Riesensteckling bewurzelt - wie überwintern?

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Krokofant
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Riesensteckling bewurzelt - wie überwintern?

Beitrag von Krokofant »

Hallo Forum,

bin neu hier (obwohl ich mich schon vor einiger Zeit angemeldet, aber dann doch noch nicht geschrieben hatte), mein Name ist Sascha, ich lese schon eine ganze Weile mit und schaue gerne die vielen Bonsaikunstwerke an, die gepostet werden. Ich selbst habe einige Bäumchen, die ich aber wohl noch nicht ernsthaft als Bonsais bezeichnen sollte - aber ich habe Zeit, das wird schon irgendwann.
Genug der Vorrede, ich habe mich entschlossen, heute endlich mal eine Frage loszuwerden, die mich schon einige Wochen beschäftigt. Der Anlaß ist ein schöner: Als ich vorhin mal wieder nachschaute, was mein Ahorn-Riesensteckling macht, entdeckte ich endlich die langersehnten Wurzeln. Ahorn-Riesensteckling? Dieser hier:
DSC03903-ahorn-im-zaun-klein.jpg
DSC03903-ahorn-im-zaun-klein.jpg (67.56 KiB) 1925 mal betrachtet
DSC03906-ahorn-schale-klein.jpg
DSC03906-ahorn-schale-klein.jpg (65 KiB) 1925 mal betrachtet
Der Baum war im Spätsommer Opfer einer brutalen Vorgartensäuberungsaktion unseres Vermieters geworden und ich rettete das oben gezeigte Stück in einer mehrstündigen Aktion (passendes Werkzeug oder Gerätschaften waren kaum vorhanden) vor dem Vertrocknen im Zaun.

Mittlerweile sind natürlich alle Blätter abgefallen, aber Knospen sprießen allerorten. Der Baum steht momentan noch in der Küche über einer Heizung, bekommt dadurch von unten ein bißchen Wärme ab, von den Seiten aber auch viel kühle Luft, da er an einem großen einwandigen Fenster steht.
Die Frage ist nun: Was mache ich mit dem Kleinen über die Wintermonate? Bisher hatte ich noch abwarten wollen, ob sich überhaupt noch etwas tut, da die ganze Zeit keine Wurzeln zu sehen waren und meine bisherigen Erfahrungen mit (normalen) Stecklingen waren, daß diese sich erstmal prima halten und auch ein, zwei Knospen anschwellen lassen, im Frühling dann aber sang- und klanglos austrocknend aus dem Leben scheiden, ohne eine Wurzel gebildet zu haben (das waren aber auch alles nur halbherzige Versuche mit beim Schneiden meiner Bäume angefallenen Zweigen). Ich gehe mal davon aus, daß er jetzt nicht mehr raus kann (einbuddeln wäre frostbedingt auch gerade unmöglich), aber über einer Heizung ist wahrscheinlich auch nicht der richtige Platz. Also ab in den Keller, wo vielleicht so fünf bis zehn Grad herrschen? Oder irgendwohin, wo es etwas wärmer oder noch kälter ist? Und wie sieht es dann aus mit Gießen?
Und noch eine Frage zum Substrat: Momentan steht er noch in einer Mischung aus Seramis (wie im Bild) und etwas lehmiger Erde. Die (sehr feinen) Wurzeln wachsen nun ja schon aus den Löchern im Schalenboden - muß ich noch mal umtopfen oder soll ich alles erstmal bis zum Frühjahr so lassen, wie es ist? Die aktuelle Schale ist übrigens eine andere, deutlich höhere als auf dem Bild.

So, ich hoffe, das ist nicht zuviel Geschwafel. Danke fürs Lesen und für Eure Antworten. :)
Zuletzt geändert von Krokofant am 04.01.2011, 23:30, insgesamt 1-mal geändert.
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Robert S.
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Re: Riesensteckling bewurzelt - wie überwintern?

Beitrag von Robert S. »

Hallo Sascha,

der altuelle Standort über der Heizung in der Küche ist ganz schlecht.
Wenn Du die Möglichkeit hast, stell den Baum in einen kühlen, frostfreien Raum (Treppenhaus, Keller, Garage).
Giessen ist nur sehr zurückhaltend angesagt, da der Baum mangels Blätter im Winter so gut wie kein Wasser braucht.
Du solltest nur darauf achten, daß das Substrat nicht komplett abtrocknet.
Jetzt nochmal umtopfen wäre wahrscheinlich der sichere Tod.
Im Frühjahr, wenn die letzten Spätfröste vorüber sind, stellst Du ihn wieder ins Freie.

