Bohrpropfen beim Ficus, Ulf hat Ahnung!!!

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torfkopp
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Bohrpropfen beim Ficus, Ulf hat Ahnung!!!

Beitrag von torfkopp »

Hallo, liebe Leute...

Als noch ziemlicher Bonsai-Blödmann halte ich mit Tips (noch) zurück und nehme täglich passiv an der Diskussion teil. Heute hab ich 'ne Frage bezüglich meines Ficus. Ulf kennt sich ja prima aus, ein Festessen für den Burschen.

Den Ficus retusa auf diesem Bild hab ich in den letzten zweieinhalb Jahren aus einem Busch gefriemelt. Die Blätter sind schön klein geworden und langsam wird ein Bäumchen draus. Was hier natürlich sehr stört, sind die beiden linken unteren Äste.
Auf dem Bild leider nur in zwei Dimensionen und schwer zu erkennen, der untere Ast wächst im Winkel von 45 Grad auf den Betrachter zu. Der Ast darüber sieht wegen der Gegenständigkeit und dem Austrieb am Astende natürlich auch nicht blendend aus, müßte näher an den Stamm. Salopp gesagt, erinnert mich der Baum an einen Verkehrspolizisten, der mit ausgebreiteten Armen eine Kreuzung sperrt und dabei Latte hat ;-)

Ich mag diesen Baum, er ist gesund und kräftig, es geht ihm blendend. Und... es einer meiner ersten!
Nun meine Frage: Drahten scheidet aus, die Äste würden abbrechen. Hat jemand bei einem Ficus schon mal Äste mittels Bohrpropfen versetzt? Wenn ja, wie stehen die Chancen? Meine Bücher beschreiben diese Methode nur bei einheimischen Laubbäumen, die Methode ist mir klar.
Ich möchte den Baum auf keinen Fall gefährden, wenn sowas geht und die Erfolgschance über 75% liegt, werde ich es versuchen, sonst lasse ich es bleiben. Ich möchte die linken zwei Äste neu positionieren. Erst einen Ast und bei Erfolg später den anderen, denke ich. Für diese Aktion würde ich einen Wachstumsschub dieses Burschens abwarten. Meine Ficuse wachsen alle in Schüben.

So, danke erstmal, daß Ihr mit Geduld mein Geseier ertragen habt.
Ich hoffe, Ihr könnt mir helfen. Danke für Eure Mühe

Frank
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Heike_vG
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Beitrag von Heike_vG »

Hallo Frank,

während wir auf Ulfs Antwort warten, kann ich Dich schon mal etwas zutexten...

Übrigens habe ich einen Ficus retusa, an dem ich ähnliche Probleme hatte (siehe Baumbesprechung, Schnäppchen von OBI).
Die untersten zwei Äste standen sich gegenüber und darüber fehlte rechts einer.
Ich habe den unteren rechten abgeschnitten, der innerhalb der Stammbiegung ansetzte.
Darüber habe ich kürzlich einen lang gewachsenen jungen Trieb, der vom unteren Rückseitenast kam, ablaktiert. Natürlich ist er nach ca. 3 Wochen oder so noch nicht angewachsen, aber bisher sieht alles ganz vielversprechend aus.
Ich habe an der gewünschten Stelle eine Kerbe ins Holz geschnitten, den jungen Trieb hineingehalten, Wundknete drübergepappt und dann tüchtig mit Bast festgebunden. Damit der spätere Astansatz gleich richtig geformt ist, habe ich dann noch einen dünnen Draht verwendet, um den noch jungen Trieb entsprechend zu formen. Den Draht konnte ich schon wieder abnehmen. Nun muss der Trieb wachsen was das Zeug hält, um sich schnell zu verdicken und in die Kerbe einzuwachsen.
Ich glaube, das ist eine ganz gute Methode, da der neue Ast noch über seine alte Basis versorgt wird.
Wenn es Dich interessiert, mache ich davon noch ein aktuelles Foto.

