Junger Fächerahorn - Neuling

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plantero
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Junger Fächerahorn - Neuling

Beitrag von plantero »

Hallo zusammen,

ich heiße Jens und bin neu hier im Forum. Ich interessiere mich sehr für Pflanzen und habe gärtnerische und botanische Grundkenntnisse aber bin auf dem Gebiet Bonsai absoluter Anfänger. Angetan haben es mir Laubbäume wie Buche, Eiche, Birke, Ahorn aber auch Forsythien finde ich optisch sehr interessant.
Ich möchte mir, wenn ich mich ein wenig mehr in das Thema eingelesen habe, einen etwas reiferen Rohling kaufen (bei einem oder zwei Bäumen bleibt es ja eh nicht, wie ich mich kenne). Vor ein paar Tagen war ich auf einer Ausstellung und habe dort spontan ein junges Ahorn gekauft, um die aufkommende Sucht zu befriedigen. Jetzt stehe ich vor der Qual der Wahl, wie ich weiter mit dem Bäumchen verfahren soll, um das beste daraus zu machen.
Ich habe ein paar Ideen, würde aber gerne, bevor ich direkt schon am Anfang groben Unfug baue, ein paar Expertenmeinungen hören.

Der Baum war schon aufs 2. Blattpaar zurückgeschnitten, als ich ihn gekauft habe. Ich würde ihn jetzt erst einmal austreiben und wachsen lassen, oben dann zurückschneiden und unten wachsen lassen, damit die Äste dort dicker werden und der Stamm sich verdickt. Den Stamm würde ich kürzen, weil er sehr lang und dünn aussieht. Hier ist die Frage, wie weit unten sollte ich den abschneiden und sollte ich das im Frühjahr machen oder geht das auch jetzt vor dem Neuaustrieb?

Hier sind ein paar Bilder von dem Bäumchen: An einigen Stellen habe ich markiert, wo ich mir vorstellen könnte abzuschneiden, aber generell ist der Plan für die nächsten Wochen, erst einmal abzuwarten wie er wächst.
Mich würde mal interessieren, wie ein Experte bei diesem Bäumchen vorgehen würde, als Denkanstoß für meine zukünftigen Experimente damit.

Viele Grüße und Dank,

Jens

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Zuletzt geändert von plantero am 13.06.2016, 14:55, insgesamt 1-mal geändert.
plantero
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Re: Junges Fächerahorn - Neuling

Beitrag von plantero »

Die Verdickung am Stamm (auf dem letzten Bild) ist eine Pfropfstelle oder? Sieht halt nicht so schön aus, aber ich schau einfach mal wie sich das Bäumchen entwickelt.
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Gary
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Re: Junges Fächerahorn - Neuling

Beitrag von Gary »

Hallo Jens,

bei Deinem Ahorn hast Du Dir ja schon ein paar ganz passable Ideen gemacht. Der Stamm ist wirklich sehr lang und dünn. Also wenn schneiden dann schon bei der gelben Markierung und zwar so wie der durchgezogene Strich im Detailfoto.

Diesen Schnitt könntest Du gut Ende Mai / Anfang Juni machen. Da blutet nichts und die Wundheilung setzt sofort ein. Aber verschließe die Schnittfläche bitte mit Wundknete.

Ob die angesprochene Stelle im letzten Foto wirklich eine Veredlungsstelle ist so nicht eindeutig zu erkennen. Finde ich aber auch nicht schlimm. Jedenfalls verheilt die Stelle besser wenn Du das abgebrochene tote Holzstück vorsichtig "herausoperierst".

Im nächsten Frühjahr solltest Du dann unbedingt umtopfen in neues Substrat und dabei diesen Wurzelansatz bearbeiten. Bei entschlossenem Vorgehen und etwas Zeit kann der noch gut werden.

Weiterhin viel Freude mit dem Ahorn.
Grüße aus dem sonnigen Baden
Gary

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plantero
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Re: Junges Fächerahorn - Neuling

Beitrag von plantero »

Hallo Gary,

vielen Dank für Deine Antwort!
Wenn ich an der gelben durchgezogenen Markierung schneide, dann bleiben dort noch drei Seitentriebe stehen (vorne links, vorne rechts und der, der von hinten abgeht). Wenn ich das Prinzip richtig verstanden habe, würde ich einen davon als Stammverlängerung wachsen lassen und die anderen etwas einkürzen (aber stehen lassen, damit sich die Wunde besser schließt), oder? Wahrscheinlich sollte man die Stelle direkt mit einer Konkavzange schneiden, damit die Wunde gut verheilt? Ich bin bis Anfang Juni erst einmal indisponiert, so dass ich erst danach dazu komme, mir eine Konkavzange zuzulegen. Aber du schriebst ja, dass Anfang Juni noch ein guter Zeitpunkt wäre, zu schneiden. Ich könnte natürlich auch erst einmal mit einer Rosenschere 1cm über der Nodie abschneiden, damit das Wachstum der Triebe angeregt wird und dann später, sobald ich eine Konkavzange habe, noch einmal nachschneiden. Allerdings habe ich dann wieder eine frische Wunde und die Heilung verläuft insgesamt schlechter?

Zu den Wurzeln:
Wenn ich Dich richtig verstehe, würdest Du versuchen, die Wurzeln radikal zu bearbeiten um am Ende ein normal ausehendes Nebari zu bekommen, also mit flachen Wurzeln rings um den Baum und nicht diese Stelzenkonstruktion wie es momentan der Fall ist. Die Wurzeln krallen sich leider recht schnell senkrecht nach unten. Wahrscheinlich müsste man da drastisch kürzen (die dicke Wurzel und die beiden links daneben z.b.), den Stamm auf Höhe des Wurzelansatzes anbohren und tiefer (+in einem neuen Winkel) einpflanzen, damit sich auf der Seite, wo bisher keine Wurzeln sind, neue bilden. Man müsste schauen, ob die kleineren Wurzeln, die waagerechter verlaufen, genug Feinwurzeln haben, damit der Baum nicht abstirbt, während er neue Wurzeln bildet. Ansonsten würde ich das schrittweise reduzieren und hier und da anbohren, damit sich neue Wurzeln bilden. Wäre es da nicht einfacher, direkt über dem Wurzelansatz abzumoosen?

