vielen Dank für deine ausführlichen Beiträge
Gruß
Dirk
Ich möchte jetzt nur auf die Basidiomyceten (Ständerpilze) eingehen. Das sind die, die so aussehen wie man sich einen Pilz eben vorstellt. Die sind neben den Ascomyceten für uns als Mykorrhizapilze interessant.MarionS hat geschrieben:[…] zwei Sporen müssen zueinander gelangen und dann findet dort erst die Befruchtung statt. Eher können keine neuen Fruchtkörper gebildet werden. Ein Knackpunkt war dabei, ob das Myzel aus den Sporen eines Mykorrhiza-bildenden Pilzes schon vor der Befruchtung eine Symbiose eingehen kann oder erst hinterher.
[…]
Wenn deine Methode, die Sporen aus einem Pilzhut bei einem Bonsai einzubringen, oft zum Erfolg führt, könnte man daraus schließen, dass sie es auch unbefruchtet können.
[…]
Nicht? Widerspricht das nicht dem Gedanken, dass man sich vorzugsweise mit einem anderen Individuum paaren sollte? Das ist doch Inzest.Andreas R. hat geschrieben:Es müssen nicht zwei Sporen von unterschiedlichen Pilzhüten sein.
Ich hatte gelesen, ein Mycel hätte nur einen Symbionten. Umgekehrt beobachte ich allerdings, dass ein Baum mehrere Symbionten haben kann (hier im Hof sind zwei ausgesprochene Birken-Liebhaber und noch einige mehr dazu - aber nur eine Birke.)Im Wald durchzieht so ein Mycel große Flächen und steht oft mit mehreren Bäumen in Kontakt, damit es einzelne Fruchtkörper bilden kann.
http://www.bonsai-fachforum.de/viewtopi ... =9&t=25393 Nix Weltbewegendes. Nicht viel dran. Aber Dunkelscheibige Fälblinge groß wie 2-Centstücke, sogar im Jahr der Bergung, wo ja erst mal wieder das neue Substrat erobert werden musste.Manche Arten schaffen es aber trotzdem in der Bonsaischale Fruchtkörper zu bilden. Vielleicht könntest du hier ein Bild von deiner Linde reinstellen?
Im Idealfall kommt jede Spore von einem anderen Pilz, aber das funktioniert halt nicht immer. Genau genommen sind die Zellen, die im Pilzhut die Sporen bilden einzelne Individuen.MarionS hat geschrieben:Nicht? Widerspricht das nicht dem Gedanken, dass man sich vorzugsweise mit einem anderen Individuum paaren sollte? Das ist doch Inzest.Andreas R. hat geschrieben:Es müssen nicht zwei Sporen von unterschiedlichen Pilzhüten sein.
Wo hast du denn das gelesen? Manche Pilzmycelien umfassen riesige Gebiete. Bei Bäumen (der selben Art) verwachsen die Wurzeln miteinander, so dass ein intensiver Stoff- und möglicherweise auch Informationsaustausch stattfindet. Wie sollte der Pilz da unterscheiden welches Stück Wurzel zu welchem Baum gehört? Manche Pilzarten sind unbedingt auf Bäume als Symbionten angewiesen. Dann könnte der Pilz nicht da sein bevor der Baum da ist und der Baum ohne Pilz nicht (auf magerem Standort) wachsen.MarionS hat geschrieben:
Ich hatte gelesen, ein Mycel hätte nur einen Symbionten. Umgekehrt beobachte ich allerdings, dass ein Baum mehrere Symbionten haben kann (hier im Hof sind zwei ausgesprochene Birken-Liebhaber und noch einige mehr dazu - aber nur eine Birke.)
