Befestigunsdrähte

Das Beste aus Diskussionen und gesammelte Werke der Autoren. Keine Postings möglich.
Benutzeravatar
Margot
Beiträge: 637
Registriert: 04.01.2004, 15:43
Wohnort: Südlich von München

Befestigunsdrähte

Beitrag von Margot »

Hallo,

nach dem Umtopfen bzw. mit dem Umtopfen stellt sich die Frage über das WARUM ein Baum in einer Schale befestigt wird. Schließlich werden unsere Geranien oder Weihnachtssterne auch nicht befestigt!

:arrow: Der Hauptgrund ist, dass sich die Wurzeln, die auch dafür da sind, einen Baum Stabilität zu verleihen, nach einem Wurzelschnitt, nicht mehr in der Lage sind, diese Aufgabe zu übernehmen.
:arrow: Zudem kommt noch dazu, dass sich nach einem Schnitt feine Wurzeln bilden, die sehr wichtig sind, für das gesunde und ausgegliche Anwachsen des Baumes. Ein wackeliger Baum würde dies verhindern, was zu einer Verkürzung der Wachstumsperiode führen würde.
:arrow: Ein anderer Gund ist, dass Befestigungsdrähte den Baum in der Lage halten sollen, in der er wachsen soll. Dabei spielt beim Betrachten eines Baumes eine große Rolle, ob er 1 oder 2 cm zu sehr nach rechts fällt oder nicht!
:arrow: Ein weiterer Grund sind die niedrigen Schalen, in denen die Bäume getopft werden.
:arrow: Der letzte Grund ist wirklich der, dass man den Baum "mal" am Stamm halten kann (beim Gießen muss ich nicht immer mein Handschuh ausziehen :wink: )
Allerdings muss ich hier davor warnen: Bei älteren Bäumen mit Rinde sollte das nicht getan werden: Die Rinde platzt ab. Und dann ist es bekanntlich zu spät. Und sehr Schade!

Jeder Bonsaist hat seine eigene Methoden. Jeder Baum und vor allem jede Schade erfordert eine andere Art und Weise der Befestigung. Sie muss zweckmäßig und unauffällig sein (was nicht immer der Fall ist!)

Zum WIE kommen wir in den nächsten Beiträgen. Was beachtet ihr? Welche Fehler habt ihr schon gemacht? Wie kommt ihr am besten zu recht?


Bis dann
Margot
Dateianhänge
Dieser Vorfall war der Grund, warum ich diese Reihe von Bildern gemacht habe. Ich war zu faul, diesen Feuerdorn ausreichend zu befestigen (mit nur einem Draht und obendrein zu dünn!)
Dieser Vorfall war der Grund, warum ich diese Reihe von Bildern gemacht habe. Ich war zu faul, diesen Feuerdorn ausreichend zu befestigen (mit nur einem Draht und obendrein zu dünn!)
21.jpg (46.67 KiB) 7659 mal betrachtet
Es gibt keine Vorschriften wie Befestigungen sein sollten. Sie sollten auf jeden Fall zweckmäßig sein. Über die Ästhetik kann man sich wirklich streiten. Mir ist hier was ganz besonders schierches (=häßlich) gelungen !
Es gibt keine Vorschriften wie Befestigungen sein sollten. Sie sollten auf jeden Fall zweckmäßig sein. Über die Ästhetik kann man sich wirklich streiten. Mir ist hier was ganz besonders schierches (=häßlich) gelungen !
12.jpg (61 KiB) 7659 mal betrachtet
Bei diesem Wacholder habe ich den Draht gelockert, damit die Wurzeln nicht gezeichnet werden
Bei diesem Wacholder habe ich den Draht gelockert, damit die Wurzeln nicht gezeichnet werden
11.jpg (46.25 KiB) 7659 mal betrachtet
Wenn ein Baum angewachsen ist, kann der Draht weggeschnitten werden. Vor allem dann, wenn er, bedingt durch das Wachstum des Baumes, droht, Druckstellen auf den oberirdischen Wurzeln zu hinterlassen. 
<br />In diesem Fall verhindert der nach innen geformte Ran
Wenn ein Baum angewachsen ist, kann der Draht weggeschnitten werden. Vor allem dann, wenn er, bedingt durch das Wachstum des Baumes, droht, Druckstellen auf den oberirdischen Wurzeln zu hinterlassen.
In diesem Fall verhindert der nach innen geformte Ran
2.jpg (35.61 KiB) 7659 mal betrachtet
Mit zwei Fingern kann auch nur ein kleiner Baum gehalten werden, und dies auch nur zur Demonstrationszwecken!
Mit zwei Fingern kann auch nur ein kleiner Baum gehalten werden, und dies auch nur zur Demonstrationszwecken!
1.jpg (63.4 KiB) 7659 mal betrachtet
Benutzeravatar
Wolfgang
Ehren-Autor
Beiträge: 9765
Registriert: 05.01.2004, 14:19
Wohnort: Oberösterreich
Kontaktdaten:

Beitrag von Wolfgang »

Gute Erklärung!

Ich fixiere meine Bäume auch immer gut in der Schale, seit dem mir Nachbar´s Katzenvieh beim Überspringen des Zauns immer meine Bonsai austopfte. :shock:

Ciao!
Wolfgang
Benutzeravatar
Sebastian
Beiträge: 809
Registriert: 10.01.2004, 19:15
Wohnort: in einer Herrenboutique in Wuppertal

Materialfrage

Beitrag von Sebastian »

Hallo,

ein schöner Beitrag, vielen Dank.
Welches Drahtmatierial nimmt man dazu am besten? Ganz normalen Bonsaidraht zum "biegen"?

Und a propos: Das wollte ich auch schon immer mal fragen: Was ist Euer bevorzugter Spanndraht? Ich habe mir mal im Baumarkt stinknormalen Draht geholt, der dann allerdings unter starken Belastungen immer gerissen ist. ZB beim starken spannen durch eine Öse mit einem stück Holz... Ihr wisst schon was ich meine... :wink:
Danke.


MfG,
Seb
Grüße,
Sebastian
Bild
„...da hab ich was in der Hand... und ich habe als Frau das Gefühl, daß ich auf eigenen Füßen stehe... da hab ich was Eigenes... da hab ich mein Jodeldiplom!”
Benutzeravatar
Detlef
Beiträge: 179
Registriert: 10.01.2004, 15:24
Wohnort: Mockrehna
Kontaktdaten:

Re: Materialfrage

Beitrag von Detlef »

Sebastian hat geschrieben:Und a propos: Das wollte ich auch schon immer mal fragen: Was ist Euer bevorzugter Spanndraht?
Hallo Sebastian,

ich nehme 1mm Kupferdraht. Der hält eigentlich ziemlich starken Kräften stand und ist trotzdem wenig zu sehen.
Viele Grüße

Detlef
Benutzeravatar
Wolfgang
Ehren-Autor
Beiträge: 9765
Registriert: 05.01.2004, 14:19
Wohnort: Oberösterreich
Kontaktdaten:

Beitrag von Wolfgang »

Sebastian,
zum Spannen solltest du nur Kupferdraht verwenden; der reißt am wenigsten leicht.
Zum Fixieren kannst du auch den üblichen Bonsai-Alu-Draht nehmen.
Benutzeravatar
Nils O.
Beiträge: 762
Registriert: 09.01.2004, 20:52
Wohnort: Niedersachsen
Kontaktdaten:

Beitrag von Nils O. »

Hallo Sebastian,

ich bevorzuge Basteldraht aus Stahl (den dickeren, den auf der quadratischen "Rolle"). Der hält gut was aus, ist dünner als Kupferdraht und fällt in grün oder schwarz kaum auf am Baum. Den Tipp mit dem Stahldraht habe ich übrigens aus einem von Martins Artikeln.

Gruß,
Nils
Benutzeravatar
WolfgangU
Freundeskreis
Beiträge: 733
Registriert: 09.01.2004, 13:21
Wohnort: Weinitzen bei Graz

Beitrag von WolfgangU »

