Totoro hat geschrieben:
Was sagst du denn, bei deiner offensichtlichen Fachkenntnis, zu den organischen Düngergaben die Walter seinen Bäumen gibt ? Was hälst du von der Kombination mineralisch-organischer Düngung im modernen Substrat ?
Hallo Dirk,
die zusätzliche Gabe von organischem Dünger halte ich für wichtig. Aus zwei Gründen:
1. Der organische Dünger wird - solange er fest ist - nicht ausgewaschen und dient so als Reserve für Zeiten mit niedriger mineralischer Düngerkonzentration. Also z.B. die letzten von den 10 Tagen bevor wieder gedüngt wird, Regenperioden oder wenn mal vergessen wird mineralisch zu düngen. Ich habe das mal (stark vereinfacht) grafisch dargestellt:
Angegeben ist die Menge an gelösten Nähstoffen im Substrat. Grün ist der mineralische Flüssigdünger, braun der organische Dünger.
Bei den grünen Peaks wird mineralisch gedüngt. Das meiste davon wird am nächsten Tag ausgewaschen. Ein Teil bindet an die Tonminerale. Am Ende der mineralischen Düngerperiode ist alles ausgewaschen. Dann stehen aber immer noch Nährstoffe aus dem organischen Dünger zur Verfügung. Irgendwann hat sich der organische Dünger aufgelöst, dann muss neuer gegeben werden (hier kurz vor der 4. mineralischen Düngergabe).
2. Organischer Dünger enthält zwar auch nur NPK und Spurennährstoffe, allerdings teilweise in anderer Form. Beispiel Phosphor: Im mineralischen Dünger ist nur Dissolved Inorganic Phosphorus (DIP, also gelöster anorganischer Phosphor als Phosphationen). Im organischen Dünger aber auch und vor allem organischer Phosphor als Dissolved Organic Phosphorus (DOP, also gelöster organischer Phosphor, z.B. als ATP) und ungelöster Phosphor, der z.B. in komplexe Biomoleküle eingebaut ist und erst nach und nach zu DOP oder DIP abgebaut wird. Dabei kann DOP von den Pflanzen oder Bodenorganismen (z.B. Pilzen) aufgenommen und verwertet werden und zwar teilweise auf anderen Wegen als DIP.
Ich habe als organischen Dünger immer Biogold verwendet, das ist aber sehr teuer. Nächstes Jahr werde ich auf Fledermausdung umsteigen, der ist billiger und enthält viel Phosphor.
Man könnte auch nur organisch düngen, allerdings würde das den Drainageeigenschaften des Substrates schaden. Eine Kombination aus mineralischem und organischem Dünger erscheint mir optimal.
Totoro hat geschrieben:
Ist es aber zweckmäßig 80% der Düngermenge mit dieser Kulturmethode gewollt auszuwaschen ? Die Aussage der Baum würde sich nehmen was er braucht, der Rest wird ausgewaschen hört sich etwas zu simpel an.
Natürlich wäre es wirtschaftlicher nicht so viel auszuwaschen. Das Auswaschen ist ja ein Nebeneffekt des sehr durchlässigen Substrates. Wäre das Substrat aber weniger durchlässig hätte man umso mehr Probleme: Wurzelfäule, wann gieße ich und wann nicht, Baum steht zu trocken oder zu feucht.
Man könnte das Wasser, das unten rausläuft auffangen und beim nächsten Mal wieder zum Gießen nehmen (Dünger wird aber dann z.T. von Algen etc. verbraucht) oder einkochen und so den Dünger wieder erhalten.
"Der Baum nimmt sich was er braucht" ist zwar etwas einfach ausgedrückt, stimmt aber im Wesentlichen (solange die Düngerkonzentrationen nicht im toxischen Bereich liegen). Der Baum stellt sich natürlich nicht vor das Buffet und sagt "ja was nehm ich denn heute?" sondern es läuft (sehr stark vereinfacht) so ab:
Zwischen dem Substrat und den Wurzelzellen (und durch Stofftransport somit dem gesamten Baum) stellt sich ein Gleichgewicht ein. Ist im Substrat sagen wir z.B. Magnesium (also Mg2+) enthalten, dann wird in die Wurzelzellen Magnesium aufgenommen. Irgendwann ist in den Wurzelzellen soviel Magnesium enthalten wie maximal aufgenommen werden kann (abhängig von der Menge an im Substrat vorhandenen Magnesium und der Aufnahmefähigkeit der Zelle). Wenn der Baum jetzt Magnesium braucht, z.B. weil er neue Blätter treibt und dort Chlorophyll bildet sinkt die Magnesiumkonzentration in den Wurzelzellen und es strömt neues Magnesium aus dem Substrat nach.
Im modernen Substrat gibt es noch einen zweiten Regulationsmechanismus: Nachdem Magnesium aus dem Substrat in die Wurzelzellen gelangt ist, ist ja die Magnesiumkonzentration im Substrat niedriger geworden. An die Tonmineralien ist aber noch Magnesium gebunden, das jetzt ins Substrat abgegeben wird, so dass sich auch hier wieder ein Gleichgewicht einstellt.
Das geht auch mit anderen Nährstoffen so.
Ich hab hier noch eine Skizze gemalt um das ganze besser verständlich zu machen:

- Bonsai_Gleichgewicht.jpg (43.5 KiB) 2087 mal betrachtet
Totoro hat geschrieben: Würde mich mal interessieren ob andere große Sammlungen […] oder Verkaufsbonsaibaumschulen ähnlich arbeiten.
Wieviel gedüngt wird hängt davon ab wieviel gegossen wird. Und wieviel gegossen wird hängt vom Subtsrat ab. Es führen also viele Wege zum Ziel. Soweit ich das gesehen habe arbeiten Baumschulen überwiegend mit festem mineralischem Dünger. Für professionelle Anwender gibt es aber auch Baukastensysteme, bei denen N,P,K und Spurenelemente nach Bedarf dosiert werden und auch je nach Wasserhärte verschiedene Produkte zur Anwendung kommen. Dazu gibt es dann noch Mittel die bei zu hohem Nährstoffgehalt im Boden angewendet werden. Um mit all dem richtig arbeiten zu können muss man aber regelmäßig Proben nehmen und davon Analysen machen.
Viele Grüße,
Andy