überbordende Wundheilung/Überwallung: wie vorgehen?

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mydear
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Re: überbordende Wundheilung: wie vorgehen?

Beitrag von mydear »

MichaelL hat geschrieben: 22.08.2017, 13:12 Hallo Rainer,
Wegen Austrieben aus Kallusgewebe... Neue Äste bilden sich aus Knospen, auch schlafenden Knospen. Die sind eigentlich nur dort, wo mal ursprünglich Blätter gesessen habe. Neben den Blattknospen entstehen auch immer sogenannte Proventivknospen, quasi als Ersatz. Wenn sie sich nicht entwickeln, bleiben sie im sich verdickenden Stamm zwar erhalten, aber man erkennt sie nicht mehr. Die können durch Schnitt angeregt werden. Kallusgewebe enthält keine solchen Knospen - daher bleibt die Stelle nackt.

Gruß Michael
Hallo Michael,

ok, danke für die präzise Schilderung. So war auch mein Kenntnisstand.
Ein Grund mehr in Zukunft die konkaven Schnitte so minimal wie möglich zu setzen.

Grüße
Rainer
“Fais de ta vie un rêve, et d'un rêve, une réalité“ Antoine de Saint-Exupéry
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mydear
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Re: überbordende Wundheilung: wie vorgehen?

Beitrag von mydear »

Barbara hat geschrieben: 22.08.2017, 18:31 Hallo Rainer,

ich könnte mir gut vorstellen, dass der extrem dicke Kallus bei einigen Deiner Bäume durch das immer neue Anschneiden entsteht. Die neue Schicht wird dann jedesmal stärker und damit irgendwann überbordend.
Ich würde nur neu anschneiden wenn die Wundheilung aus irgendwelchen Gründen mal miittendrin zum Stillstand kommt.
Wäre einen Versuch wert.....

Liebe Grüße,
Barbara
Hallo Barbara,

der stärkste Kallus entsteht immer beim Erstschnitt. Die nachgeschnittenen Kalli heilen viel kleiner ab (ich hoffe der Plural ist richtig gewählt). Siehst du gut an dem Beispiel mit dem Feldahorn. Das Nachschneiden ist nicht für die Wulste verantwortlich.

Ich müsste mir eher die Frage stellen wie der erste Schnitt ausgeführt wird, dass die Kallusbildung sanft beginnt? Wann und wie schneiden? Sommer statt März? Geringste Schnittgröße um die Versorgungsbahnen wenig zu beeinträchtigen?

Grüße
Rainer
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mydear
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Re: überbordende Wundheilung: wie vorgehen?

Beitrag von mydear »

Seamstress hat geschrieben: 22.08.2017, 13:08 Das Thema interessiert mich brennend, da ich einen Ahorn habe den ich stark eingekürzt habe.
Ich hatte ihn 2014 gekauft und er ist 2015 ins Beet gewandert, hat Stammdicke gut zugelegt und ist im Frühjahr in eine Bonsaischale gewandert.
Da ich recht unsicher war habe ich ihn in Enger Topfen lassen und die meinten ich sollte den Stummel erst mal stehen um zu sehen wie weit er zurücktrocknet.
Aber irgendwie sagt mir mein Bauchgefühl das das nicht passt.
Und ich glaub Totholz beim Ahorn geht nicht. Berichtigt mich bitte wenn etwas falsch ist.
Um eine saubere neue Spitze aufzubauen, was soll ich tun?
Bevor ich einen Ast hochdrahte muss der Stumpf weg.

a. Wann
B. Wie
Bilder kommen sofort

Viele Grüße aus dem Tecklenburger Land

Christa :-D
Hallo Christa,

die Beurteilung anhand deines Fotos ist nicht leicht.
Acer Christa.jpg
Ich würde vermuten, dass da 2 dünne Gipfeltriebe sind.
Wenn du jetzt das Totholz schneidest entsteht eine riesige Wunde. Dabei können die dünnen Triebe sehr leicht beschädigt oder vom Wind abgerissen werden. Große Konkavschnitte reißen beim Palmatum manchmal tief ein, da riskierst du viel.
Ich würde auf die Enger-Leute hören. Die haben den Baum live gesehen, wissen was sie dir empfehlen können.

Wie würde ich vorgehen:
- abwarten bis der Gipfel zurücktrocknet und dunkel wird
- die Gipfeltriebe kräftig wachsen lassen, dass sie ordentlich an Dicke zulegen, möglichst genauso dick werden wie der Gipfel jetzt ist
- Gipfel mit einer Säge abtrennen und stückweise mit Knospen- und Konkavzange das harte Totholz bis ins Gesunde zurückschneiden

Grüße
Rainer
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Chri
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Re: überbordende Wundheilung: wie vorgehen?

Beitrag von Chri »

Am.Abend ises mir eingefallen Rainer nach Wundverschluss habe ich gesucht wegen keine Ahnung was :lol:

viewtopic.php?f=8&t=42405&p=457673&hili ... el#p457673

Holger erklärt in diesem Thema sehr viel über das ganze Gewebe.
Mit freundlichen Grüßen,
Christoph
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mydear
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Re: überbordende Wundheilung: wie vorgehen?