Fruchtkörper können innerhalb von wenigen Stunden zur vollen Größe wachsen. Dazu müssen vorher schon Ressourcen vorhanden sein und an der entsprechenden Stelle gebündelt werden. Ob, wann und wie viele Fruchtkörper wachsen hängt von vielen Faktoren ab, vor allem aber von der Witterung über einen längeren Zeitraum. Man kann bei manchen Arten auch beobachten, dass ein Pilz (also jetzt das Gesamtmycel) nur alle paar Jahre extrem viele Fruchtkörper bildet und dann jahrelang nur wenige bis gar keine.MarionS hat geschrieben:Ich frag mich auch, ob die Pilze nicht übers Jahr Energie "sammeln", um dann irgendwann Fruchtkörper zu bilden, oder ob sie sie erst während des Wachstums anfordern. Das wäre z.B. eine Erklärung, wieso wir hier 2008 eine richtiggehende Schwemme an Kahlen Kremplingen hatten, in den Folgejahren aber nur vereinzelte Exemplare.
Im Pilzforum, von einem anderen User.Andreas R. hat geschrieben:Wo hast du denn das gelesen?
Schon, aber so eine Spore ist winzig - und die Wurzeln unter der Erde. Müssen die armen Dinger etwa das Glück haben, vom Wasser unmittelbar an eine passende Baumwurzel gespült zu werden, mit der das neue Myzel sofort eine Symbiose eingehen kann? Kann ich mir nicht vorstellen. Selbst in einem gut durchwurzelten Bonsaitopf müsste sie sich verhundert- bis vertausenfachen, ehe sie an eine Wurzel kommt. Wovon? Haben die Dinger einen gewissen Startvorrat wie ein Weizenkorn? Aber auch Weizenkeime leben nicht vom Stärkevorrat allein.Manche Pilzarten sind unbedingt auf Bäume als Symbionten angewiesen. Dann könnte der Pilz nicht da sein bevor der Baum da ist...
Solche Pilze, die obligat auf einen Symbiosepartner angewiesen sind können keine Fruchtkörper bilden solange sie keinen Symbionten haben. Ein gewisses Wachstum ist aber auch ohne Baum möglich. Insofern war meine Argumentation fehlerhaft.MarionS hat geschrieben:Schon, aber so eine Spore ist winzig - und die Wurzeln unter der Erde. Müssen die armen Dinger etwa das Glück haben, vom Wasser unmittelbar an eine passende Baumwurzel gespült zu werden, mit der das neue Myzel sofort eine Symbiose eingehen kann? Kann ich mir nicht vorstellen. Selbst in einem gut durchwurzelten Bonsaitopf müsste sie sich verhundert- bis vertausenfachen, ehe sie an eine Wurzel kommt. Wovon? Haben die Dinger einen gewissen Startvorrat wie ein Weizenkorn? Aber auch Weizenkeime leben nicht vom Stärkevorrat allein.
Ich denke, dass auch eine Symbiontenspore/-myzel in einem gewissen Maße saprophytisch leben kann.
Der Pilz nimmt Nährstoffe aus dem Boden auf und löst diese auch z.B aus organischem Material. Das macht er bevor er einen Symbionten hat und auch danach. Dann führt er sie ja dem Baum zu.Totoro hat geschrieben:Das glaube ich auch. Die Pilze sind bestimmt recht variabel in ihren Möglichkeiten. Bei Schwäche des Baumes wird der Symbiosepilz vielleicht zum Parasiten oder zumindestens zum Saprophyten.
Das wäre eine mögliche Theorie, wie die Mykorrhiza-Symbiose ursprünglich im Laufe der Evolution entstanden sein könnte. Heute ist es eher so, dass das Gewebe im Bereich der Zellrinde sich auflockert und Pilzhyphen dazwischen wachsen (Hartig-Netz). Eine Reaktion auf Infektionen wäre wohl eher die Bildung eines Abschlussgewebes.Totoro hat geschrieben:Grenzt der Baum nicht eher nur eine Infektion seines Wurzelgewebes durch den Pilz ein und profitiert dann auch vom Pilz so das eine Symbiose letzlich erst entsteht ?
Das weiß wie so vieles im Laufe der Evolution niemand, weil keiner dabei war. Auf jeden Fall ist es schon sehr lange her, man findet Mykorrhiza auch schon bei (rezenten) Ginkgo biloba.MarionS hat geschrieben: was haben sie gemacht, bevor sie auf die grandiose Idee kamen, sich einen Partner zu nehmen?
