Workshop für sehr Fortgeschrittene in Kalifornien

Allgemeine Philosophie, Stilarten, Techniken, Vorstellung und Besprechung von Rohmaterial sowie lose Sammlung von Entwicklungs-Dokus
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Walter Pall
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Workshop für sehr Fortgeschrittene in Kalifornien

Beitrag von Walter Pall »

Viele Leute haben ganz tolle gesammelte Wachoder und Kiefern in Kalifornien. Einige Bäume sind zwischen 500 und 1000 jaher alt und sehen dementsprechend aus.

Die traditionelle Schule der Bonsaigestaltung bietet wenig Hinweise, weil man mit dem unglaublich schwierigen Material fertig wird. Selbst für den fortgeschrittenenen Bonsaimenschen ist der weitere künstlerischen und gärtnerische Gestaltungsweg nicht sichtbar.
Es ist erstaunlich, dass in dem Land mit den größten Mengen an fantastischem Rohmaterial hier eine Wissenslücke klafft. Die Bonasigestaltung, wie sie weithin in Kalifornien und dem Rest der USA gelehrt wird, ist sehr traditionell. Sie spiegelt den Wissensstand und Geschmack von etwa 1970. Damals waren sehr idealisierte Bäume gefragt. Von modernen Bonsai, wie sie heute in Europa fast normal sind, ist da kaum die Rede. Das gilt noch immer als verrrückt. Die Entwicklung der letzten 15 Jahre in Europa ist an Amerika fast spurlos vorübergegangen.

Ich wurde eingeladen, ein Seminar für sehr fortgeschritttene zu leiten. Hier zwei Biespiele.

John Thompson von San Jose hat diesen Sierrawacholder vor einigen Jahren in den Bergen gefunden. Er ist jetzt angewachsen und reif für eine erste Gestaltung. Der Baum ist so um die 500 Jahre alt und sieht auch so aus. Das Totholz ist enorm, fast zu enorm von dieser Seite.
Was tun?

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mit einem sehr scharfen Messer wird ganz vorsichtig der lebende Tiel des Stammes vom Totholz getrennt.


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Das Ganze wird mit viel Bast gaz fest umschlungen. Dann dicker Kuperdraht drüber und das Biegen geht los. Es geht mit ziemlich viel Kraft. Man könnte auch Hebelwirkung anwenden. Dem Baum tut das viel weniger, als man so denkt.


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Jetzt ist der Stamm in der richtigen Stellung. Man könnte es jetzt sein lassen und ein Jahr warten. Aber John war nicht der Meinung.

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Hier sieht man, warum das die Vorderseite sien soll. Die lebende Rinde ist interessant, das Totholz sieht aus wie ein Vogel.

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JOhn war felsenfest davon überzeugt, das er den Baum gleich umtopfen sollte. Ich kann auf keinen Fall zu sowas raten.
Die Schale von Michael Hagedorn paßt meiner Meinung nach sehr gut. Puristen werden feststellen, dass ein Nadelbaum in eine glasierte Schale gesetzt wurde. Die Glasur paßt außeordentlich gut zu dem grünblaun Laub, denke ich. In der modernenen Bonsaikunst geht man viel mehr nach Gefühl asl nach dem Werstand.

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Doug Philips hat auch so einen Sierrawachllder, der um die 500 Jahre alt ist. Tolles Gerät, aber was tun?

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Das uralte Totholz sieht serh interessant aus. Die Krone ist viel zu groß. Kannman natürlcih leicht verkleinern. Aber was tun mit dem dünen Zwillingsstamm?

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Abschneiden. Weniger ist mehr

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Das wird die Vorderseite. Der Baum soll aussehen wie ein Drache, der sich aus dem Felsen herauswindet.

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In diese Schale von William Vlannderen aus Holland würde er wohl gut passen. Für abartige Bäume abartige Schalen.

Doug war klug genug, den Baum nun in Freiden zu lassen.

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Zuletzt geändert von Walter Pall am 08.03.2005, 11:46, insgesamt 1-mal geändert.
Meine Beiträge und Bäume dürfen gerne kritsch beurteilt und diskutiert werden.
Aber bitte nicht unbedingt mit mir.

mit freundlichen Grüßen
Walter Pall
Bondani
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Beitrag von Bondani »

Hi Walter
Ich sehe leider keine Bilder.
Gruss Dani
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Stefan K.
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Beitrag von Stefan K. »

i a nit
Ich hab Spass !
grüsse stefan
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Anja M.
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Beitrag von Anja M. »

Nu immer ruhig mit den Pferden, das geht sicher nach dem gleichen Procedere, wie bei den Beiträgen unter GLOBAL!
73 Anja
Joerg

Re: Workshop für sehr Fortgeschrittene in Kalifornien

Beitrag von Joerg »

Hallo Walter, alle,

In der Tat sehr beeindruckendes Material
Walter Pall hat geschrieben: Das Totholz ist enorm, fast zu enorm von dieser Seite.
Damit sprichst du schon ein Stück aus, von dem was ich dachte, schreckte hier das große Künstlerherz vor einer schnöden Jahreszahl zurück?
Sicher braucht es Bedacht aber ganz ohne ein Minimum an weiterer Gestaltung am Totholz wirds wohl nicht gehen....meine Meinung.
Zuletzt geändert von Joerg am 08.03.2005, 17:38, insgesamt 1-mal geändert.
Michael T.
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Beitrag von Michael T. »

