Die traditionelle Schule der Bonsaigestaltung bietet wenig Hinweise, weil man mit dem unglaublich schwierigen Material fertig wird. Selbst für den fortgeschrittenenen Bonsaimenschen ist der weitere künstlerischen und gärtnerische Gestaltungsweg nicht sichtbar.
Es ist erstaunlich, dass in dem Land mit den größten Mengen an fantastischem Rohmaterial hier eine Wissenslücke klafft. Die Bonasigestaltung, wie sie weithin in Kalifornien und dem Rest der USA gelehrt wird, ist sehr traditionell. Sie spiegelt den Wissensstand und Geschmack von etwa 1970. Damals waren sehr idealisierte Bäume gefragt. Von modernen Bonsai, wie sie heute in Europa fast normal sind, ist da kaum die Rede. Das gilt noch immer als verrrückt. Die Entwicklung der letzten 15 Jahre in Europa ist an Amerika fast spurlos vorübergegangen.
Ich wurde eingeladen, ein Seminar für sehr fortgeschritttene zu leiten. Hier zwei Biespiele.
John Thompson von San Jose hat diesen Sierrawacholder vor einigen Jahren in den Bergen gefunden. Er ist jetzt angewachsen und reif für eine erste Gestaltung. Der Baum ist so um die 500 Jahre alt und sieht auch so aus. Das Totholz ist enorm, fast zu enorm von dieser Seite.
Was tun?

mit einem sehr scharfen Messer wird ganz vorsichtig der lebende Tiel des Stammes vom Totholz getrennt.

Das Ganze wird mit viel Bast gaz fest umschlungen. Dann dicker Kuperdraht drüber und das Biegen geht los. Es geht mit ziemlich viel Kraft. Man könnte auch Hebelwirkung anwenden. Dem Baum tut das viel weniger, als man so denkt.

Jetzt ist der Stamm in der richtigen Stellung. Man könnte es jetzt sein lassen und ein Jahr warten. Aber John war nicht der Meinung.

Hier sieht man, warum das die Vorderseite sien soll. Die lebende Rinde ist interessant, das Totholz sieht aus wie ein Vogel.

JOhn war felsenfest davon überzeugt, das er den Baum gleich umtopfen sollte. Ich kann auf keinen Fall zu sowas raten.
Die Schale von Michael Hagedorn paßt meiner Meinung nach sehr gut. Puristen werden feststellen, dass ein Nadelbaum in eine glasierte Schale gesetzt wurde. Die Glasur paßt außeordentlich gut zu dem grünblaun Laub, denke ich. In der modernenen Bonsaikunst geht man viel mehr nach Gefühl asl nach dem Werstand.

Doug Philips hat auch so einen Sierrawachllder, der um die 500 Jahre alt ist. Tolles Gerät, aber was tun?

Das uralte Totholz sieht serh interessant aus. Die Krone ist viel zu groß. Kannman natürlcih leicht verkleinern. Aber was tun mit dem dünen Zwillingsstamm?

Abschneiden. Weniger ist mehr

Das wird die Vorderseite. Der Baum soll aussehen wie ein Drache, der sich aus dem Felsen herauswindet.

In diese Schale von William Vlannderen aus Holland würde er wohl gut passen. Für abartige Bäume abartige Schalen.
Doug war klug genug, den Baum nun in Freiden zu lassen.




