Hilfe Fagus sylvatica

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hwolf
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Re: Hilfe Fagus sylvatica

Beitrag von hwolf »

Sofern die jetzt oberflächlich sichtbaren Wurzeln, die ja mal das Nebari werden sollen, alle intakt und gesund sind, kann man bei diesem Baum nach einem Jahr gesunden Wachstums völlig gefahrlos unterhalb dieses Wurzelkranzes komplett kappen. Ich würde erstmal einen guten oder zwei Zentimeter Stamm unter dem Nebarikranz stehen lassen, damit der Baum das noch abschotten kann. Dann kann es aber richtig losgehen mit der Wurzelarbeit. Im Jahr drauf die großen Wurzeln auf Verzweigung zurücknehmen, alles schön mit Substrat bedeckt halten und in wenigen Jahren sieht der Baum unten schon einmal super aus. Die Radiale Wurzelbasis hilft ja auch der gezielten Verdickung des unteren Stammbereichs, was zu einer angenehmen Verjüngung führt. Das ist meiner Meinung nach die kleinste Baustelle und würde mir keine Sorgen bereiten, zumal Rotbuchen an den Wurzeln absurd viel verkraften, wenn sie zuvor gesund wachsen durften.

Zum Sommerfest bilden sich übrigens regelmäßig auch Fahrgemeinschaften von Leuten hier aus dem Forum. Du wärst bestimmt nicht der einzige Münchner ;)

Lieben Gruß
Heinrich
Chris089
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Re: Hilfe Fagus sylvatica

Beitrag von Chris089 »

Hallo liebe Leute,

jetzt ist es soweit, gerne möchte ich Euch an der Entwicklung meiner Rotbuche teilhaben lassen.

Vor dem Austrieb habe ich die Zange angesetzt und alles rausgenommen was m.E. für die weitere Entwicklung nicht zu gebrauchen war. Außerdem habe ich ihm eine recht große Anzuchtschale spendiert. Substrat beinhaltet nun Akadama, Bims, Lavagranulat und einen kleinen Anteil Humus. Anfang Mai hat der Baum dann massiv ausgetrieben, welches ich als Zeichen der Stärke und Gesundheit des Baumes wertete. Nach dem Austrieb zeigten sich dann, wie bereits von Heinrich angekündigt, relativ zügig Schmierläuse. Diese habe ich erst mit einer Spritzung auf Ölbasis erfolgreich bekämpft. Vor etwa 3 Wochen ging es dann wieder los :roll: ... Nach Recherche im Internet, habe ich dann einen Teilblattschnitt durchgeführt um Licht und Luft an den Baum zu lassen und zusätzlich gespritzt. Nun bin ich die Biester wieder los und hoffe es bleibt diesmal auch so. Hoffentlich habe ich mit dem Teilblattschnitt keinen Fehler gemacht...

Rückschnitt der Triebe habe ich auch schon durchgeführt, wobei ich mir bezüglich des optimalen Zeitpunktes noch immer nicht ganz sicher bin (später mehr in meinen Fragen an Euch).

Nun geht es an die gestalterischen Ideen und an deren Umsetzung:
Im "Auslieferungszustand" hat mir nach längerer Betrachtung (Nebari mal ausgenommen) eigentlich überhaupt nichts mehr gefallen :? . Der gesamte Baum war/ist extrem heterogen und unausgewogen. Als ersten Schritt wollte ich die Verteilung der Äste verändern und dem Baum dadurch ein stimmigeres Stamm/Kronen Verhältnis geben. Durch Abspannen der Äste hat sich m.E. eine kleine Verbesserung eingestellt, jedoch wurden hierdurch weitere disharmonien sichtbar.

Ein erster Punkt den ich gerne angehen würde, ist einen neuen Ast auf der linken Seite des Baumes aufzubauen (Bohrpropfung – Bild 1). Hierdurch verspreche ich mir mehr Harmonie im Krone/Stamm Verhältnis. Außerdem könnte ich so den Baum vermutlich in seiner jetzigen Größe beibehalten - sprich - er müsste nicht größer werden um das "korrekte" Verhältnis herzustellen.

