Heike,
oh man, so schnell und dann auch noch so detailiert, daß hat man selten - vielen Dank für Deine Mühe!
Zuerst zum Buch, welches von Jarry Meislik geschrieben wurde und "Ficus - The Exotic Bonsai" heißt. Nach meinen Recherchen gibt es das nur in den USA, auch in Web-Shops in Europa bin ich nicht fündig geworden, aber vielleicht habe ich nicht ausführlich genug gesucht!? Jerry's website lautet:
www.bonsaihunk.8m.com
Na da kannst Du ja ersteinmal auf jeden Fall eine deutlich längere Erfahrungszeit als ich vorweisen! Vielen Dank für Deine ausführliche Stellungnahme zu Deinem Substrat und dem Gießen, da bin ich momentan noch nicht so gefestigt, wie Du. Bis dato habe ich als Substrat zu 50% die Hausmischung aus Münster (33% Akadama, 21% Lavasplit, 46% Floraton) zusammen mit weiteren 50% reinem Akadama verwendet, so daß ich einen Akadama-Anteil von insgesamt knapp 70% erreiche. Darunter liegt noch eine Schicht Bims-Kies zur Verbesserung der Drainage. Ich muß sagen, daß selbst jetzt die Substratoberfläche nach ca. einem Tag trocken ist. Bis vor kurzem habe ich noch alle zwei bis drei Tage gegossen. Seit ca. zwei Wochen teste ich, wie die Pflanzen auf eine tägliche Wässerung bei verringerte Menge reagieren. Ich versuche dabei, das Substrat gleichmäßiger feucht zu halten, ohne es zu druchnässen. Bis dato kann ich keine nennenswerte Veränderung bei Ficus feststellen, obwohl ja definitiv mehr BioGold ausgeschwemmt werden müßte. Aber vielleicht habe ich auch zu wenig BioGold benutzt, wenn ich Deine Mengen gegenüberstelle! Man sagt ja, pro cm der Schalenlänge ein Steinchen. Auch Flüssigdünger nutze ich bis dato nicht zusätzlich. Aber danke für den Tip mit dem Stickstoff. Meine Carmonas jedenfalls bekommen (noch) grünere Blätter, genauso wie eine Serissa.
Leider gibt es hier in Berlin keinen nenneswerten Bonsai-Laden/-Züchter, sondern nur Baumärkte und diese sind halt entsprechend sortiert. Das einzige, was man dort bekommt, sind ewig gleich gestaltete Ficus mit s-förmigem Stamm (Gleiches gilt natürlich auch für Carmona, Serissa, etc.), die für mich nicht in Frage kommen. Somit bin ich dazu übergegangen, frisch-gezogene Ficus-Nastasia zu suchen/kaufen, da mir bei denen die kl. Blätter gefallen. Diese gibt es teilw. einzeln gezogen/getopft als >50cm-Exemplare für ne’n Fünfer. Mittlere Exemplare mit 30-40cm Größe, zu zweit in einem Topf, gibt es als Hydropflanzen. Und hier meine Frage, hast Du Erfahrung mit der Umsetzung von Hydro auf unsere (Bonsai-) Substrate? Mir sind bis dato schon zwei verreckt, einer kämpft noch in der o.g. Substratmischung und ein Vierter weiß auch noch nicht so richtig, was er möchte und steht in lockerer Blumenerde.
Aber vielleicht hat es auch damit zu tun, daß mir vom Bonsai-Club in Berlin jemand kürzlich mitteilte, daß man bei Ficus die dicken, feuchtigkeitsspeichernden Wurzeln ohne Bedenken entfernen, bzw. einkürzen kann. Ich hatte ihn speziell daraufhin angesprochen, da ich eine Waldpflanzung vornehmen wollte und in der flachen Schale das Problem mit den o.g. Wurzeln hatte. Nach meinen Erfahrungen würde ich heute sagen, daß das völliger Quatsch ist und Ficus diese Wurzeln für den eigenen Feuchtigkeitshaushalt auf jeden Fall benötigt. Für eine Waldpflanzung muß dann halt das Substrat entsprechend hoch angelegt werden.
Was ich teilw. beobachte ist, daß Ficus-Triebspitzen, bei denen man vermutet, daß diese bald ein neues Blatt bilden werden, plötzlich eintrockenen, bzw. es nicht schaffen, das neue Blatt zu öffnen. Diese Beobachtung ist unabhängig meines Gießens. Kannst Du hierzu etwas sagen? Ich besprühe die Bäumchen regelmäßig 1-2mal pro Tag.
Leider kann ich Dir zu Deinen Erkenntnissen über die verschiedenen Blattgrößen bei Ficus retusa nichts sagen, da ich diese Ficus-Art nicht besitze. Hier findest Du in Jerry’s Buch mit Sicherheit eine erweiterte Darstellung der Arten. Das Drahten funktioniert bei meinen Bäumchen soweit, wobei ich auf mehrjährige Versuche leider nicht zurückblicken kann.
Alles in allem geht es mir darum, mit Ficus auch etwas anderes zu realisieren, als nur die o.g. Standardform, oder ein paar Ästchen an einem monströsen Stamm zu haben (s. Jerry Meislik). Ich denke, daß man aufgrund der gegenständigen Verzweigung und Blätter, der Flexibilität beim Drahten auch stärkerer Äste, der Schnittverträglichkeit und Robustheit, auch sehr gut div. andere Formen eindrucksvoll und schnell realisieren kann.
Wie Du es am Beginn des Threads formuliert hast, hoffe ich nicht, daß ich Dich jetzt „zugetextet“ habe. Ich wäre Dir dankbar, wenn Du zu dem einen oder anderen Punkt nochmals Stellung beziehen könntest.
Vielen Dank im voraus + Grüße, Chris.