Im Frühjahr 2005 habe ich im Sauerland eine recht skurrile Rotbuche ausgraben können. Sie kam in ein 50 Liter Speißfass und sollte erst mal vernünftig anwachsen. Ich hatte damals noch keine Vorstellung für den weiteren Weg des Baums. Da sich seinerzeit in meinem Umfeld einiges verändert hatte, war ich den Baum und das Problem der Gestaltung aber schon im Frühjahr 2006 wieder los.
Gut, seitdem steht der Baum bei einem Freund im Garten. So ab und zu muss ich ein Auge auf die Bäume werfen, denn der Mann ist absoluter Anfänger in Sachen Bonsai. Letztes Jahr erzählte ich ihm haarklein von dem Abmoosen meiner Dreierhainbuche.
Und prompt, zwei Tage später klingelt er spätabends bei mir an. "Du Michael, ich will die Buche abmoosen und hab den Rindenschnitt unter der großen Astgabel schon gemacht. Hast du mal ein bißchen Erde und was man da so braucht...?" Au weia dachte ich nur, so spontan ohne die richtige Ahnung und Vorbereitung kann das doch nix werden. Habe natürlich trotzdem meinen Keller auf den Kopf gestellt und eine halbe Stunde später fuhr mein Freund mit einem halben Eimer Akadama-Trockenschüttung-Mischung, Spagnum, Wurzelhormon, Teichpflanzenkorb und einer mündlichen Arbeitsanleitung nach Hause.
Gestern Mittag ruft er an und erzählt mir, dass die Stelle gut gewurzelt hat und das er jetzt die kleinere Seite der Astgabel separat abnehmen möchte, da auch in der Gabel Wurzeln getrieben hätten. Er hätte die Äste der entspechenden Gabelseite auch schon eingekürzt. Ups, da hab ich erst mal geschluckt und mit ihm vereinbart, bis Sonntag zu warten damit wir das zusammen angehen. Hat er zum Glück gemacht. Gut, als ich das heute so gesehen hab, hat mein Freund noch weiter erklärt, was er so damit vor hat. Nach der Trennung wollte er direkt die große Seite zum Abmoosen vorbereiten, um unterhalb der Verzweigung eine Floßform zu erhalten. Erst mal sehen, was los ist, war meine Devise und wir haben unter der Abmoosestelle das Ganze abgesägt. Um den kleineren Teil einigermaßen wurzelschonend abzuschneiden, konnten wir auf den großen Teil keine große Rücksicht nehmen. Es wurde also darauf geachtet, erst mal so viel wie möglich der Wurzeln vom kleinen Teil zu erhalten. Naja, die Säge hat gesägt und die schwach bewurzelte Seite mit Wurzelhormon und Spagnum versehen in einen TPK gesetzt. Mal sehen, so in zwei oder drei Jahren wissen wir mehr. Beim großen Teil kam es nicht so auf das Wurzelwerk an. Hauptsache er überlebt. Also auch hier zurückgeschnitten, Wurzelhormon und Spagnum drauf und ab in einen mittelgroßen Kübel. Zum Glück konnte ich meinen Freund davon überzeugen, dass das Abmoosen der Floßform dann doch besser erst in ein oder zwei Jahren stattfindet. Auch wenn es nicht mehr meine Bäume sind, werde ich aber weiter für Updates sorgen.