Servus,
Robert
Krokofant
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Re: Riesensteckling bewurzelt - wie überwintern?

Beitrag von Krokofant »

Hallo Robert,

danke, das werde ich dann so machen. "Über der Heizung" war übrigens etwas mißverständlich - die Schale mit dem Baum steht auf einem großen Topf wie auf einem Podest oberhalb der Heizung, die auch noch durch eine Fensterbank abgeschirmt ist, so daß letztlich nur sehr wenig Wärme beim Baum ankommt. Aber das ist jetzt sowieso egal, auf geht's in den Keller.
Im Frühjahr werde ich dann sicher mal das Forum nach Vorschlägen fragen, wie es mit dem Baum gestaltungsmäßig weitergehen soll.
Bis dahin,
Sascha
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Robert S.
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Re: Riesensteckling bewurzelt - wie überwintern?

Beitrag von Robert S. »

Hallo Sascha,

an Gestaltung ist bei dem Baum noch lange nicht zu denken.
Die nächsten Schritte wären in meinen Augen:
Das Überleben sichern und gut anwachsen lassen (nächstes Jahr).
Bis der Baum mal so eingewurzelt und wüchsig ist, daß eine erste Grundgestaltung möglich ist, wird wohl noch ein Weilchen vergehen. Hier mal als Appetizer ein Beitrag von Achim13 der mal einen richtigen Brummer von Feldahorn auf den Weg gebracht hat.

Servus,
Robert
Krokofant
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Re: Riesensteckling bewurzelt - wie überwintern?

Beitrag von Krokofant »

Hallo Robert,

ja, natürlich - "Gestaltung" sollte in diesem Fall nur bedeuten: Vorhandene, evtl. brauchbare Zweige mit Draht in die richtige Richtung biegen oder unbrauchbare wegschneiden (offene Frage bspw.: Was tun mit dem einen großen Zweig, der auf dem zweiten Bild zu sehen ist und nach links im 90-Grad-Winkel absteht? Wenn ich den unbegrenzt weiterwachsen lasse, entsteht da etwas, was aussieht wie eine Schranke mit Häuschen). Keine Sorge, ich bin keiner derjenigen, die glauben, einen Bonsai in kurzer Zeit hervorzaubern zu können. ;)

Grüße,
Sascha
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Robert S.
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Re: Riesensteckling bewurzelt - wie überwintern?

Beitrag von Robert S. »

Krokofant hat geschrieben: Vorhandene, evtl. brauchbare Zweige mit Draht in die richtige Richtung biegen oder unbrauchbare wegschneiden
Ich würde vorerst überhaupt nichts abschneiden, drahten oder sonst irgendwas machen. Nur gut füttern (korrekt wässern, düngen) und im nächsten Jahr oft um den Baum herumlaufen.
Wenn er bis zum Herbst 2011 gut eingewurzelt ist, kannst Du Dir Gedanken über die Selektion der Äste machen, mit denen Du den Baum aufbauen willst.
Stell doch im Frühjahr, wenn die ersten Knospen schieben Fotos von allen vier Seiten hier rein. Dann kann man über die Richtung(en) plaudern in die man mit dem Klotz gehen kann.
Hier noch ein Appetizer von Karl Thier

Servus,
Robert
martini
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Re: Riesensteckling bewurzelt - wie überwintern?

Beitrag von martini »

Hi
ich finde es ja sehr faszinierend, das du so einen riesen Stamm bewurzeln konntest.
Bin davon ausgegangen das es nur mit dünnen Stecklingen geht.
Wie hast du das geschafft???
Über eine Antwort würde ich mich freuen.
Krokofant
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Re: Riesensteckling bewurzelt - wie überwintern?

Beitrag von Krokofant »

Hallo,
habe ganz vergessen, hier noch mal reinzuschauen, und die Benachrichtigungsfunktion hatte ich auch nicht aktiviert. Aber besser spät als nie antworten. ;)

