Hallo Ihr Lieben,
meine eigenen Erfahrungen in diesem Winter sind folgende :
- Winterschäden hatten wir keine an den Bonsai, aber relativ viel im Garten. Ein grosser ca. 30 Jahre alter Baum auf der Nordseite vom Garten hat diesen Winter nicht überlebt. Der Baum wurde von unserer Nachbarin (sie ist 1935 geboren, und unser Anwesen gehörte ihrem Bruder, bevor wir es vor 1 1/2 Jahre erworben haben) mit ihrer Schwägerin eingepflanzt. Auch die schönen alten roten Rosen, vorne im grossen (ca. 200 qm) Blumenbeet, haben diesen Winter leider nicht überstanden. Diese Rosen hat auch unsere Nachbarin selbst hochgezogen vor ca. 60 Jahren. Und sie sagte mir, so viele und so grosse Winterschäden hätte sie selten gesehen. Und ein paar Heckenpflanzen haben auch besonders gelitten.
- Bonsaimässig dachte ich bis heute Abend, dass wir "nur" drei Yamadori-Hainbuchen verloren hätten. Es waren die einzigen, die ich nicht ins Gewächshaus reingeholt hatte. Alle anderen Bäume kamen problemlos im frostfreien Gewächshaus über den Winter. Nur die drei standen draussen ungeschützt. Da sie diese Woche immer noch nicht austreiben wollten, obwohl selbst die "Spätzünder" wie unsere Rotbuchen schon längst aufgewacht sind (seit ca. 3 Wochen), dachte ich, die drei Hainbuchen sind tot. Aber als Béatrice mich heute im Schuppen aufsuchte, sah sie, dass die drei Yamadoris an ein paar wenige Triebe anfangen zu schieben. Da ich nicht wirklich an diese Hainbuchen gehangen habe, wäre es kein schmerzvoller Verlust gewesen. Aber wenn die drei meinen, sie wollen trotzdem weiterleben, dann lasse ich ihnen natürlich noch eine Chance.
Ansonsten, alle anderen Bäume (von den ganz kleinen (Mame) bis zu den ganz grossen, ob in Schalen, in Plastikkübeln oder in Holzkisten), alle wurden im November ins Gewächshaus gebracht und Anfang April wieder rausgebracht.
Keiner hat wirklich gelitten.
Nur ein Ast an einem alten Deshojo hat ein bisschen gelitten. Aber nix schlimmes. Kann man wieder aufbauen.
Aber mit dem GH habe ich eine ganz neue Erfahrung machen müssen : Schildläuse an einem alten und sehr wertvollen Wacholder. Das hat mich schon ein bisschen geärgert. Aber das kriegen wir auch in den Griff. Man muss eben seine Erfahrungen mit dem GH sammeln...
Zu den "Wetterverhältnissen", die wir bei uns hatten :
(ich habe nicht alles notiert... aber ein paar Eckdaten fand ich schon wichtig)
- Im November (als die Bäume ins GH gebracht wurden) hatten wir einige Minustemperaturen. Aber nichts schlimmes. Tiefstwert ca. -4°C. Tagsüber aber frostfrei. Nur eine Woche lange, Mitte-November, hatten wir Dauerfrost.
- Im Dezember hat der Monat auch mit ein paar Tage Dauerfrost angefangen. Dann war es aber milder. Ab und zu mal Minusgrade, aber nichts aufregendes/kein langer Dauerfrost.
- Im Januar war es ähnlich.
- Im Februar hat uns aber "der Schlag getroffen". Ab Anfang Februar wurde es wirklich eisig kalt. Vom 1. bis zum 13. Februar hatten wir Temperaturen bis zu -22°C (kältester Tag war der 7. Februar), und tagsüber stiegen die Temperaturen teilweise nicht über -10°C! Das war für alle Pflanzen im Garten ein sehr harte Probe. Nicht nur die tiefen Temperaturen, sondern v.a. die Länge dieser Kälteperiode (ca. 2 Wochen). Selbst im GH, wo geheitzt wurde um alles frostfrei zu halten, waren die Temperaturen in den Ecken recht kühl : Lufttemperatur gemessen bei ca. +2 bis +5°C in der Mitte vom GH, im Bodenbereich und v.a. in den Ecken, wo die GH-Heizung schlecht hinblasen kann, war es aber deutlich kühler bei ca. 0° bis -2°C, als es nachts draussen zw. -15° u. -22°C kalt war...
- Im März war es anfangs angenehm (ein paar Grad plus Temperaturen), dann später wieder ein bisschen Frost aber nicht so extrem kalt wie im Februar.
- Und im April hatten wir den letzten Frosttag am 17. (gemessene -7°C nachts). Seitdem kein Frost mehr.
Soweit die Minustemperaturen, welche ich bei uns beobachtet habe.
Und v.a. die problematische Dauerfrostperiode Anfang Februar, gefolgt von sehr milden Temperaturen und viel Sonne...
Wenn man bedenkt, dass wir hier am 29.02. und 01.03. bis +18° C tagsüber hatten und dass nicht mal zwei Wochen früher noch Minustemperaturen von -22° C herrschten ! Das war eine harte Probe für viele Pflanzen im Garten...
Zu den Aussagen, die in diesem Thread bisher gemacht wurden, scheint mir eine Aussage besonders wichtig zu sein (keineswegs um die anderen Aussagen herabstufen zu wollen, sondern einfach nur weil mir das sehr sehr wichtig erscheint) :
Heike_vG hat geschrieben:Bergi hat geschrieben:Wahrscheinlich kommt es gar nicht so sehr auf das genaue Substrat an
Es kommt darauf an, dass man das Gesamtpaket sauber und konsequent abgestimmt bekommt! Man muss wissen, wie das gewählte Substrat im eigenen Klima/Kleinklima funktioniert, wie man die Bäume dabei gießen und düngen muss, und wie man die Überwinterung damit organisieren muss.
Mir scheint auch dieses Gesamtpaket (welches Heike anspricht) der "springende Punkt" zu sein.
Liebe Grüsse,
Thierry
P.S.: Ahja, die drei Yamadori-Hainbuchen, die scheinbar doch überlebt haben, obwohl sie den ganzen Winter ungeschützt draussen standen, stehen in meiner "Lieblingsmischung für Yamadoris" : 90% Seramis, die restlichen 10% bestehen aus ein Teil gesammeltes Moos von der Ausgrabstelle (u.a. wegen der Huminsäuren und weil es scheinbar sehr gut ist für die Mykorrihza - dieses Moos mische ich mit dem Seramis), und ein Teil aus frischem Rindenmulch und kompostierter Rindenhumus. Für unser Klima hier und für meine Giess- und Dünge-Gewohnheiten ist diese Mischung nahezu perfekt (und den Bäumen scheint es auch sehr gut zu gefallen).