Beitrag von mydear »

Chri hat geschrieben: 23.08.2017, 08:16 Am.Abend ises mir eingefallen Rainer nach Wundverschluss habe ich gesucht wegen keine Ahnung was :lol:

viewtopic.php?f=8&t=42405&p=457673&hili ... el#p457673

Holger erklärt in diesem Thema sehr viel über das ganze Gewebe.
Hallo Christoph,

danke für den Link, so etwas habe ich gesucht *dance*
Nach kurzem Einlesen merke ich dass es einen Unterschied von äußerem Kallus und innerem Wundholz gibt. Diese Begriffe habe ich nicht unterschieden, habe es nicht gewußt.
Die wichtigste Erkenntnis ist für mich, dass aus dem äußeren Kallusgewebe noch Knospen oder Wurzeln entstehen können. Der Astkragen sollte deshalb möglichst geschont werden.
Auch Nachschneiden des Wundholzes wird wegen Infektionsgefahr kritisch gesehen. Bisher hatte ich noch keine Wundinfekte. Ich werde allerdings in Zukunft mein Werkzeug regelmäßiger mit Alkohol desinfizieren.

Grüße
Rainer
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Chri
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Re: überbordende Wundheilung: wie vorgehen?

Beitrag von Chri »

Bitte gerne wollte es nur nicht mehr raussuchen gehn um 22:30 gestern wos mir eingefallen ist und ja ich wusste auch nicht das es da Unterschiede gibt.^^
Mit freundlichen Grüßen,
Christoph
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Martin_S
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Re: überbordende Wundheilung: wie vorgehen?

Beitrag von Martin_S »

Wenn ich ganz kurz etwas sagen dürfte: versucht es mal mit selbstklebender Alufolie. damit erreicht ihr (gerade beim Ahorn) sehr schöne glatte Verheilungen.
Habe da aktuell wirklich gute Erfahrungen gemacht.
Beste Grüße
Martin

Lieber Querlüften als Querdenken!
Seamstress
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Re: überbordende Wundheilung: wie vorgehen?

Beitrag von Seamstress »

Hallo Rainer,

Danke für Deinen Rat, ich werde im nächsten Frühjahr garantiert einen Kurs in Enger machen und den Ahorn dann mitnehmen.
Ist schon doof das ich noch soviele Wissenslücken habe, aber es wird besser.
Ich bin ja schon froh wenn meine Bäume heile in das nächste Frühjahr kommen. *dance*
Und beim schneiden mit größeren Wunden will ich ja auch alles richtig machen damit die Wundheilung optimal verläuft.

Liebe Grüße
Christa
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mydear
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Re: überbordende Wundheilung: wie vorgehen?

Beitrag von mydear »

Martin_S hat geschrieben: 23.08.2017, 13:17 Wenn ich ganz kurz etwas sagen dürfte: versucht es mal mit selbstklebender Alufolie. damit erreicht ihr (gerade beim Ahorn) sehr schöne glatte Verheilungen.
Habe da aktuell wirklich gute Erfahrungen gemacht.
Danke Martin,

bisher habe ich von der Klebe-Alufolie nichts gehalten, dachte immer das ist was für Bequeme.
Wenn du als Chemiker-Kollege es empfiehlst werde ich es testen *daumen_new*

Grüße
Rainer
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mydear
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Re: überbordende Wundheilung: wie vorgehen?

Beitrag von mydear »

Seamstress hat geschrieben: 23.08.2017, 19:20 Hallo Rainer,

Danke für Deinen Rat, ich werde im nächsten Frühjahr garantiert einen Kurs in Enger machen und den Ahorn dann mitnehmen.
Ist schon doof das ich noch soviele Wissenslücken habe, aber es wird besser.
Ich bin ja schon froh wenn meine Bäume heile in das nächste Frühjahr kommen. *dance*
Und beim schneiden mit größeren Wunden will ich ja auch alles richtig machen damit die Wundheilung optimal verläuft.

Liebe Grüße
Christa
Hallo Christa,

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Grüße
Rainer
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Re: überbordende Wundheilung: wie vorgehen?

Beitrag von chris-git@rre »

mydear hat geschrieben: 23.08.2017, 21:14
Seamstress hat geschrieben: 23.08.2017, 19:20 Hallo Rainer,

Danke für Deinen Rat, ich werde im nächsten Frühjahr garantiert einen Kurs in Enger machen und den Ahorn dann mitnehmen.
Ist schon doof das ich noch soviele Wissenslücken habe, aber es wird besser.
Ich bin ja schon froh wenn meine Bäume heile in das nächste Frühjahr kommen. *dance*
Und beim schneiden mit größeren Wunden will ich ja auch alles richtig machen damit die Wundheilung optimal verläuft.

Liebe Grüße
Christa
Hallo Christa,

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Grüße
Rainer
Ist doch auch schön, man lernt nie aus.... :) *daumen_new*
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Re: überbordende Wundheilung: wie vorgehen?

Beitrag von Seamstress »

Ihr seid schon eine nette Truppe.