Hi Walter,

imposante Bäume :!:

Ich hoffe, Doug hatte noch einen Baum mitgebracht :wink:
Viele Grüße aus dem Sauerland,
Michael
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Karl T.
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Beitrag von Karl T. »

Die Schale zu Doug Philips Wacholder finde ich stark und die Wacholder ...*confused2*
Herzliche Grüße aus Wien!
Ihr seit gerne eingeladen in meine http://www.bonsaiwerkstatt.at/
Karl Thier
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torstenk
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Beitrag von torstenk »

wahnsinnsbäume, da kann man vor neid nur so erblassen :!:
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flu
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Beitrag von flu »

Hallo Walter,
zunaechst mal danke fuer den interessanten Beitrag.
Ganz ehrlich kann ich mit dem grotesken Material speziell von John Thompson nicht viel anfangen. Weder erinnert mich der Baum an irgendein natuerliches Vorbild, noch drueckt er irgendetwas in mir aus. Eher fuehle ich mich an ein vollkommen verungluecktes Ikebana erinnert. Der Todholzbereich ist so uebertrieben wuchtig und unfoermig, der lebende Teil wirkt wie aufgesetzt, nichts erscheint mir hier harmonisch.
Nur weil Material sehr alt ist ist es noch lange nicht gut.
Sicher moegen Experten froh ueber eine solche gaertnerische und gestalterische Herausforderung sein, was fuer mich jedoch zaehlt ist das Ergebnis und dass ueberzeugt mich nicht, im Gegenteil, ich bin schockiert.
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Walter Pall
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Beitrag von Walter Pall »

Ulf,

ist in Odrnung, ist Geschmacksache. Das ist modere Bonsaigestaltung. In Kalifornien haben sie seit vierzig Jahren diese grotesken Wacholder und haben sich daran gewöhnt.
Vielen geht es so wie Dir. Aber das ist wie mit altem Rotwein. Gib einen Schluck davon einem Kind. Es wird ihn ausspucken, auch wenn er 500 Euro die Flasche kostet.
Auch Weingeschmakck ist ein erworbener Geschmack.
Meine Beiträge und Bäume dürfen gerne kritsch beurteilt und diskutiert werden.
Aber bitte nicht unbedingt mit mir.

mit freundlichen Grüßen
Walter Pall
Constantin

Beitrag von Constantin »

Hallo!

Johns Wacholder gefällt mir so wie er jetzt ist auch nicht so besonders. Die Schalenwahl finde ich aber gut! Aber viel wichtiger als das aktuelle Aussehen ist ja die Zukunft. Was hat John denn vor, wie will er die Laubkrone entwickeln?

MfG
Constantin
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Walter Pall
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Beitrag von Walter Pall »

Johns Wacholder ist absolut kein traditioneller Bonsai.
Traditionell heißt, dass der ideale, schöne Baum dargestellt werden soll.
Das ist ein moderner Bonsai, der den extremen, äußerst ungewöhnlichen, möglichst beeindruckenden Baum darstellen soll, der durchaus nicht mehr wie ein Baum aussehen muß, eher wie eine Skulptur, gerne auch ein wenig häßlich.
Das ist also das krasse Gegenteil vom traditionellen Ansatz.
Ungefähr so wie mittelalterliche Heiligenstatuen und Statuen von Salvador Dali zu vergleichen. Etwas extem, ich weiß.

Es ist müßig, mit einem traditionellen Geschmack und traditionellen Richtlinien einen modernen Bonsai zu beurteilen, er wird immer aufdringlich, unausgeglcihen, eben nicht shcön und nicht ideal sein. Also genau das was er gar nicht sein will.
Es ist müßig mit einem modernen Geschmack traditionelle Bonsai zu beurteilen. Sie werden langweilig, altmodisch, spießig wirken.

Was ist wahr? Nichts ist wahr. es gibt keine Wahrheit in der Kunst. Sonst wäre es Handwerk.

Amen, morgen früh fliege ich nach Bordeaux. Werde dann berichten.
Meine Beiträge und Bäume dürfen gerne kritsch beurteilt und diskutiert werden.
Aber bitte nicht unbedingt mit mir.

mit freundlichen Grüßen
Walter Pall
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flu
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Beitrag von flu »

Walter,
angesichts meines aktuellen Aufenthaltes in Ecuador - kennst du Gestalter die hier leben und arbeiten? Wurde da gerne mal mit der Kamera bewaffnet ein paar Eindruecke sammeln wollen.
Danke
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Karl T.
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Beitrag von Karl T. »

Also ich könnte mir den Juniperus von John Thompson so in etwa für die Zukunft vorstellen. :roll:
Herzliche Grüße aus Wien!
Ihr seit gerne eingeladen in meine http://www.bonsaiwerkstatt.at/
Karl Thier
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flu
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Beitrag von flu »

Nix fuer ungut, Karl,
find ich aber immer noch grausig!
Aber wenn es Walter tatsaechlich darum geht Haesslichkeit darzustellen - toll gelungen.
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