Kolumnen von Frank (I-XXXV)

Alles andere was zu Bonsai passt.
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Heike_vG
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Re: Kolumnen von Frank (I-X)

Beitrag von Heike_vG »

*lach* Super, kann ich mir alles lebhaft vorstellen! *daumen_new*
Und mehrere gleiche Straßennamen unter der gleichen Postleitzahl im Osten haben Norbert und mich auch schon mal verwirrt, so dass wir auf alte Fähigkeiten wie Karten lesen zurückgreifen mussten, um damals zu unserem Workshop in Thüringen zu gelangen... :lol:

Na dann, Waidmanns Heil, Frank!

LG, Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

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manuu29
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Re: Kolumnen von Frank (I-X)

Beitrag von manuu29 »

War ein geiles Wochenende *daumen_new*

Gruss manuu


Ps:frank in 4 wochen trifft sich wieder die bande
wenn die die reinwollen die die rauswollen nicht rauslassen,können die die rauswollen die die reinwollen nicht reinlassen (ganz logisch oder)
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chris.p
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Re: Kolumnen von Frank (I-X)

Beitrag von chris.p »

Einfach nur gut Frank!
Grüße
vom Oberwaidmeister
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abardo
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Kolumne XI: Warum gibt es Streit in Foren ?

Beitrag von abardo »

Kolumne XI: Warum gibt es Streit in Foren ?

Ein Grund unter vielen ist, dass hier Männer und Frauen untereineinander schriftlich kommunizieren und nicht im Zwiegespräch. Und die Anonymität in einen Forum gerne verschleiert, wer Mann oder Frau ist.

Männer definieren sich zumeist über die Zugehörigkeit zu ihrer Horde, verschliessen ihre innere Gefühlswelt, die sie als anstrengend empfinden und schalten sich lieber über andere Männer gleich. Dabei werden Monologe gehalten, Wissen zu einem Konsenz gebracht, damit der Leiter der Gruppe dann diese als Gesetz übernimmt und alle anderen Männer belehrt. Das bringt die Horde voran. Gleichzeitig existiert aber eine immerwährendes Konkurrenzgerangel. Da wird sich aufgeplustert, pauschalisiert und provoziert, um die Hackordnung in Schwung zu halten. Das ist normal und akzeptiertes Sozialverhalten (solange es nicht explizit unfair ist) in der Männerriege. Als Teil seiner Gruppe findet der Mann sein Selbst.

Frauen definieren sich jedoch eher über ihre innere Gefühlswelt. Fakten werden mit Erfahrungen in Verbindungen gebracht und mit anderen Frauen ausgetauscht, indem sie sich über die Gefühlswelt anderer Frauen informieren und diese mit ihrer eigenen abgleichen. Verständnis auf der gesamten Linie und gleichzeitig immerwährende Reflexion. Auch das bringt die Horde voran.

Natürlich gibt es Männer und Frauen in allen möglichen Abstufungen auch mit männlichem und weiblichem Sozialverhalten und was heutzutage Konsenz im Sozialverhalten ist unterscheidet sich deutlich von vor 100 Jahren. Nur verstehen Männer und Frauen oft noch nicht, dass das andere Geschlecht anders tickt. Ein gutes Beispiel war eben in Heikes Thread "Igel mit Schildkröten" zu lesen.

holgermueller schrieb: "die Schale geht gar nicht", eine normale Aussage für einen Mann. Wirklich. Ganz normal unter Männern. Pauschal gemacht wartet er auf eine Reaktion der Horde, auf eine Erwiderung der anderen Männer, gerne etwas zugespitzt, um zu erfahren, wo die Gruppe steht.
Die korrekte Antwort darauf in einer Männerhorde wäre gewesen: "Klar geht das, Heike hats ja gemacht". Was ein bisschen witzig ist, seine Aussage "in die Ecke" stellt und somit entschärft und klar macht, das nicht jeder so denkt. Damit kann ein Mann leben. Oder eine Abstimmung, wers doof finded und wer nicht. Die Mehrheit siegt. Dann weiss er, ob er Recht hatte oder nicht und fühlt sich in beiden Fällen wohl. Das Ergebniss wird ins Kollektivwissen der Horde übernommen und anschliessend von allen beteiligten Männern als erledigt abgehakt und vergessen.