Viele Grüße,
Jens
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Gary
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Re: Junges Fächerahorn - Neuling

Beitrag von Gary »

Hallo Jens,

ich sehe schon - ein ganzer Fragenkatalog. :lol:
Aber so kompliziert ist es nicht. Ich finde Du hast das schon alles ganz gut erkannt.

Auf dem Foto kann ich bei Schnitt an der durchgezogenen gelben Linie nur 2 verbleibende Äste erkennen. Der auf dem Foto links oben gelegen ergäbe, ganz ohne Drahten, die künftige Stammverlängerung. Ideal wäre wenn er nach vorne zeigen würde und somit die Schnittstelle auf der Rückseite des Baumes ist.

Da ich kein Anhänger von Konkavschnitten bin könntest Du m.E. den Schnitt auch mit der Rosenschere machen. Eben ca. 1 cm stehen lassen und diesen dann mit einem sehr scharfen Messer (Skalpell) abtragen. Es soll ruhig eine glatte Fläche in Ebene der gelben Linie entstehen. Dann alternativ selbstklebendes Aluband drauf oder japanische Wundknete.

Wurzeln
Ich finde die Wurzelsituation nicht so schlimm das ich gleich abmoosen würde. Einfach nächsten Februar/März die Wurzeln mal richtig auskämmen/auswaschen und entwirren. Soweit ich erkennen kann würde ich wohl nur die Innere (mitten unterm Stamm), senkrecht nach unten gehende entfernen. Die übrigen leicht einkürzen und dann mit beherzter Gewalt annähernd in die Waagrechte bringen und radial ausrichten. Das Ganze gut und fest im neuen Topf fixieren und ca. 1,5 cm Substrat über dem Wurzelansatz einbringen. Dann sollten sich wohl ein respektabler Wurzelansatz bilden lassen. Je nach Situation 'Anbohren' kannst Du ja zusätzlich immer noch.

Für dieses Umtopfen wäre eben wichtig die Wurzeln gut aufzudröseln, stark schneiden, gut ausbreiten und fixieren. Natürlich alles in eine geeignete Substratmischung pflanzen und das am Besten garnicht in einer Schale sondern einer flachen Holzkiste mit ausreichend Drainage.
(Siehe das Beispiel welches ich für einer Freundin ihren Ahorn gebaut habe und hier in einem Thread auch irgendwo gezeigt hatte.)
Ahorn-Box.jpg
Grüße aus dem sonnigen Baden
Gary

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plantero
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Re: Junges Fächerahorn - Neuling

Beitrag von plantero »

Sieht klasse aus, deine Box!

Sorry für den Fragekatalog und umso mehr danke dafür, dass du dir die Mühe machst und so geduldig antwortest.
Zum Schneiden habe ich aber noch eine kleine Nachfrage. Ich bin jetzt erst einmal ein paar Tage nicht da. Vor Anfang bis Mitte Juni kann ich daher nichts an dem Bäumchen machen (es wird derweil von Freundin gegossen). Ich könnte allerdings jetzt schon mit einer Rosenschere kürzen, sagen wir 1,5cm über der eigentlichen Schnittstelle, und die Schnitttelle erst einmal unbehandelt lassen und sie im Laufe des Jahres oder im Frühjahr dann nochmal bearbeiten, kürzen und mit Wundknete versorgen. Dadurch würden die unteren Knospen eher zum Austreiben angeregt als wenn ich mit dem Kürzen noch 2 Wochen warte. Kann man das so machen oder spricht irgendwas dagegen?

Vielen Dank!
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Gary
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Re: Junges Fächerahorn - Neuling

Beitrag von Gary »

Hallo Jens,

Mitte Juni wäre mir für diesen Schnitt zu spät. Schneide doch daher einfach zum spätmöglichsten, Dir noch möglichen, Zeitpunkt im Mai.

Mit der Rosenschere möglichst knapp abschneiden (so 0,5 -1,0 cm Stummel) und ganz wichtig beim Schnitt soll die Schneide der Rosenschere den Wurzeln zugewendet sein und das dicke, feststehende Teil (Hammer) zur Spitze zeigen.

Ja und dann gleich den Reststummel mit einem Cutter, Skalpell oder scharfen Messer abtragen und Wundknete oder Aluband drauf.
Wartest Du mit dem Abtragen des Stummels erzielst Du zwar den Effekt des Austriebs unterer Knospen aber keine Wundheilung. Nachschnitt zu einem späteren Zeitpunkt bringt nicht mehr das selbe gute Wundheilungsergebnis wie jetzt aufgrund des Wachtums in dieser Jahreszeit.
Grüße aus dem sonnigen Baden
Gary

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plantero
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Re: Junges Fächerahorn - Neuling

Beitrag von plantero »

Habe Ende Mai an der gelb markierten Stelle geschnitten. Mittlerweile treibt er auch wieder aus. Hatte mir vorgestellt, dass ich alles, was dort austreibt erst einmal wachsen lasse und dann auf 2 Blattpaare zurück kürze. Bis auf den linken Trieb, der die neue Stammverlängerung werden soll, davon würde ich einen weiter wachsen lassen (sind zwei knospen, die da rauskommen).
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