Bei dem Bohrpfropfen, über das Du nachdenkst, gibt es nur "alles oder nichts" innerhalb kurzer Zeit. Ich halte das für ziemlich riskant.

Wenn ich mir Deinen Baum so anschaue, glaube ich nicht einmal, dass da unbedingt Äste versetzt werden müssen.
Ich würde links den zweiten von unten entfernen und den darunter (die "Latte") mit Draht möglichst begradigen, eventuell könnte man eine Art Schiene dazu anlegen.
Da über dem untersten (Latten-) Ast dann ein größerer Leerraum entsteht, würde ich von der Krone darüber einen oder mehrere Zweige etwas abwärts drahten. Oder einen jungen Trieb etwas nach unten wachsen lassen. Ich glaube, da ist einer am Stamm, der dafür ginge.
Dann könnte der Baum vielleicht schon ganz harmonisch wirken!

Viele Grüße,

Heike
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flu
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Beitrag von flu »

Moin moin, Torfkopp!

Also, ich würde da nix ablackieren oder pfropfen oder dergleichen.
Das Problem bei diesem Baum, wie bei vielen anderen Bäumarktbonsai dieser Art, sehe ich in dem Missverhältnis zwischen üppiger Krone und gageligen, dünnen unteren Ästen.
Mein Vorschlag wäre daher, das Wachstum der Krone durch regelmäßigen Schnitt im Zaum zu halten und die unteren beiden Äste 1-2 Jahre kräftig zulegen zu lassen.

Meine weiteren Gestaltungstipps: Der 2. Ast links kommt weg, die Kronenäste werden herunter gedrahtet (rote Pfeile) und zu weiteren Seitenästen gestaltet. Vor allem der verbleibende linke, untere Ast braucht mehr Volumen und sollte die nächste Zeit nicht beschnitten werden.

PS: ich wäre dankbar, wenn mein Name nicht in Überschriften auftaucht. Für persönliche Gespräche gibt’s die PN oder Mail.
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Martin_S
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Re: Bohrpropfen beim Ficus, Ulf hat Ahnung!!!

Beitrag von Martin_S »

torfkopp hat geschrieben:...Salopp gesagt, erinnert mich der Baum an einen Verkehrspolizisten, der mit ausgebreiteten Armen eine Kreuzung sperrt und dabei Latte hat ;-)...
Also auf DIE Idee, wäre ich nicht gekommen, ber jetzt wo du das so schreibst.... :mrgreen:
Martin S
Beste Grüße
Martin

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torfkopp
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Beitrag von torfkopp »

Ich danke Euch erst mal für die Mühe...

Ablaktieren wäre eine Möglichkeit, aber da müßte ich erstmal auf einen langen Trieb warten. Auch glaube ich nicht, daß ich den zweiten linken Ast jemals gerade bekomme (obwohl, Zwinge und alle 4 Wochen ein wenig drehen...?)
Ulfs Vorschlag kann ich nachvollziegen, aber ehrlich gesagt möchte ich von den paar Ästen nicht auch noch wegschneiden. Außerdem steht der linke untere Ast so blöd nach vorne.

Na ja, mal sehen, ich glaube, ich lasse ihn erstmal wachsen, wie Ulf das gesagt hat und in zwei Jahren sehen weiter.

P. S.: Ulf, die Nennung Deines Namens im Titel meiner Frage war keine böse Absicht, wollte den Experten ja nur auf meine Frage aufmerksam machen. Aber Du hast Recht, ich werde das in Zukunft berücksichtigen.

Danke noch mal

Frank
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flu
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Beitrag von flu »

torfkopp hat geschrieben:Ulfs Vorschlag kann ich nachvollziegen, aber ehrlich gesagt möchte ich von den paar Ästen nicht auch noch wegschneiden. Außerdem steht der linke untere Ast so blöd nach vorne.
Je mehr Äste du wegschneidest um so mehr förderst du die verbliebenen.
Und den linken unteren Ast wirst du jawohl noch biegen könne! Das ist ein GUMMIBAUM!!!
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Heike_vG
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Beitrag von Heike_vG »

Hallo Frank,

auch wenn ich noch immer nicht glaube, dass Du an dem Ficus unbedingt pfropfen oder ablaktieren musst, es dauert bei einem gut gedüngten Ficus gar nicht lange, einen entsprechend langen Trieb wachsen zu lassen.
Bei meinem Ficus hat es nur ein paar Wochen gedauert, bis der zum Ablaktieren benötigte Trieb ca. 30 cm lang war, so dass ich ihn an der gewünschten Stelle gebrauchen konnte.

