Das möchte ich einmal ganz deutlich unterstreichen. Eine meiner "Lieblingsfragen": Was möchte der Künstler mit seinem Werk zum Ausdruck bringen? Ich hasse diese Frage. Als würde sich jeder Künstler bei jedem Werk vorher Gedanken drüber machen, welche Aussage er treffen will. Sicher kann man bei einigen Werken gewisse Aussagen zwischen den Zeilen herauslesen, aber bei Piet Mondrians "Komposition mit Rot, Gelb und Blau" tu ich mich extrem schwer. Oder auch bei Arcimboldos Gemüseköpfen.Andreas Ludwig hat geschrieben:...Wichtiger ist, dass sehr viele bedeutende Werke intuitiv geschaffen wurden und danach erst analysiert und zu Regeln sublimiert...
Nichtsdestotrotz folgen auch diese Werke Regeln, die ich allerdings eher als technischer Natur empfinde. Bei Mondrian beispielsweise die bewusste Reduktion auf die goetheschen Grundfarben und einfachste Formen, bei Arcimboldo die naturgetreue Abbildung.
Hier würde ich gerne das Wort "Können" durch "Talent" ersetzen. Man muss sich nicht zwangsläufig mit Regeln auseinandersetzen, um gute Werke zu schaffen. Man kann aber seine Werke anhand dieser Regeln optimieren.Andreas Ludwig hat geschrieben:...Diese Fahrlässigkeit ist eine Leichtigkeit und die nennt man Können...
Ich persönlich tu lieber, um bei Andis Worten zu bleiben, "was mir richtig scheint". Das mag zwar nicht jedem gefallen, aber das muss es ja auch nicht. Vor diesem Hintergrund unter anderem habe ich mich auch kürzlich von meinem gelernten Beruf des Mediengestalters abgewandt. Ich habe nämlich keine Lust mehr, Sklave des Kundengeschmacks zu sein (auch wenn der sich in gewissem Rahmen formen lässt).
Fazit: Joachim, mach mit deinem Baum, was du für richtig hältst. Lerne "die Regeln" kennen, aber halte sie im Hintergrund. Schließlich arbeitest du mit einem lebenden Wesem, dass sich diese Regeln nicht immer aufzwingen lässt, und das diese Regeln nicht kennt.
Das ist nur meine Meinung (und auch die muss niemand teilen).
Liebe Grüße
Christian