Was heisst aber "die Schale geht gar nicht" nun für eine Frau ? Hier wird nicht nur Ihre Kompetenz in Frage gestellt, sondern auch ihr Geschmack und somit ihre Gefühlswelt. Und zwar pauschal. Die Aussage lässt ihr keinerlei Interpretationsraum, ist absolut. Und ist somit ein direkter Angriff auf ihr Innerstes, für eine Frau wird hier ihre Person komplett in Frage gestellt.
Und da gibt es für Frauen kaum etwas Schlimmeres. Das rüttelt sozusagen am persönlichen Fundament. Was bleibt der Frau dann übrig ? Entweder zieht sie sich heulend zurück und lässt sich von anderen Frauen trösten, beraten und beruhigen oder teilt gehörig und nun auch überzogen aus, haut verbal zurück.

Letzteres empfindet der Mann aber wieder als unfair, was hat er denn gemacht, ausser mit einer pauschalen Aussage seine Gruppe zu befragen ? Und jetzt wird nicht seine Aussage auseinander genommen, sondern plötzlich er selbst ("ungezogen" ist er plötzlich = hält sich nicht an die Gruppenregeln) und er weiss, das das in seiner Horde nicht toleriert wird. Aus der Horde darf der Mann aber bloss nicht ausgeschlossen werden, sondern nur befördert oder degradiert, damit kann der Mann leben. Aber Verbannung (was einem "mimosenhaften" Mann schonmal drohen kann) ? Das wäre sein sozialer Tot. Jetzt muss er argumentieren und monologisieren, um wieder in der Gruppe aufgenommen zu werden. Und wehrt sich.

Der Streit eskaliert. Der eine muss also nur verstehen, das die Aussage null persönlich gemeint ist, der andere, dass pauschale Aussagen verletzend aufgenommen werden. Beides ...

... "geht nämlich gar nicht".


P.S.: ... wenn ich jetzt das hier Geschriebene noch einmal überfliege, sehe ich doch recht deutlich, wie oft ich mich selbst als typischer Mann verhalte und wieder nur schwafelnd Monologe halte. Mann hört sich halt gerne reden *doh*

Eins noch: für Männer sind so etwas Diskussionen, die irgendwann zu einem Ergebniss kommen. Der Weg, wie man zu einem Ergebniss gekommen ist, wird dann mangels Speicherkapazität sofort vergessen. Frauen vergessen so etwas aber nie :wink:
Zuletzt geändert von abardo am 27.05.2015, 11:12, insgesamt 2-mal geändert.
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Anja M.
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Re: Kolumnen von Frank (I-XI)

Beitrag von Anja M. »

... und als nächstes führst du noch PMS als Erklärung für den Aufstand an. Dann nenn ich dich Sheldon. *engel*

Ohnsorg ist gar nichts dagegen, wenn die Beiträge dem amüsierten Publikum zuliebe ein wenig zackiger gekommen wären.
73 Anja
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abardo
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Re: Kolumnen von Frank (I-XI)

Beitrag von abardo »

"Zackig" finde ich als Mann ja auch immer besser, deshalb ein kleiner Zusatz:

Persönlich glaube ich, dass die meisten männlich Sozialisierten die dauernden Gefühlsmitteilungen wie "gefällt mir gut" und "toll gemacht" und "sieht schön aus" für sinnentleertes und völlig überflüssiges Beiwerk halten, dass ihnen eher Schmerzen bereitet.

Für die meisten Frauen wird das aber essentiell sein.

