Hallo liebe Leute,
jetzt ist es soweit, gerne möchte ich Euch an der Entwicklung meiner Rotbuche teilhaben lassen.
Vor dem Austrieb habe ich die Zange angesetzt und alles rausgenommen was m.E. für die weitere Entwicklung nicht zu gebrauchen war. Außerdem habe ich ihm eine recht große Anzuchtschale spendiert. Substrat beinhaltet nun Akadama, Bims, Lavagranulat und einen kleinen Anteil Humus. Anfang Mai hat der Baum dann massiv ausgetrieben, welches ich als Zeichen der Stärke und Gesundheit des Baumes wertete. Nach dem Austrieb zeigten sich dann, wie bereits von Heinrich angekündigt, relativ zügig Schmierläuse. Diese habe ich erst mit einer Spritzung auf Ölbasis erfolgreich bekämpft. Vor etwa 3 Wochen ging es dann wieder los

... Nach Recherche im Internet, habe ich dann einen Teilblattschnitt durchgeführt um Licht und Luft an den Baum zu lassen und zusätzlich gespritzt. Nun bin ich die Biester wieder los und hoffe es bleibt diesmal auch so. Hoffentlich habe ich mit dem Teilblattschnitt keinen Fehler gemacht...
Rückschnitt der Triebe habe ich auch schon durchgeführt, wobei ich mir bezüglich des optimalen Zeitpunktes noch immer nicht ganz sicher bin (später mehr in meinen Fragen an Euch).
Nun geht es an die gestalterischen Ideen und an deren Umsetzung:
Im "Auslieferungszustand" hat mir nach längerer Betrachtung (Nebari mal ausgenommen) eigentlich überhaupt nichts mehr gefallen

. Der gesamte Baum war/ist extrem heterogen und unausgewogen. Als ersten Schritt wollte ich die Verteilung der Äste verändern und dem Baum dadurch ein stimmigeres Stamm/Kronen Verhältnis geben. Durch Abspannen der Äste hat sich m.E. eine kleine Verbesserung eingestellt, jedoch wurden hierdurch weitere disharmonien sichtbar.
Ein erster Punkt den ich gerne angehen würde, ist einen neuen Ast auf der linken Seite des Baumes aufzubauen (Bohrpropfung – Bild 1). Hierdurch verspreche ich mir mehr Harmonie im Krone/Stamm Verhältnis. Außerdem könnte ich so den Baum vermutlich in seiner jetzigen Größe beibehalten - sprich - er müsste nicht größer werden um das "korrekte" Verhältnis herzustellen.
Ein ebenfalls wesentliches „Problem“ ist die asymetrische Krone (Bild 2). Hier entspringen zwei Kronenäste, welche V förmig angeordnet sind und relativ stark nach hinten kippen. Es würde dem Baum sicher gut tun, wenn hier auf der Ansichtsseite ein dritter Kronenast aufgebaut werden könnte. Nun stelle ich mir die Frage, wie dies am schlauesten umzusetzen ist. Wie auf Bild 3 zu erkennen ist, macht der Baum auf der rechten Seite den ersten Astansatz ebenfalls zu einer Art Alibi Krone. Der Vorbesitzer wollte wohl so die Unausgewogenheit der Krone kaschieren. Das ist m.E. voll daneben und stört mich wirklich massiv. Konsequent wäre nun alles bis zur unteren Verzweigung wegzunehmen (Bild 3)!?! Die entstehende Lücke müsste natürlich mühsam aufgebaut werden. Ein potenzieller Ast wäre hierfür vorhanden.
Jetzt komme ich zu einer ganz wesentlichen Frage. Kann ich theoretisch den abgeschnittenen Teil, wie auf Bild 3 angedeutet, als Teil der neuen Krone anpropfen (Taschenpropfung) oder ist dies zum Scheitern verurteilt? Durchmesser des Astes ist etwa 1,5cm. Elegant wäre es irgedwie schon, da der Bereich den selbigen Habitus aufweist, wie die beiden vorhanden V-Förmigen Kronenäste... Wenn dies grundsätzlich in Frage käme, zu welcher Jahreszeit würdet Ihr dieses Vorhaben umsetzen? Soviel zu meinen Träumereien.
Bild 5 zeigt nun wo ich in etwa 10 Jahren landen möchte

. Was haltet Ihr davon?
Mir ist klar, dass ich mich hier im stark manipulativen Bereich bewege, aber was bleibt mir schon übrig mit diesem Baum!?
Abschließend hoffe ich noch auf die Beantwortung einiger grundsätzlicher Fragen:
- Wann macht Ihr den ersten Triebschnitt bei Rotbuchen?
- Wie geht Ihr mit dem Johannistrieb um? Stehen lassen zum Dickenwachstum der Äste? Nach sichtbar werden der Triebe sofort zurücknehmen?
- Wann schneidet Ihr stärkere Äste? Nur vor Austrieb? Ich meine mich zu erinnern, dass ich in einem Thread von Jürg einmal gelesen habe, dass er „alles immer schneidet“. Habe ich das geträumt?
- Wie steht Ihr zum Thema Bohrpfopfen mit Fremdpflanzen?
Ich danke Euch ganz herzlich im Voraus und hoffe, dass Ihr alle gesund seid.
Liebe Grüße,
Chris