Ich bin ja durchaus dafür, etwa Horst Stahls Standardwerk gelegentlich als antiquarisch abzulegen – aber bitteschön: Standortbedingungen simulieren? Das erinnert mich etwas arg an Filme über den Mars oder so. Gewohnte Erfolge aufrechterhalten? Sind wir da irgendwie in einem Wettbewerb? Worum ging es denn im Ursprung? Ich meine, es ging darum, sich (so ganz für sich) ein paar ästhetisch herausragende Pflanzen zu halten und sich darüber zu freuen. Der Rest ist Medaillen-Kacke, sage ich mal frech.BenBonsai hat geschrieben: 13.08.2023, 20:08 Wenn wir das so festhalten, bedeutet es am Ende, dass wir die Standortbedingungen, wie wir sie von früher kennen, so gut es eben geht simulieren müssen, um die gewohnten Erfolge aufrechtzuerhalten. Und ggf. die Wege verlassen, die bislang funktioniert haben.
Weshalb es m.E. nur (und wirklich nur!) darum geht, immerzu den Weg, eventuell auch neue Wege zu gehen, dazuzulernen – vielleicht sogar überhaupt erstmal grundlegendes zu lernen. Die Bonsaiszene, wie ich sie kenne, hat sich bis anhin extrem introvertiert verhalten, sich wenig um Forschung und Wissenschaft gekümmert. Man blieb unter sich und spielte Flötenmusik auf ewiggleichen Ausstellungen. Man begnügte sich – möglicherweise mangels Kompetenz – mit einer Handvoll empirischer Weisheiten, die nun heute offenbar an ihre Grenzen kommen.
Ja, vielleicht wird Bonsai zur «Kunst». Vielleicht gelingt es morgen oder übermorgen nur noch denen, die eine profunde Ahnung haben, was ein Baum eigentlich ist, auch einen zu halten.
