Also zunächst einmal die Anlage selbst:
Ich habe mich für ein Ebbe&Flut System entschieden, da es sehr einfach selbst zu bauen ist.
Dazu nimmt man eine möglichst große Plastikkiste, ich habe die aus dem schwedischen Möbelhaus verwendet, andere (z.B. aus dem Baumarkt) gehen sicher auch. Jedenfalls habe ich die größte genommen die es da gibt und dann nochmal die Gleiche in flach. Die passen genau ineinander, so dass man eine Wanne mit einem Tank darunter erhält. Man sollte die große Kiste außen mit Silofolie bekleben, außen weiß innen schwarz, damit keine Algen wachsen und sich das Wasser nicht aufheizt.
Außer den Kisten braucht man noch eine Pumpe, ich hatte einen alten Innenfilter für Aquarien übrig, sowas ist ideal, muss auch nicht besonders groß sein. Eine Zimmerbrunnenpumpe ist zu schwach. Die Pumpe wird an eine Zeitschaltuhr angeschlossen die sich minutenweise steuern lässt. Ich habe eine digitale Zeitschaltuhr vom Discounter genommen, war auch von einem Aquarium übrig. Man nimmt einen Schlauch, der genau auf den Ausgang der Pumpe passt, sichert ihn mit einer Schlauchschelle und bohrt in die obere Wanne ein Loch, wo der Schlauch gerade so durchpasst und auch nicht rausrutscht wenn man ihn durchschiebt. Er wird von unten durchgeführt und sollte nur wenige mm nach oben stehen. Kann zur Sicherheit auch mit einer Schlauchschelle versehen werden damit er wirklich nicht nach unten durchrutscht.
Die Zeitschaltuhr wird so eingestellt, dass sie dreimal am Tag (z.B. 10, 13, 17 Uhr) jeweils für 5min die Pumpe einschaltet. Die Wanne füllt sich und wenn die Pumpe wieder ausgeht läuft das Wasser durch die Pumpe langsam wieder zurück.
Ganz wichtig: viele kleine Überlauflöcher unterhalb des oberen Randes der Wanne, durch die das Wasser wieder in den Tank zurückläuft bevor die Wanne überläuft. Im Hochsommer habe ich auf 5 Zyklen pro Tag erhöht.
Die Pflanzen selbst kommen idealerweise in so schwarze quadratische Töpfe in denen z.B. Stauden verkauft werden. Nicht die kleinen sondern die größeren. Da gibt es ein Standardmaß, ich hab jetzt grad keinen zum Messen da aber es werden so 12-15cm sein. Davon passen genau 12 in die Wanne. Die Pflanzen müssen möglichst von aller Erde befreit werden, ich habe als Substrat Blähton verwendet (Fibotherm), weil ich davon immer große Mengen da hab. Unten in die Töpfe kommt gröberer Blähton (Hydrokultur-Kugeln) oder ein Fliegengitter, damit nichts durch die Löcher rieselt.
Man kann alle möglichen Pflanzen verwenden, Tomaten, Paprika/Chili, auch Salat und Erdbeeren hab ich schon gesehen. Ich habe vorgezogene Tomatenpflanzen aus dem Gartencenter genommen. Dabei war aber ein großer Unterschied zwischen billigen (1,50€) und teuren (6€) Pflanzen. Die billigen blieben etwa 50cm hoch, die teuren mindestens 3m, dann habe ich sie zur Seite gebunden. War am Schluss ein ganzer Urwald, obwohl ich immer viel weggeschnitten hab. Kann aber auch sein dass die billigen größer geworden wären wenn sie mehr Licht gehabt hätten, die teuren sind halt viel schneller gewachsen. Die teuren hatten auch größere und bessere Früchte und natürlich auch viel mehr davon.
Als Dünger muss man spezielle Düngersysteme für Hydroponik nehmen. Die bestehen aus mehreren aufeinander abgestimmten Komponenten. Bei mir waren es drei: Ein Dünger der überwiegend Kalium enthält, einer der überwiegend Phosphor enthält und noch ein dritter mit Spurenelementen, Eisen, Calcium etc. Letzteren gibt es in zwei Versionen je nachdem ob man weiches oder hartes Wasser hat. Er puffert nämlich im idealen pH-Bereich. Ich habe den für hartes Wasser genommen weil ich Leitungswasser verwendet habe. Bei uns hier kann man mit einem Liter Wasser jemanden erschlagen.
Es gibt dann Tabellen, in welchem Stadium der Pflanze wieviel von welchem Dünger ins Wasser muss. Zunächst mehr Kalium, damit sie größer werden und viel Grünmasse bilden. Dann eine Umgewöhnungsphase mit etwa gleich viel von beidem und danach mehr Phosphor, damit sich viele Blüten bilden und die Früchte schön groß werden. Es gibt auch sog. Blühbooster, die mit Hormonen dafür sorgen dass besonders viele Blüten gebildet werden und Zusatzstoffe, die am Ende der Saison bewirken dass die vorhandenen Früchte möglichst schnell ausreifen. Das hab ich aber beides nicht ausprobiert, ich hatte so schon genug Tomaten.
Etwa alle 4 Wochen muss man einen Wasserwechsel machen, ich habe das mit so einem Schlauch gemacht wie man da auch fürs Aquarium nimmt (Tank erhöht aufstellen, sonst gehts nicht). Im Hochsommer verdunstet mehr Wasser, da muss man das vielleicht bissl früher machen oder einfach zwischendrin mal mit klarem Wasser auffüllen.
Beim Wasserwechsel kann man dann auch immer das Düngerverhältnis anpassen.
Noch ein Bild zum besseren Verständnis (Wanne muss hier noch ganz in die große Kiste eingesenkt werden):

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Dieses Jahr werde ich das Ganze noch um einige Anlagen erweitern und versschiedene Obst und Gemüsesorten anbauen.
Ein kleines NFT-System habe ich auch schon in Betrieb, in das habe ich ausgesät und es scheint bis jetzt ganz gut zu funktionieren.