Ein ebenfalls wesentliches „Problem“ ist die asymetrische Krone (Bild 2). Hier entspringen zwei Kronenäste, welche V förmig angeordnet sind und relativ stark nach hinten kippen. Es würde dem Baum sicher gut tun, wenn hier auf der Ansichtsseite ein dritter Kronenast aufgebaut werden könnte. Nun stelle ich mir die Frage, wie dies am schlauesten umzusetzen ist. Wie auf Bild 3 zu erkennen ist, macht der Baum auf der rechten Seite den ersten Astansatz ebenfalls zu einer Art Alibi Krone. Der Vorbesitzer wollte wohl so die Unausgewogenheit der Krone kaschieren. Das ist m.E. voll daneben und stört mich wirklich massiv. Konsequent wäre nun alles bis zur unteren Verzweigung wegzunehmen (Bild 3)!?! Die entstehende Lücke müsste natürlich mühsam aufgebaut werden. Ein potenzieller Ast wäre hierfür vorhanden.

Jetzt komme ich zu einer ganz wesentlichen Frage. Kann ich theoretisch den abgeschnittenen Teil, wie auf Bild 3 angedeutet, als Teil der neuen Krone anpropfen (Taschenpropfung) oder ist dies zum Scheitern verurteilt? Durchmesser des Astes ist etwa 1,5cm. Elegant wäre es irgedwie schon, da der Bereich den selbigen Habitus aufweist, wie die beiden vorhanden V-Förmigen Kronenäste... Wenn dies grundsätzlich in Frage käme, zu welcher Jahreszeit würdet Ihr dieses Vorhaben umsetzen? Soviel zu meinen Träumereien.

Bild 5 zeigt nun wo ich in etwa 10 Jahren landen möchte :). Was haltet Ihr davon?

Mir ist klar, dass ich mich hier im stark manipulativen Bereich bewege, aber was bleibt mir schon übrig mit diesem Baum!?

Abschließend hoffe ich noch auf die Beantwortung einiger grundsätzlicher Fragen:

- Wann macht Ihr den ersten Triebschnitt bei Rotbuchen?
- Wie geht Ihr mit dem Johannistrieb um? Stehen lassen zum Dickenwachstum der Äste? Nach sichtbar werden der Triebe sofort zurücknehmen?
- Wann schneidet Ihr stärkere Äste? Nur vor Austrieb? Ich meine mich zu erinnern, dass ich in einem Thread von Jürg einmal gelesen habe, dass er „alles immer schneidet“. Habe ich das geträumt?
- Wie steht Ihr zum Thema Bohrpfopfen mit Fremdpflanzen?

Ich danke Euch ganz herzlich im Voraus und hoffe, dass Ihr alle gesund seid.

Liebe Grüße,

Chris
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mydear
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Re: Hilfe Fagus sylvatica

Beitrag von mydear »

Chris089 hat geschrieben: 08.07.2020, 12:09 Jetzt komme ich zu einer ganz wesentlichen Frage. Kann ich theoretisch den abgeschnittenen Teil, wie auf Bild 3 angedeutet, als Teil der neuen Krone anpropfen (Taschenpropfung) oder ist dies zum Scheitern verurteilt? Durchmesser des Astes ist etwa 1,5cm. Elegant wäre es irgedwie schon, da der Bereich den selbigen Habitus aufweist, wie die beiden vorhanden V-Förmigen Kronenäste... Soviel zu meinen Träumereien.
Hallo Chris,

das funktioniert auf keinen Fall. Pfropfreiser sind immer sehr klein, weil Nur extrem wenig Wasserversorgung möglich ist.
An einer seitlichen Anplattung eines Astes oder Bohrablikation eines nicht bzw. kaum verzweigten Triebes kommst du nicht vorbei. Bis der Trieb angewachsen ist vergehen in der Regel 2 Jahre. Doch wirklich belastbar oder zu Drahten ist der Trieb erst viel später, etwa nach 4 Jahren.

Grüße
Rainer
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Chris089
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Re: Hilfe Fagus sylvatica

Beitrag von Chris089 »

Hallo Rainer,

das habe ich natürlich schon geahnt. Vielen Dank für die Einschätzung!