Vor der Realisierung der Gestaltungsratschläge solltest Du wirklich keine Angst haben. Ficus wächst wie Unkraut, wenn er richtig versorgt wird, ich habe bei meinen gerade wieder einen radikalen Triebschnitt gemacht (jeweils gut die Hälfte der Laubmasse ist weg!) und in ein paar Wochen werden sie wieder zu dicht sein.

Der zweite Ast von unten links an Deinem Baum sollte wirklich unbedingt weg. Wenn oben ein wenig gedrahtet wird und der Baum genügend Dünger und Wasser bekommt, sieht er ganz schnell wieder dichter und gefälliger aus.
Den unteren linken Ast musst Du ja nicht ganz schnurgerade bekommen, aber etwas entschärfen sollte man die seltsame Form schon. Dass er ein wenig nach vorne zeigt, ist nicht so schlimm. Beim nächsten Umtopfen könnte man den Baum etwas gedreht wieder einpflanzen, so dass der Winkel etwas günstiger wird.

Trau Dich ruhig mal, Nägel mit Köpfen zu machen. Wenn Du das noch zwei Jahre rausschiebst, ist bis dahin auch nichts gewonnen!
Wenn Du jetzt ordentlich arbeitest, kann der Ficus in zwei Jahren schon gut aussehen!*daumen_new*

Viele Grüße,

Heike
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holgerb
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Beitrag von holgerb »

Dumme Frage:

Warum nicht drahten?

Habe erst kürzlich (mit Hilfe von Ralla) die oberste Etage "zurechtgestellt" und den Rest des Baumes durchgedrahtet. Mir ist auch schon ein Ast an diesem Baum angebrochen, aber da die Dinger wie die Pest wachsen, ist das Thema schnell erledigt und der gebrochene Ast (fast) vergessen.
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holgerb
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Beitrag von holgerb »

Bin echt kein "Foto ins Netz" - Steller

Aber so hat das Ding vorher ausgesehen (Feb. o5)
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holgerb
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Beitrag von holgerb »

Der ist natürlich noch lange nicht fertig, aber die Richtung ist nun ganz klar deutlich....
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Alien66
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Beitrag von Alien66 »

Hallo Frank,

ich beschäftige mich auch mit Ficus-Bäumchen und muß Heike in allen Punkten zustimmen. Ich habe kürzlich das wohl einizige Buch, welches sich ausschließlich mit Ficus als Bonsai befaßt, bekommen und dort wird genau diese Methode als "sicher" und vielversprechend genannt. Die Beschreibung von Heike entspricht dem, was in diesem Buch steht. Vielleicht hilft Dir das bei Deiner Entscheidung.

Grüße, Chris.
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Alien66
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Beitrag von Alien66 »

Heike_vG hat geschrieben:...es dauert bei einem gut gedüngten Ficus gar nicht lange, einen entsprechend langen Trieb wachsen zu lassen...

...Ficus wächst wie Unkraut, wenn er richtig versorgt wird, ich habe bei meinen gerade wieder einen radikalen Triebschnitt gemacht (jeweils gut die Hälfte der Laubmasse ist weg!) und in ein paar Wochen werden sie wieder zu dicht sein...
Heike,

es ist interessant mal jemanden wie Dich zu treffen, der sich auch mit Ficus intensiver befaßt, was für die meisten Anderen hier wohl eher nicht so interessant ist.
Da Du das Thema Düngen angesprochen hast, würde mich interessieren, wie und mit welchem Dünger Du bei Ficus die besten Erfahrungen gemacht hast? Ich dünge zur Zeit mit BioGold, habe aber noch nicht die richtigen zeitlichen Abstände für die Erneuerung der Steinchen gefunden.
Wie hälst Du es mit dem Wässern in diesen Tagen?