Totoro hat geschrieben:Bei Schwäche des Baumes wird der Symbiosepilz vielleicht zum Parasiten […]
Das ist ja genau der Knackpunkt. Bei einer Symbiose sollten ja beide Partner zu gleichen Teilen profitieren. Wenn wir uns jetzt einen Baum anschauen, der auf nährstoffreichem und ausreichend feuchtem Boden wächst, was hat der dann im Endeffekt von dem Pilz? Dafür entzieht der Pilz ihm 25% der Assimilate und wenn er Fruchtkörper bildet vielleicht noch mehr. Der Pilz wird sicherlich nicht mit aller Kraft dem Baum zuarbeiten, denn wenn der Pilz stirbt, dann nützt ihm der Baum auch nichts mehr.MarionS hat geschrieben:Wäre das evolutionär von Vorteil?
In der Regel sollten die Symbionten mit aller Kraft dem Baum zuarbeiten, da der lebende und gesunde Baum ihnen mehr bringt.
Ach richtig, das hatte ich übersehen.Andreas R. hat geschrieben: Der Pilz nimmt Nährstoffe aus dem Boden auf und löst diese auch z.B aus organischem Material. Das macht er bevor er einen Symbionten hat und auch danach. Dann führt er sie ja dem Baum zu.
Das andere Extrem wäre, dass ein Baum an einen Standort nur überleben kann, weil der Pilz ihm hilft, dass er vielleicht nicht mehr als ein potentieller Yamadori wird, der so grad selbst ein paar Früchte im Jahr in die Welt setzen kann. Da kann er dem Pilz auch nicht viel abgeben. Die in dem Link benannte Linde ist so ein Fall. Frag mich nicht, wie die es geschafft hat, 14 Jahre in dem Kellerschacht auf ein paar Zentimetern Dreck zu überleben. Außer dem Ahorn, der es geschafft hatte, sich in einen Spalt im Beton zu zwängen und das Erdreich unter der Versiegelung zu erreichen, wuchs da nichts sonst.Bei einer Symbiose sollten ja beide Partner zu gleichen Teilen profitieren. Wenn wir uns jetzt einen Baum anschauen, der auf nährstoffreichem und ausreichend feuchtem Boden wächst, was hat der dann im Endeffekt von dem Pilz? Dafür entzieht der Pilz ihm 25% der Assimilate und wenn er Fruchtkörper bildet vielleicht noch mehr.
Anzunehmen. Es gibt im Reich der Symbiosen sicher eine ganze Reihe von Notgemeinschaften und Lieblingsgemeinschaften. In der Not frisst der Teufel Fliegen.Und dazu noch eine interessante Anmerkung: Pinus sylvestris kann mit etwa 25 Pilzarten Symbiosen eingehen, wird aber vielleicht von manchen Arten stärker gefördert als von anderen.
Die "WP - Düngung" halte ich für ungefährlich, weil es keine Überdüngung ist. Es wurde ja gezeigt, dass Mykorrhiza unter hohem Nitratgehalt im Boden leidet. Deshalb wurde argumentiert, dass die reichlichen Düngergaben von Walter Palls Methode den Mykorrhizapilzen schaden könnte. Das ist aber nicht der Fall, weil bei der Methode gleichzeitig sehr viel Dünger ausgewaschen wird, so dass im Endeffekt keine zu hohen Nitratwerte im Boden entstehen.Totoro hat geschrieben:Ich weiß ja das du die mineralische WP- Düngung für die Mykh. als ungefährlich ansiehst.
Könntest du (wissenschaftlich) erklären warum es für die Mykh. zwischen mineralischer Düngung und auschließlich organischer Düngung keinen Unterschied gibt ?
Pilze sind ja keine Pflanzen, und sie können auch keine mineralischen Makronährstoffe (NPK) verwerten. Profitieren tut die Mykorrhiza von mineralischer Düngung also in jedem Fall nicht.Andreas R. hat geschrieben: Bei mineralischem Dünger sind die Nährstoffe sofort für Pilz und Pflanze verfügbar. [...]
Mehr profitieren wird die Mykorrhiza wohl von organischem Dünger.