LG Chris
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Tofufee
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Re: Hilfe Fagus sylvatica

Beitrag von Tofufee »

Hallo Chris,

ich habe mir jetzt den ganzen Thread noch mal durchgelesen. Du hast um Rat gebeten und einigen sehr kompetenten Rat erhalten. In der Umsetzung hast du aber einiges dann doch anders gemacht: das Nebari liegt nicht unterm Substrat, das Pflanzgefäß ist nicht weit und flach sondern eng (enger als die Krone) und tief, du hast auf Kontour geschnitten anstatt brauchbare Zweige für deine geplante Bohrlaktation zu erhalten, zu fördern und schon mal leicht Richtung Bohrloch zu bewegen.

Es ist nur zu verständlich, dass du den Baum gleich "gut aussehen" lassen möchtest, gerade, wenn du vielleicht nur wenige oder gar nur diesen einen hast. Aber Geduld ist gefordert, rechne in Jahren (nicht in Wochen: wann schneiden? etc.)! Über einen langen Zeitraum kannst du dann mit und an diesem Baum lernen, wie "Buche geht". Jede Maßnahme führt zu Reaktionen des Baums, die du anfangs noch gar nicht voraussehen kannst. Deshalb bekamst du ja auch den Tip, dich erst mal mit der Pflege und dieser Spezies vertraut zu machen (wieder etwas, was nicht in Wochen sondern Jahren zählt! Was aber nicht heißt, dass du jahrelang gar nichts am Baum machen sollst). Wenn die Pflege gut ist, bietet der Baum immer wieder neue Möglichkeiten an, mit denen du dann weiter arbeiten kannst. Dein verständlicher Wunsch, hier jetzt einen Zukunftsplan für deinen Baum zu bekommen, funktioniert auch deshalb nicht, denn welche Entwicklungsoptionen du aus dem Baum durch optimierte Pflege herausholen kannst - oder auch nicht - kann niemand voraussehen.

Mein Rat wäre, den gesamten Thread noch mal genau zu studieren um den Sinn der vorgeschlagenen Maßnahmen zu verinnerlichen. Dann fällt es dir vielleicht leichter, aus den vielen Tipps diejenigen Maßnahmen herauszufiltern, die jetzt angesagt sind und die andere für später im Hinterkopf (oder auch aufgeschrienen) zu behalten.

Und sehr lehrreich wie auch genussvoll finde ich es immer wieder, reife Bäume, die hier über einen langen Zeitraum in ihrer Entwicklung gezeiget wurden, genauestens zu studieren. Fotos solcher Vorbild-Baume lade ich mir immer gleich herunter, um sie dann maximal vergrößern und nebeneinander vergleichen zu können: welcher Ast wurde geschnitten, wo, welcher belassen? Mit welchen Schnitten wurde der obere Kronenbereich immer wieder reduziert, damit dort nichts zu dick wird? Und wenn doch, wie wurde korrigiert? Wurzelbearbeitungen bei Buchen zeigen Herbert Aigner und Jürg Stäheli ausführlich und wiederholt in Bildern --> genau studieren! ... usw...

Die Grundform deiner Buche erinnert an eine meiner Buchen, die ich hier dokumentiert habe. Auch ich habe mit und an dieser Buche und mit Tipps interessierter Forenmitglieder gelernt.

Ich wünsche dir viel Freude an deinem Baum und freue mich auf den weiteren Werdegang!
Grüße
Monika
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espanna
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Re: Hilfe Fagus sylvatica

Beitrag von espanna »

Hallo @ all,

Was haltet ihr von dieses Jahr kräftig wachsen lassen und im nächsten Jahr auf 15 - 20 cm zurückschneiden?
Wäre das auf lange Sicht gesehen nicht die kürzere / bessere Option?
Pro: WENN der Baum austreibt kann man ihn so aufbauen wie man möchte. Das Nebari bleibt erhalten.
Contra: WENN

Plan 2: Auf Knospen aus dem Stamm hoffen, was auch mehr als wahrscheinlich ist. Denn Bohrablaktionen nach unten sind mMn. schwierig, auch wenn die Triebspitze nach oben gedrahtet wird = > der Trieb kommt von Oben und muss durchtreiben, dadurch verdickt der Ast UND der Stamm oben. Die Verjüngung ist schon jetzt nicht gut.
Pro: Die Krone / Äste können immer wieder abgesetzt werden, wenn neue, innere Triebe gebildet werden. Die Buche bleibt sicher am leben.
Contra: Da braucht man viel Glück dass die Knospen genau da kommen wo man möchte.

