Schon länger habe ich diesen Bericht vorbereitet und nun ist es wie ein kleines Tagebuch.
Ein langgehegter Wunsch und großer Traum ging für mich in Erfüllung. Seit einiger Zeit steht der Wachholder nun in meinem Garten. Er bereitet mir sehr große Freude!
Ich zeige Euch diesen Wachholder, einen Juniperus Chinensis „Tohoku shimpaku“. Er stand letztes Jahr im November in Kyoto auf der Taikanten bei einem Händlerstand zum Verkauf. Das Angebot den Wachholder letztes Jahr zu kaufen, konnte ich mir nicht entgehen lassen, sprach mich doch sehr seine Form und Erscheinung an. Über ein paar Umwege und nach einer langen Reise kam er dann zu mir.
So stand er in Kyoto
Im Garten von Herrn Kunio Kobayashi zwischengeparkt und danach ging es auf die große Reise
Endlich zu hause
Neben einigen Vorzügen, wie z.B. sein schönes feines Laub bietet der Wachholder auch einige Schwächen, die es in den folgenden Jahren zu verbessern bzw. zu kaschieren gilt. Am meisten stört im Moment das unausgewogene Wachstum. Die ersten beiden Etagen links und rechts müssen noch im Verhältnis zur Krone an Grünmasse/-dichte zulegen. Am Nebari geht eine lange Wurzel auf den Betrachter zu (ist auf dem Bild mit Moos abgedeckt) Das Totholz (vor allem am Stamm) muss verfeinert, naturalisiert und dramatisiert werden. Es sind unschöne Fräs- und Sandstrahlspuren zu sehen. Dort ist noch viel möglich. Durch die erste rechte Etage wird ein wunderschöner Totholzbereich verdeckt. Bin mir im Moment nicht ganz im Klaren, wie der in die Gesamtgestaltung mit einbezogen werden könnte. Für das Alles werde ich mir die nötige Zeit und die Erfahrung und das Können von Profis in Anspruch nehmen. Euch werde ich, insofern Ihr das wünscht, von diesen Verbesserungsarbeiten berichten. In der Zwischenzeit werde ich mit dem Bäumchen erst einmal Freundschaft schließen.
Nun war ein WS mit Valentin angesagt und so ließ ich diese Chance nicht aus den Wachholder bei dieser Gelegenheit zu bearbeiten. Das A und O bei solch einem Wachholder ist es die Wuchskraft auszubalancieren und sie so zu steuern, dass alle Bereiche in etwa gleich stark werden. Das kommt der Gesundheit des Wachholders sehr zu Gute. Valentin erklärte mir das ausführlich und schon ging es an die Arbeit. Nun, theoretisch ist das ja ganz einfach, in der Praxis leider nicht so ganz. Es gibt da glaube ich so einen Bauchgefühlsweg, dem selbst große Gestalter und Pfleger folgen. Auf dem Abschlussfoto kann man die Arbeiten nur erahnen, sieht man doch nicht, wie licht das Grün im Kronenbereich jetzt ist. Es hat jedoch großen Spaß gemacht mit Valentin zu arbeiten. Was mir etwas Sorge bereitet, ist dass das Grün des Wachholders in verschiedenen Bereichen etwas „fahl“ wirkt. Ein paar wenige Ästchen wurden auch bereits gelb und sind abgestorben. Valentin führt das auf verschiedene mögliche Gründe zurück. Die dunkle lange Reise, das vorhandene Ungleichgewicht des Grüns und vielleicht ein leichter Trockenschaden könnten mögliche Ursachen sein. Selbst ein partieller Befall mit Spinnmilben konnte nicht ganz ausgeschlossen werden, obwohl keine Schädlinge entdeckt werden konnten. Bin gespannt, wie sich das weiterentwickelt.
Zwischenzeitlich führe ich das auf kleine Beschädigungen an den Ästen beim Gestalten zurück. Denn der Wachholder steht komplett im Draht. Diese Arbeiten wurde noch in Japan erledigt.
Neulich fand eine kleine Privatsession zur weiteren Überarbeitung des Wachholders in meiner Garage statt. Dabei ging es wieder darum das Wachstum auszugleichen. Valentin und ich haben einen halben Eimer voll Laub entfernt. Danach habe ich noch komplett den Draht entfernt. Er begann im Kronenbereich bereits einzuwachsen. Im Frühjahr soll nun eine erneute Feindrahtung den Glanz des Kerls zu Tage befördern. Das Totholz sollte dann auch noch verfeinert werden. Wie ich das machen werde, geistert schon längere Zeit in meinem Kopf herum. Auch eine passende schöne Schale für das Umtopfen im Frühjahr liegt bereit. Weitere Bilder zu den neuerlichen Arbeiten liefere ich nach.
Natürlich interessiert mich, wie der Wachholder auf Euch wirkt und was Ihr für Meinungen zu ihm habt!