Also Brüder: weiter tapfer sein.
Grüße, Frank
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abardo
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Kolumne XII: Herr Händler, bitte zum Diktat

Beitrag von abardo »

Kolumne XII: Herr Händler, bitte zum Diktat

Angefangen hat diese Kolumne eigentlich auf der Noelanders. Käufe, selbst im Tausender-Bereich, wurden grundsätzlich bar abgewickelt, wo jeder Imbiss mittlerweile ein über Funk betriebenes POS-Terminal besitzt und EC oder Kreditkarte Standard sind. Da konnte man an der dicken Gesässtasche einiger Besucher schon sehen, wer grad richtig einkaufen wollte. Geldscheine wechseln doch heutzutage eigentlich nur noch bei schwarz beschäftigten Bauarbeitern oder beim Drogenverkauf deines ortsansässigen Dealers von Hand zu Hand.

Online ist da bei einigen Händlern aber auch einiges im Keller. Was ist man nicht von der Bucht, von der Amazone und diversen Gartenshops verwöhnt. Sortiert nach Preis, Alter, alphabetisch, als Übersicht, gekachelt oder der Relevanz entsprechend der letzten Einkäufe. Drauf geklickt, Warenkorb, als Gast bestellt, Paypal oder Lastschrift, Bingo. Das ganze wird dann bestätigt, nochmals, wenn die Lieferung raus ist, mit Link zur Paketverfolgung und wupp, 2 Tage später ist alles glatt. Kommentar im Gästebuch: gerne wieder.

Nicht so bei den Shop-Bonsaianern. Nicht enden wollende Textlisten oder Kategorien, die aber auch nichts mit dem zu tun haben, was ich eigentlich suche. Navigationskonzepte, die einen ins Online-Nirvana jagen. Vielleicht ist mir gerade egal, ob die Hainbuche, die ich schlussendlich kaufen werde, ein Shohin, Solitär oder Rohling ist ? Feldkultur oder Jungpflanze ? Standort, Früchte, Belaubung ? Ich suche einfach nur eine Hainbuche. Und die will ich aus einer Liste aussuchen können. Oder mich interessiert gerade gar nicht, ob meine Schale grün ist oder aus Tokoname kommt, sie soll einfach nur die richtige Grösse haben ?
Ein anderer hat etwa 4 verschiedene Shops und acht Domains, so schafft man sich auch eine Marke.

Dann erstmal das vierhundertste Shop-Konto anlegen. Kein Wunder, wenn der Normalsurfer überall das gleiche Passwort nimmt. Gastbestellung nicht möglich. Die Versandkosten oder -varianten und die Bezahlmöglichkeien werden einem natürlich auch erst angezeigt, nachdem man sich wieder digital bis auf die Unterhose ausgezogen hat. Warum will der Händler wissen, wie alt ich genau bin ? Reicht es nicht zu klicken, das ich volljährig bin ? Und wupp, ich hab die tolle Auswahl zwischen Abholung und Vorkasse, wie fortschrittlich.

Ok, auch geschafft und siehe da eine Bestellbestätigung. Zum Ausdruck natürlich völlig ungeeignet, einfach nur unsachgemäss formatiert. Und die auch keine Auftragsbestätigung ist ? Aja, war ja Vorkasse, die müssen wohl erstmal zur Bank fahren und gucken, obs Geld da ist. Klar ist es da, nur 17 Minuten später, habs ja gleich online angewiesen. Eine Woche später gibt es zwar eine Auftragsbestätigung, aber keine Versandmitteilung. Per eMail nachgefragt, nix. Muss ich wohl wieder anrufen, ist ja ein grosser, bekannter Händler. Telefon=AB. Prima, weiter warten. Ich seh es schon wieder voll in die Hose gehen, dann kommt bestimmt keine Rücküberweisung, sondern ein Gutschein. Leute, Gutscheine sind im Online-Handel nicht zulässig.
Bei einem anderen bekomme ich zwar eine Bestätigung aber keine Schale, eine Woche später nachgefragt, aha, das Lager wird grade umgebaut, die Schale gibt es nicht mehr oder wird im Chaos nicht gefunden. Schon mal was von Warenwirtschaft und Back-Office gehört ? Hab nach einer Alternative gefragt. Keine Antwort. Der Kollege ist wohl heute noch beim umbauen …

Es gibt natürlich auch Gute: mit allen Versand- und Bezahlmöglichkeiten, die alles gleichzeitig bei Amazon oder ebay mit einstellen, dann kann ich bei ebay suchen und in deren eigenem Shop bestellen, ist für den Händler dann günstiger. Vielleicht manchmal nicht richtig schick, aber antwortet zeitnah auf eine eMail und wenn ich in der Suche "Hainbuche" eintippe, kommen auch alle Hainbuchen mit kleinem Bildchen in einer Liste, die ich nach Preis oder Alter sortieren kann. Da findet sich schnell das richtige und bei dem netten Kontakt fährt man dann auch gerne mal hin.

