
Lasst mir die Beamten in Ruhe!
Die brauchen ihren Schlaf.
Ich möchte noch kurz auf eine Frage von Frank eingehen und ein paar erläuternde Worte zum Ausstellungswesen in Japan schreiben.
Klar ist gerade Japan eine Kultur die stärker noch als unsere von Traditionen und Hierarchie geprägt ist. Doch zu eurer allen Beruhigung kann ich mitteilen, dass auch hier allmählich nur das Geld regiert und die
"alten Werte" immer mehr zur Bedeutungslosigkeit verkommen.
Nur mal zur Klarstellung: Traditionen und Hierarchien müssen nicht schlechtes sein!
Wie bei fast allem im Leben kommt es sehr stark auf das Wie an.
Die erwähnte
Sakufu-ten, veranstaltet durch die Nippon Bonsai Grower Association, findet alljährlich im Januar in Tokyo statt. Es ist die einzigste Ausstellung bei der professionelle Bonsaigestalter ihre Werke unter ihrem eigenen Namen ausstellen können. Der verstorbene Hideo Kato organisierte 1975 die erste
Sakufu-ten im Daimuru Kaufhaus, wo sie noch heute stattfindet.
Die wesentlich bekanntere und größere
Kokufu-ten, veranstaltet durch die Nippon Bonsai Association, gibt es alljährlich im Februar. Sie ist die älteste, öffentliche Bonsai-Ausstellung Japans und die renommierteste Ausstellung weltweit. Seit 1934 findet sie im Metropolitan Art Museum in Ueno Park, Tokyo statt. Bei dieser, wie bei allen anderen Bonsai-Ausstellungen Japans, werden die Exponate unter dem Namen ihres Besitzers präsentiert. Und Besitzer kann eben jeder sein, auch die absoluten Laien, vornehmlich wenn sie über das notwendige Kleingeld verfügen.
Doch glaubt nur nicht das dies auch zum Ausstellen reicht. Hierfür bedarf es eben der oft ebenso massiven wie teuren Hilfe der Profis. Diese pflegen und überarbeiten die Möchtegern-Ausstellungsbäume im Vorfeld oft über Jahre zum Zwecke der Erreichung einer Zulassung zur
Kokufu-ten. Denn wenn auch jährlich gut 200 Exemplare gezeigt werden, so bewerben sich doch gut doppelt so viele um einen der begehrten Ausstellungsplätze.
Es ist also die tatkräftige Mithilfe von Profis von Nöten, ohne das diese wirklich
"ihre Arbeit" präsentieren können. Bei der letzten
Kokufu-ten die ich besuchte hatten allein die beiden namhaften Bonsai-Künstler
Kimura und
Kobayashi ca. 60% aller ausgestellten Exponate vorher auf diesen großen Moment hingetrimmt.
Wenn man diese Umstände kennt, dann begreift man auch warum gerade eine Ausstellung wie die
Sakufu-ten so enorm wichtig ist. Nur hier können die Profis ihre
"eigene Arbeit" präsentieren, die keinem Kundenwunsch folgen musste. Dies ermöglicht auch einmal völlig neue Wege zu beschreiten, Traditionen zu hinterfragen oder gar zu brechen. (Obwohl dies zugegen natürlich immer noch sehr schwer ist in Japan.)
PS: Man muss das ganze auch ein wenig so sehen wie bei uns die Werbungsbeschränkungen für Selbstständige.