Hallo,
ich bin zwar nur Anfänger (was Bonsais betrifft), habe aber recht viel Erfahrung mit "normalen" Pflanzen und Bäumen. Ich halte von der Befestigung von Bonsais mittels Draht in den Schalen nicht viel. Bei uns (Südsteiermark, Ö) hatte es seit gestern Stürme mit bis zu 90 km/h, und keiner meiner (Prä-)bonsais hat sich (ohne Draht) irgendwie beschwert. Meine Noch-nicht-Bonsais stehen alle mehr oder weniger geschützt auf einer Terrasse (z.T. allerdings in Rindenmulch). Ein normaler gesunder einheimischer Baum sollte sowohl Minus-Grade. als auch Wind und Wetter (trotz reduziertem Wurzelvolumen) überleben. Wenn nicht, dann hätte er auch in der Natur nicht überlebt.
Wie ein anderer Beitrag in diesem Forum erklärt hat, kann z.B. ein Dreispitzahorn mit nur 1/4 bis 1/5 des Wurzelvolumens überleben und sogar tadellos gedeihen. Man sollte sich nicht zuviel Sorgen um die Überlebenskunst der Bäume machen.
Viel Grüße aus der Steiermark
Wolfgang
Benutzeravatar
Wolfgang
Ehren-Autor
Beiträge: 9765
Registriert: 05.01.2004, 14:19
Wohnort: Oberösterreich
Kontaktdaten:

Beitrag von Wolfgang »

Wolfgang,
da bin ich anderer Meinung: die Befestigung der Bonsai in der Schale mit Draht ist ebenso wichtig, wie die Pflockung + Anbindung von frisch gepflanzten Alleebäumen.
Jede leichte Bewegung der Baumkrone wirkt sich ausgesprochen ungünstig auf den Wurzelbereich aus, weil damit immer wieder feine Wurzeln (vor allem gerade neugebildete) abreißen.

Auch solltest du die Frostfestigkeit von heimischen Bäumen am Naturstandort und ebensolchen Arten im Pflanzgefäß mit reduziertem Wurzelvolumen nicht in einen Hut werfen. - Die Wurzeln eines Baumes in der Natur sind dem Frost bei weitem nicht so stark ausgesetzt, wie die Wurzeln eines Baumes in einer Schale / einem Topf. - Und eben die Wurzeln sind die frostempfindlichsten Teile einer Pflanze! - Daher VORSICHT!

Als gelernter Gärtner bin ich Pflanzen gegenüber vermutlich ein eher "brutaler Mensch" :wink: und riskiere auch manchmal einen radikaleren Wurzelschnitt, um was dazu zu lernen bzw. auszuprobieren. - Ich würde aber generell damit vorsichtiger umgehen und eher davon abraten! - Mein Versuch sollte Euch keinesfalls dazu anspornen, auch solche brutalen Schritte bei Euren Bonsai zu probieren!
Gast

Beitrag von Gast »

Hallo Wolfgang,
ich will und kann auch nicht einem gelernten Gärtner widersprechen. Trotzdem ein paar Bemerkungen.
1. hat ein Allee-Baum eine viel größere Windangriffsfläche als ein kleiner Bonsai.
2. Meiner Meinung nach kann man die Wurzeln so schneiden bzw. "formen", dass der Bonsai auch ohne Draht in der Schale stabil steht, ohne dass die feinen Haarwurzeln beschädigt werden (auch bei Wind).
3. Was die Frostsicherheit angeht, ist mir klar, dass es eigentlich nur um die "Masse" der Erde, sprich Isoliermaterial geht. Viele meiner Noch-nicht-Bonsais stehen in Bonsai-unüblich großen Gefäßen (bzw. in den Schalen im Rindenmulch), daher sollten sie auch die niedrigen Temperaturen aushalten. Manche, wie Hainbuchen, Ahorne, Felsenbirnen, Traubenkirschen etc. setze ich bewusst den Minusgraden aus, mit oder ohne viel Erde. Ich bin zwar nur Geologe, habe aber, wie gesagt, von Botanik recht viel Ahnung und glaube, dass es so funktionieren wird.
Trotzdem vielen Dank für die Tipps und die Belehrungen
Wolfgang
P.S.
Ich melde mich wegen versteinertem Holz
Benutzeravatar
Sebastian
Beiträge: 809
Registriert: 10.01.2004, 19:15
Wohnort: in einer Herrenboutique in Wuppertal

Beitrag von Sebastian »

Hallo,

wenn ich das als Anfänger aus meiner Sicht ergänzen darf: Gerade beim anwachsen eines frisch umgetopften Bonsais halte ich das festzurren (wie wir Segler auch gerne sagen 8) ) für sehr wichtig. Später eigentlich nicht mehr so doll, da ich meine "Jungs" ungerne am Stamm festhalte. Den Hund hebe ich ja auch nicht am Nackenfell hoch. :wink:
Aber man kann dann den Draht dann zu Ösen formen und hat dann ein Fixpunkt für Spanndrähte.

