel schneller denken oder dich nach den Bäume richten... QER (respectandum, zu beherzigen).
:wink:
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Bergi
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Beitrag von Bergi »

Ähem - eigentlich hatte ich das eher naturwissenschaftlich-technisch als philosophisch aufgefasst, aber auch ein interessanter Schwenk...

Zu den Grundlagen: Eine Kiefer hat ihr physiologisches Optimum auf "normalem, fruchtbarem" Substrat. Auf diesen Standorten wird sie aber von anderen Pflanzen verdrängt, deswegen erreicht sie ihre höchsten Bestandsdichten auf trockenen oder sauren Extremstandorten (=ökologisches Optimum). Dieses "Ausweichen" wird ihr durch ihre Anpassungsfähigkeit (phänotypische Plastizität) ermöglicht.

Zu "Gewalt" und "Nachlässigkeit": Einem Tier würde ich Gewalt antun, wenn ich es (zu weit) außerhalb seines physiologischen Optimums pflegen würde, weil es diese Plastizität nur in viel geringerem Grade besitzt (man sieht, dass du kein Aquarianer bist) :P :
eine Bandbreite der möglichen Entwicklung, etwa wie Fische (grosse Goldfische, kleine Goldfische - je nach Raum- und Nahrungsangebot)
nee, nee, das is nich... *nono* (ganz zu schweigen von Menschen).
Nachlässigkeit hieße für mich einfach, durch mangelnde oder falsche Pflege Schäden oder Verlust einer Pflanze oder eines Tieres in Kauf nehmen.

Aber zum Technischen: wie würde man denn typischerweise das Substrat eines älteren Baumes gestalten, etwa mit mehr (ich traus mich kaum noch zu schreiben) Lehm und dafür mit weniger gießen?

Gruß,
Stefan
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Heike_vG
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Beitrag von Heike_vG »

Bergi hat geschrieben:@Heike: Zur Substratwahl: du schreibst von Gartenerde - das ist für mich eher so was schwarzbraunes, humusreiches, in dem immer noch Zersetzungsvorgänge ablaufen. Als Lehm bezeichne ich eher das hellbraune, in dem kein Humus mehr vorkommt, auch kaum noch Regenwürmer (nur noch Baumwurzeln... :wink: ). Dann ist für dich Lehm ganz schnell "nasser Lehm" - man kann aber doch auch zurückhaltend gießen? Klar wird das dann leicht hart, aber Baumwurzeln sind doch im Sommer typischerweise in hartes Substrat eingebacken, oder?
Hallo Stefan,

Gartenerde habe ich glaube ich nicht geschrieben, sondern Freilanderde. Da habe ich eher lehmiges Zeug aus dem benachbarten Acker genommen.
Ich habe aber alles mögliche versucht, wobei die Gartenerde bei meinen Eltern noch besonders unfruchtbar war.

Ja, auch für mich ist Lehm das hellbraune oder hellgraue schmierige Zeug.
Wenn Du einen Baum längere Zeit in trockenem, hartem Lehm stehen lässt, ändert es nichts daran, dass er zu lange braucht, um nach dem Gießen zu trocknen. Bevor er trocken wird, ist er lange Zeit nass.
Der Wechsel zwischen zu nass und zu trocken tut einem Baum in der Schale gerade gar nicht gut.

In trockenen Lehm dringt das Wasser außerdem kaum ein. Bis ein trockener Lehmballen wieder durch und durch gewässert ist, hat man eine Weile zu tun. Da es kaum nachprüfbar ist, ob in jeden Winkel des Ballens Wasser gelangt ist, ist es ein reines Glücksspiel, welcher Teil der Wurzeln ersäuft und welcher vertrocknet.
Da kann mancher ein Lied von singen, wenn er einen chinesischen Billigbonsai gekauft hat, der in solch einem grauen Lehmbatzen steht.

Bonsai sind auf den Lebensraum ihrer kleinen Schale begrenzt, während große Bäume in der Natur ihre Wurzeln in die Richtungen durch das Erdreich wachsen lassen können, wo sie brauchbare Bedingungen finden.
Daher sind solche Vergleiche in meinen Augen nicht wirklich passend.

Viele Grüße,

Heike
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Beitrag von Andreas Ludwig »

Heike - dem ist langweilig. Der meint das nicht wirklich ernst, denke ich. Spätestens beim «Nee, nee das is nich» wird das doch klar...
*troll*
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Beitrag von Heike_vG »

Wie wahr... :wink: *muede* *closed*
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