Jetzt mal Butter bei de Fische. Gute Händler hin oder her. Tolle Gestalter, mag alles sein. Riesige Auswahl und qualitativ hochwertig Pflanzen vor Ort, super. Aber wenn ich was bei Bonsai nicht weiss, rät mir jeder, ich soll jemanden fragen, der sich auskennt. Wenn ich die Handgriffe nicht beherrsche, rät mir jeder, ich soll zu einem Seminar oder Workshop gehen. Und das ist auch gut so. Das ist vernünftig, das mach ich dann auch. Und darum rate ich mal dem ein oder anderen Händler: Wer einen Online-Shop hat, darf dann aber auch mal eine Webagentur beauftragen, die was drauf hat und weiss, was intutive Navigation und responsive Design ist, damit es auch vom Smartphone klappt. Oder er stellt einen Einzelhandelskaufmann ein, der sich um die Abwicklung kümmert und dann den Bestand in eine passende Mietshoplösung mit allen notwendigen Zusatzplugins einpflegt und lässt das weder Mutti noch den Sohnemann machen. Und liest nicht nur Bonsai Focus oder Bonsai Art, sondern eben auch mal die ct oder die e-commerce. Oder er geht zur VHS oder IHK und drückt mal ein bisschen die Schulbank. Und schreibt auf seine Homepage bis dahin lieber: Unser Onlineshop ist noch in Vorbereitung. Sie erreichen uns vor Ort unter ...
Zuletzt geändert von abardo am 27.05.2015, 11:14, insgesamt 1-mal geändert.
Grüße, Frank
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AndreasK

Re: Kolumnen von Frank (I-XII)

Beitrag von AndreasK »

Wieder mal sehr gut und treffend formuliert Frank!
Deine sehr lebensnahen Geschichten gefallen mir immer wieder!
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abardo
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Kolumne XIV: Hat nichts mit Bonsai zu tun …

Beitrag von abardo »

Kolumne XIV: Hat nichts mit Bonsai zu tun …

Ich werd alt. Jetzt stöhne auch ich mal ein saures "früher war alles besser", denn: Computer gehen mir aufs Gebälk. Jeden Tag mehr. Nicht weil Computer vieles erleichtern und dabei immer leistungsfähiger werden, sondern weil sie heutzutage fast nur noch am Handgelenk baumeln oder die Hosentasche ausbeulen. Nur noch Smartphones, Pads und iWatch sind (was in dem Zusammenhang ein super Name ist. Die Frage ist nur, wer hier wen beobachtet, gelle ?).

Und die Älteren, diejenigen, die mit Computern wirklich aufgewachsen sind, die sich noch an Grünmonitoren und Floppydisks erfreut haben, haben verpennt, den heutigen Lehrern in der Schule mal beizubiegen, wie man die wirklich benutzt, damit die es sinnvoll an den hoffnungsvollen Nachwuchs weitergeben. Oder hatten selbst keine Ahnung und haben dann den lieben Kleinen einfach das neueste Handy in die Schule mitgegeben und begreifen schon längst nicht mehr, wie die Computernachzügler ticken.

Und die ticken nämlich mächtig anders oder besser gesagt gar nicht. Da wird ohne Sinn und Verstand mit den Chips-verschmierten und McDoof-gefetteten Fingern auf dem Display rumgeschmiert. Wie das alles funktioniert, wer da den Job erledigt, was der Computer da macht, egal, weiss ich nicht, muss ich nicht wissen, klappt ja. Oder auch nicht. Auch egal, dann ist die App halt Mist. Und deshalb dann eine App nach der andere saugen, die Daten und Bilder in alle Welt verstreuen und sich wundern, dass man weder im privaten noch im Job noch mit Behörden oder Firmen kommunizieren kann, weil man nur noch die Runterfallkiste und die WasIstLos-Applikation kennt (eine Applikation ist im Deutschen übrigens auch eine "sinnlose Ornamentik" !). eMail ? War da mal was ?

