Es kommt der Tag, da will die Säge sägen...

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Reiner
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Es kommt der Tag, da will die Säge sägen...

Beitrag von Reiner »

...hieß es im Ruhrpottfilm "Jede Menge Kohle" so schön.
Hallo Freunde,
die Ferien hatten gerade angefangen, die Kinder haben sich in den Urlaub verabschiedet, da war dann die Zeit gekommen, mit der Totholzgestaltung meiner fetten Thuja zu beginnen. Da es mir am Wochenende nicht vergönnt war, den penibel gepflegten Putz`schen Rasen platt zu latschen :wink: , habe ich diesen Bericht vorbereitet.
Mein Lieblingsnachbar fragte noch, als er durch martialischen Kettensägenlärm, aus seiner sommerlichen Nachmittagsruhe gescheucht wurde: "Watt veranstaltes`Du denn jetzt schon wieder?" "Ich habe ein Sommerloch zu füllen", antwortete ich ihm. Kopfschüttelnd legte er sich wieder hin. Der gute Mann konnte ja nicht wissen, daß ich das Sommerloch in unserem Forum meinte, wo ich mal wieder eine längere Geschichte machen wollte :wink: . Aber keine Sorge, der Nachbar mäht seinen Rasen auch nur, wenn ich eine besonders lange Nachtschicht hinter mir habe. Der Mann besitzt den lautesten Rasenmäher im ganzen Ort :x .

Alles begann damit, daß mich unser kanadischer Freund, Reiner Goebel besuchte. Am Abend kam dann der Dortmunder AK hinzu und Reiner hat eine äußerst interessante Diavorführung, über die kanadischen Bonsai gezeigt. Mancher von Euch kennt ja schon die nordamerikanischen Thujayamadoris. An dem Abend sah ich diese zum ersten Mal und bekam die Kinnlade gar nicht mehr hoch. So eine mußte ich einfach auch haben. Nun zeichnet sich das für uns verfügbare Material dieser Art vor allem durch langweilige, kerzengerade gewachsene Heckenpflanzen aus. Interessantes Material gibt es nicht. An diesem Punkt kam dann wieder der oben genannte Nachbar ins Spiel. In seinem Vorgarten standen einige hohe Bäume, die weg sollten. Darunter eine fünf Meter hohe Thuja und eine ebensogroße Eibe. Mit Hilfe der freiwilligen Feuerwehr, hatten wir ruckzuck die Bäume aus dem Boden gezogen. "Du das Brennholz, ich die Wurzeln", hatte ich dem Nachbarn gesagt, schnitt die Bäume auf einen Meter ab und nahm sie mit. Was war der Mann glücklich :wink: .
Beide Bäume kamen nun für zwei Jahre ins Anzuchtbeet.
Letztes Jahr im Frühling war zumindest die Thuja so weit, daß sie in eine Schale konnte (Nebari 42cm). Mein Kreuz war zu dieser Zeit wieder einmal völlig durch, so hat die Eintopfarbeiten der Kevin übernommen.
Er hat das mit seinen 14 Jahren perfekt hinbekommen.
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Fertig eingetopft.
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Zum Transport dieses Riesentrümmers ist die Schubkarre bestens geeignet
Zum Transport dieses Riesentrümmers ist die Schubkarre bestens geeignet
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Im Anzuchtbeet hat Kevin schon die Wurzeln ausgekämmt. Toller Wurzelballen!
Im Anzuchtbeet hat Kevin schon die Wurzeln ausgekämmt. Toller Wurzelballen!
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Reiner
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Beitrag von Reiner »

Auf dem unteren Bild sieht man den ersten Rückschnitt. Es blieb nur die Benadelung am Baum, die für eine Gestaltung zu gebrauchen war. Alles andere war zu weit vom Stamm entfernt. Auf dem Bild ist auch noch der Austrieb der rechten Seite zu sehen. Der war auch nicht zu gebrauchen.
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Reiner
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Beitrag von Reiner »

Hier sieht man nun, wie ich das Totholz anlegte. Die trockene Rinde wurde mit einer Zange gepackt und in kleinen Stücken nach unten gezogen. Dadurch trockneten diese Bereiche Stück für Stück aus und ich konnte einigermaßen vorsichtig das Totholz anlegen. Es dauerte ein Jahr, bis der Baum nur noch seine brauchbaren Saftbahnen hatte.
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Reiner
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Beitrag von Reiner »