Plan 3: Alle Äste die noch beweglich sind, am Ansatz stark nach oben drahten, die dicken alle weg und eine schlanke (Kerzen-) Krone formen.
Pro: der Baum überlebt und hat einen Wiedererkennungseffekt.
Contra: die Buche müsste noch etwas höher werden. Keine Ahnung wie das als alleinstehender Baum ausschaut?

Plan 4:Unter der Gabelung abmoosen.
Pro: Hast nachher 2 Bäume. Ein Mehfachstamm und einen mit `nem tollen Nebari (WENN der auch durchkommt).
Contra: WENN die Abmoosung klappt und WENN.2

Wie du siehst Chris, gibt es immer sehr viele Möglichkeiten. Egal wie du dich entscheidest, 2020 musst du nicht mehr soo viel Machen 😉

Bin gespannt wie es weitergeht, bitte regelmäßig updaten!
Gruß
László

"Wer arbeitet, macht Fehler."
Alfred Krupp
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Re: Hilfe Fagus sylvatica

Beitrag von Harrybo »

Hallo Chris,

ich habe vor etwa 5 Jahren, an meiner Blutbuche, eine Bohrpropfung im unteren Stammbereich
durchgeführt und würde es bei Bedarf immer wieder tun.
Wenn ich nicht genau wüsste, wo ich den Zweig angesetzt habe, würde ich den Ast heute kaum noch unterscheiden
können.
Den Baum habe ich in der ersten Maiwoche, mit Wurzelschnitt und Astselektion, aus einem Bottich in eine
Holzkiste umgepflanzt.
Der hiernach üppige Austrieb, erlaubte es mir bereits Mitte Juni, einen vollständigen Blattschnitt durchzuführen.
Das hatte wiederum eine starke Rückknospung zur Folge!

Es grüßt
Harrybo
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heutiger Stand 8.7.20
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Bohrpropfung nach 5 Jahren
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mydear
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Re: Hilfe Fagus sylvatica

Beitrag von mydear »

Harrybo hat geschrieben: 08.07.2020, 21:58 Wenn ich nicht genau wüsste, wo ich den Zweig angesetzt habe, würde ich den Ast heute kaum noch unterscheiden
können.
Gratuliere Harrybo,

die Stelle ist ja perfekt verwachsen. Das ist schon ein besonders positives Beispiel.
Ich habe nicht oft so schönes Einwachsen erreicht. Selbst bei identischen Sorten von Feldulme, Zelkove oder Fächerahorn gab es mal positive und auch mal negative Beispiele. Öfter ist alles perfekt eingewachsen, teilweise hat es starken Kallus gebildet, gelegentlich ist es kaum verwachsen und kümmerte vor sich hin, manchmal stirbt auch der ganze Trieb ab. Nicht zu vergessen die eigenen Pannen: Trieb versehentlich abgebrochen, eingeschnitten, verletzt oder zu früh abgetrennt. Alles in allem habe ich etwa 40 % zufrieden stellende Resultate, am besten beim Fächerahorn.

Nicht zu vergessen die lange Zeitplanung: einige Monate Wachstum bis ein passender Trieb geeignet ist. Dazu ein bis zwei Jahre Zeit bis der Trieb angewachsen ist. Dann noch gut 2 Jahre warten bis er richtig fest eingewachsen ist und auch gedrahtet werden kann.

Das alles war mir früher nicht so klar. Jeder der Ablaktionen plant sollte sich darüber im Klaren sein.

Grüße
Rainer
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Harrybo
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Re: Hilfe Fagus sylvatica

Beitrag von Harrybo »

Rainer,
tatsächlich klappt das auch bei mir nicht immer so perfekt, ich denke es hängt viel
davon ab, wie lang man wachsen lässt und wann man den ersten Rückschnitt macht!

Gruß
Harrybo
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