Kein Wunder dass solcherlei Hintergrundwissensignoranz dann auch zu einer belämmerten Ausdrucksweise und einem Satzbau, einer Interpunktion und einer Rechtschreibung führt, die den Sinn völlig verschleiert. Einen raten lassen muss, was gemeint ist und was nur durch eine weitere PN geklärt werden kann.

Alternativ kann man natürlich auch mal in die Anfängerhinweise des Forums reinschreiben, dass es schon hilfreich ist, sich seine eigenen Fäden mindestens zweimal durchzulesen. So für die ganz Unbedarften.

Das ein Computer auch genutzt werden kann, um ein sauber ausgeleuchtetes und mit einer echten Spiegelreflexkamera vor einem gutem Hintergrund aufgenommenen Foto noch verbessern kann, weil es sowas wie Bildverarbeitungsprogramme gibt, dass man die Bilder dann in Dateien auf seinem Rechner speichern kann, lokal und ohne die beim Zwitscher rumzuposaunen und dann einfach hier ins Forum hochladen kann, weil ein Computer zumeist eine Maus hat, mit der man die Aktenreiter und Knöpfe bedienen kann, davon wissen die Konsumenten der Endanwendertechnik eben leider nichts mehr. Das muss man jedem immer und immer wieder zeigen und das ermüdet so sehr, dass ich schön an die Firewall gelehnt einschlafen könnte …

Insofern hats vielleicht doch wieder was mit Bonsai zu tun.
Zuletzt geändert von abardo am 27.05.2015, 11:18, insgesamt 1-mal geändert.
Grüße, Frank
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Heike_vG
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Re: Kolumnen von Frank (I-XIV)

Beitrag von Heike_vG »

Frank, Du legst den Finger immer wieder zielsicher und mit wunderbar treffendem Wort auf die entsprechenden Macken und Unzulänglichkeiten der (Bonsai-)Gesellschaft. *clap*
Bitte nicht aufhören! Es ist wohltuend, dass die Dinge zur Sprache kommen und dann noch auf humorvolle Weise. :-D

Liebe Grüße,

Heike
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abardo
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Kolumne XV: Ohne Spray und Öl - Blaubeere von Frank (#B17)

Beitrag von abardo »

Kolumne XV: Ohne Spray und Öl

Ja, ich habs getan, einfach so. Es wurde eine Bonsaiaustellung in der Nähe angepriesen und ich war so frei und hab einfach mal ein Baumporträt zu den Veranstaltern geschickt und gefragt, ob ich da mithoppeln darf. Und siehe da, ich durfte. Zum allerersten Mal und ohne irgendwelche Rückfragen und Vorschriften.

Der Aufbau am Tag vor der Eröffnung war schon, äh, interressant. Die Aufbauphase hatte nämlich nichts von der Wettkampfatmosphäre, die ich erwartet hatte, war völlig entspannt. Einen hierhin und Nr. 72 bitte dahin. Die Bäume wurden einfach so hingestellt und fertig. Da hat keiner gemessen und positioniert. Bäume wurden von Dritten geliefert und der Gestalter war selbst weder anwesend, noch hatte er einen Zettel mit klaren Anweisungen hinterlassen, auf welchem Tisch, Unterleger und mit welchem Beisteller er seinen Schatz präsentiert wissen wollte. Da wurde nicht geputzt und gepustet, bis das letzte falsche Körnchen weg war. Da kam kein Glanzspray auf die Blätter und kein Kamelienöl auf die Schalen und Wurzeln. So wie im Garten, so auf der Ausstellung. Erinnerte mich so gar nicht an die Reportagen über Wettkampftage, z.B. bei Bodybuildern, da gabs nämlich Spray und Öl. Und die dortigen Teilnehmer fassten sich noch kurz vor dem Betreten der Arena genüsslich und ausgiebig in den Schritt, damit auch dort alles saß.