Oh je, oh je :oops: :oops: :oops: Wenn jetzt über dem großen Teich ein guter Freund sich das hier anschaut, der wird bestimmt vor Schreck umfallen (tief durchatmen, Reiner :wink: ).
So sah sie nun aus, meine Trümmerthuja. Man könnte jetzt wohlwollend sagen, sie hat sich halt ein wenig nackig gemacht :oops: .
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Reiner
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Beitrag von Reiner »

Was macht man nun mit so einem Schreckgespenst?
Ja klar: SÄGEN
Das ganze dann aber bitte mit etwas Stihl :wink: .
Dieser Tag sah so aus:
Zwei Stunden intensive Feinarbeit mit der Kettensäge.

Erst einmal einen schönen Kaffee. Der Nachbar dachte nun: Gott sei Dank, endlich ist Ruhe :twisted: :twisted: :twisted: :twisted: .

Zwei Stunden Fräsarbeiten mit der Oberfräse.

Noch einmal einen schönen Kaffee. Der Nachbar hat sich zwischenzeitlich überlegt, daß Barbara Salesch auch entspannend ist :lol: :lol: :lol: .

Zwei Stunden Fräsarbeit mit der Dremel. Dafür habe ich einen schönen groben Doppelfräser, der gut was weghaut.

Noch einmal.... ach Mist, ich muß zur Arbeit. Aber das war ein Jux, weil ich da merken mußte, daß ich meine Arme kaum noch heben konnte :shock: :shock: :shock:
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Hier habe ich mich schon gut durchgesägt.
Hier habe ich mich schon gut durchgesägt.
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Geht butterweich ins Holz, so eine Säge. Ist halt nur etwas schwer auf Dauer...
Geht butterweich ins Holz, so eine Säge. Ist halt nur etwas schwer auf Dauer...
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Beitrag von Reiner »

Nach der Kettensägenbearbeitung hatte die Thuja ja irgendwie etwas von einem Igel. Leider habe ich von den Fräsarbeiten keine Bilder mehr gemacht.
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Reiner
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Beitrag von Reiner »

Hier noch einmal zwei Bilder vor der Leinwand. Da sieht man auch wie ich das Laub schützte. Ging alles gut, bin nicht einmal mit den Werkzeugen ausgerutscht :D
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Reiner
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Beitrag von Reiner »

Da hat man sich so eine Mörderarbeit gemacht, aber das Holz sieht irgendwie nur so gefräst aus. Eine gute Struktur bekommt man so nicht. Also ging es drei Tage später weiter (weil ich da im Stande war, den Gaslöter zu halten :wink: ).
Um eine interessante Struktur herauszuarbeiten wollte ich nicht einfach nur das Holz etwas mit Feuer ansengen. Nein, das Holz sollte richtig brennen. Da ich solch großflächige Brände nur recht selten lege, mußte der Gaslöter dafür ausreichen. Einfaches schrägstellen des Baumes schützten das Laub ausreichend.
Der Trick hierbei ist der, daß ich das Holz unterschiedlich stark ausbrannte. Manche Bereiche habe ich nur oberflächlich abgebrannt. Bei anderen ließ ich die Glut weit ins Holz eindringen. So entstanden weitere Vertiefungen im Holz. Der Stamm der Thuja war knochentrocken und er brannte wie Zunder. Da war viel Feingefühl nötig :roll: . Als ich durch war, ging ich erst einmal einen Kaffee trinken. Da komme ich so mit meiner Kaffeetasse auf die Terrasse zurück und der Baum brennt zwischenzeitlich lichterloh :shock: :shock: :shock: . Der war, von mir unbemerkt, noch so am Glühen, daß er sich wieder entzündet hat. War aber kein Problem, alles ging gut :D .
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Dick Asche auf dem Holz
Dick Asche auf dem Holz
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Beitrag von Reiner »