Danke im voraus für Deine Antwort!

Grüße, Chris.
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Heike_vG
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Beitrag von Heike_vG »

Hallo Chris,

freut mich ja, solch eine Zustimmung zu erhalten! Um welches Buch über Ficus handelt es sich eigentlich, ich kenne es nämlich leider nicht!

Eigentlich bin ich ein leidenschaftlicher Outdoor-Fan.
Irgendwie hat es sich mehr zufällig ergeben, dass ich mich mit Ficus beschäftige. Einen super hässlichen habe ich vor ca. 13 Jahren geschenkt bekommen und so langsam wird doch was nettes draus.
Einen habe ich als Mini-Steckling aufgenötigt bekommen (weil ich den Mutterbaum für den Besitzer beschnitten hatte) und den dicken Burschen aus dem OBI-Baumarkt konnte ich für den guten Preis einfach nicht zurücklassen.
Einen Ficus benjamina nana habe ich vor Jahren mal aus der Gärtnerei geholt, als Topfpflanze.

Ich habe inzwischen alle Ficus in einer Erde, die zur Hälfte ungefähr aus Akadama besteht und zur anderen Hälfte aus guter Blumenerde (Hausmarke von Raiffeisen, hat sich bei mir sehr bewährt). Im Sommer ist das Substrat alle 1 - 2 Tage trocken und muss gegossen werden, jetzt ungefähr alle 3 - 4 Tage.
Biogold verwende ich auch und zwar reichlich.
Bei einer Schale von 25 x 18 x 8 cm habe ich zurzeit um die 20 Pellets drauf.
Wenn die Dinger anfangen, auseinander zu fallen, gibts neue, meistens so nach etwa 8 Wochen.
Zusätzlich gebe ich noch Flüssigdünger, wöchentlich oder jetzt auch mal nur alle 2 Wochen. Der Flüssigdünger, den ich verwende, ist kein spezieller Bonsai-Dünger, sondern etwas ganz normales preiswertes für normale Pflanzen aus dem Baumarkt.
Da schaue ich einfach nach den N-P-K-Verhältnissen, Stickstoff (N) sollte nicht zu sehr dominieren, damit man nicht zu große Internodien und Blätter bekommt.

Was mir aufgefallen ist, ist dass es bei Ficus retusa offenbar auch noch einige Unterschiede gibt. Meine drei haben zwar die gleiche Blattform, aber eine völlig verschiedene Rinde. Die Rindenunterschiede könnten allerdings aus unterschiedlichen Wachstumsbedingungen und -geschwindigkeiten resultieren.
Der dicke OBI-Ficus hat die Eigenart, dass das Drahten nicht richtig funktioniert, was bei den anderen beiden gar kein Problem ist.
Beim OBI-Ficus sind die alten Äste brüchig wie Glas und die jungen gehen trotz schon stärkerer Drahtnarben (ja, habe nicht genug aufgepasst...) wieder in ihre alte Form zurück. Deswegen bevorzuge ich bei dem jetzt Spanndrähte.
Ein Bekannter (porkeysenior - Walter Thielk) hat einen Ficus retusa, der viel rundlichere Blätter hat als meine. Aber Sorten- oder Varietätennamen werden bei Ficus retusa eigentlich nie angegeben.

Viele liebe Grüße,

Heike
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Alien66
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Beitrag von Alien66 »

Heike,

oh man, so schnell und dann auch noch so detailiert, daß hat man selten - vielen Dank für Deine Mühe!