War ich hier falsch ? Meinen Substratboden hatte ich mit einem kleinen Pinsel gefegt, aber schon zu Hause. Und das Moos mit einer Planenkonstruktion an sehr sonnigen Tagen vor dem Austrocknen geschützt. Und eine Stellprobe gemacht und mit Fotos dokumentiert. Wollte mich in meiner Unbedarftheit ja nicht bis auf die Knochen blamieren, meine Präsentation war schon schräg genug. Also Tage vorher nur noch mit Regenwasser gegossen, um die letzten Kalkspuren zu beseitigen. Den letzten Draht abgemacht und den Unterleger mit Glasreiniger gewienert. Den Beisteller gekämmt und dem Baum gut zugeredet, damit er die Blüten noch ein paar Tage dranbehält, ihm klassische Musik vorgespielt ...

Also einfach das Bestmögliche rausholen. Doch warum machte ich das ? Einfach: es gibt zwei Gründe.

Das Drumherum einer Bonsaiaustellung wird erst richtig interessant, wenn keine Zuschauer, sondern nur Profis anwesend sind. Und davon auch nur wenige. Da latscht kein dicker Wanst vor die Flinte, wenn man mal in Ruhe ein gutes Foto schiessen will. Und die Fleischereifachverkäuferin mit den drei Quengelkindern schreit auch nicht quer durch die Halle. Da quatscht man stattdessen angenehm lässig und informativ direkt mit den Gestaltern der Bäume und kann bei allen Händlern sich schonmal das Wichtigste zurückstellen lassen. Das ist nett.

Aber viel wichtiger: man nimmt dann die ganze Familie und Freunde am nächsten Tag zur Ausstellung mit. Plötzlich sind die nämlich richtig neugierig geworden. Schon Wochen vorher. Man stellt ja aus. Wer vorher innerhalb von 10 Sekunden an allen heimischen Bonsaitischen vorüberschlenderte, die Bonsai geschätzt für 0,2 Sekunden und am besten noch so richtig falsch von ganz nah und direkt von oben wahrnahm und dem dann ein "schön, schön machst du das da" entfleuchte, der war plötzlich richtig interressiert. Kunstaustellungen kennen ja die Meisten. Da nimmt man sich pro Exponat ein bisschen Zeit, lässt es auf sich wirken, fragt was und lässt sich was erklären. Spricht in gedämpften Ton und bewegt sich angemessen langsam. Man hat ja dafür Eintritt bezahlt. Und man selbst ist in den Augen der Uneingeweihten plötzlich geadelt, ein Künstler. Aha. Sieht mein Baum durch eine Ausstellung jetzt irgendwie anders aus als zu Hause ? Bin ich jetzt irgendwie besser geworden ? Ne, eher nicht. Aber der Rahmen war ein anderer.

Am heimischen Herd zu kochen entlockt eben nur ein "bin satt". Kocht man genau das Gleiche in einem Kurs bei Ralf Zacherl in einer schicken Loft-Studio-Küche, ist es plötzlich "deliziös" und "exorbitant".

Jetzt versteh ich auch, warum die Aussteller nicht bis zur letzten Sekunde an Ihren Bäumen feilen. Brauchen die nicht. Eine Jury gab es ja nicht, die Zuschauer wurden zur Wahl des besten Bonsai aufgerufen und die finden sowieso nur die S-förmigen Baumarkt-Ulmen-Felspflanzungen toll.