Bei Euch fühlt man sich gut "aufgehoben". :-D

Liebe Grüße
Christa
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René Niwaki
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Re: überbordende Wundheilung: wie vorgehen?

Beitrag von René Niwaki »

Super Hilfe! Schöne Beschreibung und tolle Bebilderung!!!
Werde dese Technik dieses Jahr auch anwenden müssen...

DANKE ;)
Gruß, René :-D

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mydear
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Re: überbordende Wundheilung/Überwallung: wie vorgehen? Ablaktion?

Beitrag von mydear »

Bei starken Schnittstellen habe ich immer wieder Probleme vollständige Überwallung in überschaubarer Zeit hinzubekommen.

- wichtig ist natürlich genügend Laubmasse oberhalb der Schnittstelle. Viel Saftfluss bedeutet immer schnellere Kallusbildung
- ein Opferast (oder mehrere) hilft da auch gut weiter. Allerdings verdickt ein frei wachsender Zugast den Stamm. Am Gipfel ist dies ja meist unerwünscht. Die nächste größere Schnittstelle entsteht
- eine Bohrablaktion an den oberen Schnittrand wurde schon öfter hier im Forum genannt. Der Saftfluss würde genau an der gewünschten Stelle verstärkt. Der Ast kann später mit der Konkavzange sauber entfernt werden. Von der Theorie her sollte das die besten Ergebnisse liefern.

Hier die Praxis: die Zelkova serrata ist bekannt für starke Kallusbildung. Die Schnittstellen wwurden im Mai 2015 nachgeschnitten. Es bildete sich eine Art "Kalluskrater", der mehrere Millimeter tief war. Die Kallusränder stagnierten. Selbst jährliches Anritzen des Kallusrandes brachte kaum Erfolg. Durch Bohrablaktion eines Gipfelastes an den oberen Rand des Kallus konnte der Krater seit 2018 etwas aufgefüllt werden. In 2020 sollte alles eben verwachsen sein.


2014: unmögliche Schnittstellen
2014: unmögliche Schnittstellen
2014-05-04 -Kopie.jpg (394.93 KiB) 2510 mal betrachtet
2015: stark nachgeschnitten
2015: stark nachgeschnitten
2015-05-11 -Zel 2 Kopie.jpg (331.07 KiB) 2510 mal betrachtet
es bildet sich ein mehrere Millimeter tiefer Kalluskrater, der kaum mehr überwallt.
es bildet sich ein mehrere Millimeter tiefer Kalluskrater, der kaum mehr überwallt.
2017-04-16 vgl .png (870.1 KiB) 2510 mal betrachtet
2019-06-11 -vgl Überwallung.png
2019-06-11 -vgl Überwallung.png (872.26 KiB) 2510 mal betrachtet
eine Bohrablaktion 2018 füllt den Krater, die Kallusbildung kommt wieder voran
eine Bohrablaktion 2018 füllt den Krater, die Kallusbildung kommt wieder voran
2019-06-11 -vgl Überwallung.png (1.36 MiB) 2510 mal betrachtet

Und falls die Ablaktion nicht stört, kann sie auf die unterste Knospe zurückgeschnitten und als neuer Trieb integriert werden.
Wie sind eure Erfahrungen?

Grüße
Rainer
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Re: überbordende Wundheilung/Überwallung: wie vorgehen?

Beitrag von MaxdogX »

Hallo Rainer,

hier meine Erfahrungen, die ich mit meiner Bergulme gemacht habe was einer zelkove sehr nahe kommt.

Ich habe die Erfahrung gemacht das es sehr wichtig ist den Schnittrand, direkt nach dem Konkav oder Rundschnitt mit der Knospenzange, mit einem scharfen und neuen Messer ganz sauber und glatt nachzuschneiden. Ich nehme ein billiges Teppichmesser bei dem man die Klingen abbrechen kann, so habe ich immer eine scharfe und saubere Klinge.

Auf jeden Fall, hilft das enorm bei einem sauberen verwachsen. Meine Bergulme hat teils 2 cm große Wunden in 1 Jahr zu gemacht, während die Wunden ohne sauberen Schnitt und gleicher Größe nach 3 Jahren noch nicht komplett verwachsen sind.

Im Grunde hast du genau das gemacht, du hast das Gewebe mit einem scharfen Messer nachgeschnitten was zu neuem Wachstum geführt hat. Aber im Grunde findet die Stimulation durch den sauberen und glatten Schnitt mit dem Messer statt.

Es ist auch egal wie scharf oder neu das Werkzeug ist, das Gewebe wird etwas gekquetscht und franst aus. Am besten erkennt man den Unterschied nach dem nachschneiden mit dem Messer die Kanten sind einfach wesentlich glatter und sauberer.

Ps. Wenn du nachschneidest, ist es wichtig nur innen den Kallus nachzuschneiden nicht oben, wenn du oben anschneidest verdickt sich der Kallus, wenn du innen anschneidest dann schiebt er sich weiter über die wund und wird so flacher.

Hoffe das hilft beim Wundverschluss.

Gruß Eugen
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