Zuerst zum Buch, welches von Jarry Meislik geschrieben wurde und "Ficus - The Exotic Bonsai" heißt. Nach meinen Recherchen gibt es das nur in den USA, auch in Web-Shops in Europa bin ich nicht fündig geworden, aber vielleicht habe ich nicht ausführlich genug gesucht!? Jerry's website lautet: www.bonsaihunk.8m.com

Na da kannst Du ja ersteinmal auf jeden Fall eine deutlich längere Erfahrungszeit als ich vorweisen! Vielen Dank für Deine ausführliche Stellungnahme zu Deinem Substrat und dem Gießen, da bin ich momentan noch nicht so gefestigt, wie Du. Bis dato habe ich als Substrat zu 50% die Hausmischung aus Münster (33% Akadama, 21% Lavasplit, 46% Floraton) zusammen mit weiteren 50% reinem Akadama verwendet, so daß ich einen Akadama-Anteil von insgesamt knapp 70% erreiche. Darunter liegt noch eine Schicht Bims-Kies zur Verbesserung der Drainage. Ich muß sagen, daß selbst jetzt die Substratoberfläche nach ca. einem Tag trocken ist. Bis vor kurzem habe ich noch alle zwei bis drei Tage gegossen. Seit ca. zwei Wochen teste ich, wie die Pflanzen auf eine tägliche Wässerung bei verringerte Menge reagieren. Ich versuche dabei, das Substrat gleichmäßiger feucht zu halten, ohne es zu druchnässen. Bis dato kann ich keine nennenswerte Veränderung bei Ficus feststellen, obwohl ja definitiv mehr BioGold ausgeschwemmt werden müßte. Aber vielleicht habe ich auch zu wenig BioGold benutzt, wenn ich Deine Mengen gegenüberstelle! Man sagt ja, pro cm der Schalenlänge ein Steinchen. Auch Flüssigdünger nutze ich bis dato nicht zusätzlich. Aber danke für den Tip mit dem Stickstoff. Meine Carmonas jedenfalls bekommen (noch) grünere Blätter, genauso wie eine Serissa.

Leider gibt es hier in Berlin keinen nenneswerten Bonsai-Laden/-Züchter, sondern nur Baumärkte und diese sind halt entsprechend sortiert. Das einzige, was man dort bekommt, sind ewig gleich gestaltete Ficus mit s-förmigem Stamm (Gleiches gilt natürlich auch für Carmona, Serissa, etc.), die für mich nicht in Frage kommen. Somit bin ich dazu übergegangen, frisch-gezogene Ficus-Nastasia zu suchen/kaufen, da mir bei denen die kl. Blätter gefallen. Diese gibt es teilw. einzeln gezogen/getopft als >50cm-Exemplare für ne’n Fünfer. Mittlere Exemplare mit 30-40cm Größe, zu zweit in einem Topf, gibt es als Hydropflanzen. Und hier meine Frage, hast Du Erfahrung mit der Umsetzung von Hydro auf unsere (Bonsai-) Substrate? Mir sind bis dato schon zwei verreckt, einer kämpft noch in der o.g. Substratmischung und ein Vierter weiß auch noch nicht so richtig, was er möchte und steht in lockerer Blumenerde.
Aber vielleicht hat es auch damit zu tun, daß mir vom Bonsai-Club in Berlin jemand kürzlich mitteilte, daß man bei Ficus die dicken, feuchtigkeitsspeichernden Wurzeln ohne Bedenken entfernen, bzw. einkürzen kann. Ich hatte ihn speziell daraufhin angesprochen, da ich eine Waldpflanzung vornehmen wollte und in der flachen Schale das Problem mit den o.g. Wurzeln hatte. Nach meinen Erfahrungen würde ich heute sagen, daß das völliger Quatsch ist und Ficus diese Wurzeln für den eigenen Feuchtigkeitshaushalt auf jeden Fall benötigt. Für eine Waldpflanzung muß dann halt das Substrat entsprechend hoch angelegt werden.

Was ich teilw. beobachte ist, daß Ficus-Triebspitzen, bei denen man vermutet, daß diese bald ein neues Blatt bilden werden, plötzlich eintrockenen, bzw. es nicht schaffen, das neue Blatt zu öffnen. Diese Beobachtung ist unabhängig meines Gießens. Kannst Du hierzu etwas sagen? Ich besprühe die Bäumchen regelmäßig 1-2mal pro Tag.