Nein, die Teilnehmer machen das wohl nur, um ihren Familien und Freunden zeigen zu können, warum sie soviel Zeit in Bonsai investieren.
"Trockenes Brandenburg" von Frank
"Trockenes Brandenburg" von Frank
P.S.: für die nächste Ausstellung hab ich mich auch schon angemeldet. Diesmal ohne Familie, da gut 200km weit weg. Macht bestimmt noch mehr Eindruck, wenn es dann im Nachbarbundesland stattfindet, sozusagen schon fast im Ausland. Das mildert dann zu Hause für mindestens ein Jahr der Erklärungsdruck.
Zuletzt geändert von abardo am 02.12.2015, 17:35, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Kolumnen von Frank (I-XV)

Beitrag von Tofufee »

Hallo Frank,
dein "Trockenes Brandenburg" gefällt mit äußerst gut!
Angeregt durch das Foto habe ich mir dann auch die Zeit genommen, die weiteren Kolumnen zu lesen (nachdem die erste ja gemischte Reaktionen hervor gerufen hatte). Hat mir auch Spaß gemacht!
Grüße
Monika
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Re: Kolumnen von Frank (I-XIV)

Beitrag von Anja M. »

abardo hat geschrieben:
Und man selbst ist in den Augen der Uneingeweihten plötzlich geadelt, ein Künstler. Aha. Sieht mein Baum durch eine Ausstellung jetzt irgendwie anders aus als zu Hause ? Bin ich jetzt irgendwie besser geworden ? Ne, eher nicht. Aber der Rahmen war ein anderer.
Und man steht zudem nicht als einziger komischer Knopf da, sondern eine Menger anderer, anständig aussehender Leute machen sowas auch.
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Re: Kolumnen von Frank (I-XIV)

Beitrag von abardo »

Anja M. hat geschrieben:
abardo hat geschrieben:
Und man selbst ist in den Augen der Uneingeweihten plötzlich geadelt, ein Künstler. Aha. Sieht mein Baum durch eine Ausstellung jetzt irgendwie anders aus als zu Hause ? Bin ich jetzt irgendwie besser geworden ? Ne, eher nicht. Aber der Rahmen war ein anderer.
Und man steht zudem nicht als einziger komischer Knopf da, sondern eine Menger anderer, anständig aussehender Leute machen sowas auch.
Hallo Anja,

von der Grundaussage finde ich das auch korrekt, aber das wortwörtliche "anständig aussehen", würde ich jetzt nur in Ausnahmen unterschreiben wollen. Deshalb sind auf meinen Fotos von der Ausstellung auch kaum Leute zu sehen. Manche, ähm, Outfits, hust, verderben wirklich jeglichen optischen Gesamteindruck.

Aber das ist dann mal ein gutes Thema für eine weitere Kolumne :-D
Grüße, Frank
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Re: Kolumnen von Frank (I-XIV)

Beitrag von Gazelle »

abardo hat geschrieben:...die Zuschauer wurden zur Wahl des besten Bonsai aufgerufen und die finden sowieso nur die S-förmigen Baumarkt-Ulmen-Felspflanzungen toll.
Ja, dass mit den S-förmigen chinesischen Dingern aus Massenproduktion scheint irgendsoein Trend (um nicht zu sagen: "Seuche") zu sein... oder ein Ping-Pong-Spiel zwischen Anbietern und Nachfragern (die Händler, insbesondere im online-Bereich sowie Baumärkte, überfluten den Markt mit diesen Teilen => die unbedarften (Neu-)Kunden denken "das ist Bonsai" und kaufen => die Händler sehen Absatzchancen und ordern nach)

Ja, auch auf unserer gestrigen Berliner Ausstellung gab's leider (aus meiner Sicht!) Händler, die die verbogenen Dinger auf ihrem Tisch hatten. Aber der Großteil der Sachen, die dann verkauft wurden, entsprach doch eher unser beider Bonsai-Verständnis.

Und zurück zu deiner Einschätzung der Zuschauer: kann sein, dass ich mich irre, aber der unter den gestrigen Gewinnern - besser "Publikumslieblingen" - waren zum Glück keine "S-förmigen Baumarkt-Ulmen-Felspflanzungen" *daumen_new*

Die Fragestellung ist jedoch interessant - ich werde mal prüfen, wieviele solcher bzw. ähnlicher Ausstellungsbäume überhaupt dabei waren und wo die sich in der Wertung wiedergefunden haben.

Last but not least: schön, dich mal persönlich kennengelernt zu haben :-D
LG, Stephan
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