MfG,
Sebastian.
Grüße,
Sebastian
Bild
„...da hab ich was in der Hand... und ich habe als Frau das Gefühl, daß ich auf eigenen Füßen stehe... da hab ich was Eigenes... da hab ich mein Jodeldiplom!”
Gast

Beitrag von Gast »

Hallo Sebastian,
ich wollte jetzt wirklich keine Grundsatzdiskussion lostreten.
Ich habe (bei sehr starken Winden) letztes Jahr ca. 30 (Prae-)bonsais ohne Probleme in ihren Schalen behalten (ohne Verdrahtungen). Auch die Wurzeln haben nicht gelitten. Aber ich glaube, jeder soll das halten, wie er/sie es für das Beste hält. Man kann wahrscheinlich auch die individuellen Verhältnisse (Standort, Wetter, Wind) nicht vergleichen.
Habe mich über die Anregungen sehr gefreut
Wolfgang
Benutzeravatar
Sebastian
Beiträge: 809
Registriert: 10.01.2004, 19:15
Wohnort: in einer Herrenboutique in Wuppertal

Beitrag von Sebastian »

ich wollte jetzt wirklich keine Grundsatzdiskussion lostreten.
Ich doch auch nicht! :lol:
Ich bin manchmal eher ein tolpatschiger Zeitgenosse. Daher ist die Verankerung der umgetopften Plantzen mehr Schutz vor mir als vor Wind. :D

Bonsai besteht durch Vielfahlt. Darunter fällt wohl auch das Heranzüchten an sich... Daher finde ich es gerade interessant zu lesen, was andere anderes machen als ich. Und auch gut zu wissen, dass es auch ohne Verankerung geht...
Noch einen schönen Abend.

MfG,
Sebastian.
Grüße,
Sebastian
Bild
„...da hab ich was in der Hand... und ich habe als Frau das Gefühl, daß ich auf eigenen Füßen stehe... da hab ich was Eigenes... da hab ich mein Jodeldiplom!”
Gast

Beitrag von Gast »

Hallo,
ich bin zwar auch ein Neuling aber ich benutze Stahldraht in ausreichender Dicke also ab 1mm. Je älter der Baum ist um so Dicker. Stahldraht hat in meinen Augen den Vorteil er Verrostet bis sich ausreichend Wurzeln gebildet haben, und so behindert er die Wurzeln auch nicht.

MfG
Matthias :)
Benutzeravatar
uschi
Beiträge: 197
Registriert: 09.01.2004, 06:57
Wohnort: Am Kögel 29 Leibnitz Steiermark Österreich

Beitrag von uschi »

Hi Leute!

Auf Dauer ist Fixieren in der Schale- für alle -das Beste!

Wolfgang-wenn deine Bäume reden könnten würden sie es dir sagen! :lol:

Das handling der schwereren Bäume wird bedeutend einfacher-frau kann sie einfach besser bewegen!

.............und alle guten Gründe die schon angeführt wurden!

L.G.Uschi
Südsteiermark-der Sonne am nächsten!!!
Benutzeravatar
Dagmar
Beiträge: 84
Registriert: 24.02.2004, 19:36
Wohnort: Rodder

Befestigungsdrähte

Beitrag von Dagmar »

Hallo Leute,
alle frisch umgetopften Bäume befestige ich in oder über der Schale, je nachdem mit Draht oder Kunstbast, hauptsache fest. :!:
Ich habe eine 90 Jahre alte Picea abies, durch einen starken Wind verloren, weil sie nicht in der Schale befestigt war. Deshalb weiß ich auch wie alt der Baum war, weil ich anschließend den Stamm durchgeschnitten, poliert und die Jahresringe gezählt habe. :shock: :oops:
Wenn der Baum egal welche Sorte wieder richtig durchgewurzelt ist braucht er keine Befestigung mehr und kann sich selbst in der Schale halten. :wink:
Durch den Draht kann eventuell eine Wurzel beschädigt werden, ist aber zu verschmerzen, wenn genug andere Wurzeln dafür ungestört wachsen können. :)
Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, meiner Fichte hilft das nicht mehr, aber allen anderen Bäumen die ich noch habe. :lol:

Dagmar
Antworten