Leider kann ich Dir zu Deinen Erkenntnissen über die verschiedenen Blattgrößen bei Ficus retusa nichts sagen, da ich diese Ficus-Art nicht besitze. Hier findest Du in Jerry’s Buch mit Sicherheit eine erweiterte Darstellung der Arten. Das Drahten funktioniert bei meinen Bäumchen soweit, wobei ich auf mehrjährige Versuche leider nicht zurückblicken kann.

Alles in allem geht es mir darum, mit Ficus auch etwas anderes zu realisieren, als nur die o.g. Standardform, oder ein paar Ästchen an einem monströsen Stamm zu haben (s. Jerry Meislik). Ich denke, daß man aufgrund der gegenständigen Verzweigung und Blätter, der Flexibilität beim Drahten auch stärkerer Äste, der Schnittverträglichkeit und Robustheit, auch sehr gut div. andere Formen eindrucksvoll und schnell realisieren kann.

Wie Du es am Beginn des Threads formuliert hast, hoffe ich nicht, daß ich Dich jetzt „zugetextet“ habe. Ich wäre Dir dankbar, wenn Du zu dem einen oder anderen Punkt nochmals Stellung beziehen könntest.

Vielen Dank im voraus + Grüße, Chris.
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Heike_vG
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Beitrag von Heike_vG »

Hallo Chris,

keine Sorge, es macht mir wirklich Spaß, mit Dir über den Ficus zu diskutieren!

Vielen Dank für den Buchtipp!

Deine Erdmischung ist sicherlich nicht wirklich verkehrt für Ficus. Ich glaube nur, dass man es sich mit mehr Humusanteil insofern einfacher machen kann, dass die Erde schon mehr Nährstoffe beinhaltet. Bei 70 % Akadama, das von sich aus ja keine nenneswerten Nährstoffe enthält, musst Du ja eigentlich noch viel mehr Dünger verwenden.
Vielleicht wäre die pure Hausmischung besser.

Die Sache mit den eintrocknenden Triebspitzen kann ich mir nur mit mangelnder Versorgung (Dünger, Wasser) oder Wurzelproblemen erklären. Schwer zu sagen, von hier aus, was die Ursache bei Deinen Bäumen ist.

Von Hydro auf Erde habe ich auch schon einen Ficus retusa umgestellt, für eine Bekannte. Dem habe ich so wenig Wurzeln wie möglich entfernt und er hat es gut überstanden.
Die dicken Speicherwurzeln habe ich unangetastet gelassen. Von meinen Ficus retusa hat nur einer solche, die habe ich auch nicht angerührt.

Ficus retusa ist nach meinen Erfahrungen erheblich robuster als F. benjamina "nana", "natasha", "nastasja", "starlight" u.s.w.
Stecklinge von Ficus retusa funktionieren sehr gut und wachsen auch so schnell (wie gesagt, bei ordentlicher Düngung...), dass man sich eigentlich kaum noch Jungpflanzen kaufen muss, wenn man erst einmal eine Pflanze zu Hause hat!
Ficus retusa gibt es günstig inmitten der typischen Baumarktware und wenn man da mal einen unter hunderten findet, der nicht so einen scheußlichen gestauchten S-Stamm hat, kann man viel Freude an ihm und seinen Stecklingen haben. Man kann sie in alle erdenklichen Formen bringen und auf jeden Fall auch Waldformen damit pflanzen. Stecklinge bilden ja meist ein sehr problemloses, flaches Wurzelwerk aus.
Wenn man sie erst einmal soweit entwickelt hat (genügend dicker Stamm und Astaufbau fertig), dass man die Triebe stark und oft schneidet, werden die Blätter von Ficus retusa auch sehr klein.
Blattschnitt verträgt er auch gut und man kann sowieso immer die zu großen Blätter rausschneiden.

Viele Grüße,

Heike
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