Ich habe eigentlich gar nichts besonderes gemacht, würde ich sagen. In vielen Bonsaibüchern ist ja von Bewurzelungshormonen die Rede, deswegen suchte ich zuerst danach und fand schnell raus, daß die in Deutschland nicht mehr (so einfach ohne weiteres) erhältlich sind. Über's Internet bestellen war mir zu aufwendig, deswegen habe ich dann einfach das einzige Bewurzelungszeugs genommen, das es im Baumarkt gab, namentlich Neudofix.
Habe den Klotz (bei Steckling denke ich auch eher an ein Zweiglein) dann in eine flache Schale mit Seramis gestellt, und zwar so, daß er unter sich eine ca. einen Zentimeter dicke Schicht hatte. Diese Schicht habe ich dann immer reichlich mit dem aufgelösten Neudofix gegossen, immer so, daß das Wasser bis zur Oberfläche stand. Habe dann immer gewartet, bis die Oberfläche trocken wurde, und dann wieder gegossen - in den noch warmen Tagen ergab das wohl einen Rhythmus von ca. zweimal pro Woche, später dann entsprechend weniger.
Als es dann kalt wurde, habe ich nochmal "umgetopft" in eine tiefere Schale, dabei gleich noch das Substrat um ein bißchen Erde aus dem Vorgarten ergänzt und den Stamm durch einige Stricke an der Schale fixiert, damit er beim Rumtragen nicht aus der Schale fällt bzw. sich überhaupt bewegt, dann dabei würden ja die evtl. gebildeten winzigen Wurzeln abbrechen. Bei der Gelegenheit konnte ich natürlich auch gucken, ob man schon was sieht - Fehlanzeige. :(
Die Schale wurde dann, wie oben gesagt, drinnen auf ein Fensterbrett gestellt, auf dem der Kleine von unten ein bißchen warme Heizungsluft abbekam (bzw. eher keine Luft, sondern einfach "Bodenwärme"). Ich hatte irgendwo gelesen, daß Stecklinge es gerne kuschliger haben zum Bewurzeln. Ich habe dann auch noch ein bißchen Folie über das Substrat gemacht (nicht über den ganzen Steckling, nur "auf Bauchhöhe eingewickelt"), damit die Feuchtigkeit nicht so schnell verdunstet. Die neue Schale hatte Löcher, deswegen wurde nicht mehr so viel auf einmal gegossen, weil ja sowieso das meiste unten rauslief.
Tja, und dann, nach vielen Wochen, war es soweit und ein paar dünne, eher wie Spinnweben aussehende Würzelchen kamen aus den Löchern unten heraus.

Ich hoffe, das waren jetzt die Informationen, die Du haben wolltest. Falls noch was fehlt, einfach nochmal nachfragen.
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holgerb
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Re: Riesensteckling bewurzelt - wie überwintern?

Beitrag von holgerb »

Robert S. hat geschrieben:Hallo Sascha,

der altuelle Standort über der Heizung in der Küche ist ganz schlecht.
Wenn Du die Möglichkeit hast, stell den Baum in einen kühlen, frostfreien Raum (Treppenhaus, Keller, Garage).
Giessen ist nur sehr zurückhaltend angesagt, da der Baum mangels Blätter im Winter so gut wie kein Wasser braucht.
Du solltest nur darauf achten, daß das Substrat nicht komplett abtrocknet.
Jetzt nochmal umtopfen wäre wahrscheinlich der sichere Tod.
Im Frühjahr, wenn die letzten Spätfröste vorüber sind, stellst Du ihn wieder ins Freie.

Servus,
Robert
VETO! :mrgreen:

Der kühle, frostfreie Raum sollte nicht über 10°C haben und unbedingt hell sein.

Im Frühjahr wartest Du nicht bis die letzten Spätfröste weg sind, das würde nämlich Mitte Mai bedeuten (wenn man von der Möglichkeit von Spätfrösten ausgeht).

Du machst folgendes:

Sobald Du wieder in die Erde kannst (sprich, der Bodenfrost ist weg) setzt Du das Ding samt "Untersetzer) in eine Kiste (Staudenkisten sind optimal, versuch in einer nahegelegenen Gärtnerei eine Einwegkiste zu bekommen). Als Substrat benutzt Du Sand in der Körnung 0/8 (gibt's beim Baustoffhändler oder beim Landschaftsgärtner um die Ecke). Auf Blähton kannst Du eventuell verzichten, wenn Du gebrochenen hast, kannst Du ca. 20% dazumischen, schadet nicht.
Die Kiste versenkst Du so vorbereitet im Garten, mit Stumpen und Schale.
Das ganze Jahr über ordentlich wässern und düngen, wenn's klappt gut, wenn nich, nich. Freue Dich nicht zu früh, ein Versagen ist immer drin.

Dann so weiter pflegen wie Robert beschrieben.

Noch Fragen offen? Bitte melden....

Kostenaufwand für Sand und Kiste? ca. 5€ würd ich meinen, wenn's teuer wird.
"The mind is like a parachute. It doesn't work unless it's open."
- Frank Zappa -
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