Einfach eine Menge Löcher in einen Plastiktopf machen – am besten mit dem Lötkolben.
Das sieht dann etwa so aus:
Ich war von dem Tipp so begeistert, dass ich einen ganzen Nachmittag lang hunderte Löcher geschmort habe ... ich hab mich schon voll drauf gefreut, dass allen Bäumen ab jetzt die schönsten Wurzeln wachsen wie im Teichkorb.
Ich wollte eigentlich gleich alle meine Anzuchtschalen auffrisieren, aber auf halben Weg ist mein Lötkolben abgebrochen.
Nach einer halben Saison hab ich nachgeschaut wie´s den Wurzeln geht: komplette Fehlanzeige!
Keine einzige Wurzel wurde von den Löchern daran gehindert, im Kreis and der Topfwand entlang zu wachsen. Die Wurzeln sind den Löchern geradezu "gezielt" ausgewichen – zu hundert Prozent.
Warum, war mir bald klar: Der Lötkolben hatte kleine Wülste an den Rändern der Löcher hinterlassen. Ich hab sie hier mit Pfeilen markiert: Diese kleinen Stufen sind für Wurzeln unüberwindbare Hindenisse. Alle Wurzeln haben an diesen Stufen einen Knick gemacht und sind (meist nach unten) ausgewichen.
Hier sieht man den Misserfolg bei einer Fichte:
Der Schlitz hätte die Kreiswurzeln unterbrechen sollen, hat aber nichts genutzt:
Ich hab entdeckt, dass sogar winzige Kanten in der Topfwand die Wurzeln umlenken können.
Manchmal macht das richtig putzige Muster, wie diese Kreise hier:
Die Kreise kamen durch minimale Stufen im Boden, kaum 0,5mm tief:
Also hab ich mit einem Spachten hunderte solcher Lötkolben-Wülste aus unzähligen Töpfen rausgekratzt.
Eine blöde Arbeit!
Und letztendlich ein verschwendeter Nachmittag.
Denn die meisten Wurzeln haben die Löcher nun einfach ignoriert, quasi übersprungen, und sind einfach weiter gewachsen ... schön lang im Kreis im Topf entlang.
Immerhin: Das war aber nicht bei allen Baumarten gleich übel, manchmal hat´s auch ein bisschen funktioniert.
Besonders schlecht ging´s bei allen Zypressengewächsen, wie etwa bei dieser Thuja:
Auch Löcher mit 1cm Durchmesser haben eher schlecht funktioniert, wenn sie an einer flachen Stelle des Topfes lagen. Die Wurzelspitzen sind nicht vertrocknet (was sie beim Air Pruning ja tun sollen) sondern dank des feuchten Substrats einfach weiter gewachsen und im Topf geblieben.
Ich konnte beobachten: nur wenn ein Loch wie ein Trichter geformt ist oder in einem Winkel liegt, dann muss die Wurzelspitze aus dem Loch raus, vertrocknet und es bilden sich die erwünschten Verästelungen der Wurzel.
Solche Löcher mit dem Lötkolben machen? Naja ... ist nur teilweise möglich und ziemlich mühsam.
Ich hab´s dann aufgegeben.
Falls jemand selbst töpfert:
in Keramikschalen kann man funktionierende Löcher leichter herstellen, das sieht dann etwa so aus:
Die Wurzeln reagieren dann so:
Allerdings muss man sich für den Winkel zwischen Schalenwand und Boden noch etwas einfallen lassen, sonst bilden sich in dieser Kante jede Menge Kreiswurzeln und der Air Pruning Effekt ist großteils futsch.
Wenn soche kleinen Löcher (kommen ja gerade in Mode) keinen "Trichter" haben, werden die Wurzeln sie einfach überspringen und ignorieren, da bin ich ziemlich sicher.
Nun hab ich mich gewundert: die Löcher von Teichkörben sind doch auch nicht trichterförmig?!
Wieso funktionieren Teichkörbe dann?
Die haben doch auch ganz "flache" Löcher.
Hab also nachgeschaut – es gab hier tatsächlich etliche Wurzeln die eine ganze Weile an der Wand entlang wachsen ... und natürlich bilden sich unten in der Kante lange Kreiswurzeln:
Ich vermute, dass die Körbe einfach nur durch die riesige Menge der Löcher funktionieren – die Form der Löcher arbeitet in Wirklichkeit eher dagegen. Eigentlich bestehen die Körbe ja mehr aus Löchern als aus Wand. Meine Theorie: hier trocknet immer wieder mal das Substrat an der Topfwand komplett ein, und das unterbricht die Kreiswurzeln.
Wenn man also einen funktionierenden Air Pruning Topf mit dem Lötkolben selbst machen will, muss man (meiner Meinung nach) extrem viele Löcher machen und sollte dabei die Kante zwischen Wand und Boden nicht vergessen. Und man muss unbedingt die kleinen Plastik-Kanten entfernen, die der Lötkolben innen hinterläßt.
Hat sich jemand die Mühe schon gemacht und war zufrieden?
Ich würde mich über Erfahrungsberichte freuen (auch wenn das Thema vielleicht etwas verschroben und nerdig ist)!
Liebe Grüße,
Jens