Danach habe ich mir wieder drei Tage Pause gegönnt. Die Brennarbeiten waren noch nicht fertig. Das Holz sollte ja bis zum lebenden Rindenrand hin ausgebrannt werden. Dafür muß natürlich ein besserer Schutz der Belaubung her. Die Äste wurden wieder eingebunden und mit mehreren Schichten Alufolie vor der Hitze geschützt. Um die Ränder exakt auszubrennen besorgte ich mir ein paar Alubleche (kein Problem für mich, kann tonnenweise Druckplatten dafür nehmen :wink: ) Damit konnte ich die Ränder prima abdecken.
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Beitrag von Reiner »

Jau, danach erst einmal wieder drei Tage Pause :wink: .
Nun mußte die ganze Holzkohle runter vom Baum. Das ganze verkokelte Holz war so weich, daß ich zum Abbürsten nicht einmal eine Drahtbürste nehmen mußte. Eine einfache Bürste aus dem Fachhandel ging dafür hervorragend. ZU dieser Arbeit habe ich mir eine Staubmaske vors Gesicht gebunden. Trotzdem war das enorm unangenehm :roll: . Hinterher sah ich aus, wie der Bezirksschornsteinfeger höchst persönlich.
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22Thuja.jpg
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Das Nebari muß beim Umtopfen nachgearbeitet werden, damit der Baum besser in eine Schale paßt.
Das Nebari muß beim Umtopfen nachgearbeitet werden, damit der Baum besser in eine Schale paßt.
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Beitrag von Reiner »

Hier ist nun das vorläufige Endergebnis. Mit Jinmittel wird der Baum erst eingestrichen, wenn sich der restliche Ruß verflüchtigt hat. Auf den Bildern kann man nicht gut die Struktur vom Brennen erkennen. Diese Bilder zeige ich, wenn das Holz gebleicht ist. Das Bleichen selbst mache ich nur mit verdünntem Jinmittel. Dann auch so, daß die Kohle, die noch in den Vertiefungen sitzt, erhalten bleibt. Beim nächsten Umtopfen soll die lange, tote Wurzel eventuell aus dem Topf herausragen. Da muß dann von unten her noch einmal gesägt werden.
Wer mir Gestaltungsvorschläge machen möchte: Herzlich gerne!
Gestaltet wird frühestens im Mai 2005
Reiner
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M_e_r_l_i_n
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Beitrag von M_e_r_l_i_n »

Reiner...

toller Bericht......

Aber dein Nachbar, macht schon ein wenig was mit...*schmunzel* :wink: :lol:

da könnte man ein schönes V erstellen. :lol:

aber ich halte mich etwas zurück, andere sollen auch mal.

Gruß Uwe
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Wolfgang
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Beitrag von Wolfgang »

Reiner,
die Bilder erinnern ein wenig an die Kettensägen-Mörder-Szenen in div. Horrorfilmen bzw. an einen gelöschten Waldbrand in den Kalifornischen Rockies ........ :twisted: :wink: :lol:

Saubere Totholzarbeit :!: - Wie viele Gasfläschchen hast du verheizt :?: :wink:
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Walter Pall
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Beitrag von Walter Pall »

Reiner,

voll krass!

Das müßte der Kimura sehen. Der hatte doch glatt den Nerv vor hunderten Bonsaienthusiasten in München auf die Frage:

'Herr Kimura, das was Sie da gemacht haben mit Ihren Werkzeugen ist ja schön und gut. Sie sagen, dass man da jetzt viele Jahre warten muß, bis das echt aussieht. In Europa gibt es welche, die jetzt kräftig mit Flamme, bürste und so arbeiten würden um das sofort noch zu verbesern. Was halten sie davon?'

'Habe ich noch nie was davon gehört'
HABE ICH NOCH NIE WAS DAVON GEHÖRT, hat der Kimura gesagt. Keiner hat ihm's geglaubt. Das wird in Japan noch als Betriebsgeimnis gehandelt.

mfg
Walter Pall
Zuletzt geändert von Walter Pall am 02.08.2004, 10:25, insgesamt 1-mal geändert.
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mohan
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Beitrag von mohan »

Ab sofort hält der Bonsaihandel eine neue Kollektion an Werkzeugen bereit:
Bonsaiwerkzeuge für Fortgeschrittene oder auch die "Reiner-Vollmari-Kollektion" genannt! :P
(siehe Bild)
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-OHNE WORTE-
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